---
Title: III. Weltkongreß der Kommunistischen Internationale (1921)
Description: Thesen, Resolutionen und Aufrufe des III. Weltkongresses der Kommunistischen Internationale, Moskau, 22. Juni bis 12. Juli 1921
Author: III. Weltkongreß der Kommunistischen Internationale
Date: 1921-07
URL: https://marxismo.school/archivo/congresos/originales/1921%20III.%20Weltkongre%C3%9F%20der%20Kommunistischen%20Internationale
---


*Moskau, 22. Juni bis 12. Juli 1921. Text nach: Thesen und Resolutionen des III. Weltkongresses der Kommunistischen Internationale, Hamburg, Verlag der Kommunistischen Internationale (Carl Hoym Nachf. Louis Cahnbley), 1921 ([Scan bei archive.org](https://archive.org/details/thesen-u-reso-iii-weltkongress)). [Traducción al español](https://marxismo.school/archivo/congresos/1921%20III%20Congreso%20de%20la%20Internacional%20Comunista)*

## Resolution zum Bericht des Exekutivkomitees der Kommunistischen Internationale

*Angenommen in der 9. Sitzung des III. Weltkongresses vom 29. Juni 1921.*

Der Kongreß nimmt mit Befriedigung den Bericht der Exekutive zur Kenntnis und stellt fest, daß die Politik und die Tätigkeit der Exekutive in dem verflossenen Jahre auf die Durchführung der Beschlüsse des II. Kongresses gerichtet waren. Der Kongreß billigt insbesondere die Anwendung der vom II. Kongreß aufgestellten 21 Bedingungen durch die Exekutive in den verschiedenen Ländern und billigt auch die Tätigkeit der Exekutive, die auf die Bildung von großen kommunistischen Massenparteien und auf die rücksichtslose Bekämpfung der opportunistischen Tendenzen, die sich in diesen Parteien zeigten, gerichtet war.

1. In *Italien* zeigte schon die Haltung der Führergruppe Serrati unmittelbar nach dem II. Weltkongreß, daß es ihr mit den Beschlüssen des Weltkongresses und mit der Kommunistischen Internationale nicht ernst war. Vor allem aber hat die Rolle dieser Führergruppe in den Septemberkämpfen, ihre Haltung in Livorno und mehr noch ihre Politik seit jener Zeit klar bewiesen, daß sie den Kommunismus nur als Aushängeschild ihrer opportunistischen Politik benutzen will. Unter diesen Umständen war die Spaltung unvermeidlich. Der Kongreß begrüßt es, daß die Exekutive in diesem Falle, der von grundsätzlicher Bedeutung ist, mit Festigkeit und Entschiedenheit eingegriffen hat. Er billigt den Beschluß des E. K., der damals sofort die Kommunistische Partei Italiens als die einzige kommunistische Sektion dieses Landes anerkannte,

Nachdem die Kommunisten den Kongreß von Livorno verlassen haben, hat der Kongreß folgende Resolution Bentivoglio angenommen: „Indem er seinen Anschluß an die III. Internationale abermals vollinhaltlich bestätigt, übergibt er den Konflikt der Behandlung durch den bevorstehenden Kongreß derselben, wobei er sich schon jetzt verpflichtet, die Entscheidung des Kongresses anzunehmen und durchzuführen“.

Der III. Kongreß der Kommunistischen Internationale ist überzeugt, daß dieser Beschluß der Führergruppe Serrati durch den Druck der revolutionären Arbeiter aufgezwungen ist. Der Kongreß erwartet, daß diese revolutionären Elemente der Arbeiterschaft nach den Beschlüssen des III. Weltkongresses alles aufbieten werden, um diese Beschlüsse tatsächlich durchzuführen.

Auf die Appellation des Kongresses von Livorno an den III. Weltkongreß, erklärt der III. Weltkongreß ultimativ:

Solange die S.P.I. die Teilnehmer der reformistischen Konferenz in Reggio Emilia und die sie Unterstützenden nicht ausgeschlossen hat, kann die S. P. I. der K.I. nicht angehören.

Wenn diese ultimative Vorbedingung erfüllt sein wird, so beauftragt der III. Weltkongreß die Exekutive, die notwendigen Schritte zu unternehmen zur Vereinigung der von reformistischen und zentristischen Elementen gereinigten S.P.I. mit der K.P.I. zu einer einheitlichen Sektion der Kommunistischen Internationale.

2. In *Deutschland* war der Parteitag der U.S.P.D. zu Halle die Folge der Beschlüsse des II. Weltkongresses, die ihrerseits das Fazit aus der Entwicklung der Arbeiterbewegung zogen. Die Haltung der Exekutive war auf die Bildung einer starken K.P. in Deutschland gerichtet. und die Erfahrung hat bewiesen, daß diese Politik richtig war.

Der Kongreß *billigt* auch vollkommen die Haltung der Exekutive in den weiteren Ereignissen innerhalb der V.K.P.D. Der Kongreß spricht die Erwartung aus, daß die Exekutive auch in Zukunft diese Grundsätze der internationalen revolutionären Disziplin streng anwenden wird.

3. *Die Aufnahme der K.A.P.D.* als sympathisierende Partei der K.I. hatte den Zweck, zu erproben, ob die K.A.P.D. sich zur K. I. hin entwickeln wird. Die bisherige Wartezeit ist genügend. Nun muß von der K.A.P.D. der befristete Anschluß an die V.K. P. D. verlangt werden, oder es ist ihr Ausschluß als sympathisierende Partei aus der K.I. zu vollziehen.

Der Kongreß begrüßt die Art, in der die Exekutive die 21 Bedingungen auf die *Französische Partei* angewendet hat, indem sie große Arbeitermassen, die sich auf dem Weg zum Kommunismus befinden, dem Einfluß der Longuetisten, Opportunisten und Zentristen entzogen und ihre Entwicklung beschleunigt hat. Der Kongreß erwartet von der Exekutive, daß sie auch in Zukunft die Entwicklung zu einer prinzipienklaren und schlagfertigen Partei tatkräftig fördern wird.

4. In der *Tschechoslowakei* hat die Exekutive mit Geduld und Rücksichtnahme auf alle Umstände die revolutionäre Entwicklung eines Proletariats verfolgt, das bereits Beweise seines Kampfeswillens und seiner Kampffähigkeit erbracht hat. Der Kongreß billigt die Resolution der Exekutive über die Aufnahme der K. P. Tsch.

Der Kongreß erwartet von der Exekutive, daß sie die restlose Durchführung der 21 Bedingungen auch in der K.P. Tsch. durchsetzen und darauf dringen wird, daß sobald wie möglich eine einheitliche kommunistische Partei der Arbeiter aller Nationen der Tschechoslowakei mit klarem kommunistischen Programm und mit fester kommunistischer Führung auf zentralistischer Grundlage gebildet und auch die rasche und systematische Eroberung und die internationale Vereinheitlichung der Gewerkschaften durchgeführt werde.

Was die Arbeit des *Nahen* und *Fernen Ostens* anbetrifft, so begrüßt der Kongreß die weitgehende Agitationstätigkeit derselben und betrachtet das Uebergehen zur Organisationsarbeit in diesen Ländern als unbedingt notwendig.

Schließlich weist der Kongreß die Einwände, die gegen eine straffe internationale Zentralisierung der kommunistischen Bewegung von offenen und verkappten Gegnern des Kommunismus erhoben werden, zurück. Er gibt vielmehr seiner Ueberzeugung Ausdruck, daß alle Parteien ihre besten Kräfte für die Exekutive entsenden werden und dadurch eine noch schlagfertigere politische zentrale Führung der in einem unzerreißbaren Bund zusammengeschlossenen kommunistischen Parteien erreichen werden. Der Mangel einer solchen hat sich, z. B. in der Arbeitslosenfrage und in der Reparationsfrage gezeigt, wo die Exekutive nicht rasch und genügend eingegriffen hat. Der Kongreß erwartet, daß die Exekutive unter verstärkter Mitwirkung der angeschlossenen Parteien zur Herstellung eines besseren Verbindungsapparats und durch verstärkte Mitwirkung der Parteien in der Exekutive ihre steigenden Aufgaben in noch größerem Maße als bisher zu erfüllen in der Lage sein wird.

## Thesen zur Weltlage und die Aufgaben der Kommunistischen Internationale

*Angenommen in der 16. Sitzung des III. Weltkongresses vom 4. Juli 1921.*

### I. Das Wesen der Frage.

1. Die revolutionäre Bewegung gegen Ende des imperialistischen Krieges und in der Nachkriegszeit zeichnet sich durch einen in der Geschichte noch nie dagewesenen Schwung aus. Im März 1917 erfolgt der Sturz des Zarismus. Seit dem Mai 1917 ist in England eine stürmische Streikbewegung zu verzeichnen. Im November 1917 erobert das russische Proletariat die Staatsmacht. Im November 1918 erfolgt der Zusammenbruch der deutschen und der österreichisch-ungarischen Monarchie. Die Streikbewegung erfaßt eine Reihe europäischer Länder und nimmt im darauffolgenden Jahre einen ganz besonders großen Umfang an. Im März 1919 entsteht die Sowjetrepublik in Ungarn. Am Ende des Jahres werden die Vereinigten Staaten von stürmischen Streiks der Metall- und Grubenarbeiter und Eisenbahner erschüttert. In Deutschland erreicht die Bewegung nach den Januar- und Märzkämpfen des Jahres 1919, in den Tagen des Kapp-Putsches, März 1920, ihren Höhepunkt. In Frankreich tritt der Moment der höchsten innerpolitischen Spannung im Mai des Jahres 1920 ein. In Italien führt die immer mächtiger werdende Bewegung des industriellen und ländlichen Proletariats im September 1920 zur Besitzergreifung der Fabriken, Werkstätten und Güter durch die Arbeiter. Das tschechische Proletariat greift im Dezember 1920 zur Waffe des politischen Massenstreiks. Im März 1921 erheben sich die Arbeiter in Mitteldeutschland und die Bergarbeiter Englands beginnen ihren Riesenstreik.

Besonders ausgedehnt und scharf zeigt sich die Bewegung in den kriegführenden Ländern, unter ihnen wiederum in den besiegten. Sie dehnt sich aber auch auf die neutralen Länder aus. In Asien und Afrika erweckt oder verstärkt sich die revolutionäre Empörung von Millionen der Kolonialvölker.

Diese mächtige Welle schwemmte aber weder den Weltkapitalismus, noch den europäischen Kapitalismus hinweg.

2. Während des Jahres zwischen dem II. und III. Kongreß der Kommunistischen Internationale endete eine Reihe der Aufstände und Kämpfe der Arbeiterklasse mit teilweisen Niederlagen. (Die Offensive der Roten Armee gegen Warschau im August 1920, die Bewegung des italienischen Proletariats im September 1920, der Aufstand der deutschen Arbeiter im März 1921.)

Die erste Periode der revolutionären Bewegung nach dem Kriege, die durch eine elementare Stoßkraft, durch eine Formlosigkeit der Methoden und Ziele und durch das Hervorrufen einer außerordentlichen Panik innerhalb der herrschenden Klassen charakterisiert war, erscheint als im wesentlichen abgeschlossen. Das Selbstvertrauen der Bourgeoisie als Klasse und die äußerliche Festigkeit ihrer staatlichen Organe erstarkte zweifellos. Der panische Schrecken vor dem Kommunismus ist, wenn auch nicht verschwunden, jedoch abgeschwächt. Die Führer der Bourgeoisie brüsten sich sogar mit der Macht ihres Staatsapparats und sind in allen Ländern zur Offensive gegen die Arbeitermassen übergegangen, sowohl an der wirtschaftlichen als auch an der politischen Front.

3. Infolgedessen stellt die Kommunistische Internationale sich und der ganzen Arbeiterklasse folgende Fragen: In welchem Ausmaße entspricht das neue politische Verhältnis der Bourgeoisie zum Proletariat dem tatsächlichen Kräfteverhältnis? Ist die Bourgeoisie wirklich nahe daran, das soziale Gleichgewicht wiederherzustellen, das durch den Krieg zerstört worden ist? Ist begründet anzunehmen, daß an Stelle politischer Erschütterungen und Klassenkämpfe eine neue, lang andauernde Epoche der Wiederherstellung und des Wachstums des Kapitalismus eintreten werde? Folgt daraus nicht die Notwendigkeit der Revision des Programms oder der Taktik der Kommunistischen Internationale?

### II. Der Krieg, der spekulative Aufschwung und die Krise. Die Länder Europas.

4. Die zwei Dezennien vor dem Kriege waren eine Epoche einer besonders mächtigen kapitalistischen Entwicklung. Die Perioden des Aufschwunges zeichneten sich durch lange Dauer und hohe Intensität, die Perioden der Depression durch ihre kurze Dauer aus. Im allgemeinen ging die Kurve entschieden nach oben: die kapitalistischen Nationen bereicherten sich.

Die Leiter des Schicksals der Welt, die den Weltmarkt durch die Trusts, Kartelle und Konzerne sehr genau beobachteten, gaben sich darüber Rechnung, daß die rasch anwachsende Produktion an die Grenzen der Aufnahmefähigkeit des kapitalistischen Weltmarktes stoßen müsse und versuchten daher, sich durch einen gewaltsamen Eingriff aus ihrer beengten Lage zu befreien. Die blutige Krise des Weltkrieges sollte an die Stelle der drohenden, langen Periode der ökonomischen Depression treten — mit demselben Resultat: massenhafte Vernichtung von Produktionskräften.

Der Krieg aber vereinigte die außerordentlich zerstörende Kraft seiner Methoden mit der unvorhergesehen langen Dauer ihrer Anwendung. Schließlich zerstörte er nicht nur die wirtschaftlich „überflüssigen“ Produktionskräfte, sondern schwächte, zerrüttete und untergrub auch den gesamten Produktionsapparat Europas. Gleichzeitig förderte er mächtig die kapitalistische Entwicklung in den Vereinigten Staaten und den fieberhaften Aufschwung Japans. Der Schwerpunkt der Weltwirtschaft verschob sich von Europa nach Amerika.

5. Die Periode des Abbruches der vier Jahre dauernden Metzelei, der Demobilisation und der Umstellung des Kriegs- auf den Friedenszustand mit der unausbleiblichen Krise als Resultat der durch den Krieg hervorgerufenen Erschöpfung und des Chaos erschien — mit vollem Rechte — als die gefährlichste Zeit für die Bourgeoisie. Tatsächlich waren die vom Krieg heimgesuchten Länder im Laufe der darauffolgenden zwei Jahre der Schauplatz mächtiger Bewegungen des Proletariats.

Eine der Hauptursachen, daß die Bourgeoisie nichtsdestoweniger ihre herrschende Stellung behauptete, war die Tatsache, daß wenige Monate nach dem Kriege nicht die unausbleiblich scheinende Krise, sondern wirtschaftlicher Aufschwung eintrat. Er währte ungefähr eineinhalb Jahre. Die Industrie verschlang die demobilisierten Arbeiter nahezu vollständig. Obwohl der Arbeitslohn den Aufstieg der Preise der Gebrauchsgegenstände im allgemeinen nicht einholen konnte, stieg er doch fortgesetzt und schuf so eine Fata Morgana wirtschaftlicher Errungenschaften.

Gerade die Hochkonjunktur in den Jahren 1919/20, die die akute Liquidierungsperiode der Nachkriegszeit milderte, förderte das Selbstvertrauen der Bourgeoisie außerordentlich und warf die Frage des Ausbruches einer neuen organischen Periode der kapitalistischen Entwicklung auf.

Indessen war aber der Aufschwung der Jahre 1919/20 seinem Wesen nach nicht der Beginn der Wiederherstellung der kapitalistischen Wirtschaft nach dem Kriege, sondern nur die Fortdauer der Scheinblüte der durch den Krieg geschaffenen Prosperität.

6. Der imperialistische Krieg brach in einer Periode aus, in der die Krise, die auch damals (1913) von Amerika ausging, Europa zu überziehen begann. Die normale Entwicklung des Industriezyklus wurde durch den Krieg unterbrochen, der selbst zu einem der mächtigsten wirtschaftlichen Faktoren wurde. Der Krieg schuf einen nahezu unbegrenzten Markt für die Hauptzweige der Industrie, die gegen jegliche Konkurrenz vollständig geschützt waren. Er war ein kräftiger Käufer, der niemals genug bekam. Die Produktion der Produktionsmittel wurde durch die Produktion von Vernichtungsmitteln ersetzt. Die Gegenstände des persönlichen Gebrauches wurden zu immer höheren Preisen durch Millionen von Menschen verbraucht, die nicht erzeugten, sondern zerstörten. Dieser Prozeß bedeutete den Ruin. Infolge der bis ins Ungeheure gesteigerten Gegensätze der kapitalistischen Gesellschaft nahm er aber das Aussehen und die Form der Bereicherung an. Der Staat emittierte eine Anleihe nach der anderen, überschwemmte den Markt mit Papiergeld und ging von der Rechnung nach Millionen in die nach Milliarden über. Maschinen und Bauten wurden abgenützt und nicht wieder erneuert. Der Boden wurde schlecht bestellt. Wichtige Bauarbeiten in den Städten und an den Verkehrswegen wurden eingestellt. Gleichzeitig stieg die Summe der Staatspapiere, der Banknoten, Schatzscheine und Fonds unaufhörlich. Das fiktive Kapital wuchs in dem Ausmaße, in dem das Produktionskapital zerstört wurde. Aus einem Mittel des Warenumsatzes wurde das Kreditsystem zu einem Mittel der Mobilisierung des Nationalvermögens für Kriegszwecke; auch die künftigen Geschlechter wurden belastet.

Aus Furcht vor der katastrophalen Gefahr der Krise verfuhr der kapitalistische Staat nach dem Kriege genau so, wie während desselben: neue Emissionen, neue Anleihen, Regulierung der wichtigsten Preise, Garantie des Gewinnes, Brotzuschlag und andere Arten staatlicher Subsidien zum Gehalt und Arbeitslohn, außerdem noch Kriegszensur und Militärdiktatur.

7. Gleichzeitig ermöglichte die Beendigung der Kriegsoperationen und die Wiederherstellung, wenn auch beschränkter internationaler Beziehungen die Nachfrage nach den verschiedenartigsten Waren in allen Teilen der Welt. Der Krieg ließ große Massen unverbrauchter Güter zurück. Geldsummen, die in den Händen der Lieferanten und Spekulanten waren, wurden dort angelegt, wo sie im gegebenen Augenblick den höchsten Profit verhießen. Daher der fieberhafte Aufschwung des Handels, während sich die industrielle Produktion — bei ungeheurem Anwachsen der Preise und phantastischen Dividenden — in keinem ihrer Hauptzweige dem Niveau der Vorkriegszeit näherte.

8. Um den Preis weiterer organischer Zerrüttung des Wirtschaftssystems (Anwachsen des fiktiven Kapitals, Sinken der Valuta, Spekulation an Stelle der Heilung wirtschaftlicher Wunden) gelang es den bürgerlichen Regierungen, gemeinsam mit den Bankkonzernen und Industrietrusts, den Beginn der wirtschaftichen Krise bis zu dem Moment hinauszuziehen, als die politische Krise, hervorgerufen durch die Demobilisierung und die erste Abschätzung der Kriegsfolgen schon abzuflauen begann. Die Bourgeoisie, die eine Atempause erhielt, bildete sich ein, die Gefahr der Krise sei auf unbeschränkt lange Zeit verschoben. Es zeigte sich ein außerordentlicher Optimismus. Es schien, daß die Notwendigkeit der Wiederherstellung eine langjährige Epoche des Aufblühens der Industrie, des Handels und besonders der Spekulation eröffnen werde. Das Jahr 1920 vernichtete jedoch diese Hoffnungen.

Im März 1920 begann die Krise als Finanz-, dann als Handels- und schließlich als Industriekrise und zwar zunächst in Japan, im April in den Vereinigten Staaten (schon im Januar begann ein schwaches Sinken der Preise), ging dann auf England, Frankreich und Italien (im April) und auf die neutralen Staaten Europas über, zeigte sich in schwächerer Form in Deutschland, und erstreckte sich in der zweiten Hälfte des Jahres 1920 auf die ganze, in die kapitalistische Entwicklung einbezogene Welt.

9. Auf diese Weise ist *die Krise des Jahres 1920* — und das ist einer der wichtigsten Umstände zur richtigen Erfassung der Weltlage — nicht eine gewöhnliche Etappe des „normalen“ Industriezyklus, sondern eine tief fundierte *Reaktion gegen den auf Ruin und Erschöpfung begründeten fiktiven Aufschwung der Kriegszeit und der zwei Jahre der Nachkriegszeit.*

Die normale Aufeinanderfolge von Aufschwung und Krise ging auf der aufsteigenden Kurve der industriellen Entwicklung vor sich. In den letzten sieben Jahren hat sich die Produktion Europas nicht gehoben, sondern sie ist vielmehr bedeutend gefallen.

Die Zerstörung des Fundaments der Wirtschaft muß auch innere Konsolidation im ganzen Oberbau zeigen. Die Wirtschaft Europas wird sich im Laufe der nächsten Jahre einschränken und einengen müssen, um eine gewisse innere Koordination erreichen zu können. Die Entwicklungskurve der Produktionskräfte wird von ihrer jetzigen fiktiven Höhe herabsteigen. Ein Aufschwung kann in solchem Falle nur kurzfristigen, hauptsächlich spekulativen Charakter tragen. Die Krisen müssen lang und schwer sein. Die jetzige Krise in Europa ist eine Krise der Unterproduktion. Dies ist die Reaktion der Verarmung gegenüber dem Bestreben, zu erzeugen, zu handeln und auf dem früheren großen kapitalistischen Fuße zu leben.

10. *England* ist jenes Land Europas, das wirtschaftlich am stärksten ist und am wenigsten durch den Krieg gelitten hat. Trotzdem kann auch hier von der Wiederherstellung des kapitalistischen Gleichgewichtes nach dem Kriege nicht die Rede sein. England erreichte zwar nach dem Kriege infolge seiner allumfassenden Organisation und seiner Stellung als Sieger gewisse Erfolge auf dem Gebiete des *Handels und der Finanzen:* es verbesserte seine Handelsbilanz, es hob den Kurs des Pfundes Sterling und erzielte einen fiktiven Rechnungsüberschuß im Budget. Die Industrie aber zeigte in England nach dem Kriege einen Rückgang, keinen Fortschritt. Sowohl die Produktivität der Arbeit als auch das Nationaleinkommen ist bedeutend niedriger als vor dem Krieg. Die Lage des Hauptindustriezweiges, der Kohlenindustrie, verschlechtert sich immer mehr und reißt auch andere Industriezweige mit. Die andauernde Streikbewegung ist nicht die Ursache, sondern die Folgeerscheinung des Rückganges der englischen Wirtschaft.

11. Frankreich, Belgien, Italien sind durch den Krieg wirtschaftlich unheilbar zerrüttet. Der Versuch, die Wirtschaft Frankreichs auf Kosten Deutschlands wiederherzustellen, ist roher Raub im Bunde mit diplomatischer Erpressung, bedeutet die weitere Verheerung Deutschlands (Kohle, Maschinen, Vieh, Gold), ohne Frankreich zu retten. Die Gesamtwirtschaft Kontinentaleuropas wird durch diesen Versuch schwer geschädigt; Frankreich erhält viel weniger, als Deutschland verliert, obwohl die Bauern Frankreichs mit Ueberanstrengung ihrer Kräfte große Teile des verwüsteten Gebietes der Landwirtschaft wiedererobert haben; obwohl gewisse Industrien (chemische Kriegsindustrien) während des Krieges sich neu entwickelten, steuert Frankreich dem wirtschaftlichen Ruin entgegen. Die Staatsschulden und staatlichen Ausgaben (Militarismus) haben eine unerträgliche Höhe erreicht. Am Ende des letzten Aufschwunges war die französische Valuta um 60% ihres Wertes gesunken. Die Wiederaufrichtung der französischen Wirtschaft wird durch die schweren Verluste an Menschenleben im Kriege — welche bei der ohnehin stagnierenden Bevölkerungszunahme nicht wettgemacht werden können — gehindert. Aehnlich steht es mit gewissen Abweichungen um die Wirtschaft Italiens und Belgiens.

12. Der illusorische Charakter des Aufschwunges ist am besten in Deutschland wahrzunehmen. Während die Preise in anderthalb Jahren um das siebenfache stiegen, dauerte das Sinken der Produktivität des Landes ununterbrochen an. Die scheinbar erfolgreiche Teilnahme an dem internationalen Warenaustausche nach dem Kriege muß Deutschland doppelt schwer bezahlen: durch die Vergeudung des nationalen Kapitals, durch Zerstörung des Produktions-, Transport- und Kreditapparats und durch das weitere Sinken des Lebensniveaus der Arbeiterklasse. Die Gewinne der deutschen Exporteure stellen sich, von der allgemeinen wirtschaftlichen Seite aus betrachtet, als reiner Verlust dar. In der Form des Exportes vollzieht sich nichts anderes, als ein Ausverkauf Deutschlands zu billigen Preisen. Die kapitalistischen Kreise sichern sich einen stetig größeren Teil des immer kleiner werdenden Nationalvermögens. Die deutschen Arbeiter werden zu den Kulis Europas.

13. Wie sich politisch die vermeintliche Selbständigkeit der *kleinen neutralen Staaten* nur durch den Antagonismus zwischen den Großmächten erhält, so leben diese Staaten auch wirtschaftlich in den Poren des Weltmarktes, dessen Grundcharakter vor dem Kriege durch England, Deutschland, die Vereinigten Staaten und Frankreich bestimmt worden ist. Während des Krieges raffte die Bourgeoisie der kleinen neutralen Länder Europas ungeheure Profite zusammen. Die Verheerung der kriegführenden Staaten Europas zog aber auch die wirtschaftliche Zerrüttung der neutralen Länder nach sich. Ihre Schulden wuchsen, ihre Valuta sank. Die Krise versetzte ihnen Schlag auf Schlag.

### III. Die Vereinigten Staaten, Japan, die kolonialen Länder und Sowjetrußland.

14. Im Verhältnis zu Europa stellt sich die Entwicklung der *Vereinigten Staaten* in gewisser Beziehung während des Krieges als gerade entgegengesetzt dar. Die Teilnahme der Vereinigten Staaten am Kriege war dem Wesen nach die eines Lieferanten. Unmittelbar zerstörenden Einfluß übte der Krieg auf sie nicht aus. Sein indirekter zerstörender Einfluß auf das Transportwesen, die Landwirtschaft usw., war bei weitem schwächer als in England, gar nicht zu sprechen von Frankreich oder Deutschland. Andererseits nützten die Vereinigten Staaten die Ausschaltung oder bedeutende Schwächung der europäischen Konkurrenz im höchsten Ausmaße aus und führten viele wichtige Industriezweige einer für sie selbst unerwarteten Entwicklung zu (Erdöl, Schiffbau, Automobile, Kohle). Nicht nur das amerikanische Erdöl und das amerikanische Getreide, sondern auch die amerikanische Kohle hält jetzt die meisten Länder Europas in Abhängigkeit.

Wenn Amerika vor dem Kriege hauptsächlich Erzeugnisse der Landwirtschaft und Rohstoffe ausführte (mehr als zwei Drittel der Ausfuhr), so exportiert es jetzt hauptsächlich Erzeugnisse der Industrie (60 Prozent der Ausfuhr). Wenn Amerika vor dem Kriege Schuldner war, so wurde es jetzt der Gläubiger der ganzen Welt. Ungefähr die Hälfte des Goldvorrates der Welt hat sich in den Vereinigten Staaten angesammelt, und immer noch fließt Gold hinzu. Vor dem Kriege spielte das Pfund Sterling auf dem Weltmarkte die führende Rolle, jetzt ging diese Rolle auf den Dollar über.

15. Aber auch der amerikanische Kapitalismus ist aus dem Gleichgewichte gebracht. Der starke industrielle Aufschwung Amerikas war durch das merkwürdige Zusammentreffen besonderer Umstände in der Weltlage bedingt: durch die Ausschaltung der europäischen Konkurrenz und hauptsächlich durch die Nachfrage des Kriegsmarktes in Europa. Wenn das zerstörte Europa auch nach dem Kriege nicht in der Lage ist, seine frühere Stellung auf dem Weltmarkte als Konkurrent Amerikas wiederzugewinnen, so kann es andererseits als Markt Amerikas nur einen kleinen Teil seiner früheren Bedeutung haben. Unterdessen wurden aber die Vereinigten Staaten in unvergleichlich größerem Ausmaße als vor dem Kriege ein Exportland. Der im Kriege überentwickelte Produktionsapparat kann wegen Absatzmangel nicht voll ausgenützt werden; einzelne Industrien werden hierdurch zu Saisonindustrien, die den Arbeitern nur in einem Teile des Jahres Arbeitsgelegenheit bieten können. Die Krise in den Vereinigten Staaten ist der Anfang einer tiefgehenden und anhaltenden wirtschaftlichen Zerrüttung als Resultat des europäischen Krieges. Dies ist das Resultat der Zerstörung der früheren weltumfassenden Arbeitsteilung.

16. *Japan* hat gleichfalls den Krieg zu seiner Ausbreitung auf dem Weltmarkt ausgenützt. Seine Entwicklung, die jedoch unvergleichlich beschränkter ist als jene der Vereinigten Staaten, zeigt in vielen Industriezweigen einen treibhausartigen Charakter. Wenn seine Produktionskräfte beim Mangel von Konkurrenten zur Beherrschung eines Marktes genügten, so erwiesen sie sich als ungenügend zur Behauptung des Marktes im Kampfe mit mächtigeren kapitalistischen Ländern. Daher die scharfe Krise, die gerade von Japan aus ihren Anfang nahm.

17. *Die Ueberseeländer,* die Rohstoffe ausführten, darunter auch reine *Kolonialländer* (die Staaten Südamerikas, Kanada, Australien, China, Indien, Aegypten usw.) nützten ihrerseits den Abbruch der internationalen Beziehungen zur Entwicklung der einheimischen Industrie aus. Die Weltkrise hat auch diese Staaten ergriffen. Die Entwicklung der nationalen Industrie dieser Länder wird andererseits wiederum zur Quelle neuer Handelsschwierigkeiten für England und ganz Europa.

18. Untersuchen wir Produktion, Handel und Kredit, nicht nur in Europa, sondern auf dem ganzen Weltmarkt, so finden wir keinen Grund, eine beginnende Wiederherstellung eines stabilen Gleichgewichtes festzustellen.

Der wirtschaftliche Niedergang Europas dauert an, die Zerrüttung der Grundlagen der europäischen Wirtschaft wird sich aber in vollem Umfange erst in den nächsten Jahren zeigen.

Der Weltmarkt ist zerrüttet. Europa bedarf der Erzeugnisse Amerikas, kann diesem aber keine Tauschwerte geben. Europa leidet an Blutarmut, Amerika an Hypertrophie. Die Goldvaluta, das Weltgeld, ist vernichtet. Die Entwertung der Valuta der europäischen Länder (bis zu 99 Proz.) stellt dem Warenaustausch auf dem Weltmarkte die schwersten Hindernisse entgegen. Die unaufhörlichen jähen Schwankungen der Valutakurse verwandeln die kapitalistische Produktion in eine wüste Spekulation. Der Weltmarkt bleibt ohne ein allgemeines Aequivalent.

Die Wiederherstellung der Goldvaluta in Europa wäre nur durch Vergrößerung der Ausfuhr und durch Verkleinerung der Einfuhr erreichbar. Aber gerade dazu ist das zerstörte Europa nicht imstande, während sich Amerika seinerseits vor der europäischen Schleuderkonkurrenz durch Erhöhung der Einfuhrzölle schützt.

Europa bleibt auch weiterhin ein Irrenhaus. Die meisten Staaten erlassen Aus- und Einfuhrverbote, vervielfältigen ihre Schutzzölle. England führt Schutzzölle ein. Eine Bande von Entente-, insbesondere französischen Spekulanten, verfügt über den deutschen Export und über das ganze wirtschaftliche Leben Deutschlands. Das frühere österreichisch-ungarische Gebiet wird von einer Menge von Zollschranken durchzogen. Das Netz der Friedensschlüsse wird immer verwirrter und verwirrter.

19. Die Ausschaltung Sowjet-Rußlands als Absatzmarkt für Industriewaren und als Lieferant von Rohstoffen hat zur Erschütterung des weltwirtschaftlichen Gleichgewichtes in hohem Maße beigetragen. Die Rückkehr Rußlands auf den Weltmarkt ist nicht imstande, in der nächsten Zeit große Veränderungen hervorzurufen. Der kapitalistische Organismus Rußlands stand in bezug auf die Produktionsmittel in engster Abhängigkeit von der Weltindustrie. Diese Abhängigkeit erstreckte sich während des Krieges verstärkt auf die Ententeländer. Die Blockade zerriß mit einem Male diese vitalen Zusammenhänge. Es konnte davon nicht die Rede sein, in einem zerstörten und verwüsteten Lande während der Periode eines dreijährigen Bürgerkrieges neue Industriezweige zu organisieren, ohne welche aber die alten unausbleiblich dem Verfall preisgegeben waren, da sie ihr Inventar immer mehr abnützten. Dazu kam noch die Einberufung von Hunderttausenden der besten, zum größten Teil qualifiziertesten proletarischen Elemente in die Rote Armee. Bei den gegebenen historischen Grundlagen — bei der Blockade, den immerwährenden Kämpfen, angesichts des ererbten Ruins — hätte kein anderes Regime das Wirtschaftsleben des Landes aufrechterhalten und die Bedingungen seiner zentralisierten Leitung schaffen können. Es ist unzweifelhaft, daß der Kampf mit dem Weltimperialismus um den Preis des weiteren Sinkens der Produktionskräfte in vielen Wirtschaftszweigen geführt werden mußte. Erst jetzt, bei schwächer werdender Blockade und bei Herstellung entsprechender Uebergangsformen der Wechselbeziehung zwischen Stadt und Land, erhält die Sowjetmacht die Möglichkeit einer allmählichen und immer fester zentralisierten Leitung der ökonomischen Hebung des Landes.

### IV. Verschärfung der sozialen Widersprüche.

20. Der Krieg, welcher eine in der Geschichte noch nie dagewesene Zerrüttung der Produktionskräfte nach sich zog, hemmte nicht den Prozeß der sozialen Differenzierung; im Gegenteil, die Proletarisierung der breiten Zwischenklassen, darunter auch des neuen Mittelstandes (Angestellte, Beamte u. a.), und die Konzentrierung des Eigentums in den Händen kleiner Kliquen (Konzerne, Trusts u. a.) machten in den letzten sieben Jahren ungeheure Fortschritte in jenen Ländern, die am meisten gelitten haben. Die Stinnes-Frage ist zur Hauptfrage des deutschen Wirtschaftslebens geworden.

Die Erhöhung der Preise für alle Waren und der gleichzeitige katastrophale Niedergang der Valuta aller kriegführenden europäischen Staaten bedeuteten an und für sich die nochmalige Verteilung des Nationaleinkommens zuungunsten der Arbeiterklasse, der Beamten, Angestellten, kleinen Rentiers und überhaupt aller Kategorien mit einem mehr oder weniger fixen Einkommen.

Wenn daher Europa in bezug auf die materiellen Ressourcen auf Jahrzehnte zurückgeworfen wurde, so zeigt der Prozeß der Verschärfung der sozialen Gegensätze keinen Rückschritt; er wurde nicht nur nicht aufgehalten, sondern im Gegenteil, er wurde ganz besonders beschleunigt. Diese grundlegende Tatsache genügt, um jede Hoffnung auf eine dauernde friedliche Entwicklung auf demokratischer Grundlage aufzugeben: *die fortschreitende Differenzierung, Stinnesierung einerseits, Proletarisierung und Pauperisierung andererseits, auf Grund des ökonomischen Niederganges verursacht einen anstrengenden, konvulsivischen, erbitterten Charakter des Klassenkampfes.* Die gegenwärtige Krise setzt in dieser Hinsicht bloß die Arbeit des Krieges und der spekulativen Nachkriegskonjunktur fort.

21. Die Steigerung der Preise der landwirtschaftlichen Produkte brachte bei einem allgemeinen Schein der Bereicherung des Dorfes den reichen Bauern einen wirklichen Zuwachs an Einkommen und Vermögen. Den Bauern gelang es, mit entwertetem Papiergeld, welches sich in großen Mengen bei ihnen ansammelte, jene Schulden zu bezahlen, welche sie in vollwertiger Valuta gemacht hatten. Aber die Landwirtschaft pflegt sich nicht nur mit der Lösung der Hypotheken zu befassen. Trotz der gewaltigen Erhöhung der Bodenpreise, trotz der skrupellosen Ausnützung des Lebensmittelmonopols, trotz der Bereicherung der Großgrundbesitzer und Großbauern ist der Rückgang der Landwirtschaft Europas unverkennbar: vielfacher Rückgang in extensivere Wirtschaftsformen, Verwandlung von Ackerland in Weide, viehlose Wirtschaft, Dreifelderwirtschaft. Verursacht wurde auch dieser Rückgang durch den Mangel an Arbeitskraft, den Rückgang des Viehstandes, das Fehlen der künstlichen Düngung, die Teuerung der Industrieartikel und in Mittel- und Osteuropa infolge planmäßiger Einschränkung der Produktion als Reaktion gegen den Versuch der Staatsgewalt, die Verfügung über die landwirtschaftlichen Produkte an sich zu reißen. Die Groß- und zum Teil auch Mittelbauern schaffen sich feste politische und wirtschaftliche Organisationen, um sich gegen die Lasten des Wiederaufbaues zu wehren und benutzen die bedrängte Lage der Bourgeosie, um als Preis ihrer Unterstützung gegen das Proletariat dem Staate eine einseitig bäuerliche Zoll- und Steuerpolitik zu diktieren, wodurch sie den kapitalistischen Wiederaufbau hemmen. Es entsteht ein Zwiespalt zwischen der Dorf- und Stadtbourgeoisie, welcher die Kraft der bürgerlichen Klasse schwächt.

Gleichzeitig wird ein großer Teil der ärmeren Bauern proletarisiert und pauperisiert, das Dorf wird zu einem Herde der Unzufriedenheit, das Klassenbewußtsein des Landproletariats erstarkt.

Andererseits aber rief die allgemeine Verelendung Europas, welche es unfähig macht, in genügender Menge amerikanisches Getreide zu kaufen, eine schwere Krise der Farmwirtschaft jenseits des Ozeans hervor. Wir bemerken einen Verfall der Wirtschaft der Bauern und der kleineren Farmer nicht nur in Europa, sondern auch in den Vereinigten Staaten, Kanada, Argentinien, Australien und Südafrika.

22. Die Lage der *Staats- und Privatangestellten* verschlimmerte sich in der Regel infolge des Rückganges der Kaufkraft des Geldes stärker als die Lage des Proletariats. Die aus den festen Lebensbedingungen hinausgeschleuderte niedere und mittlere Beamtenschaft wird zu einem Element der politischen Unruhe und untergräbt die Festigkeit des Staatsapparates, dem sie dient. Der neue Mittelstand, welcher laut dem Urteil der Reformisten die Stütze des Konservativismus bilden sollte, kann in der Uebergangsepoche eher als ein revolutionärer Faktor gelten.

23. Das kapitalistische Europa verlor endgültig seine ökonomische Vormachtstellung. Und doch beruhte auf ihr das Gleichgewicht der Klassen in Europa. Die Anstrengungen der europäischen Staaten (Englands, zum Teil Frankreichs), die frühere Lage wiederherzustellen, verstärken nur das Chaos und die Unsicherheit.

24. Während sich in Europa die Konzentration des Vermögens auf Grund der allgemeinen Verarmung durchsetzte, erreichte die Konzentration und die Verschärfung der Klassengegensätze in den Vereinigten Staaten auf Grund der fieberhaften kapitalistischen Bereicherung eine gewaltige Höhe. Die starken Veränderungen der Konjunktur infolge der allgemeinen Unsicherheit des Weltmarktes geben dem Klassenkampfe auf amerikanischem Boden einen äußerst gespannten und revolutionären Charakter. Der Periode des in der Geschichte noch nie dagewesenen kapitalistischen Aufschwunges muß ein außerordentliches Aufflammen des revolutionären Kampfes folgen.

25. Die Emigration der Arbeiter und Bauern über den Ozean diente dem kapitalistischen Regime in Europa immer als Sicherheitsventil. Sie nahm zu in den Epochen andauernder Depression und nach zusammengebrochenen revolutionären Bewegungen. Jetzt aber stellen Amerika und Australien der Einwanderung immer größere Hindernisse in den Weg. Das Sicherheitsventil der Emigration ist verschlossen.

26. Die energische Entwicklung des Kapitalismus im Osten, besonders in Indien und China, schuf dort neue soziale Grundlagen für einen revolutionären Kampf. Die Bourgeoisie dieser Länder schloß sich eng an das ausländische Kapital an und wurde so selbst ein wichtiges Werkzeug in dessen Händen. Ihr Kampf gegen den ausländischen Imperialismus — der Kampf eines sehr schwachen Konkurrenten — zeigt seinem Wesen nach einen zwiespältigen und schwächlichen Charakter. Auch die Entwicklung des einheimischen Proletariats paralysiert die national-revolutionären Tendenzen der kapitalistischen Bourgeoisie. Gleichzeitig aber erhalten die zahlreichen Bauernmassen im kommunistischen Vortrupp des Proletariats ihre revolutionäre Führung.

Das Zusammentreffen der national-militärischen Unterdrückung des ausländischen Imperialismus, der kapitalistischen Ausbeutung seitens der ausländischen und eigenen Bourgeoisie und der Ueberbleibsel der feudalen Knechtschaft schafft gute Bedingungen, in denen das junge Proletariat der Kolonien sich rasch entwickeln muß und an die Spitze der revolutionären Bewegung der breiten Bauernmassen treten wird.

Die revolutionäre Volksbewegung in Indien und den anderen Kolonien ist jetzt ein ebenso wesentlicher Teil der Weltrevolution geworden, wie der Aufstand des Proletariats in den kapitalistischen Ländern der alten und neuen Welt.

### V. Die internationalen Beziehungen.

27. Die allgemeine Lage der Weltwirtschaft — vor allem der Verfall Europas — bedingt längere Perioden großer wirtschaftlicher Schwierigkeiten und Erschütterungen, allgemeine und partielle Krisen. Die internationalen Verhältnisse gestalten als Resultat des Krieges und des Friedens von Versailles die Lage noch schwieriger.

Wenn der Imperialismus aus dem Drange der Produktionskräfte entstand, die nationalen Grenzen zu vernichten und ein einheitliches europäisches und weltwirtschaftliches Gebiet zu schaffen, so war das Resultat des Zusammenstoßes der feindlichen imperialistischen Kräfte die Schaffung einer Reihe neuer Grenzen in Zentral- und Osteuropa mit neuen Zollämtern und neuen Armeen. In staatlich-ökonomischer Hinsicht ist Europa in das Mittelalter zurückgeworfen.

Auf dem entkräfteten und verwüsteten Boden wird derzeit eine Armee ernährt, welche anderthalbmal so groß ist wie die Armee vom Jahre 1914, zur Zeit des Höhepunktes des *bewaffneten Friedens.*

28. Die auf dem europäischen Kontinente führende Politik Frankreichs setzt sich aus zwei Tendenzen zusammen: der blinden Wut eines Wucherers, der bereit ist, seinen zahlungsunfähigen Schuldner zu erwürgen, und der Habgier der räuberischen Schwerindustrie, welche — mit Hilfe der Kohlenbecken des Saar- und Ruhrgebietes sowie Oberschlesiens — an Stelle des bankrotten *Finanz*-Imperialismus die Vorbedingungen für den *industriellen* Imperialismus schaffen will.

Die zweite Tendenz richtet sich aber gegen England. Die Politik Englands besteht in der Trennung der deutschen Kohle vom französischen Erz, deren Vereinigung eine der wichtigsten Bedingungen für den Wiederaufbau Europas bildet.

29. Das Britische Reich scheint jetzt auf dem Höhepunkt seiner Macht zu stehen. Es behielt die alten Besitzungen und erwarb neue. Aber gerade die Gegenwart zeigt, daß die herrschende Stellung Englands in der Welt im Widerspruch steht zu seinem faktischen ökonomischen Rückgang. Deutschland mit seinem in technischer und organisatorischer Hinsicht unvergleichlich fortgeschrittenerem Kapitalismus ist durch Waffengewalt niedergeworfen. Aber in den Vereinigten Staaten, die sich beide Teile Amerikas wirtschaftlich unterworfen haben, erhob sich ein siegreicher Feind, gefährlicher als Deutschland. Infolge der besseren Organisation und Technik ist die Produktivität der Arbeit in der Industrie der Vereinigten Staaten bedeutend höher als in England. In den Vereinigten Staaten beträgt die Ausbeute an Petroleum 65 bis 70 Prozent des Weltverbrauchs, vom Naphtha aber hängen die Automobil- und Traktoren-Wirtschaft, die Flotte und die Aviatik ab. Das ein Jahrhundert alte Monopol Englands auf dem Kohlenmarkte ist endgültig gebrochen. Amerika hat den ersten Platz erobert, sein Export nach Europa wächst bedrohlich an. In der Handelsschiffahrt hat Amerika England fast eingeholt. Die Vereinigten Staaten wollen das Kabelmonopol Englands nicht länger dulden. In der Industrie ging England zur Verteidigung über, und unter dem Vorwande des Kampfes gegen die deutsche Schleuderkonkurrenz wappnet es sich mit Schutzzöllen gegen die Vereinigten Staaten. Während die englische Kriegsflotte, die einen großen Prozentsatz veralteter Einheiten besitzt, in der Entwicklung stockt, hat die Harding-Regierung Wilsons Schiffbauprogramm übernommen, das im Laufe der nächsten zwei bis drei Jahre das Uebergewicht der amerikanischen Flagge sichern wird.

So wird England, trotz seines Sieges über Deutschland, entweder automatisch zurückgedrängt und ein Staat zweiten Ranges, oder es wird gezwungen, schon in nächster Zeit die in früheren Jahren erworbene Kraft in einem Kampfe auf Leben und Tod mit den Vereinigten Staaten zu erproben.

Gerade deshalb festigt England seinen Bund mit Japan und bemüht sich, durch Zugeständnisse die Hilfe Frankreichs oder wenigstens dessen Neutralität zu sichern.

Daß Frankreichs internationale Bedeutung in Europa während des letzten Jahres gestiegen ist, beruht nicht auf der Erstarkung Frankreichs, sondern auf der Schwächung Englands.

Die Kapitulation Deutschlands im Monat Mai in der Kontributionsfrage bedeutet dennoch einen zeitweiligen Sieg Englands und verbürgt ihm den weiteren wirtschaftlichen Verfall Zentraleuropas, ohne jedoch die Besetzung des Ruhrgebietes durch Frankreich in der allernächsten Zeit auszuschließen.

30. Der Antagonismus Japans und der Vereinigten Staaten, zeitweilig durch ihre Teilnahme am Kriege gegen Deutschland verschleiert, entwickelt sich jetzt mit voller Wucht. Japan rückte durch den Krieg näher an die amerikanische Küste heran, indem es sich strategisch wichtige Inseln im Stillen Ozean sicherte.

Die Krise der sich schnell entwickelnden japanischen Industrie verschärfte von neuem das Emigrationsproblem: das dichtbevölkerte, an Naturschätzen arme Japan ist gezwungen, entweder Waren oder Menschen zu exportieren. Auf beiden Wegen stößt es mit den Vereinigten Staaten zusammen: in Kalifornien, in China und an dem Inselchen Jap.

Mehr als die Hälfte seines Budgets verausgabt Japan für die Armee und die Flotte. Im Kampfe Englands und Amerikas wird Japan zur See jene Rolle spielen müssen, welche Frankreich zu Lande im Kriege mit Deutschland zufiel. Wenn Japan derzeit den Antagonismus zwischen England und Amerika ausnützt, so wird der endgültige Kampf dieser Giganten um die Weltherrschaft sich auf dem Rücken Japans abspielen.

31. Der letzte große Krieg war, was seine Ursachen und Hauptteilnehmer anbelangt, ein *europäischer* Krieg. Der Schwerpunkt des Kampfes war der Antagonismus Englands und Deutschlands. Der Eintritt der Vereinigten Staaten erweiterte bloß den Rahmen des Kampfes, aber seine Hauptrichtung blieb dieselbe: der europäische Konflikt wurde mit den Mitteln der ganzen Welt gelöst. Der Krieg, welcher auf seine Art die Gegensätze zwischen England und Deutschland und damit auch jene zwischen den Vereinigten Staaten und Deutschland ausglich, löste nicht nur die Frage über das gegenseitige Verhältnis zwischen den Vereinigten Staaten und England nicht, sondern stellte sie zum ersten Male als Grundfrage der Weltpolitik. Er drückte die Frage über die gegenseitigen Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und Japan zu einer Frage zweiten Ranges herab. Der letzte Krieg war daher das europäische Vorwort zum eigentlichen Weltkrieg, zur Lösung der Frage über die *imperialistische Vorherrschaft.*

32. Aber dies ist bloß eine der Achsen der Weltpolitik. Wir haben eine zweite Achse. Die russische Sowjetföderation und die III. Internationale entstanden als Resultat des letzten Krieges. Die Gruppierung der internationalen revolutionären Kräfte ist grundsätzlich gegen alle imperialistischen Gruppierungen gerichtet. Die Aufrechterhaltung des Bündnisses zwischen England und Frankreich oder dessen Bruch sind, vom Gesichtspunkte der Interessen des Proletariats und der Sicherstellung des Friedens aus betrachtet, von derselben Natur, wie die Erneuerung oder Nichterneuerung des englisch-japanischen Abkommens, wie der Eintritt oder Nichteintritt der Vereinigten Staaten in den Völkerbund: das Proletariat kann in den vorübergehenden trügerischen, räuberischen und treulosen Gruppierungen der kapitalistischen Staaten — deren Politik sich immer mehr um den englisch-amerikanischen Antagonismus dreht, ihn schürt und einen blutigen Ausbruch vorbereitet — keine Garantien sehen.

Der Abschluß der Friedensverträge und Handelsabkommen zwischen einigen kapitalistischen Ländern und Sowjet-Rußland bedeutet nicht, daß die Weltbourgeoisie den Gedanken der Zerstörung der Sowjetrepublik aufgegeben hätte. Es ist vielleicht nur eine vorübergehende Veränderung der Methoden und Formen des Kampfes eingetreten. Der japanische Umsturz im fernen Osten bedeutet vielleicht schon den Beginn einer neuen Epoche bewaffneter Interventionen.

Es ist vollkommen klar, daß, je langsamer sich die revolutionäre Bewegung des Weltproletariats entwickelt, die internationalen wirtschaftlichen und politischen Gegensätze um so unvermeidlicher die Bourgeoisie zwingen werden, eine neue blutige Entscheidung im Weltmaßstabe zu versuchen. In diesem Falle müßte die „Wiederherstellung des kapitalistischen Gleichgewichtes“ nach dem neuen Kriege angesichts einer derartigen wirtschaftlichen Verarmung und kulturellen Verwilderung versucht werden, im Vergleich zu dem die gegenwärtige Lage Europas als der reine Wohlstand gelten könnte.

33. Obwohl die Erfahrung des letzten Krieges mit fürchterlicher Deutlichkeit bewies, daß der Krieg eine falsche Rechnung ist — diese Wahrheit anerkennen sowohl die Bourgeoisie als auch die sozialistischen Pazifisten — ist die ökonomische, politische, geistige und technische Vorbereitung zu dem neuen Kriege in der ganzen politischen Welt in vollem Gange. Der humanitäre antirevolutionäre Pazifismus ist eigentlich ein Helfer des Militarismus.

Die Sozialdemokraten aller Schattierungen und die Gewerkschaftler von Amsterdam, welche dem internationalen Proletariat einreden, sich denjenigen ökonomischen, völkerrechtlich-staatlichen Normen anzupassen, welche infolge des Krieges sich ergeben haben, sind damit die unersetzbaren Helfershelfer der imperialistischen Bourgeoisie in der Vorbereitung des neuen Krieges, welcher die menschliche Zivilisation endgültig zu vernichten droht.

### VI. Die Arbeiterklasse nach dem Kriege.

34. Die Frage des Wiederaufbaus des Kapitalismus auf den oben geschilderten Grundlagen bedeutet im Wesen folgendes: Wird die Arbeiterklasse unter den neuen, unvergleichlich schwereren Verhältnissen die Opfer bringen wollen, die nötig sind, um die stabilen Bedingungen ihrer eigenen Sklaverei, einer konzentrierteren und grausameren als derjenigen, die vor dem Kriege herrschte, wieder herzustellen?

Zum Wiederaufbau der europäischen Wirtschaft wäre ein Ersatz des im Kriege zerstörten Produktionsapparates, eine starke Neubildung von Kapital nötig. Dies wäre nur möglich, wenn das Proletariat geneigt wäre, bei stark herabgeminderter Lebenshaltung mehr zu arbeiten. Dies fordern die Kapitalisten, hierzu raten ihm die verräterischen Führer der gelben Internationalen: erst den Kapitalismus neu erbauen helfen, dann um die Verbesserung der Lage der Arbeiter kämpfen. Aber das Proletariat Europas ist zu diesem Opfer nicht bereit; es fordert eine Erhöhung seines Standards, was gegenwärtig mit den objektiven Möglichkeiten innerhalb des Kapitalismus in schärfstem Widerspruch steht. Daher die nie endenden Streiks und Aufstände, die Unmöglichkeit der Wiederaufrichtung der Wirtschaft in Europa. Die Valuta wieder herzustellen heißt für viele europäischen Staaten (Deutschland, Frankreich, Italien, Oesterreich, Ungarn, Polen, die Balkanstaaten) vor allem, sich der unerträglichen Verpflichtungen zu entledigen, d.h. den Bankerott erklären: dies bedeutet aber den Kampf aller Klassen um eine neue Verteilung des nationalen Einkommens mächtig anzufachen. Die Valuta wieder herzustellen heißt weiter die Staatsausgaben auf Kosten der Massen einzuschränken (Verzicht auf die Regelung des Arbeitslohnes und der Preise der Güter des Massenkonsums), den billigeren ausländischen Erzeugnissen des Massenkonsum den Zugang zu verschließen und die Ausfuhr durch Herabsetzung der Produktionskosten zu erhöhen, d. h. in erster Linie wiederum durch Verschärfung der Ausbeutung der Arbeitermassen. Jede ernsthafte Maßnahme zur Wiederherstellung des kapitalistischen Gleichgewichts zerrüttet noch mehr das ohnehin schon gestörte Klassengleichgewicht, ist eine neue Triebfeder für den revolutionären Kampf. Die Frage, ob der Kapitalismus zu neuem Leben erstehen kann, wird daher zu einer Frage des Kampfes lebendiger Kräfte: der Klassen und der Parteien. Wenn von den beiden grundlegenden Klassen — Bourgeoisie und Proletariat — das letztere den revolutionären Kampf aufgeben sollte, so würde die Bourgeoise ohne Zweifel letzten Endes ein neues kapitalistisches Gleichgewicht — das Gleichgewicht des materiellen und geistigen Verfalls — finden, durch neue Krisen, neue Kriege, weitere Verarmung ganzer Länder, weiteres Aussterben von Millionen von werktätigen Massen.

Zu einer derartigen Prognose aber gibt die gesamte Verfassung des internationalen Proletariats absolut keine Veranlassung.

35. *Die Elemente der Trägheit,* des *Konservativismus,* der Tradition, die im materiellen Aufbau der Gesellschaft zermürbt wurden, haben einen großen Teil ihrer Gewalt auch über das Bewußtsein der werktätigen Massen verloren. Haben auch die Sozialdemokratie und die Trade-Unions dank ihrer von der Vergangenheit geerbten Organisationsmaschine ihren Einfluß auf einen bedeutenden Teil des Proletariats noch bewahrt, so ist er doch bereits stark untergraben. Der Krieg hat nicht nur in der Stimmung, sondern auch im Bestand des Proletariats große Veränderungen hervorgerufen, die mit dem gemächlichen organisatorischen Weiterschreiten der Vorkriegszeit vollständig unvereinbar sind.

An der Spitze des Proletariats nimmt in den meisten Ländern noch immer die außerordentlich angewachsene Arbeiterbürokratie die vorherrschende Stellung ein, die, eng zusammengeschweißt, ihre Herrschaftsmethoden und -gewohnheiten ausgearbeitet hat und durch tausend Fäden mit den Institutionen und Organen des kapitalistischen Staates verbunden ist.

Ihr folgt der besser gestellte Teil der Arbeiter in der Produktion selbst, der Verwaltungsposten einnimmt oder einzunehmen gedenkt und die treueste Stütze der Arbeiterbürokratie ist;

weiter die ältere Generation der Sozialdemokraten und der Gewerkschaftler, hauptsächlich der qualifizierten Arbeiter, die mit ihrer Organisation durch jahrzehntelangen Kampf verbunden sind und sich nicht entschließen können, mit ihr — trotz ihres Verrats — zu brechen. Die qualifizierten Arbeiter jedoch sind in vielen Betrieben schon stark zurückgedrängt durch die unqualifizierten, in hohem Grade durch Frauen;

die Millionen Arbeiter, die die Schule des Krieges unmittelbar durchgemacht haben, die gewohnt sind mit der Waffe umzugehen und größtenteils bereit sind, sie gegen den Klassenfeind zu gebrauchen — aber unter der Bedingung der ernsten Vorbereitung und der festen Führung als unerläßliche Voraussetzungen des Erfolges;

die Millionen der neuen, während des Krieges von der Industrie herangezogenen Arbeiter und besonders Arbeiterinnen, die in das Proletariat nicht nur kleinbürgerliche Vorurteile, sondern auch ihre ungeduldigen Ansprüche auf bessere Lebensbedingungen hineingebracht haben;

die Millionen der jungen Arbeiter und Arbeiterinnen, die sich unter dem Donner und Blitz des Krieges und der Revolution erhoben haben, die für die Lehre des Kommunismus am empfänglichsten sind und die von Tatendrang brennen;

die gewaltige Armee der Arbeitslosen, die zum Teil deklassiert und halbdeklassiert, in ihrer Flut und Ebbe am grellsten den Prozeß des Verfalls der kapitalistischen Wirtschaft widerspiegeln und eine beständige Drohung für die bürgerliche Ordnung bilden.

Diese in bezug auf Herkunft und Charakter so verschiedenen Schichten des Proletariats wurden und werden nicht gleichzeitig und gleichartig in die nach dem Kriege einsetzende Bewegung hineingezogen. Hieraus folgen Schwankungen, Ebbe und Flut, Angriff und Rückzug im revolutionären Kampfe. Aber in ihrer erdrückenden Mehrzahl wird die proletarische Masse schnell zusammengeschweißt durch das Scheitern aller alten Illusionen, die fürchterliche Unsicherheit der Existenz, die Allgewalt des zu Trusten vereinigten Kapitals und durch die blutigen Methoden des militarisierten Staates. Diese viele Millionen zählende Masse hat eine feste, klare Führung, ein klares Aktionsprogramm und schafft dadurch den Boden für die entscheidende Rolle der fest geschlossenen, zentralisierten Kommunistischen Partei.

36. Die Lage der Arbeiterklasse hat sich während des Krieges zweifellos verschlechtert. Bloß einzelne Gruppen von Arbeitern kamen empor. Solchen Familien, in denen mehrere Mitglieder während des Krieges Verdienstmöglichkeiten hatten, gelang es, ihr Lebensniveau festzuhalten oder sogar zu erhöhen. Im allgemeinen aber hielten die Arbeitslöhne mit der Teuerung nicht Schritt.

In Mitteleuropa war das Proletariat seit Kriegsbeginn zu immer größeren Entbehrungen verurteilt. In den Kontinentalländern der Entente machte sich das Sinken der Lebenshaltung bis zur letzten Zeit weniger bemerkbar. In England hielt das Proletariat in der letzten Periode des Krieges durch einen energischen Kampf den Prozeß der Verschlechterung seiner Lebensbedingungen auf. In den Vereinigten Staaten verbesserte sich die Lage einiger Schichten der Arbeiterschaft; einige Schichten behielten ihren alten Standard oder erlitten eine Verschlechterung ihrer Lebenslage.

Die Krise traf das Proletariat der ganzen Welt mit ungeheurer Stärke. Der Arbeitslohn sank stärker als die Preise. Die Zahl der Arbeitslosen und Kurzarbeiter erreichte eine in der Geschichte des Kapitalismus noch nie dagewesene Höhe.

Schroffe Veränderungen in den persönlichen Lebensverhältnissen haben nicht nur einen hemmenden Einfluß auf die Produktivität der Arbeit, sondern schließen auch die Möglichkeit der Herstellung des Klassengleichgewichtes auf dem wichtigsten Gebiete — der Produktion — aus. Die Unbeständigkeit der Lebensverhältnisse, die die allgemeine Unbeständigkeit der National- und Weltwirtschaftsbedingungen widerspiegeln, ist jetzt einer der wichtigsten revolutionären Entwicklungsfaktoren.

### VII. Perspektiven und Aufgaben.

37. Der Krieg endete nicht unmittelbar mit einer proletarischen Revolution. Diese Tatsache betrachtet die Bourgeoisie mit gewissem Rechte als ihren großen Sieg. Nur kleinbürgerliche Verständnislosigkeit kann aber in der Tatsache, daß das europäische Proletariat die Bourgeoisie nicht während des Krieges oder gleich nach Kriegsende stürzte, einen Bankerott des Programms der Kommunistischen Internationale sehen. Der Kurs der Kommunistischen Internationale ist nicht eingestellt auf den Eintritt der proletarischen Revolution zu einem dogmatisch vorherbestimmten Kalenderdatum oder auf die Absicht, die Revolution in einer bestimmten Frist mechanisch durchzuführen. Die Revolution war und ist ein Kampf der lebendigen Kräfte auf gegebenen historischen Grundlagen. Die Störung des kapitalistischen Gleichgewichts in der ganzen Welt durch den Krieg schafft günstige Kampfbedingungen für die Kraft der sozialen Revolution. Alle Anstrengungen der Kommunistischen Internationale waren und sind darauf gerichtet, diese Lage vollkommen auszunützen.

Der Gegensatz zwischen der Kommunistischen Internationale und der Sozialdemokratie beider Gruppierungen besteht nicht darin, daß wir die Revolution etwa auf einen bestimmten Termin festgelegt hätten, während sie den Utopismus und Putschismus ablehnen. Der Gegensatz besteht darin, daß die Sozialdemokraten der tatsächlichen Entwicklung der Revolution entgegenwirken, indem sie sowohl in der Regierung; wie in der Opposition die Wiederherstellung des Gleichgewichtes im kapitalistischen Staate mit allen Kräften fördern, während die Kommunisten alle Wege, alle Methoden und alle Möglichkeiten dazu ausnutzen, um den kapitalistischen Staat zu stürzen und ihn durch die Diktatur des Proletariats zu vernichten.

Im Laufe von zweieinhalb Jahren nach dem Kriege zeigte das Proletariat verschiedener Länder mehr Energie, Kampfbereitschaft, Selbstaufopferung, als zu einer siegreichen Revolution nötig wären, wenn an der Spitze der Arbeiterschaft eine starke, zentralisierte, aktionsbereite internationale kommunistische Partei stünde. Aber infolge historischer Ursachen stand an der Spitze des Proletariats während des Krieges und unmittelbar nachher die Organisation der II. Internationale, welche ein unschätzbares politisches Instrument in Händen der Bourgeoisie war und noch derzeit ist.

38. In Deutschland gehörte die Macht Ende 1918 und Anfang 1919 tatsächlich der Arbeiterklasse. Die Sozialdemokraten, die Mehrheitssozialisten, die Unabhängigen und die Gewerkschaften verwendeten ihren ganzen Apparat, ihren ganzen traditionellen Einfluß dazu, diese Macht der Bourgeoisie in die Hände zu spielen.

In Italien schlug die stürmische revolutionäre Bewegung des Proletariats im Laufe von anderthalb Jahren immer mehr über die Ufer, und bloß die kleinbürgerliche Charakterlosigkeit der Sozialistischen Partei, die verräterische Politik der parlamentarischen Fraktion, der feige Opportunismus der Gewerkschaftler gestatteten der Bourgeoisie, ihren Apparat wieder herzustellen, ihre weiße Garde zu mobilisieren und zum Angriff auf das Proletariat überzugehen, das zeitweise infolge des Bankerottes seiner alten führenden Organe entmutigt war.

Die gewaltige Streikbewegung des letzten Jahres in England brach sich wieder und wieder an der rücksichtslos eingesetzten Militärgewalt des Staates und an der hierdurch erreichten Einschüchterung der Führer der Trade-Unions. Wären die Führer der Sache der Arbeiterklasse treu gewesen, so hätte die Maschinerie der Trade-Unions trotz ihrer Defekte zu revolutionären Kämpfen ausgenützt werden können. Die jüngste Krise der „Triple-Allianz“ gab die Möglichkeit einer revolutionären Auseinandersetzung mit der Bourgeoisie, dies wurde durch den Konservativismus, die Feigheit und den Verrat der Gewerkschaftsführer verhindert. Würde die Maschine der englischen Trade-Unions derzeit im Interesse des Sozialismus die Hälfte jener Arbeit leisten, welche sie im Interesse des Kapitals leistet, so würde das englische Proletariat mit der geringsten Zahl an Opfern die Macht an sich reißen und zur planvollen Umgestaltung der Wirtschaft des Landes schreiten können.

Mehr oder weniger gilt das Gesagte für alle kapitalistischen Staaten.

39. Es ist nicht zu bestreiten, daß sich gegenwärtig der offene revolutionäre Kampf der Proletarier um die Macht in manchen Ländern verlangsamt. Aber es konnte auch nicht erwartet werden, daß die revolutionäre Offensive nach dem Kriege, insofern sie nicht sofort zum Siege geführt hat, sich ununterbrochen in aufsteigender Linie entwickeln würde. Die politische Bewegung hat auch ihre Zyklen, ihr Auf und Ab. Der Feind bleibt nicht passiv — er kämpft. Wenn der Angriff des Proletariats nicht mit einem Siege endet, geht die Bourgeoisie bei der ersten Gelegenheit zu einem Gegenangriff über. Der Verlust einiger leichteroberter Positionen führt zur zeitweiligen Depression in den Reihen des Proletariats. Es bleibt aber unbestreitbar, daß sich gegenwärtig die Kurve der kapitalistischen Entwicklung im allgemeinen — nach zeitweiligen Hebungen — senkt, die Kurve der Revolution aber durch alle Schwankungen in die Höhe steigt.

Da die Wiederaufrichtung des Kapitalismus zur Voraussetzung hat die gewaltige Steigerung der Ausbeutung, die Vernichtung von Millionen Menschen, die Herabdrückung der Lebenslage anderer Millionen unter das Existenzminimum, die ständige Unsicherheit der Existenz des Proletariats, werden die Arbeiter immer wieder zur Empörung, zu ständigen Streiks und Aufständen gezwungen. Unter diesem Druck und in diesen Kämpfen wächst in den Massen der Wille zum Sturz der kapitalistischen Gesellschaft.

40. Die jetzigen Verteidigungskämpfe des Proletariats zu leiten, zu erweitern, zu vertiefen, zu vereinigen und — dem Gange der Entwicklung entsprechend — *zu politischen Endkämpfen zu steigern,* ist und bleibt die Grundaufgabe der Kommumnistischen Partei in der laufenden Krise. Wenn aber das Entwicklungstempo sich verlangsamen sollte und wenn der gegenwärtigen Wirtschaftskrise in einer größeren oder kleineren Zahl von Ländern eine Periode des Aufschwunges folgen würde, so würde diese Tatsache keinesfalls den Beginn der „organischen“ Epoche bedeuten. Solange der Kapitalismus existiert, sind zyklische Schwankungen unvermeidlich. Sie werden ihn auch in der Agonie begleiten, wie sie ihn in der Jugend und in der Reifezeit begleiteten.

Gesetzt den Fall, daß das Proletariat im Laufe der jetzigen Krise durch den Ansturm des Kapitals zurückgeworfen würde, wird es bei Eintritt einer besseren Konjunktur sofort zum Angriff übergehen.

Sein ökonomischer Angriffskampf, welcher in solchem Falle unvermeidlich unter der Losung der Revanche für alle Betrügereien der Kriegsepoche, für allen Raub und alle Demütigungen der Krisenepoche geführt würde, würde hierdurch ebenso die Tendenz zeigen, sich in einen offenen Bürgerkrieg zu verwandeln, wie der gegenwärtige Verteidigungskrieg.

41. Ob nun die revolutionäre Bewegung in der nächsten Periode ein schnelleres oder langsameres Tempo annehmen wird, in beiden Fällen muß die Kommunistische Partei eine *Aktionspartei* bleiben. Sie steht an der Spitze der kämpfenden Massen, sie formuliert klar und deutlich die Kampflosungen, indem sie die immer nachgiebigen, auf Kompromisse berechneten Losungen der Sozialdemokratie enthüllt. Bei allen Wechselfällen des Kampfes ist die Kommunistische Partei bestrebt, neue Stützpunkte organisatorisch zu befestigen, die Massen an aktives Manöverieren zu gewöhnen, sie mit neuen Methoden zu wappnen, die auf einen offenen Zusammenstoß mit den Kräften des Feindes hinzielen. Indem jede Ruhepause dazu verwendet wird, sich die Lehren der vorhergehenden Kampfphase anzueignen, ist die Kommunistische Partei bestrebt, die Klassenkonflikte zu vertiefen und auszubreiten, sie national und international durch die Einheit des Zieles und der Aktion zu verbinden und auf diese Weise an der Spitze des Proletariats alle Widerstände auf dem Wege zu seiner Diktatur und zur sozialen Revolution zu brechen.

## Thesen über die Taktik

*Angenommen in der 24. Sitzung des III. Weltkongresses vom 12. Juli 1921.*

### 1. Umgrenzung der Fragen.

„Die neue internationale Arbeitervereinigung ist gebildet zur Organisierung von *gemeinsamen Aktionen* der Proletarier der verschiedenen Länder, die das *eine* Ziel anstreben: Sturz des Kapitalismus, Errichtung der Diktatur des Proletariats und einer internationalen Sowjetrepublik zur vollen Beseitigung der Klassen und zur Verwirklichung des Sozialismus, dieser ersten Stufe der kommunistischen Gesellschaft.“ Diese in den Statuten der Kommunistischen Internationale festgelegte Bestimmung ihrer Ziele *umgrenzt klar alle Fragen der Taktik*, die zu lösen sind. Es sind taktische Fragen unseres Kampfes um die proletarische Diktatur. Sie beziehen sich auf die Mittel der Eroberung der Mehrheit der Arbeiterklasse für die Grundsätze des Kommunismus und auf die Mittel der Organisation sozial-entscheidender Teile des Proletariats für den Kampf um seine Verwirklichung, sie beziehen sich auf das Verhältnis zu den proletarisierten, kleinbürgerlichen Schichten, auf die Mittel und Wege der schnellsten Zersetzung der Organe der bürgerlichen Macht, ihrer Zertrümmerung und des endgültigen internationalen Kampfes um die Diktatur. Die Fragen der Diktatur selbst, als des einzigen Weges zum Siege, stehen außerhalb der Diskussion. Die Entwicklung der Weltrevolution hat klipp und klar bewiesen, daß es nur eine Alternative in der gegebenen historischen Situation gibt: kapitalistische oder proletarische Diktatur. Der III. Kongreß der Kommunistischen Internationale tritt an die erneuerte Prüfung der taktischen Fragen heran in einer Situation, wo sich in einer Reihe von Ländern die objektive Lage revolutionär zugespitzt hat und wo eine Reihe kommunistischer Massenparteien sich herausgebildet hat, die aber noch nirgends die tatsächliche Führung des Gros der Arbeiterklasse im wirklichen revolutionären Kampf innehaben.

### 2. Vor neuen Kämpfen.

Die *Weltrevolution*, d. h. der Zerfall des Kapitalismus, und die Sammlung der revolutionären Energie des Proletariats, seiner Organisierung zu einer angreifenden und siegreichen Macht wird eine *längere Periode* von revolutionären Kämpfen in Anspruch nehmen. Die Verschiedenheit der Schärfe der Gegensätze in einzelnen Ländern, die Verschiedenheit ihrer sozialen Struktur und der zu überwindenden Hindernisse, der hohe Grad der Organisation der Bourgeoisie in den kapitalistisch entwickelten Ländern Westeuropas und Nordamerikas bewirkten, daß der Weltkrieg nicht in einen sofortigen Sieg der Weltrevolution ausmündete. Die Kommunisten haben also recht gehabt, wenn sie noch während des Krieges erklärten, daß *die Periode des Imperialismus* in das Zeitalter *der sozialen Revolution* ausmünden werde, d. h. in eine lange Reihe von Bürgerkriegen innerhalb einzelner kapitalistischer Staaten und der Kriege zwischen den kapitalistischen Staaten einerseits, proletarischen Staaten und den ausgebeuteten Kolonialvölkern andererseits. Die Weltrevolution ist kein geradlinig fortschreitender Prozeß, sondern die Perioden des chronischen Zerfalls des Kapitalismus, der alltäglichen revolutionären Minierarbeit spitzen sich jeweils zu und fassen sich zusammen zu akuten Krisen. Der Gang der Weltrevolution wurde noch schleppender dank der Tatsache, daß starke Arbeiterorganisationen und Arbeiterparteien, nämlich die *sozialdemokratischen Parteien wie die Gewerkschaften*, die vom Proletariat gebildet worden sind zur Leitung seines Kampfes gegen die Bourgeosie, die sich im Kriege verwandelt haben in die Organe der konterrevolutionären Beeinflussung und Bindung des Proletariats, in dieser Rolle auch nach der Beendigung des Krieges verblieben. Das machte der Weltbourgeoisie leicht, die Krisis der *Demobilisationszeit* zu überwinden, das erlaubte ihr, in der Zeit der *Scheinprosperität* des Jahres 1919/20 in der Arbeiterschaft neue Hoffnungen auf die Möglichkeit der Besserung ihrer Lage im Rahmen des Kapitalismus zu erwecken, was der Grund der Niederlage der Erhebungen des Jahres 1919 und des verlangsamten Tempos der revolutionären Bewegungen im Jahre 1919/20 war.

Die *Weltwirtschaftskrisis*, die Mitte 1920 einsetzte und sich über die ganze Welt erstreckt, überall die *Arbeitslosigkeit* vermehrend, beweist dem internationalen Proletariat, daß die Bourgeoisie nicht imstande ist, die Welt von neuem aufzubauen. Die Verschärfung aller *weltpolitischen Gegensätze*, der Beutefeldzug Frankreichs gegen Deutschland, der englisch-amerikanische und amerikanisch-japanische Gegensatz mit dem Wettrüsten als Folge, sie zeigen, daß die absterbende kapitalistische Welt von neuem einem Weltkriege entgegentaumelt. Der Völkerbund ist sogar als internationaler Trust der Siegerstaaten zur Ausbeutung der besiegten Konkurrenten und der Kolonialvölker durch die englisch-amerikanische Konkurrenz einstweilen gesprengt. Die Illusion, mit der die internationale Sozialdemokratie und die Gewerkschaftsbürokratie die Arbeitermassen vom revolutionären Kampfe zurückhielt, die Illusion, sie könnten um den Preis des Verzichts auf die Eroberung der politischen Macht im revolutionären Kampfe schrittweise friedlich die wirtschaftliche Macht und Selbstverwaltung erreichen, liegt im Absterben.

Die Sozialisierungs-Komödien in *Deutschland*, mit deren Hilfe die Regierung Scheidemann-Noske im März 1919 die Arbeiterschaft von dem Ansturm zurückzuhalten suchte, sind zu Ende. Die Sozialisierungsphrase hat Platz gemacht der realen *Stinnesierung*, d. h. der Unterwerfung der deutschen Industrie unter einen kapitalistischen Diktator und die mit ihm verbundenen Cliquen. Der Angriff der preußischen Regierung unter der Führung des Sozialdemokraten Severing gegen die mitteldeutschen Bergarbeiter bildet die Einleitung zur allgemeinen Angriffsaktion der deutschen Bourgeoisie zur Herabdrückung der Löhne der deutschen Arbeiterschaft. In *England* sind alle Nationalisierungspläne ins Wasser gefallen. Statt der Realisierung des Nationalisierungsplanes der Sankeykommission unterstützt die Regierung durch Militäraufgebot die Aussperrung der englischen Bergarbeiter. Die *französische* Regierung kann nur mit Hilfe eines Raubzuges gegen Deutschland ihren wirtschaftlichen Bankerott aufschieben. An irgendwelchen planvollen Aufbau der Wirtschaft denkt sie nicht. Ja, sogar der Wiederaufbau des zerstörten Nordfrankreich, soweit er in Angriff genommen wird, dient nur der privatkapitalistischen Bereicherung. In *Italien* ging die Bourgeoisie mit Hilfe der weißen Banden der Faszisten zum Angriff gegen die Arbeiterklasse über. Ueberall hat die bürgerliche Demokratie sich weiter demaskieren müssen, in den alten Staaten bürgerlicher Demokratie sowohl, wie in den neuen, die aus dem imperialistischen Zusammenbruch hervorgegangen sind. Weiße Garden, diktatorische Vollmacht der Regierung in England gegenüber dem Bergarbeiterstreik, Faszisten, Guarda Regia in Italien, Pinkertons, Ausstoßung sozialistischer Abgeordneter aus den Parlamenten, Lynchjustiz in den Vereinigten Staaten, der weiße Schrecken in Polen, Jugoslavien, Rumänien, Lettland und Estland, die Legalisierung des weißen Schreckens in Finnland und Ungarn und den Balkanländern, Kommunistengesetz in der Schweiz, Frankreich usw. Ueberall sucht die Bourgeoisie der Arbeiterklasse die Folgen der gesteigerten wirtschaftlichen Anarchie aufzubürden: die Arbeitszeit zu verlängern, die Löhne zu drücken. Ueberall helfen ihr die Führer der Sozialdemokratie und die der Amsterdamer Gewerkschafts-Internationale. Sie können aber das Erwachen der Arbeitermassen zu neuem Kampfe, das Nahen neuer revolutionärer Wellen nur aufschieben, nicht aber verhindern. Schon sehen wir, wie das *deutsche Proletariat sich zum Gegenangriff* vorbereitet, wie die *englischen Bergarbeiter*, trotz des Verrats der tradeunionistischen Führer wochenlang heldenhaft im Kampfe gegen das Grubenkapital ausharren. Wir sehen, wie nach den Erfahrungen, die das *italienische* Proletariat mit der Politik des Zauderns der Serratigruppe gemacht hat, in seinen Vorderreihen sich der Wille zum Kampf ansammelt, der in der Bildung der Kommunistischen Partei Italiens zum Ausdruck gelangt. Wir sehen, wie in *Frankreich* nach der Spaltung, nach der Absonderung von den Sozialpatrioten und Zentristen die Sozialistische Partei von der kommunistischen Agitation und Propaganda zu *Massendemonstrationen* gegen den imperialistischen Raub überzugehen beginnt. Wir erleben in der *Tschechoslowakei* den *politischen Dezemberstreik*, an dem trotz des vollkommenen Fehlens einer einheitlichen Leitung eine Million Arbeiter teilnehmen, wie die darauffolgende Bildung der tschechischen Kommunistischen Partei, als einer Massenpartei. In *Polen* haben wir im Februar unter der Führung der Kommunistischen Partei den Eisenbahnerstreik und den sich ihm anschließenden Generalstreik und wohnen dem fortschreitenden Prozeß der Zersetzung der sozialpatriotischen polnischen Sozialistischen Partei bei. *Nicht das Abflauen der Weltrevolution, nicht das Abebben ihrer Wellen, sondern umgekehrt: am wahrscheinlichsten ist unter den gegebenen Verhältnissen die unmittelbare Verschärfung der sozialen Gegensätze und der sozialen Kämpfe.*

### 3. Die wichtigste Aufgabe der Gegenwart.

Die Eroberung des ausschlaggebenden Einflusses auf die Mehrheit der Arbeiterklasse, das Hineinführen ihrer entscheidenden Teile in den Kampf ist gegenwärtig die wichtigste Frage der Kommunistischen Internationale. Denn trotz der objektiv revolutionären ökonomischen und politischen Lage, in der die Schärfe der revolutionären Krisis ganz plötzlich entstehen kann (sei es in einem großen Streik, einem kolonialen Aufstand, einem neuen Krieg oder sogar in einer großen parlamentarischen Krisis usw.), steht die Mehrheit der Arbeiterklasse noch nicht unter dem Einflusse des Kommunismus, insbesondere in solchen Ländern, wo auf Grundlage der starken Macht des Finanzkapitals große Schichten vom Imperialismus korrumpierter Arbeiter existieren (z. B. in England und Amerika) und wo die wirkliche revolutionäre Massenpropaganda erst begonnen hat. Die Kommunistische Internationale hat vom ersten Tage ihrer Bildung an klar und unzweideutig sich zum Zwecke gesetzt nicht die Bildung kleiner, kommunistischer Sekten, die nur durch Propaganda und Agitation ihren Einfluß auf die Arbeitermassen herzustellen suchen, sondern *die Teilnahme an dem Kampfe der Arbeitermassen, die Leitung dieses Kampfes in kommunistischem Sinne und die Bildung im Kampfe erprobter, großer, revolutionärer kommunistischer Massenparteien.* Die Kommunistische Internationale hat schon im ersten Jahre ihrer Existenz die sektiererischen Tendenzen abgelehnt, indem sie die ihr angeschlossenen Parteien — mochten sie noch so klein sein — aufforderte, sich an den Gewerkschaften zu beteiligen, um deren reaktionäre Bürokratie von innen heraus zu überwinden und die Gewerkschaften zu revolutionären Massenorganisationen des Proletariats, zu Organen seines Kampfes zu machen. Schon im ersten Jahre ihrer Existenz hat die Kommunistische Internationale die kommunistischen Parteien aufgefordert, sich nicht in Propagandazirkeln zu verschließen, sondern alle Möglichkeiten, die ihnen die bürgerliche Staatsordnung zur Agitation und Organisation des Proletariats offen zu lassen genötigt ist, auszunützen: die Freiheit der Presse, die Koalitionsfreiheit und die bürgerlichen, parlamentarischen Institutionen — mögen sie noch so sehr verkümmert sein — zur Waffe, zur Tribüne, zum Sammelplatz des Kommunismus zu machen. Auf ihrem II. Kongreß hat die Kommunistische Internationale die sektiererischen Tendenzen in ihren Resolutionen über die Gewerkschaftsfrage und über die Ausnützung des Parlamentarismus offen abgelehnt. *Die Erfahrungen des zweijährigen Kampfes der kommunistischen Parteien haben die Richtigkeit des Standpunktes der Kommunistischen Internationale vollkommen bestätigt.* Die Kommunistische Internationale hat durch ihre Politik die *Trennung der revolutionären Arbeiter nicht nur von den offenen Reformisten, sondern auch von den Zentristen in einer Reihe von Ländern herbeigeführt.* Dadurch, daß die Zentristen eine 2½-*Internationale* gebildet haben, die offen sich mit den Scheidemännern, Jouhaux und Henderson auf dem Boden der Amsterdamer Gewerkschaftsinternationale vereinigt, wurde das Kampfterrain für die proletarischen Massen viel übersichtlicher, was die kommenden Kämpfe nur erleichtern wird. Der *deutsche* Kommunismus wurde dank der Taktik der Kommunistischen Internationale (revolutionäre Arbeit in den Gewerkschaften, Offener Brief usw.) aus einer politischen Richtung, als welche er in die Januar- und Märzkämpfe des Jahres 1919 eintrat, zu einer großen, revolutionären Massenpartei. Er hat in den Gewerkschaften einen Einfluß erworben, der die Gewerkschaftsbürokratie veranlaßte, aus Furcht vor der revolutionären Wirkung der kommunistischen Gewerkschaftsarbeit, zahlreiche Kommunisten aus der Gewerkschaft auszuschließen und sie nötigte, das Odium der Spaltung der Gewerkschaften auf sich zu nehmen. In der *Tschechoslowakei* ist es den Kommunisten gelungen, die Mehrheit der politisch organisierten Arbeiter auf ihre Seite zu bringen. In *Polen* hat die Kommunistische Partei, in erster Linie dank ihrer Minierarbeit in den Gewerkschaften, es verstanden, den ungeheuren Verfolgungen zum Trotz, die ihre Parteiorganisation zur vollkommenen Illegalität zwingen, mit den Massen nicht nur in Verbindung zu bleiben, sondern als ihre Führerin in Massenkämpfen aufzutreten. In *Frankreich* haben die Kommunisten die Mehrheit in der Sozialistischen Partei erobert. In *England* vollzieht sich der Konsolidierungsprozeß der kommunistischen Gruppen auf dem Boden der taktischen Richtlinien der Kommunistischen Internationale, und der wachsende Einfluß der Kommunisten nötigt die Sozialverräter, zu versuchen, den Kommunisten den Eintritt in die Labour Party unmöglich zu machen. *Die sektiererischen kommunistischen Gruppen (wie die K. A. P. D. usw.) konnten dagegen auf ihrem Wege nicht die geringsten Erfolge erreichen.* Die Theorie der Stärkung des Kommunismus durch die reine Propaganda und Agitation, durch die Bildung besonderer kommunistischer Gewerkschaften, hat vollen Schiffbruch erlitten. Nirgends konnte auf diesem Wege irgendeine einflußreiche kommunistische Partei gebildet werden.

### 4. Die Lage in der Kommunistischen Internationale.

Auf diesem Wege zur Bildung kommunistischer Massenparteien ist die Kommunistische Internationale nicht überall weit genug gelangt. Ja, in zwei der wichtigsten Länder des siegreichen Kapitalismus hat sie auf diesem Gebiete noch alles zu tun.

In den *Vereinigten Staaten von Nordamerika*, in denen aus historischen Gründen auch vor dem Kriege irgendwelche breitere revolutionäre Bewegung fehlte, stehen die Kommunisten noch immer vor den ersten, einfachsten Aufgaben der Herausbildung eines kommunistischen Kernes und seiner Verbindung mit den Arbeitermassen. Für diese ihre Arbeit bereitet jetzt die Wirtschaftskrisis, die fünf Millionen Arbeiter arbeitslos gemacht hat, einen sehr günstigen Boden. Im Bewußtsein der ihm drohenden Gefahr der Radikalisierung der Arbeiterbewegung und ihrer Beeinflussung durch die Kommunisten versucht das amerikanische Kapital, die junge kommunistische Bewegung durch barbarische Verfolgungen zu zerbrechen und zu vernichten und zur Illegalität zu zwingen, wo sie nach seiner Rechnung, ohne jede Verbindung mit den Massen, zu einer Propagandasekte ausarten und verdorren müßte. Die Kommunistische Internationale lenkt die Aufmerksamkeit der Vereinigten Kommunistischen Partei Amerikas darauf, daß die illegale Organisation nur den Boden zur Sammlung, Klärung der aktivsten kommunistischen Kräfte bilden soll, daß sie aber verpflichtet sind, alle Mittel und Wege zu versuchen, um aus ihren illegalen Organisationen heraus an die breiten, in Gärung sich befindlichen Massen der Arbeiterschaft zu gelangen, daß sie verpflichtet sind, die Wege und Formen zu finden, diese Massen politisch im öffentlichen Leben zum Kampfe gegen das amerikanische Kapital zusammenzufassen.

Auch der *englischen* kommunistischen Bewegung ist es noch nicht gelungen, trotz der Konzentration ihrer Kräfte zu einer einheitlichen kommunistischen Partei zur Massenpartei zu werden.

Die andauernde Desorganisation der englischen Wirtschaft, die unerhörte Verschärfung der Streikbewegung, die wachsende Unzufriedenheit in den breitesten Massen des Volkes mit dem Regime Lloyd Georges, die Möglichkeit eines Sieges der Arbeiterpartei und der liberalen Partei bei den nächsten Parlamentswahlen — all dies eröffnet in der Entwicklung Englands neue revolutionäre Perspektiven und stellt vor die englischen Kommunisten Fragen von äußerster Bedeutung.

Die erste Hauptaufgabe der Kommunistischen Partei Englands ist, daß sie zu einer Partei der Massen werde. Die englischen Kommunisten müssen sich immer fester auf den Boden der faktisch existierenden und sich entwickelnden Massenbewegung stellen, in allen konkreten Eigenheiten derselben eindringend, und einzelne sowie Teilforderungen der Arbeiter zum Ausgangspunkte der eigenen unermüdlichen und energischen Agitation und Propaganda machen.

Die mächtige Streikbewegung unterwirft die Fähigkeit, die Verläßlichkeit, Standhaftigkeit und Gewissenhaftigkeit der trade-unionistischen Apparate und Führer in den Augen von Hunderttausenden und Millionen von Arbeitern einer Prüfung. Unter diesen Bedingungen gewinnt die Arbeit der Kommunisten in den Gewerkschaften entscheidende Bedeutung. Keine von außen kommende Parteikritik kann auch in entferntem Maße jenen Einfluß auf die Massen ausüben, die durch die alltäglich standhafte Arbeit der kommunistischen Gewerkschaftszellen ausgeübt werden kann, durch jene Arbeit, die auf die Enthüllung und Diskreditierung der Verräter und Spießbürger des Trade-Unionismus gerichtet ist, die in England noch mehr als in irgendeinem anderen Lande politisches Spielzeug des Kapitals sind.

Wenn in anderen Ländern die Aufgabe der zu Massenparteien gewordenen kommunistischen Parteien darin besteht, daß sie in bedeutendem Maße die Initiative der Massenaktionen ergreifen, so besteht in England die Aufgabe der Kommunistischen Partei vor allem darin, daß sie auf Grundlage der sich faktisch entwickelnden Massenaktionen den Massen mit ihrer eigenen Erfahrung zeige und beweise, daß die Kommunisten die Interessen, die Bedürfnisse und Gefühle dieser Massen richtig und mutig zum Ausdruck bringen können.

Die kommunistischen Massenparteien Mittel- und Westeuropas stehen in dem Prozesse der Ausbildung der entsprechenden Methoden der revolutionären Agitation und Propaganda, im Prozeß der Ausbildung von Organisationsmethoden, die ihrem Kampfcharakter entsprechen würden und im Prozeß des Ueberganges von der kommunistischen Propaganda und Agitation zur Aktion. Dieser Prozeß wird verhindert durch die Tatsache, daß in einer Reihe von Ländern die Revolutionierung der Arbeiter zum Uebertritt ins Lager des Kommunismus stattgefunden hat unter der Leitung von Führern, die die zentristischen Tendenzen nicht überwunden haben und nicht imstande sind, eine wirklich kommunistische Volksagitation und Propaganda zu führen oder sie direkt befürchten, weil sie wissen, daß diese Propaganda und Agitation die Parteien zu revolutionären Kämpfen überleiten würde.

Diese zentristischen Tendenzen haben in *Italien* zur Spaltung der Partei geführt. Die Partei- und Gewerkschaftsführer, die sich um Serrati gruppierten, haben statt die spontanen Bewegungen der Arbeiterklasse, ihre wachsende Aktivität zum bewußten Kampfe um die Macht, für den in Italien die Vorbedingungen reif waren, umzugestalten, diese Bewegungen versanden lassen. Der Kommunismus war für sie kein Mittel der Aufrüttelung und Vereinigung der Arbeitermassen zum Kampfe. Und weil sie den Kampf fürchteten, mußten sie die kommunistische Propaganda und Agitation verwässern und ins zentristische Fahrwasser leiten. Sie stärkten auf diese Weise den Einfluß der Reformisten wie Turati und Treves in der Partei, und wie D’Aragona in den Gewerkschaften. Weil sie sich von den Reformisten weder in Wort noch Tat unterschieden, wollten sie sich nicht von den Reformisten trennen. Sie zogen es vor, sich von den Kommunisten zu trennen. Die Politik der Richtung Serrati, die auf einer Seite den Einfluß der Reformisten stärkte, schuf auf der anderen Seite die Gefahr des Einflusses der Anarchisten und Syndikalisten und der Erzeugung antiparlamentarischer, wortradikaler Tendenzen in der Partei selbst. Die Spaltung in Livorno, die Bildung der Kommunistischen Partei in Italien, die Zusammenfassung aller wirklich kommunistischen Elemente auf dem Boden der Beschlüsse des II. Kongresses der Kommunistischen Internationale zu einer kommunistischen Partei, wird den Kommunismus zu einer Massenkraft in Italien machen, wenn die Kommunistische Partei Italiens, ununterbrochen, unbeugsam gegen die opportunistische Politik des Serratismus kämpfend, gleichzeitig imstande sein wird, sich mit den Massen des Proletariats in den Gewerkschaften, in den Streiks, in den Kämpfen gegen die konterrevolutionären Organisationen der Faszisten zu verbinden, ihre Bewegungen zu verschmelzen, ihre spontanen Aktionen in sorgfältig vorbereitete Kämpfe zu verwandeln.

In *Frankreich*, wo das chauvinistische Gift der „nationalen Verteidigung“ und nachher der Siegestaumel stärker waren, als in irgendeinem anderen Lande, entwickelte sich die Reaktion gegen den Krieg langsamer, als in den übrigen Ländern. Dank dem moralischen Einfluß der russischen Revolution, der revolutionären Kämpfe in den kapitalistischen Ländern und dank der Erfahrung der ersten Kämpfe des von seinen Führern verratenen französischen *Proletariats*, entwickelte sich die französische Sozialistische Partei in ihrer Mehrheit in der Richtung des Kommunismus, noch bevor sie durch die Entwicklung der Ereignisse vor die entscheidenden Fragen der revolutionären Aktion gestellt wurde. Diese Lage kann die französische Kommunistische Partei um so besser und in um so vollerem Maße ausnutzen, je entschiedener sie in der eigenen Mitte — besonders in den führenden Kreisen — die noch allzu starken Ueberbleibsel der nationalpazifistischen, parlamentarisch-reformistischen Ideologie beseitigt. Die Partei muß sich in größerem Maße nicht nur im Vergleich mit der Vergangenheit, sondern auch mit der Gegenwart den Massen und ihren am meisten unterdrückten Schichten in Stadt und Land nähern und die Leiden und Bedürfnisse dieser Massen klar und voll zum Ausdruck bringen. In ihrem parlamentarischen Kampfe muß die Partei entschieden mit jenen heuchlerischen Formalitäten des französischen Parlamentarismus und seinen verlogenen Höflichkeitsformen brechen, die von der Bourgeoisie bewußt unterstützt wurden, um die Vertreter der Arbeiterklasse einzuschüchtern und zu hypnotisieren. Die Vertreter der Kommunistischen Partei im Parlament müssen bestrebt sein, in ihrem streng kontrollierten Auftreten den Betrug des nationalistischen Demokratismus und des traditionellen Revolutionismus zu entlarven und jede Frage als eine Frage der Klasseninteressen und des unerbittlichen Klassenkampfes hinzustellen.

Die Agitation muß in der Praxis einen viel konzentrierteren und energischeren Charakter annehmen. Sie darf sich nicht in den veränderlichen und wechselvollen Situationen und Kombinationen der laufenden Politik auflösen. Sie muß aus allen Ereignissen, kleinen und großen, revolutionäre Grundfolgerungen ziehen und sie auch den zurückgebliebensten Arbeitermassen einprägen. Nur bei einer derartigen, wirklich revolutionären Haltung wird die Kommunistische Partei nicht einfach als der linke Flügel jenes radikalen, longuetistischen Blocks erscheinen, der mit immer größerer Energie und immer größerem Erfolge der bürgerlichen Gesellschaft seine Dienste anbietet, um sie zu schützen vor jenen Erschütterungen, die in Frankreich mit unabwendbarer Konsequenz herannahen. Unabhängig davon, ob diese entschiedenen revolutionären Ereignisse früher oder später eintreten werden, wird eine disziplinierte, von revolutionärem Willen ganz erfüllte Kommunistische Partei auch jetzt in der Epoche der Vorbereitung die Möglichkeit finden, die Arbeitermassen auf ökonomischer und politischer Grundlage zu mobilisieren, ihrem Kampfe einen weiteren und klareren Charakter zu geben.

Die Versuche revolutionärer, ungeduldiger und politisch unerfahrener Elemente, die die äußersten Methoden, die ihrem Wesen nach Methoden des entscheidenden revolutionären Aufstandes des Proletariats sind, bei einzelnen Fragen und Aufgaben anwenden wollen (der Vorschlag, den Jahrgang 19 aufzufordern, sich der Mobilisierung zu widersetzen) können im Falle ihrer Anwendung die wahrhaft revolutionäre Vorbereitung des Proletariats zur Eroberung der Macht auf lange Zeit vereiteln.

Die Kommunistische Partei Frankreichs, ebenso wie die Parteien aller anderen Länder haben zur Aufgabe, diese äußerst gefährlichen Methoden zu verwerfen. Diese Pflicht darf in keinem Falle die Partei zur Inaktivität veranlassen; ganz im Gegenteil.

Die verstärkte Verbindung der Partei mit den Massen bedeutet vor allem die engere Verknüpfung mit den Gewerkschaften. Die Aufgabe der Partei besteht nicht darin, daß die Gewerkschaften mechanisch äußerlich der Partei unterstellt werden und der durch den Charakter ihrer Arbeit erforderlichen Autonomie entsagen, sondern darin, daß die wahrhaft revolutionären, von der Kommunistischen Partei vereinigten und geleiteten Elemente im Rahmen der Gewerkschaften selbst der Arbeit derselben eine Richtung geben, die den allgemeinen Interessen des um die Eroberung der Macht kämpfenden Proletariats entspricht. Mit Rücksicht darauf ist die Kommunistische Partei Frankreichs verpflichtet, in freundschaftlicher, aber entschlossener und klarer Form mit einer Kritik gegen jene anarcho-syndikalistischen Tendenzen hervorzutreten, die die Diktatur des Proletariats verwerfen und die Notwendigkeit einer Vereinigung seines Vortruppes in einer zentralisierten, führenden Organisation, d. h. in der Kommunistischen Partei, verneinen. Auch jene syndikalistischen Uebergangstendenzen, die hinter der Charte von Amiens verschanzt — die acht Jahre vor dem Kriege ausgearbeitet wurde — jetzt keine klare und offene Antwort auf grundlegende Fragen der neuen, auf den Krieg folgenden Epoche geben wollen, muß die Partei in gleicher Weise kritisieren.

Der sich in dem französischen Syndikalismus geltend machende Haß gegen das Politikastertum ist in erster Reihe der gerechtfertigte Haß gegen den traditionellen „sozialistischen“ Parlamentarier. Der rein revolutionäre Charakter der Kommunistischen Partei wird die Möglichkeit schaffen, allen revolutionären Elementen die Notwendigkeit der politischen Gruppierung zur Eroberung der Macht durch die Arbeiterklasse klar zu beweisen.

Die Verschmelzung der revolutionär-syndikalistischen mit der kommunistischen Organisation in ein Ganzes ist eine notwendige Bedingung jedes ernsthaften Kampfes des französischen Proletariats.

Sowohl die Ueberwindung und Beseitigung der Tendenzen zu verfrühter Aktion als auch die Bezwingung der prinzipiellen Formlosigkeit und des organisatorischen Separatismus der revolutionären Syndikalisten können und werden nur in dem Maße erreicht werden, wenn die Partei selbst — wie oben gesagt — durch wirklich revolutionäre Behandlung einer jeden Frage des alltäglichen Lebens und Kampfes sich in ein mächtiges Anziehungszentrum für die Arbeitermassen Frankreichs verwandelt.

In der *Tschechoslowakei* haben sich die arbeitenden Massen in zweieinhalb Jahren zu einem großen Teil von den reformistischen und nationalistischen Illusionen befreit. Im September des vorigen Jahres trennte sich die Mehrheit der sozialdemokratischen Arbeiter von ihren reformistischen Führern. Im Dezember standen schon zirka eine Million Arbeiter von dreieinhalb Millionen industrieller Arbeiter der Tschechoslowakei inmitten einer revolutionären Massenaktion gegen die tschechoslowakische kapitalistische Regierung. Im Mai d. J. bildet sich die tschechoslowakische Kommunistische Partei mit 350 000 Mitgliedern neben der schon früher gebildeten deutschböhmischen Kommunistischen Partei, die 60 000 Mitglieder zählt. Die Kommunisten bilden somit nicht nur einen großen Teil des Proletariats der Tschechoslowakei, sondern auch seiner Gesamtbevölkerung. Die tschechoslowakische Partei steht jetzt vor der Aufgabe, durch eine wirklich kommunistische Agitation noch weitere Arbeitermassen heranzuziehen, die alten und neu gewonnenen Mitglieder durch eine klare und rücksichtslose kommunistische Propaganda zu schulen, durch die Vereinigung der Arbeiter aller Nationen der Tschechoslowakei eine geschlossene Front der Proletarier gegen den Nationalismus, dieses Hauptwerkzeug der Bourgeoisie in der Tschechoslowakei, zu bilden, und die so geschaffene Kraft des Proletariats in allen bevorstehenden Kämpfen gegen die niederdrückenden Tendenzen des Kapitalismus, gegen die Regierung zu stärken und zur unüberwindlichen Macht zu gestalten. Die Kommunistische Partei in der Tschechoslowakei wird diesen Aufgaben desto schneller Herr werden, wenn sie klar und entschlossen alle zentristischen Traditionen und Bedenken überwindet, und wenn sie eine Politik treibt, die die breitesten Massen des Proletariats revolutionär aufklärt, einheitlich zusammenschließt und so imstande ist, ihre Aktionen vorzubereiten und siegreich durchzuführen. Der Kongreß beschließt, daß die tschechoslowakische und deutschböhmische Kommunistische Partei ihre Organisationen verschmelzen und zu einer einheitlichen Partei auszugestalten haben in einer Frist, die von der Exekutive zu bestimmen ist.

*Die Vereinigte Kommunistische Partei Deutschlands*, die entstand aus der Vereinigung des Spartakusbundes und den linken unabhängigen Arbeitermassen, steht, obwohl schon Massenpartei, vor der großen Aufgabe, ihren Einfluß auf die breiten Massen zu erhöhen und zu verstärken, die proletarischen Massenorganisationen, die Gewerkschaften, zu erobern, den Einfluß der sozialdemokratischen Partei- und Gewerkschaftsbürokratie zu brechen und in den kommenden Kämpfen des Proletariats Führerin der Massenbewegung zu werden. Diese, ihre Hauptaufgabe erfordert die Einstellung der ganzen Agitations- und Organisationsarbeit auf die Eroberung der Sympathien der Mehrheit der Arbeiterschaft, ohne die bei der Macht des deutschen Kapitals kein Sieg des Kommunismus in Deutschland möglich ist. Dieser Aufgabe wurde die Partei weder, was die Breite der Agitation, noch was ihren Inhalt anbetrifft, bisher gerecht. Sie verstand auch nicht, konsequent den Weg zu bearbeiten, den sie durch den „offenen Brief“ betrat, den der Entgegenstellung der praktischen Interessen des Proletariats und der verräterischen Politik der sozialdemokratischen Parteien und der Gewerkschaftsbürokratie. Ihre Presse und ihre Organisation trägt noch zu sehr den Stempel der Vereins- und nicht der Kampforgane und -Organisation. Die darin zum Ausdruck gelangten, noch nicht völlig überwundenen zentristischen Tendenzen führten einerseits dazu, daß die Partei, gestellt vor die Notwendigkeiten des Kampfes, zu ihm jäh, ohne genügende Vorbereitung überging, und daß sie nicht genügend die Notwendigkeit der geistigen Verbindung mit den nichtkommunistischen Massen im Auge behielt. Die Aktionsaufgaben, vor die die V.K.P.D. durch den Prozeß der Zerrüttung der deutschen Wirtschaft, durch die Offensive des Kapitals gegen die Lebenshaltung der Arbeitermassen bald gestellt sein wird, können nur dann gelöst werden, wenn die Partei die Aufgaben der Agitation und Organisation denen der Aktion, der Tat, nicht entgegenstellt, sondern den Geist der Kampfbereitschaft in ihren Organisationen ständig wach hält, wenn sie ihre Agitation zu einer wirklich volkstümlichen macht, wenn sie ihre Organisation so aufbaut, daß sie durch ihre Verbindung mit den Massen die Fähigkeit in sich entwickelt, die Kampfsituationen aufs sorgfältigste abzuwägen und die Kämpfe sorgfältig vorzubereiten.

Die Parteien der Kommunistischen Internationale werden zu revolutionären Massenparteien, wenn sie den Opportunismus, seine Ueberreste und seine Traditionen, in ihren Reihen dadurch überwinden, daß sie sich eng mit den kämpfenden Arbeitermassen zu verbinden suchen, ihre Aufgaben aus den praktischen Kämpfen des Proletariats schöpfen, in diesen Kämpfen ebenso die opportunistische Politik der Vertuschung und Verkleisterung der unüberbrückbaren Gegensätze ablehnen und gleichzeitig jede revolutionäre Phrase ablehnen, die den Einblick in das reale Kräfteverhältnis verschließt, die Schwierigkeiten des Kampfes übersehen läßt. Die kommunistischen Parteien sind entstanden aus der Spaltung der alten sozialdemokratischen Parteien. Diese Spaltung war das Resultat der Tatsache, daß diese Parteien die Interessen des Proletariats im Kriege verraten haben und sie nach dem Kriege durch Bündnisse mit der Bourgeoisie oder durch eine zaghafte, jedem Kampfe ausweichende Politik weiter verraten. Die Parolen und die Grundsätze der kommunistischen Parteien bilden den einzigen Boden, auf dem die Arbeitermasse sich wieder vereinigen kann; denn sie drücken die Notwendigkeiten des proletarischen Kampfes aus. Weil dem so ist, sind es jetzt die sozialdemokratischen und die zentristischen Parteien und Richtungen, die die Atomisierung und Teilung des Proletariats darstellen, während die kommunistischen Parteien das Element seiner Sammlung bilden. In Deutschland waren es die Zentristen, die sich von der Mehrheit ihrer Partei getrennt haben, als sich diese zum Banner des Kommunismus bekannten. Aus Angst vor dem einigenden Einfluß des Kommunismus haben die Sozialdemokraten und unabhängigen Sozialdemokraten Deutschlands wie die sozialdemokratische Gewerkschaftsbürokratie es abgelehnt, in gemeinsamen Aktionen zur Verteidigung der einfachsten Interessen des Proletariats mit den Kommunisten zusammenzugehen. In der Tschechoslowakei waren es die Sozialdemokraten, die die alte Partei gesprengt haben, als sie den Sieg des Kommunismus nahen sahen, in Frankreich trennten sich die Longuetisten von der Mehrheit der französischen sozialistischen Arbeiter, während die Kommunistische Partei auf die Vereinigung der sozialistischen und syndikalistischen Arbeiter hinwirkt. In England sind es die Reformisten und Zentristen, die die Kommunisten aus Angst vor ihrem Einfluß aus der Labour-Party herausdrängen und die den Zusammenschluß der Arbeiter in ihrem Kampfe gegen die Kapitalisten immer wieder sabotieren. Die kommunistischen Parteien werden so zu Trägern des Vereinigungsprozesses des Proletariats auf dem Boden des Kampfes um seine Interessen, und sie werden aus diesem Bewußtsein ihrer Rolle neue Kräfte sammeln.

### 5. Teilkämpfe und Teilforderungen.

Die kommunistischen Parteien können sich nur im Kampfe entwickeln. Selbst die kleinsten kommunistischen Parteien dürfen sich nicht auf bloße Propaganda und Agitation beschränken. Sie haben in allen Massenorganisationen des Proletariats die Vorhut zu bilden, die den zurückgebliebenen, schwankenden Massen durch die Formulierung praktischer Kampfvorschläge, durch das Drängen zum Kampfe um alle Lebensnotwendigkeiten des Proletariats zeigen, wie man kämpfen soll und auf diese Weise den verräterischen Charakter aller nichtkommunistischen Parteien den Massen enthüllen. Nur indem die Kommunisten sich an die Spitze der praktischen Kämpfe des Proletariats zu stellen verstehen, nur indem sie diesen Kampf fördern, können sie in Wirklichkeit große Massen des Proletariats für den Kampf um die Diktatur gewinnen.

Die gesamte Agitation und Propaganda, die sämtliche Arbeit der kommunistischen Parteien muß erfüllt sein von dem Bewußtsein, daß auf dem Boden des Kapitalismus keine dauerhafte Besserung der Lage der Masse des Proletariats möglich ist, daß nur die Niederwerfung der Bourgeoisie, die Zertrümmerung des kapitalistischen Staates die Möglichkeit gibt, an die Besserung der Lage der Arbeiterklasse zu schreiten, den Wiederaufbau der vom Kapitalismus zertrümmerten Volkswirtschaft in Angriff zu nehmen. *Aber diese Einsicht darf sich nicht ausdrücken in dem Verzicht auf den Kampf um die aktuellen, unaufschiebbaren Lebensnotwendigkeiten des Proletariats, bis es fähig sein wird, sie durch seine Diktatur zu verfechten.* Die Sozialdemokratie, die jetzt in der Periode des Zusammenbruchs und Zerfalls des Kapitalismus, in der Zeit, wo der Kapitalismus nicht mehr imstande ist, den Arbeitern sogar das Leben sattgefütterter Sklaven zu sichern, das alte sozialdemokratische Programm der *friedlichen Reformen* aufstellt, der Reformen, die auf dem Boden, in dem Rahmen des bankrotten Kapitalismus mit friedlichen Mitteln durchgeführt werden sollen, betrügt bewußt die arbeitenden Massen. Nicht nur ist der Kapitalismus in der Periode des Verfalls unfähig, den Arbeitern irgendwelche menschliche Lebensbedingungen zu sichern, sondern die Sozialdemokraten, die Reformisten aller Länder beweisen jeden Tag, daß sie nicht gewillt sind, auch um die bescheidensten Forderungen, die in ihrem Programm aufgestellt sind, irgendeinen Kampf zu führen. Einen ebensolchen Betrug der Volksmassen bildet die *Forderung der Sozialisierung oder Nationalisierung* der wichtigsten Industriezweige, wie sie von den *zentristischen Parteien* aufgestellt wird. Nicht nur führten die Zentristen die Massen irre, indem sie ihnen einzureden suchen, daß die Allgemeinheit die wichtigsten Industriezweige den Händen des Kapitals entreißen kann, ohne daß die Bourgeoisie besiegt wird, sondern sie suchen die Arbeiter von dem wirklichen, lebendigen Kampf um ihre nächsten Bedürfnisse abzulenken durch die Hoffnung der allmählichen Besitzergreifung eines Industriezweiges nach dem anderen, worauf erst der „planmäßige“ Wirtschaftsaufbau beginnen würde. Sie gelangen so zurück zum *sozialdemokratischen Minimalprogramm* der Reform des Kapitalismus, das sich in offenkundigen konterrevolutionären Betrug verwandelt hat. Insoweit bei der Aufstellung des Nationalisierungsprogramms, z. B. bei der Kohlenindustrie, bei einem Teil der Zentristen der lassalleanische Gedanke eine Rolle spielt, alle Energien des Proletariats auf eine einzige Forderung zu richten, um sie zum Hebel einer revolutionären Aktion zu machen, die in ihrer Entwicklung zum Kampfe um die Macht führen würde, so haben wir es hier mit einer leblosen Planmacherei zu tun; die Arbeiterklasse leidet jetzt in allen kapitalistischen Staaten unter so vielen, so schrecklichen Geißeln, daß es unmöglich ist, den Kampf gegen all diese erdrückenden Lasten, auf sie niedersausenden Schläge auf einen doktrinär ausgeklügelten Gegenstand zu konzentrieren. Umgekehrt gilt es, *jedes* Bedürfnis der Massen zum Ausgangspunkt der revolutionären Kämpfe zu nehmen, die erst *vereint* den mächtigen Strom der sozialen Revolution bilden. — Die kommunistischen Parteien stellen für diese Kämpfe kein *Minimalprogramm* auf, das auf dem Boden des Kapitalismus seinen wankenden Bau stärken und verbessern soll. Die Zertrümmerung dieses Baues bleibt ihr leitendes Ziel — bleibt ihre aktuelle Aufgabe. Um aber diese Aufgabe zu erfüllen, haben die kommunistischen Parteien Forderungen aufzustellen, deren Erfüllung ein sofortiges, unaufschiebbares Bedürfnis der Arbeiterklasse bildet, und sie haben diese Forderungen im Kampfe der Massen zu verfechten, unabhängig davon, ob sie mit der Profitwirtschaft der kapitalistischen Klasse vereinbar sind oder nicht.

Nicht die Existenz- und Konkurrenzfähigkeit der kapitalistischen Industrie, noch die Tragfähigkeit der kapitalistischen Finanzwirtschaft sollen die kommunistischen Parteien beachten, sondern die Grenzen der Not, die das Proletariat nicht ertragen kann und nicht ertragen darf. Wenn die Forderungen dem lebhaften Bedürfnis breiter proletarischer Massen entsprechen, wenn diese Massen von dem Empfinden erfüllt sind, daß sie ohne Verwirklichung dieser Forderungen nicht existieren können, dann werden die Kämpfe um diese Forderungen zu Ausgangspunkten des Kampfes um die Macht. An Stelle des Minimalprogrammes der Reformisten und Zentristen setzt die Kommunistische Internationale den Kampf um konkrete Bedürfnisse des Proletariats, um ein System von Forderungen, die in ihrer Gesamtheit die Macht der Bourgeoisie zersetzen, das Proletariat organisieren, Etappen im Kampfe um die proletarische Diktatur bilden und deren jede für sich dem Bedürfnis der breitesten Massen Ausdruck verleiht, auch wenn diese Massen noch nicht bewußt auf dem Boden der proletarischen Diktatur stehen.

In dem Maße, wie der Kampf um diese Forderungen immer größere Massen umfaßt und mobilisiert, in dem Maße, wie dieser Kampf die Lebensnotwendigkeiten der Massen den Lebensnotwendigkeiten der kapitalistischen Gesellschaft entgegenstellt, wird die Arbeiterklasse sich bewußt werden, daß, wenn sie leben soll, der Kapitalismus sterben muß; dieses Bewußtsein ist die Grundlage des Willens zum Kampfe um die Diktatur. Es ist die Aufgabe der kommunistischen Parteien, diese unter der Losung konkreter Forderungen sich entwickelnden Kämpfe auszubreiten, zu vertiefen und zu verbinden. Jede Teilaktion, die von den arbeitenden Massen zwecks Erreichung einer Teilforderung unternommen wird, jeder ernstere ökonomische Streik mobilisiert zugleich die ganze Bourgeoisie, die als Klasse sich zur Seite der bedrohten Teile der Unternehmer stellt, um jeden, auch nur teilweisen Sieg des Proletariats unmöglich zu machen (technische Nothilfe, bürgerliche Streikbrecher im englischen Eisenbahnerstreik, Faszisten). Die Bourgeoisie mobilisiert auch ihre ganze Staatsmaschine zum Kampfe gegen die Arbeiter (Militarisierung der Arbeiter in Frankreich und in Polen, Ausnahmezustand während des Bergarbeiterstreiks in England). Die Arbeiter, die um ihre Teilforderungen kämpfen, werden automatisch zum Kampf mit der ganzen Bourgeoisie und ihrem Staatsapparat gezwungen. In dem Maße, wie die Kämpfe um Teilforderungen, wie die Teilkämpfe einzelner Gruppen der Arbeiter sich auswachsen zum allgemeinen Kampf der Arbeiterklasse gegen den Kapitalismus, hat die Kommunistische Partei auch ihre *Losungen zu steigern,* zu verallgemeinern bis zur Losung der direkten Niederwerfung des Gegners. Bei der Aufstellung ihrer Teilforderungen haben die kommunistischen Parteien darauf zu achten, daß diese in dem Bedürfnis der breitesten Massen verankerten Forderungen nicht nur diese Massen in den Kampf führen, sondern auch, daß sie ihrem Wesen nach die Massen *organisierende Forderungen* sind. Alle konkreten Losungen, die den wirtschaftlichen Nöten der Arbeitermassen entspringen, müssen hineingeleitet werden in das Bett des Kampfes um die *Kontrolle der Produktion* nicht als eines Planes der bürokratischen Organisation der Volkswirtschaft unter dem Regime des Kapitalismus, sondern des Kampfes gegen den Kapitalismus durch die Betriebsräte wie die revolutionären Gewerkschaften. Nur durch den Ausbau solcher Organisationen, nur durch ihre Verbindung nach Industriezweigen und Industriezentren kann der Kampf der Arbeitermassen organisatorisch vereinheitlicht werden, kann der Spaltung der Masse durch die Sozialdemokratie und die Gewerkschaftsführer Widerstand geleistet werden. Die Betriebsräte werden diese Aufgabe erfüllen, nur wenn sie im Kampfe um wirtschaftliche Ziele entstehen, die den breitesten Massen der Arbeiter gemeinsam sind, nur wenn sie die Verbindung schaffen zwischen allen revolutionären Teilen des Proletariats: zwischen der kommunistischen Partei, den revolutionären Arbeitern und den sich in revolutionärer Entwicklung befindenden Gewerkschaften.

Jeder Einwand gegen die Aufstellung solcher Teilforderungen, jede Anklage des Reformismus wegen dieser Teilkämpfe ist ein Ausfluß derselben Unfähigkeit, die lebendigen Bedingungen der revolutionären Aktion zu erfassen, wie sie zum Ausdruck kam in der Gegnerschaft einzelner kommunistischer Gruppen gegen die Teilnahme an den Gewerkschaften, gegen die Ausnützung des Parlamentarismus. Nicht darauf kommt es an, dem Proletariat nur die Endziele zuzurufen, sondern den praktischen Kampf zu steigern, der allein imstande ist, das Proletariat zum Kampfe um die Endziele zu führen. Wie sehr die Einwände gegen die Teilforderungen unbegründet und fremd den Bedürfnissen des revolutionären Lebens sind, das beweist am besten die Tatsache, daß sogar die kleinen Organisationen, die von den sogenannten linken Kommunisten als Zufluchtsstätte der reinen Lehre gebildet worden sind, genötigt waren, Teilforderungen aufzustellen, wenn sie überhaupt versuchen wollen, breitere Arbeitermassen in den Kampf hineinzuziehen, als die, die sich um sie scharen oder, wenn sie gewillt sind, teilzunehmen an dem Kampfe breiter Volksmassen, um sie beeinflussen zu können. Das revolutionäre Wesen der jetzigen Epoche besteht eben darin, daß die bescheidensten Lebensbedingungen der Arbeitermassen unvereinbar sind mit der Existenz der kapitalistischen Gesellschaft, daß darum der Kampf auch um die bescheidensten Forderungen sich auswächst zum Kampf um den Kommunismus.

Während die Kapitalisten die immer mehr anwachsende Armee der Arbeitslosen zum Drucke auf die organisierte Arbeit zwecks Herabdrückung des Arbeitslohnes benutzen, halten sich die Sozialdemokraten, Unabhängigen und die offiziellen Führer der Gewerkschaften feigerweise fern von den Arbeitslosen, sie nur als Objekt der staatlichen und gewerkschaftlichen Wohltätigkeit betrachtend, und werten sie politisch als Lumpenproletariat. Die Kommunisten müssen sich klar darüber sein, daß unter den jetzigen Verhältnissen das Heer der Arbeitslosen ein revolutionärer Faktor von riesiger Bedeutung ist. Die Leitung dieser Armee müssen die Kommunisten auf sich nehmen. Durch Druck der Arbeitslosen auf die Gewerkschaften müssen die Kommunisten die Erneuerung der letzteren und in erster Reihe ihre Befreiung von den verräterischen Führern beschleunigen. Die Kommunistische Partei wird dadurch, daß sie die Arbeitslosen im Kampfe für den sozialistischen Umsturz mit dem Vortrupp des Proletariats vereinigt, die am meisten revolutionären und ungeduldigen Elemente der Arbeitslosen von einzelnen Verzweiflungsakten abhalten und die ganze Masse fähig machen, bei günstigen Bedingungen den Angriff einer Gruppe der Arbeiterschaft tätig zu unterstützen, über den Rahmen des gegebenen Konfliktes hinaus zu entwickeln, diesen Konflikt zum Ausgangspunkt einer entscheidenden Offensive zu machen, mit einem Wort so, daß diese ganze Masse aus einer Reservearmee der Industrie zu einer aktiven Armee der Revolution wird.

Indem sich die kommunistischen Parteien mit der größten Energie dieser Arbeiterschicht annehmen, indem sie in die Tiefen der Arbeiterklasse hinabsteigen, vertreten sie nicht die Interessen einer Arbeiterschicht gegen die andere, sondern vertreten damit das Gesamtinteresse der Arbeiterklasse, das die konterrevolutionären Führer verraten um der Augenblicksinteressen der Arbeiteraristokratie willen: je breiter die Schicht der Arbeitslosen, Kurzarbeiter usw. wird, um so mehr verwandelt sich ihr Interesse in das Gesamtinteresse der Arbeiterklasse, um so mehr müssen die vorübergehenden Interessen der Arbeiteraristokratie diesen Gesamtinteressen untergeordnet werden. Die Einstellung, die sich stützt auf die Interessen der Arbeiteraristokratie, um sie feindlich gegen die Arbeitslosen zu kehren oder um die Arbeitslosen im Stiche zu lassen, zerreißt die Arbeiterklasse und ist der Wirkung nach gegenrevolutionär. Die Kommunistische Partei als Vertreterin des Gesamtinteresses der Arbeiterklasse kann sich nicht darauf beschränken, dieses Gesamtinteresse zu erkennen und es propagandistisch geltend zu machen. Sie kann es wirksam nur vertreten, indem sie unter Umständen auch das Gros der am meisten gedrückten und verelendeten Arbeiterschaft gegen den Widerstand der Arbeiteraristokratie in den Kampf führt.

### 6. Die Vorbereitung des Kampfes.

Der Charakter der Uebergangsepoche macht es allen kommunistischen Parteien zur Pflicht, ihre Kampfbereitschaft auf das Höchste zu steigern. Jeder einzelne Kampf kann ausmünden in den Kampf um die Macht. Die Kampfbereitschaft der Partei kann nur dann ausgebildet werden, wenn die Partei ihrer gesamten Agitation den Charakter des leidenschaftlichen Angriffes auf die kapitalistische Gesellschaft verleiht, wenn sie versteht, in dieser Agitation sich mit den breitesten Massen des Volkes zu verbinden, so zu ihnen zu sprechen, daß sie die Ueberzeugung gewinnen können, unter Führung einer wirklich um die Macht ringenden Vorhut zu stehen. Nicht Vereinsorgane, die theoretisch die Richtigkeit des Kommunismus beweisen, sondern Weckrufe der proletarischen Revolution müssen die Preßorgane und die Aufrufe der kommunistischen Partei sein. Die Tätigkeit der Kommunisten in den Parlamenten hat nicht der Diskussion mit dem Feinde, nicht seiner Ueberzeugung zu dienen, sondern einer rücksichtslosen, unbarmherzigen Entlarvung, der Entlarvung der Agenten der Bourgeoisie, der Aufrüttelung des Kampfwillens der Arbeitermassen und der Heranziehung halbproletarischer kleinbürgerlicher Volksschichten an das Proletariat. Unsere Organisationsarbeit in den Gewerkschaften wie in den Parteiorganisationen darf nicht nur dem mechanischen Aufbau dienen, der rein zahlenmäßigen Vergrößerung unserer Reihen, sie muß erfüllt sein von dem Bewußtsein der kommenden Kämpfe. Nur wenn die Partei in allen ihren Lebensäußerungen und in allen ihren Organisationsformen der verkörperte Wille zum Kampfe sein wird, wird sie imstande sein, ihre Aufgabe zu erfüllen in den Momenten, wo die Bedingungen für größere Kampfaktionen vorhanden sein werden.

Wo die kommunistische Partei eine Massenkraft darstellt, wo sich über die Rahmen ihrer Parteiorganisation ihr Einfluß auf breitere Massen der Arbeiter erstreckt, dort hat sie die Pflicht, die Arbeitermassen durch die Tat zum Kampfe zu wecken. Große Massenparteien können sich nicht damit begnügen, das Versagen anderer Parteien zu kritisieren, ihren Forderungen die kommunistischen entgegenzusetzen. Auf ihnen, als einer Massenpartei, ruht selbständig die Verantwortung für die Entwicklung der Revolution. Wo die Lage der Arbeitermasse immer unerträglicher wird, haben die kommunistischen Parteien alles zu versuchen, um die Arbeitermassen in den Kampf um ihre Interessen zu bringen. Angesichts dessen, daß in Westeuropa und Amerika, wo die Arbeitermassen in Gewerkschaften und politischen Parteien organisiert sind, wo also bis auf weiteres auf spontane Bewegungen nur in sehr seltenen Fällen zu rechnen ist, haben die kommunistischen Parteien die Pflicht, zu versuchen, durch die Aufbietung ihres Einflusses in den Gewerkschaften, durch die Erhöhung des Druckes auf andere sich auf die Arbeitermassen stützende Parteien die gemeinsame Entfachung des Kampfes um die nächstliegenden Interessen des Proletariats anzustreben, wobei, falls die nichtkommunistischen Parteien in diesen Kampf hineingezwungen werden, die Aufgabe der Kommunisten darin besteht, die Arbeitermassen von vornherein auf die Möglichkeit des Verrats seitens der nichtkommunistischen Parteien in einem nachfolgenden Stadium des Kampfes vorzubereiten, die Situation möglichst zu verschärfen und weiterzutreiben, um befähigt zu sein, den Kampf eventuell selbständig weiterzuführen (vergl. den Offenen Brief der V.K.P.D., der als Ausgangspunkt für Aktionen vorbildlich sein kann). Genügt der Druck der kommunistischen Partei in den Gewerkschaften, in der Presse nicht, um das Proletariat in einheitlicher Front in den Kampf hineinzuführen, so ist es die Pflicht der kommunistischen Partei, zu versuchen, selbständig große Teile der Arbeitermassen in den Kampf zu führen.

Diese selbständige Politik der Verteidigung der Lebensinteressen des Proletariats durch den aktivsten, klassenbewußtesten Teil wird dann von Erfolg sein, wird dann zur Aufrüttelung der zurückgebliebenen Massen führen, wenn die Ziele des Kampfes aus den konkreten Situationen herauswachsen, wenn sie den breiten Massen verständlich sind, wenn die breiten Massen in diesen Zielen auch die ihren sehen, obwohl sie noch nicht fähig sind, für sie zu kämpfen.

Die kommunistische Partei hat sich jedoch nicht nur auf die *Abwehr* der dem Proletariat drohenden Gefahren, auf die Abwehr der auf die Arbeitermassen niedersausenden Schläge zu begrenzen. Die kommunistische Partei ist in der Periode der Weltrevolution ihrem Wesen nach die Partei des Angriffs, des Ansturms auf die kapitalistische Gesellschaft; sie ist verpflichtet, jeden Abwehrkampf, wenn er nur in die Tiefe und Breite wächst, zu einem *Angriff auf die kapitalistische Gesellschaft auszuweiten.* Sie hat auch die Pflicht, alles zu tun, um die Arbeitermassen zu diesem Angriff direkt zu führen, wo nur die Bedingungen hierzu vorhanden sind. Wer prinzipiell gegen die Politik der Offensive gegen die kapitalistische Gesellschaft auftritt, der verstößt gegen die Grundsätze des Kommunismus.

Diese *Bedingungen* bestehen erstens in der *Verschärfung der Kämpfe im Lager der Bourgeoisie selbst, im nationalen und internationalen Rahmen.* Wenn die Kämpfe im Lager der Bourgeoisie ein Ausmaß angenommen haben, das Aussichten eröffnet, daß die Arbeiterklasse mit geteilten und getrennten Kräften des Gegners zu tun haben wird, so hat die Partei die *Initiative zu ergreifen,* um nach sorgfältiger, politischer und womöglich organisatorischer Vorbereitung die Massen in den Kampf zu führen. Die zweite Bedingung für offensive Vorstöße, Angriffe in breiter Front, bildet *große Gärung in den ausschlaggebenden Kategorien der Arbeiterklasse,* die die Aussicht eröffnet, daß die Arbeiterklasse bereit sein wird, in allgemeiner Front gegen die kapitalistische Regierung zu kämpfen. Während es notwendig ist, beim Wachstum der Bewegung in die Breite die Kampflosungen zu steigern, ist es gleichermaßen eine Pflicht der kommunistischen Kampfleitung, falls die Bewegung einen rückläufigen Gang annimmt, die kämpfenden Massen möglichst geordnet und geschlossen aus dem Kampf herauszuführen.

Ob die kommunistische Partei defensiv oder offensiv kämpft, das hängt von den *konkreten Umständen* ab. Das wichtigste ist, daß sie von dem Geist der Kampfbereitschaft erfüllt ist und die zentristische Passivität, die notwendigerweise sogar die Propaganda der Partei ins halbreformistische Fahrwasser lenkt, durch den Kampf überwindet. Dieser Geist der ständigen Kampfbereitschaft muß das Kennzeichen der kommunistischen Massenparteien nicht nur darum bilden, weil auf ihnen, als *Massenparteien, die Pflicht des Kampfes liegt,* sondern auch angesichts der *gesamten jetzigen Lage,* die einen Zerfall des Kapitalismus und wachsende Verelendung der Massen darstellt. Es gilt, die *Periode des Zerfalls abzukürzen,* wenn in ihr nicht alle materiellen Grundlagen des Kommunismus vernichtet und die Energie der Arbeitermassen nicht zermürbt werden sollen.

### 7. Die Lehren der Märzaktion.

Die Märzaktion war ein der V.K.P.D. durch den Angriff der Regierung auf das mitteldeutsche Proletariat aufgezwungener Kampf.

In diesem ersten großen Kampfe, den sie nach ihrer Gründung zu bestehen hatte, machte die V.K.P.D. eine Reihe von Fehlern, von denen der wichtigste darin bestand, daß sie den defensiven Charakter des Kampfes nicht klar hervorhob, sondern durch den Ruf von der Offensive den gewissenlosen Feinden des Proletariats, der Bourgeoisie, der S.P.D. und der U.S.P.D., Anlaß gab, die V.K.P.D. als Anzettlerin von Putschen dem Proletariat zu denunzieren. Dieser Fehler wurde von einer Anzahl von Parteigenossen gesteigert, indem sie die Offensive als die hauptsächlichste Methode des Kampfes der V.K.P.D. in der jetzigen Situation darstellten. Gegen diesen Fehler sind offizielle Organe der Partei, wie ihr Vorsitzender, Genosse Brandler, aufgetreten. Der III. Kongreß der Kommunistischen Internationale hält die Märzaktion der V.K.P.D. als einen Schritt vorwärts. Die Märzaktion war ein heldenhafter Kampf von Hunderttausenden Proletariern gegen die Bourgeoisie. Und indem die V.K.P.D. sich mutig an die Spitze stellte zur Verteidigung der mitteldeutschen Arbeiter, hat sie bewiesen, daß sie die Partei des revolutionären Proletariats Deutschlands ist. Der Kongreß ist der Meinung, daß die V.K.P.D. desto erfolgsicherer ihre Massenaktionen durchzuführen in der Lage sein wird, wenn sie in der Zukunft ihre Kampflosungen den wirklichen Situationen besser anpaßt, diese Situationen auf das sorgfältigste studiert und die Aktionen in der einheitlichsten Weise durchführt.

Die V.K.P.D. muß im Interesse der sorgfältigen Abwägung der Kampfesmöglichkeiten aufmerksam die Tatsachen und Erwägungen berücksichtigen, die auf Schwierigkeiten der Aktionen hinweisen und sie auf ihre Berechtigung sorgfältig prüfen. Aber sobald eine Aktion von den Parteibehörden beschlossen wird, haben sich alle Genossen den Beschlüssen der Partei zu fügen und diese Aktionen durchzuführen. Die Kritik an Aktionen darf nur nach ihrem Abschluß beginnen, sie darf nur in Parteiorganisationen und Parteiorganen geübt werden und muß Rüchsicht nehmen auf die Lage, in der sich die Partei dem Klassengegner gegenüber befindet. Da Levi diese selbstverständlichen Forderungen der Parteidisziplin und die Bedingungen der Parteikritik mißachtet hat, heißt der Kongreß seinen Ausschluß aus der Partei gut und hält jede politische Mitarbeit der Mitglieder der Kommunistischen Internationale mit ihm für unzulässig.

### 8. Formen und Mittel des direkten Kampfes.

Die Formen und die Mittel des Kampfes, sein Umfang, sind ebenso wie die Frage der Offensive oder Defensive an bestimmte Bedingungen, die nicht willkürlich zu schaffen sind, gebunden. Die bisherigen Erfahrungen der Revolution zeigen verschiedene Formen der Teilaktionen.

1. Teilaktionen einzelner Schichten der Arbeiterschaft (die Aktion der Bergarbeiter, der Eisenbahner usw. in Deutschland, England, der Landarbeiter usw.).

2. Teilaktionen der gesamten Arbeiterschaft für begrenzte Ziele (die Aktion in den Kapp-Tagen, die Aktion der englischen Bergarbeiterschaft gegen das militärische Eingreifen der englischen Regierung in den russisch-polnischen Krieg).

Die örtliche Ausbreitung dieser Teilkämpfe umfaßt einzelne Bezirke, ganze Länder oder mehrere Länder zugleich.

Alle diese Formen des Kampfes werden im Verlauf der Revolution in jedem Lande vielmals sich gegenseitig ablösen. Die kommunistische Partei kann natürlich auch auf *territorial begrenzte Teilaktionen* nicht verzichten, ihr Bestreben aber muß darauf gerichtet sein, jeden größeren lokalen Kampf des Proletariats in einen allgemeinen Kampf zu verwandeln. So wie sie verpflichtet ist, zur Verteidigung der kämpfenden Arbeiter eines Industriezweiges womöglich die gesamte Arbeiterklasse aufzubieten, so ist sie verpflichtet, zur Verteidigung der lokal kämpfenden Arbeiter womöglich die Arbeiter der anderen Industriezentren auf die Beine zu bringen. Die Erfahrung der Revolution zeigt, daß, je größer das Kampfterrain ist, desto größer die Aussichten auf den Sieg sind. Die Bourgeoisie stützt sich in ihrem Kampfe gegen die sich entwickelnde Weltrevolution einerseits auf die weißgardistischen Organisationen, andererseits auf die Tatsachen der Atomisierung der Arbeiterklasse, auf die Tatsache der sich sehr langsam bildenden proletarischen Front. Je größer die Massen des Proletariats sind, die in den Kampf treten, je größer das Kampfterrain, desto mehr muß der Feind seine Kräfte verteilen und zersplittern. Selbst wenn die einem bedrängten Teil des Proletariats zur Hilfe eilenden anderen Teile der Arbeiterklasse momentan nicht fähig sind, ihn mit Einsetzung ihrer gesamten Kraft zu unterstützen, nötigt ihr bloßer Aufmarsch die Kapitalisten, ihre militärischen Kräfte zu teilen, denn sie können nicht wissen, wie weit sich die Teilnahme des anderen Teils des Proletariats am Kampfe ausdehnt und verschärft.

Im Laufe des vergangenen Jahres, in dem wir die immer unverschämter werdende Offensive des Kapitals gegen die Arbeit sehen, beobachten wir in allen Ländern, daß die Bourgeoisie, sich mit der normalen Arbeit ihrer Staatsorgane nicht zufriedengebend, legale und halblegale, aber unter Staatsschutz stehende weißgardistische Organisationen schafft, die bei einem jeden großen ökonomischen und wirtschaftlichen Zusammenstoße eine entscheidende Rolle spielen.

In Deutschland ist dies die Orgesch, unterstützt von der Regierung, die Parteien aller Schattierungen in sich einschließt — von Stinnes bis Scheidemann.

In Italien sind es die Faszisten, deren Räuberheldentaten einen jähen Wechsel in der Stimmung der Bourgeoisie hervorbrachten und den Schein einer völligen Aenderung der politischen Kräfteverhältnisse schufen.

In England wendete sich die Regierung Lloyd Georges — der Streikgefahr gegenüberstehend — an die Freiwilligen, deren Aufgabe es ist, das Eigentum, die „Freiheit der Arbeit“, zu schützen, bald durch Ersetzung der Streikenden, bald aber durch Zerstörung ihrer Organisationen.

In Frankreich führt die leitende, halbamtliche Zeitung „Temps“, offenbar durch die Clique Millerands inspiriert, eine energische Propaganda im Interesse der Entwicklung der schon vorhandenen „bürgerlichen Ligen“ und Verpflanzung der Methoden des Faszismus auf französichen Boden.

Die Organisationen der Streikbrecher und Mörder, die seit jeher das Regime der amerikanischen Freiheit ergänzten, erhielten jetzt in der aus dem Auswurf des Krieges angeworbenen amerikanischen Legion ein leitendes Organ.

Die Bourgeoisie, die auf ihre Kraft pocht und sich mit ihrer Festigkeit brüstet, weiß in der Person ihrer leitenden Regierungen vollkommen, daß sie nur eine Atempause erhielt und daß unter den jetzigen Verhältnissen ein jeder Riesenstreik die Tendenz hat, sich in einen Bürgerkrieg und in einen unmittelbaren Kampf um die Macht umzuwandeln.

Im Kampfe des Proletariats gegen die Offensive des Kapitals ist es Pflicht der Kommunisten, nicht nur die ersten Plätze innezuhaben und die Kämpfenden bis zur Erfassung der revolutionären Grundaufgaben zu erheben, sondern sie sind auch verpflichtet, sich auf die besten, aktivsten Elemente in den Betrieben und den Gewerkschaften stützend, ihre eigenen Arbeitertrupps und Abwehrorganisationen zu schaffen, die den Faszisten Widerstand leisten und der Jeunesse dorée der Bourgeoisie die Verhetzung der Streikenden abgewöhnen können.

Mit Rücksicht auf die außergewöhnliche Bedeutung der konterrevolutionären Stoßtrupps muß die Kommunistische Partei, besonders durch ihre Zellen in den Gewerkschaften, dieser Frage eine außerordentliche Aufmerksamkeit widmen, einen gründlichen Aufklärungs- und Verbindungsdienst organisieren, die Kampforgane und Kräfte der Weißgardisten, ihre Stäbe, Waffenlager, die Verbindung dieser Stäbe mit der Polizei, der Presse und den politischen Parteien, unter ständiger Beobachtung halten und alle notwendigen Einzelheiten der Verteidigung und des Gegenstoßes von vornherein ausarbeiten.

Die Kommunistische Partei muß den breitesten Schichten des Proletariats das Verständnis durch Wort und Tat einflößen, daß ein jeder wirtschaftliche oder politische Konflikt — bei entsprechender Kombination der Verhältnisse — sich in einen Bürgerkrieg entfalten kann, im Laufe dessen es zur Aufgabe des Proletariats wird, die Staatsmacht zu erobern.

Die Kommunistische Partei hat gegenüber den Akten des weißen Terrors und dem Wüten der weißen Schandjustiz in dem Proletariat den Gedanken wachzuhalten, daß es sich in der Zeit der Erhebung von den Appellen des Gegners an seine Milde nicht betrügen lassen soll, sondern durch Akte organisierter Volksjustiz der proletarischen Gerechtigkeit Ausdruck gewähre und mit den Peinigern des Proletariats abrechne. Aber in Momenten, wo das Proletariat sich erst im Aufmarsch befindet, wo es sich erst darum handelt, es durch Agitation, durch politische Kampagnen, durch Streiks zu mobilisieren, haben der Waffengebrauch und die Akte der Sabotage nur dann Zweck, wenn sie zur Verhinderung der Truppentransporte gegen kämpfende Proletariermassen dienen oder um den Gegner im direkten Kampfe wichtige Positionen zu entreißen. Persönliche terroristische Akte, wie sehr sie als Beweissymptome der revolutionären Empörung anzusehen sind, wie sehr sie zu verteidigen sind gegen die Lynchjustiz der Bourgeoisie und ihrer sozialdemokratischen Lakaien, sind keinesfalls geeignet, die proletarische Organisiertheit und Kampfbereitschaft zu erhöhen, da sie in den Massen die Illusion erwecken, die Heldentaten einzelner könnten den revolutionären Kampf des Proletariats ersetzen.

### 9. Das Verhältnis zu den proletarischen Mittelschichten.

In Westeuropa gibt es keine andere große Klasse, die neben dem Proletariat zum ausschlaggebenden Faktor der Weltrevolution werden könnte, wie es in Rußland der Fall war, wo das Bauerntum durch den Krieg und Landhunger von vornherein zum ausschlaggebenden revolutionären Kampffaktor neben der Arbeiterklasse wurde. Aber auch in Westeuropa werden *Teile des Bauerntums, große Teile des städtischen Kleinbürgertums,* wird die breite *Schicht des sogenannten neuen Mittelstandes,* Angestellte usw. in mehr und mehr unerträgliche Lebensbedingungen gestellt. Unter dem Druck der Teuerung, der Wohnungsnot, der Unsicherheit ihrer Lage werden diese Massen von einer Gärung ergriffen, die sie aus ihrer politischen Inaktivität aufscheucht und in den Kampf der Revolution und Konterrevolution hineinzieht. Der Bankrott des Imperialismus in den besiegten Ländern, der Bankrott des Pazifismus und der sozialreformistischen Bestrebungen in den siegreichen Ländern, treibt einen Teil dieser Mittelschichten teils ins Lager der offenen Konterrevolution, teils in das Lager der Revolution. Die kommunistische Partei ist verpflichtet, diesen Schichten ihre ununterbrochene Aufmerksamkeit zuzuwenden. Die Gewinnung des Kleinbauerntums für die Ideen des Kommunismus ist zusammen mit der Gewinnung und Organisation der Landarbeiter, eine der wichtigsten Vorbedingungen des Sieges der proletarischen Diktatur, denn sie erlaubt, die Revolution von den industriellen Zentren ins flache Land zu tragen und schafft für sie die wichtigsten Stützpunkte zur Lösung der Lebensmittelfrage, die die Lebensfrage der Revolution ist. Die Eroberung irgendwelcher umfangreicher Kreise der kaufmännischen, technischen Angestellten, der unteren und mittleren Beamten und der Intellektuellen, würde es der proletarischen Diktatur erleichtern, in der Zeit des Ueberganges vom Kapitalismus zum Kommunismus der technischen und organisatorischen Fragen der Wirtschafts- und Staatsverwaltung Herr zu werden. Sie würde Zersetzung in die Reihen des Feindes hineintragen und die Isolierung des Proletariats in der öffentlichen Meinung durchbrechen. Die kommunistischen Parteien haben die Gärung unter den kleinbürgerlichen Schichten aufs schärfste zu beachten, sie in geeigneter Weise auszunützen, selbst wenn diese von kleinbürgerlichen Illusionen nicht frei sind. Sie haben die von diesen Illusionen befreiten Teile der Intellektuellen und Angestellten in die proletarische Front einzureihen und sie auszunützen zur Heranziehung der gärenden kleinbürgerlichen Massen.

Der wirtschaftliche Zerfall und die damit verbundene Zerrüttung der Staatsfinanzen zwingen die Bourgeoisie selbst, die Grundlage ihres eigenen Staatsapparates, die untere und mittlere Beamtenschaft wachsender Verelendung zu überantworten. Die wirtschaftlichen Bewegungen dieser Schichten berühren unmittelbar das Gefüge des bürgerlichen Staates, und wenn auch immer wieder zeitweilig beschwichtigt, wird es dem bürgerlichen Staat auf die Dauer ebenso unmöglich, diese seine organisatorische Grundlage sich zu erhalten, wie es dem Kapital unmöglich wird, sich die physische Existenz der Lohnarbeit gleichzeitig mit der Aufrechterhaltung seines Ausbeutungssystems zu sichern. Indem die kommunistischen Parteien sich der wirtschaftlichen Nöte der unteren und mittleren Beamtenschaft mit aller Tatkraft und ohne Rücksicht auf den Stand der öffentlichen Finanzen annehmen, leisten sie wirksame Vorarbeit für die Zerstörung der bürgerlichen Staatseinrichtungen und bereiten sie Elemente des proletarischen Staatsaufbaues vor.

### 10. Die internationale Koordination der Aktion.

Um für den Durchbruch der Front der internationalen Konterrevolution alle Kräfte der Kommunistischen Internationale nutzbar zu machen, um den Sieg der Revolution zu beschleunigen, ist die einheitliche internationale Führung des revolutionären Kampfes mit aller Kraft anzustreben.

Die Kommunistische Internationale macht es zur Pflicht aller kommunistischen Parteien, sich gegenseitig im Kampfe energischste Unterstützung zu erweisen. Die sich entfaltenden ökonomischen Kämpfe erfordern, wenn das irgend möglich ist, sofortiges Eingreifen des Proletariats anderer Länder. Die Kommunisten haben in den Gewerkschaften darauf hinzuwirken, daß sie mit allen Mitteln nicht nur die Ausfuhr von Streikbrechern, sondern auch den Export für die Länder unterbinden, in denen ein wichtiger Teil des Proletariats im Kampfe steht. In Fällen, wo die kapitalistische Regierung eines Landes zu Gewaltmaßregeln gegen ein anderes Land greift, zwecks seiner Plünderung oder Unterjochung, ist es die Pflicht der kommunistischen Parteien, sich nicht mit Protesten zu begnügen, sondern alles zu tun, um den Beutefeldzug ihrer Regierung zu verhindern. Der III. Kongreß der Kommunistischen Internationale begrüßt die Demonstrationen der *französischen Kommunisten* als Anfang der Steigerung ihrer Aktion gegen die konterrevolutionäre Ausbeuterrolle des französischen Kapitals. Er erinnert sie an die Pflicht, mit aller Kraft daran zu arbeiten, daß die französischen Soldaten in den besetzten Gebieten ihre Rolle der Schergen des französischen Kapitals verstehen lernen und sich gegen die ihnen zugeschriebenen schmachvollen Aufgaben auflehnen. Es ist die Aufgabe der französischen Kommunistischen Partei, zum Bewußtsein des französischen Volkes zu bringen, daß — indem es die Bildung einer französischen Besatzungsarmee, ihre Erfüllung mit nationalistischem Geiste duldet — sie Skorpione gegen sich selbst züchtet, in den besetzten Gebieten werden Truppen gedrillt, die dann bereit sein werden, die revolutionäre Bewegung der französischen Arbeiterklasse im Blute zu ersticken. Besondere Aufgaben stellt vor die französische Kommunistische Partei die Existenz der schwarzen Truppen auf dem Boden Frankreichs und der besetzten Gebiete. Sie gibt der französischen Partei die Möglichkeit, an diese kolonialen Sklaven heranzutreten, ihnen klarzumachen, daß sie ihren Peinigern und Ausbeutern dienen, sie zum Kampfe gegen das Regime der Kolonisatoren aufzufordern und sich durch sie mit den französischen Kolonialvölkern in Verbindung zu setzen.

Die *deutsche Kommunistische Partei* hat in ihrer Aktion dem deutschen Proletariat klarzumachen, daß ein Kampf gegen die Ausbeutung durch das ententistische Kapitel unmöglich ist ohne Sturz der kapitalistischen Regierung, die sich trotz allen Geschreies gegen die Entente zum Schweißvogt und Zwischenmeister des ententistischen Kapitals macht. Nur, indem die V.K.P. Deutschlands durch ungestümen, rücksichtslosen Kampf gegen die deutsche Regierung beweist, daß sie nicht einen Ausweg für den bankrotten deutschen Imperialismus sucht, sondern daß sie den Boden von den Ruinen des deutschen Imperialismus zu befreien sucht, wird es möglich sein, in den proletarischen Massen Frankreichs den Willen zum Kampfe gegen den französischen Imperialismus zu steigern.

Die Kommunistische Internationale, die den Ruf des Ententekapitals nach Entschädigung als einen Raubzug gegen die arbeitenden Massen der besiegten Länder dem internationalen Proletariat denunziert, die das Suchen der Longuetisten und der deutschen Unabhängigen nach der Form dieses Raubes, die am wenigsten schmerzreich für die Arbeitermassen wäre, als feige Kapitulation vor den Haifischen der ententistischen Börse geißelt, zeigt dem französischen und deutschen Proletariat den einzigen Weg zum Wiederaufbau der verwüsteten Gegenden, zur Entschädigung der Witwen und Waisen, indem sie die Proletarier beider Länder zum gemeinsamen Kampfe gegen ihre Ausbeuter aufruft.

Die deutsche Arbeiterklasse kann nur dann der russischen in ihrem schweren Kampfe helfen, wenn sie durch ihren siegreichen Kampf die Vereinigung des landwirtschaftlichen Rußland mit dem industriellen Deutschland beschleunigt. Es ist die Pflicht der kommunistischen Parteien aller Länder, deren Truppen an der Unterjochung und der Zerstückelung der *Türkei* teilnehmen, mit allen Mitteln an der Revolutionierung dieser Truppen zu arbeiten. Auf den kommunistischen Parteien der *Balkanländer* liegt die Pflicht, alle Kräfte ihrer Massenparteien anzustrengen durch den Ausbau der kommunistischen Balkanföderation, dem Nationalismus die Stirn bietend nichts zu unterlassen, um den Moment ihres Sieges zu beschleunigen. Der Sieg der kommunistischen Parteien in Bulgarien und Jugoslavien, der nach sich den Zusammenbruch des schändlichen Horthy-Regimes herbeiführen und die Liquidierung des rumänischen Bojarentums erleichtern würde, würde die landwirtschaftliche Basis für die Revolution in den am meisten entwickelten Nachbarländern erweitern. *Die rücksichtslose Unterstützung Sowjetrußlands* bleibt wie bisher die hervorragendste Pflicht der Kommunisten aller Länder. Sie haben nicht nur sich in energischster Weise gegen jeden Angriff auf Sowjetrußland zu wenden, sondern sie haben mit voller Energie um die Aufräumung aller Hindernisse zu kämpfen, die die kapitalistischen Staaten dem Verkehr Sowjetrußlands mit dem Weltmarkt und mit allen Völkern in den Weg stellen. Nur wenn es Sowjetrußland gelingt, seine Wirtschaft zu restaurieren, der ungeheuren Not, die durch den dreijährigen imperialistischen und dreijährigen Bürgerkrieg verursacht ist, zu mildern, nur wenn es Sowjetrußland gelingt, die Arbeitsfähigkeit seiner Volksmassen zu steigern, wird es imstande sein, den siegreichen proletarischen Staaten des Westens in der Zukunft mit Lebensmitteln und Rohstoffen zu helfen und sie vor der Erdrosselung durch das amerikanische Kapital zu schützen.

Nicht nur in Demonstrationen aus Anlaß besonderer Ereignisse, sondern der *dauernden Steigerung der internationalen Verbindung der Kommunisten,* in ihrem ununterbrochenen gemeinsamen Kampfe in geschlossener Front besteht die weltpolitische Aufgabe der Kommunistischen Internationale. In welchem Teile dieser Front der Durchbruch des Proletariats gelingt, ob in dem kapitalistischen Deutschland mit seinem unter stärkstem Druck der deutschen und ententistischen Bourgeoisie stehenden Proletariat, das vor der Alternative steht, zu sterben oder zu siegen, ob in dem agrarischen Südosten oder Italien, wo die Zersetzung der Bourgeoisie so weit fortgeschritten ist, läßt sich nicht von vornherein sagen. Darum ist es die Pflicht der Kommunistischen Internationale, in allen Abschnitten der Weltfront des Proletariats die Anstrengungen bis aufs Aeußerste zu steigern, und es ist die Pflicht der Kommunistischen Parteien, alles zu tun, um die entscheidenden Kämpfe jeder Sektion der Kommunistischen Internationale mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln zu unterstützen. Dies hat in erster Linie dadurch zu geschehen, daß bei dem Beginn großer Auseinandersetzungen in einem Lande in den anderen die kommunistischen Parteien alle inneren Konflikte zuspitzen und zur Austragung zu bringen suchen.

### 11. Der Verfall der 2. und der 2½ Internationale.

Das dritte Jahr der Existenz der Kommunistischen Internationale war Zeuge des weiteren politischen *Verfalls der sozialdemokratischen Parteien und der reformistischen Gewerkschaftsführung,* ihrer Demaskierung und Entlarvung. Gleichzeitig aber ein Jahr der Versuche ihrer organisatorischen Zusammenfassung und ihres Ueberganges zum Angriff gegen die Kommunistische Internationale. In *England* haben die Führer der Labour-Party und der Gewerkschaften während des Kohlenarbeiterstreikes bewiesen, daß ihre Aufgabe in nichts anderem besteht als in der bewußten Zerstörung der sich bildenden proletarischen Front, als in der bewußten Verteidigung der Kapitalisten gegen die Arbeiter. Der Zusammenbruch der Tripleallianz bildet den Beweis, daß die reformistischen Gewerkschaftsführer nicht gewillt sind, sogar um die Besserung der Lage der Arbeiterschaft im Rahmen des Kapitalismus zu kämpfen. In *Deutschland* hat die Sozialdemokratische Partei, nachdem sie aus der Regierung ausgetreten ist, bewiesen, daß sie sogar zu einer agitatorischen Opposition, wie sie die alte Sozialdemokratie vor dem Kriege getrieben hat, unfähig ist. Bei jeder oppositionellen Geste war sie darum besorgt, nur keine Kämpfe der Arbeiterklasse auszulösen. Obwohl sie sich im Reiche in angeblicher Opposition befand, organisierte die Sozialdemokratie in Preußen den Feldzug der weißen Garden gegen die mitteldeutschen Bergarbeiter, um sie eingestandenerweise zum bewaffneten Kampfe zu provozieren, bevor die kommunistischen Kampfreihen aufgerichtet waren. Angesichts der Kapitulation der deutschen Bourgeoisie vor der Entente, angesichts der offenen Tatsache, daß die deutsche Bourgeoisie die ihr von der Entente diktierten Bedingungen nur dann ausführen kann, wenn sie die Lebensbedingungen des deutschen Proletariats vollkommen unerträglich gestaltet, trat die deutsche Sozialdemokratie in die Regierung wieder ein, um der Bourgeoisie die Verwandlung der deutschen Proletarier in Heloten zu erleichtern. In der *Tschechoslowakei* mobilisiert die Sozialdemokratie Militär und Polizei, um den kommunistischen Arbeitern den Besitz ihrer Häuser und Institutionen zu entreißen. Die *polnische* Sozialistische Partei hilft durch ihre lügnerische Taktik Pilsudski, seinen Raubzug gegen Sowjetrußland zu organisieren. Sie hilft seiner Regierung, tausende Kommunisten in die Gefängnisse zu werfen, indem sie sie aus den Gewerkschaften herauszuwerfen sucht, wo sie trotz aller Verfolgungen immer größere Massen um sich sammeln. Die *belgischen* Sozialdemokraten verbleiben in der Regierung, die an der vollkommenen Versklavung des deutschen Volkes teilnimmt. Nicht weniger kraß zeigen sich die *zentristischen Parteien und Gruppen der 2½-Internationale* als die Parteien der Konterrevolution. Die deutschen Unabhängigen lehnen brüsk die Aufforderung der deutschen Kommunistischen Partei ab, trotz der prinzipiellen Gegensätze gemeinsam den Kampf zu führen gegen die Verschlechterung der Lage der Arbeiterklasse. Während der Märzkämpfe stellten sie sich entschlossen auf die Seite der weißgardistischen Regierung gegen die mitteldeutschen Arbeiter, um dann, nachdem sie geholfen haben, den Sieg des weißen Terrors herbeizuführen, nachdem sie die Vorderreihen des Proletariats als Räuber-, Plünderer- und Lumpenproletarier der bürgerlichen Oeffentlichkeit denunziert haben, heuchlerisch über den weißen Terror zu jammern. Obwohl sie noch auf dem Hallenser Parteitag sich verpflichtet haben, Sowjetrußland zu unterstützen, führen sie in ihrer Presse einen verleumderischen Feldzug gegen die russische Sowjetrepublik. Sie stellen sich in eine Reihe mit der gesamten russischen Konterrevolution, mit Wrangel, Miljukow und Burzew, indem sie den Kronstädter Aufstand gegen die Sowjetrepublik unterstützten, den Aufstand, der den Beginn einer neuen Taktik der internationalen Konterrevolution Sowjetrußland gegenüber darstellt: durch den Sturz der Kommunistischen Partei Rußlands die Seele, das Herz, das Knochengerüst und die Nervenstränge der Sowjetrepublik zu zerstören, um dann ihren Leichnam leicht wegräumen zu können. Zusammen mit den deutschen Unabhängigen schließen sich diesem Feldzug die *französischen Longuetisten* an und sie finden dadurch ihren offenen Anschluß an die französische Konterrevolution, die erwiesenermaßen diese neue Taktik Rußland gegenüber inauguriert hat. In *Italien* hat die Politik der Zentrumsgruppen Serratis und D’Aragonas, die Politik des Zurückweichens vor jedem Kampfe die Bourgeoisie mit neuem Mut erfüllt und ihr die Möglichkeit gegeben, durch die weißen Banden der Faszisten das ganze Leben Italiens zu beherrschen.

Obwohl die Parteien des Zentrums und der Sozialdemokratie sich nur durch Phrasen unterscheiden, ist die Vereinigung der beiden Gruppen in *eine* Internationale einstweilen noch nicht erfolgt. Ja, die zentristischen Parteien haben sich im Februar zu einer besonderen internationalen Gemeinschaft mit einer besonderen politischen Plattform und Statuten vereinigt. Diese *2½-Internationale* versucht zwischen der Losung der Demokratie und der proletarischen Diktatur auf dem Papier zu pendeln. Obwohl sie praktisch nicht nur der kapitalistischen Klasse in jedem Lande besonders hilft, indem sie den Geist der Unentschiedenheit in der Arbeiterklasse kultiviert, sondern obwohl sie sogar angesichts der Zertrümmerung durch die Weltbourgeoisie, angesichts der Unterjochung eines Teiles der Welt durch die siegreichen kapitalistischen Staaten der Entente der Bourgeoisie Pläne unterbreiten, wie sie ihren Ausbeuteplan durchzuführen hat, ohne die revolutionären Kräfte der Volksmassen zu entfesseln. Die 2½-Internationale unterscheidet sich von der 2. Internationale nur dadurch, daß sich zu der gemeinsamen Angst vor der Macht des Kapitals, die die Reformisten mit den Zentristen vereinigt, die Angst gesellt, durch klare Formulierung ihres Standpunktes den Rest ihres Einflusses auf die zwar noch unklaren, aber revolutionär empfindenden Massen zu verlieren. Die politische Wesensgleichheit der Reformisten und der Zentristen findet ihren Ausdruck in der gemeinsamen *Verteidigung der Amsterdamer Gewerkschafts-Internationale,* dieses letzten Bollwerkes der Weltbourgeoisie. Indem die Zentristen überall, wo sie den Einfluß auf Gewerkschaften besitzen, sich mit den Reformisten und der Gewerkschaftsbürokratie vereinigen zum Kampfe gegen die Kommunisten, auf die Versuche der Revolutionierung der Gewerkschaften mit dem Ausschluß der Kommunisten, mit der Spaltung der Gewerkschaften antworten, beweisen sie, daß sie ebenso wie die Sozialdemokraten entschiedene Gegner des proletarischen Kampfes und Schrittmacher der Konterrevolution sind.

Die *Kommunistische Internationale* hat, wie bisher, den entschiedensten Kampf nicht nur gegen die 2. Internationale, gegen die Amsterdamer Gewerkschafts-Internationale, *sondern auch gegen die 2½-Internationale zu führen.* Nur durch diesen unerbittlichen Kampf, der tagtäglich den Massen zeigt, daß die Sozialdemokraten und Zentristen nicht nur nicht gewillt sind, um die Ueberwindung des Kapitalismus zu kämpfen, sondern sogar nicht um die einfachsten, unaufschiebbarsten Bedürfnisse der Arbeiterklasse, kann die Kommunistische Internationale diesen Agenten der Bourgeoisie den Einfluß auf die Arbeiterklasse entreißen. Diesen Kampf kann sie siegreich zu Ende führen *nur, indem sie jede zentristischen Tendenzen und Anwandlungen in ihren eigenen Reihen im Keime erstickt,* nur indem sie in ihrer *täglichen Praxis* beweist, daß sie die Internationale der *kommunistischen Tat* und nicht die der kommunistischen Phrase und Theorie ist. Die Kommunistische Internationale ist die einzige Organisaton des internationalen Proletariats, die durch ihre Grundsätze befähigt ist, seinen Kampf gegen den Kapitalismus zu leiten. Es gilt, ihre innere Geschlossenheit, ihre internationale Leitung, ihre Aktion so zu steigern, daß sie in Wirklichkeit die Ziele erfüllt, die sie sich in ihren Statuten stellt: „Organisierung von *gemeinsamen Aktionen* der Proletarier der verschiedenen Länder, die das *eine Ziel* anstreben: Sturz des Kapitalismus, Errichtung der Diktatur des Proletariats und einer internationalen Sowjetrepublik.“

## Resolution zur Märzaktion und über die Lage in der V.K.P.D.

*Angenommen in der 21. Sitzung des III. Weltkongresses vom 9. Juli 1921.*

Der III. Weltkongreß stellt mit Befriedigung fest, daß alle wichtigsten Resolutionen und besonders der Teil der taktischen Resolution über die heiß umstrittene Märzaktion einstimmig angenommen worden sind, und daß die Vertreter der deutschen Opposition selbst in ihrem Antrage über die Märzaktion sich in der Hauptsache auf den Boden der Auffassung des Kongresses gestellt haben. Der Kongreß sieht darin einen Beweis dafür, daß die einheitliche und zusammengeschlossene Arbeit innerhalb der V.K.P.D. auf dem Boden der Beschlüsse des III. Kongresses nicht nur erwünscht, sondern auch erfüllbar ist. Der Kongreß erachtet jede weitere Zerbröckelung der Kräfte innerhalb der V.K.P.D., jede Sonderbündelei — von Spaltung gar nicht zu sprechen — als die größte Gefahr für die gesamte Bewegung.

Der Kongreß erwartet von der Zentrale und der Mehrheit der V.K.P.D. die tolerante Behandlung der früheren Opposition, falls diese die vom III. Kongreß gefaßten Beschlüsse loyal durchführt, und ist überzeugt, daß die Zentrale alles Mögliche tun wird, um alle Kräfte der Partei zusammenzufassen. Der Kongreß fordert von der früheren Opposition die sofortige Auflösung jeder Fraktionsorganisation, die volle und absolute Unterordnung der Parlamentsfraktion unter die Parteizentrale, die volle Unterordnung der Presse unter die betreffenden Parteikörperschaften, das sofortige Aufhören jeder politischen Zusammenarbeit mit den aus der Partei und der K.I. Ausgeschlossenen (in den Zeitschriften derselben etc.)

Der Kongreß beauftragt die Exekutive, die weitere Entwicklung der deutschen Bewegung sorgfältig zu beobachten und im Falle des kleinsten Disziplinbruches sofort die energischsten Maßregeln zu treffen.

## Kundgebung für Max Hölz

### An das deutsche Proletariat!

Zu den zweitausend Jahren Zuchthaus und Gefängnisstrafen, die die deutsche Bourgeoisie über die Märzkämpfer verhängt hat, gesellt sie das Urteil zu lebenslänglichem Zuchthaus gegen

*Max Hölz.*

Die Kommunistische Internationale ist Gegnerin des individuellen Terrors und von Sabotageakten, die nicht direkten Kampfzwecken im Bürgerkriege dienen. Sie ist Gegnerin eines von der politischen Leitung des revolutionären Proletariats unabhängig geführten Freischärlerkrieges. Aber die Kommunistische Internationale sieht in Max Hölz einen mutigen Rebellen gegen die kapitalistische Gesellschaft, deren Zucht sich in Zuchthäusern, deren Ordnung sich in dem Wüten der Ordnungsbestie ausdrückt. Seine Taten waren nicht zweckentsprechend. Der weiße Terror kann nur durch den Aufstand der Arbeitermasse gebrochen werden, der allein imstande ist, den Sieg des Proletariats zu verwirklichen. Aber seine Taten entströmten der Liebe zum Proletariat, dem Haß gegen die Bourgeoisie. Darum sendet der Kongreß Max Hölz brüderliche Grüße, empfiehlt ihn dem Schutz des deutschen Proletariats, und spricht die Hoffnung aus, daß am Tage, wo die deutschen Proletarier die Tore zu seinem Gefängnis sprengen werden, er in Reih und Glied der Kommunistischen Partei Deutschlands für die Sache der Befreiung der deutschen Arbeiter kämpfen wird.

25. 6. 1921.

## Thesen über die Kommunistische Internationale und die Rote Gewerkschafts-Internationale (Kampf gegen die gelbe Gewerkschafts-Internationale von Amsterdam)

*Angenommen in der 24. Sitzung des III. Weltkongresses vom 12. Juli 1921.*

### I.

Die Bourgeoisie hält die Arbeiterklasse in Sklaverei nicht nur mit Hilfe der nackten Gewalt, sondern auch durch einen Betrug äußerst kunstvoller Art. Die Schule, die Kirche, das Parlament, die Kunst, die Literatur, die Tagespresse — all dies wird in den Händen der Bourgeoisie zu einem mächtigen Mittel zur Betörung der Arbeitermassen, zur Hinüberleitung der Ideen der Bourgeoisie in das Proletariat.

Zu jenen bourgeoisen Ideen, deren Einimpfung in die Arbeitermassen den herrschenden Klassen gelungen ist, gehört auch die Idee der Neutralität der Gewerkschaften, die Idee des Apolitizismus (Politiklosigkeit), die Idee der Parteilosigkeit.

In den letzten Jahrzehnten der neueren Geschichte, und insbesondere nach Beendigung des imperialistischen Krieges, sind die Gewerkschaften in ganz Europa und Amerika die ausgedehntesten Organisationen des Proletariats, die sich in einigen Ländern durchweg auf die gesamte Arbeiterklasse erstrecken. Die Bourgeoisie ist sich darüber völlig klar, daß die nächste Zukunft des kapitalistischen Systems davon abhängt, in welchem Maße die Gewerkschaften imstande sein werden, sich von den bourgeoisen Einflüssen zu befreien. Daher die krampfhaften Anstrengungen der ganzen Weltbourgeoisie und ihrer Mithelfer, der Sozialdemokraten, die Gewerkschaften um jeden Preis im Banne der bürgerlich-sozialdemokratischen Ideen zu behalten.

Die Bourgeoisie kann die Arbeitergewerkschaften nicht offen zur Unterstützung der bürgerlichen Parteien auffordern. Sie fordert sie daher auf, keine Partei zu unterstützen, aber meint damit in Wirklichkeit, daß die Gewerkschaften die Partei des Kommunismus nicht unterstützen dürfen.

Die Verkündung der Neutralität oder des Apolitizismus der Gewerkschaften hat schon eine lange Vergangenheit hinter sich. Im Laufe von Jahrzehnten wurde diese bourgeoise Idee den Gewerkschaften Englands, Deutschlands, Amerikas und anderer Länder eingetrichtert durch Vertreter der pfäffisch-christlichen Gewerkschaften wie durch Führer der bürgerlichen Hirsch-Dunkerschen Gewerkschaften, durch die Führer der friedlichen alten englischen Trade-Unions, ebenso wie durch die Vertreter der deutschen sogenannten freien Gewerkschaften und auch durch viele Vertreter des Syndikalismus. Legien, Gompers, Jouhaux, Sidney Webb verkündeten den Gewerkschaften jahrzehntelang die „Neutralität“. In Wirklichkeit aber waren die Gewerkschaften nie neutral und konnten es auch beim besten Willen nicht sein. Die Neutralität der Gewerkschaften ist nicht nur schädlich für die Arbeiterklasse, sondern ist auch nicht verwirklichbar. Im Kampfe zwischen der Arbeit und dem Kapital kann keine Massenorganisation der Arbeiter neutral bleiben. Folglich können auch die Gewerkschaften in ihrem Verhältnis zu den bürgerlichen Parteien und der Partei des Proletariats nicht neutral bleiben. Die Führer der Bourgeoisie sind sich völlig klar darüber. Ebenso aber, wie es der Bourgeoisie unumgänglich notwendig ist, daß die Massen an das jenseitige Leben glauben, ist es ihr notwendig, daß sie auch daran glauben, daß die Gewerkschaften apolitisch und der Arbeiterpartei der Kommunisten gegenüber neutral bleiben können. Die Bourgeoisie benötigt zu ihrem Herrschen und zum Auspressen des Mehrwertes aus den Arbeitern nicht nur den Pfaffen, den Polizisten, den General, den Polizeispitzel, sondern auch die Gewerkschaftsbürokraten, die „Arbeiterführer“, die den Gewerkschaften Neutralität und Vermeidung der Teilnahme am politischen Kampfe predigen.

Die Falschheit der Idee der Neutralität wurde den fortgeschrittensten Proletariern Europas und Amerikas schon vor dem imperialistischen Kriege immer mehr klar. Im Maße der Verschärfung der Klassengegensätze wurde diese Falschheit noch augenscheinlicher. Als das imperialistische Morden anfing, waren die alten Führer der Gewerkschaften gezwungen, die Maske der Neutralität fallen zu lassen und offen auf der Seite der „eigenen“ Bourgeoisie aufzutreten.

Während des imperialistischen Krieges stießen jene Sozialdemokraten und Syndikalisten, die den Gewerkschaften jahrelang die Vermeidung der Teilnahme an der Politik predigten, in Wirklichkeit die Gewerkschaften in den Dienst der niederträchtigsten Blutpolitik der bürgerlichen Parteien; die gestrigen Verkünder der Gewerkschafts-„Neutralität“ traten heute auf in der Rolle unverhüllter Agenten bestimmter politischer Parteien; aber nicht Parteien der Arbeiterklasse, sondern der Bourgeoisie.

Nach Beendigung des imperialistischen Krieges versuchen dieselben sozialdemokratischen und syndikalistischen Führer der Gewerkschaften, neuerdings die Maske des Apolitizismus und der Neutralität der Gewerkschaften anzulegen. Nun, da die Zwangslage des Krieges vorüber ist, wollen sich diese Agenten der Bourgeoisie den neuen Umständen anpassen und wollen die Arbeiter vom Wege der Revolution wieder auf jenen Weg ablenken, der einzig der Bourgeoisie vorteilhaft ist.

Die Oekonomie und die Politik sind immer mit unzerreißbaren Fäden miteinander verbunden. Dieser Zusammenhang ist besonders stark in Epochen gleich der jetzigen. Es gibt keine einzige wichtige Frage des politischen Lebens, die nicht nur die Arbeiterpartei, sondern auch die proletarischen Gewerkschaften nicht interessieren müßte; und umgekehrt, es gibt keine einzige wichtige ökonomische Frage, die nicht nur die Gewerkschaften, sondern auch die Arbeiterpartei nicht interessieren müßte. Wenn in Frankreich die imperialistische Regierung die Mobilisierung gewisser Jahrgänge zur Besetzung des Ruhrbeckens und überhaupt zur Erdrosselung Deutschlands verfügt, kann da eine wirklich proletarische französische Gewerkschaft erklären, daß diese rein politische Frage die Gewerkschaften nicht interessieren muß? Kann ein wirklich revolutionäres französisches Syndikat sich in dieser Frage neutral oder apolitisch erklären? Oder andererseits, wenn in England eine so rein ökonomische Bewegung im Gange ist, wie der jetzige Kohlenarbeiterstreik, kann da die Kommunistische Partei sagen, daß diese Frage sie nichts angeht und ausschließlich in den Wirkungskreis der Gewerkschaften gehört? Zu einer Zeit, da der Kampf mit der Not und dem Bettlertum vieler Millionen Arbeitslosen auf der Tagesordnung steht, da die Frage der Requierierung von Wohnungen der Bourgeoisie zwecks Linderung der Wohnungsnot des Proletariats praktisch gestellt werden muß, da immer breitere und breitere Massen der Arbeiter durch das praktische Leben selbst gezwungen werden, sich mit der Frage der Bewaffnung des Proletariats zu befassen, da die Arbeiter bald in diesem, bald in jenem Lande die Besetzung von Fabriken und Industrieanlagen organisieren, — in einer solchen Zeit bedeutet die Behauptung, daß die Gewerkschaften sich in den politischen Kampf nicht einzumengen haben und allen Parteien gegenüber neutral sein müssen, praktisch den Uebergang in den Dienst der Bourgeoisie.

Bei allem Reichtum der Nomenklatur der politischen Parteien in Europa und Amerika sind diese Parteien ihrem Grundwesen nach in drei Gruppen zu teilen: 1. Parteien der Bourgeoisie, 2. Parteien des Kleinbürgertums (hauptsächlich die Sozialdemokraten) und 3. die Partei des Proletariats. Jene Gewerkschaften, die sich apolitisch und den erwähnten drei Parteigruppen gegenüber neutral erklären, unterstützen in Wirklichkeit die Parteien des Kleinbürgertums und der Bourgeoisie.

### II.

Der internationale Gewerkschaftsbund von Amsterdam ist jene Organisation, in der die II. Internationale und die Internationale 2½ sich trafen und einander die Hand reichten. Die ganze internationale Bourgeoisie blickt mit Vertrauen und Zuversicht auf diese Organisation. Die Hauptidee des internationalen Gewerkschaftsbundes von Amsterdam ist die Idee der Neutralität der Gewerkschaften. Es ist kein Zufall, daß die Bourgeoisie und ihre Diener, die Sozialdemokraten und die rechten Syndikalisten, die Sammlung breiter Massen der westeuropäischen und amerikanischen Arbeiter mit dieser Losung unternehmen wollen. Während die politische II. Internationale, die offen zur Bourgeoisie hinüberging, vollständig zusammenbrach, hat der Internationale Gewerkschaftsbund von Amsterdam, der sich wieder mit der Idee der Neutralität decken will, noch einen gewissen Erfolg. Unter der Flagge der Neutralität übernimmt der Amsterdamer Internationale Gewerkschaftsbund die schwersten und schmutzigsten Aufträge von der Bourgeoisie: die Abwürgung des Kohlenarbeiterstreiks in England (diese Aufgabe vollführte der bekannte H. Thomas, der gleichzeitig Vorsitzender der II. Internationale und einer der bekanntesten Führer des Amsterdamer gelben Gewerkschaftsbundes ist), die Herabdrückung des Arbeitslohnes, die organisierte Ausplünderung der deutschen Arbeiter für die Sünden der imperialistischen deutschen Bourgeoisie.

Leipart und Graßmann, Wissel und Bauer, Robert Schmidt und I. H. Thomas, Albert Thomas und Jouhaux, Daszynski und Zulawski, sie alle haben ihre Rollen untereinander verteilt: die einen, die früher Gewerkschaftsführer waren, stehen jetzt im Dienste der bürgerlichen Regierungen als ihre Minister, Kommissare oder sonstigen Helfershelfer; die anderen aber, die mit ihnen ein Leib und eine Seele sind, stehen an der Spitze der Amsterdamer Gewerkschafts-Internationale und predigen den gewerkschaftlich organisierten Arbeitern die Neutralität im politischen Kampfe.

Der Amsterdamer Internationale Gewerkschaftsbund ist zurzeit die Hauptstütze des internationalen Kapitals. Wer die Notwendigkeit des Kampfes mit der falschen Idee des Apolitizismus und der Neutralität der Gewerkschaften nicht voll verstanden hat, kann gegen diese kapitalistische Hochburg nicht mit Erfolg kämpfen. Zur Ausarbeitung zweckmäßiger Kampfesmethoden gegen die gelbe Amsterdamer Internationale ist vor allem die scharf umgrenzte und klare Feststellung der gegenseitigen Beziehungen zwischen der Partei und den Gewerkschaften eines jeden Landes notwendig.

### III.

Die Kommunistische Partei ist der Vortrupp des Proletariats, jene Avantgarde, die die Wege und Mittel zur Befreiung des Proletariats vom kapitalistischen Joch voll erkannte und die daher bewußt das kommunistische Programm annahm.

Die Gewerkschaften sind mehr eine Massenorganisation des Proletariats, die sich in der Richtung einer alle Arbeiter des betreffenden Produktionszweiges umfassenden Organisation entwickelt, und nicht nur die bewußten Kommunisten, sondern auch die mittleren und sogar die ganz zurückgebliebenen Schichten des Proletariats umfaßt, die nur stufenweise aus den Lehren des Lebens sich den Kommunismus aneignen. Die Rolle der Gewerkschaften in der Periode, die den Kämpfen des Proletariats um die Eroberung der Macht vorausgeht, in der Periode der Kämpfe um die Macht und die Periode nach der Machtergreifung, ist in vielen Beziehungen verschieden; aber sowohl vor Eroberung der Macht als während ihr und nach ihr sind die Gewerkschaften eine weitere, sich auf größere Massen erstreckende allgemeinere Organisation als die Partei und müssen im Verhältnis zur Partei in gewissem Maße die Rolle der Peripherie im Verhältnis zum Zentrum spielen. Vor Eroberung der Macht organisieren die wirklich proletarischen revolutionären Gewerkschaften die Arbeiter auf hauptsächlich ökonomischer Grundlage zur Erkämpfung jener Verbesserungen, die vor der völligen Niederwerfung des Kapitalismus möglich sind; ihr Hauptaugenmerk richten sie aber auf die Organisation des proletarischen Massenkampfes gegen den Kapitalismus und für die proletarische Revolution. Während des proletarischen Umsturzes organisieren die wirklich revolutionären Gewerkschaften gemeinschaftlich mit der Partei die Massen zum unmittelbaren Sturm auf die Festen des Kapitals und übernehmen die grundlegende Arbeit in der Organisierung der sozialistischen Revolution. Nach Eroberung und Sicherung der proletarischen Macht wird die Arbeit der Gewerkschaften hauptsächlich auf das organisatorisch-wirtschaftliche Gebiet verlegt und die Gewerkschaften widmen ihre Kräfte fast völlig der Organisation der Wirtschaft auf sozialistischer Grundlage und werden dadurch wirklich zur praktischen Schule des Kommunismus. Im Laufe aller dieser drei Phasen des Kampfes müssen die Gewerkschaften die proletarische Avantgarde, die Kommunistische Partei, die den Kampf des Proletariats in allen seinen Etappen leitet, unterstützen. Zur Erreichung dieses Zieles müssen die Kommunisten und die mit den Kommunisten sympathisierenden Elemente im Rahmen der Gewerkschaften ihre kommunistischen Zellen organisieren, die völlig der kommunistischen Gesamtpartei untergeordnet sind.

Die Taktik der Bildung kommunistischer Zellen in einer jeden Gewerkschaft, die durch den II. Weltkongreß der Kommunistischen Internationale formuliert wurde, hat sich im Laufe des vergangenen Jahres entschieden bewährt und ergab in Deutschland, in England, in Frankreich, in Italien und in einer Reihe anderer Länder bedeutende Resultate. Der Umstand, daß z. B. in Deutschland bedeutende Kreise wenig erprobter und politisch ungenügend erfahrener Arbeiter, die von der Teilnahme an den freien Gewerkschaften keinen unmittelbaren Vorteil mehr erwarten, in letzter Zeit die freien sozialdemokratischen Gewerkschaften verlassen, darf keinesfalls den prinzipiellen Standpunkt der Kommunistischen Internationale, betreffend Teilnahme der Kommunisten an der Gewerkschaftsbewegung, ändern. Es ist Aufgabe der Kommunisten, den Proletariern zu erklären, daß die Rettung nicht darin besteht, daß man die alten Gewerkschaften verläßt und unorganisiert bleibt, sondern darin, daß man die Gewerkschaften revolutioniert, aus ihnen den Geist des Reformismus und die verräterischen reformistischen Führer vertreibt und so die Gewerkschaften in eine wirkliche Stütze des revolutionären Proletariats umwandelt.

### IV.

Die Hauptaufgabe der nächsten Epoche für alle Kommunisten besteht darin — ausdauernd, energisch, hartnäckig daran zu arbeiten, die Mehrheit der Arbeiter in allen Gewerkschaften zu gewinnen, sich keinesfalls durch die gegenwärtigen reaktionären Stimmungen in den Gewerkschaften entmutigen zu lassen, sondern darauf hinzuarbeiten suchen, durch die regste Teilnahme an allen Alltagskämpfen die Gewerkschaften trotz allen Widerstandes für den Kommunismus doch zu gewinnen.

Der beste Maßstab der Stärke jeder Kommunistischen Partei ist der wirkliche Einfluß, den sie auf die Massen der Arbeiterschaft in den Gewerkschaften ausübt. *Die Partei muß verstehen, ihren entscheidenden Einfluß auf die Gewerkschaften ausüben zu können, ohne die Gewerkschaften kleinlich bevormunden zu wollen.* Der Partei untersteht nur die betreffende kommunistische Zelle in der Gewerkschaft, nicht aber die Gewerkschaft als solche. Nur durch die dauernde, aufopfernde und einsichtsvolle Arbeit der kommunistischen Zellen in den Gewerkschaften kann und soll die Partei einen solchen Stand der Dinge erreichen, wo die Gewerkschaften als Ganzes mit Freude und Bereitschaft den Ratschlägen der Partei folgen.

In Frankreich vollzieht sich gegenwärtig in den Gewerkschaften ein gesunder Gärungsprozeß. Die Arbeiterschaft erholt sich endlich aus der Krisis der Arbeiterbewegung und lernt jetzt den Verrat zu geißeln, dessen sich die reformistischen Sozialisten und Syndikalisten schuldig gemacht haben.

Die revolutionären Syndikalisten in Frankreich sind jetzt teilweise noch voll von Vorurteilen gegenüber dem politischen Kampf, gegenüber der Idee der politischen proletarischen Partei. Sie huldigen der Idee des Neutralismus, wie sie in der bekannten Charte d’Amiens von 1906 Ausdruck gefunden hat. Die hilflose und unrichtige Haltung dieses Teil der revolutionären Syndikalisten birgt in sich die größten Gefahren für die Bewegung. Sollte diese Richtung die Mehrheit gewinnen, so wird sie nicht wissen, was sie mit dieser Mehrheit anfangen soll und somit wird sie hilflos gegenüber den Agenten des Kapitals, den Jouhaux und Dumoulins dastehen.

Die revolutionären Syndikalisten in Frankreich werden solange ohne feste Linie dastehen, solange die Kommunistische Partei selbst auch keine solche Linie hat. Die Kommunistische Partei Frankreichs muß auf eine freundschaftliche Kooperation mit den besten Elementen des revolutionären Syndikalismus hinarbeiten. Die Partei muß sich aber in erster Linie nur auf ihre eigenen Mitglieder verlassen, muß überall, wo es auch nur drei Kommunisten gibt, eine Zelle bilden. Die Partei muß sofort eine Aufklärungskampagne gegen den Neutralismus eröffnen. Sie muß auf das freundschaftlichste, aber auch auf das entschiedenste auf das Fehlerhafte in der Position des revolutionären Syndikalismus hinweisen. Nur auf diesem Wege kann in Frankreich die Gewerkschaftsbewegung revolutionisiert werden und die enge Kooperation der Partei und der Gewerkschaftsbewegung hergestellt werden.

In Italien haben wir eine eigenartige Lage: hier ist die Masse der Gewerkschaftsmitglieder revolutionär gestimmt, aber die Führung der Conf. del Lavoro liegt in den Händen ausgesprochener Reformisten und Zentristen, die sich mit dem Herzen bei Amsterdam befinden. Die erste Aufgabe der italienischen Kommunisten besteht darin, einen zähen und ausdauernden Alltagskampf in den Gewerkschaften von unten bis nach oben zu organisieren, systematisch und mit Geduld darauf hinzuarbeiten, den verräterischen und unentschiedenen Charakter der ebengenannten Führung bloßzustellen und ihr alle Gewerkschaften zu entreißen.

Gegenüber den revolutionär-syndikalistischen Elementen Italiens haben die italienischen Kommunisten im allgemeinen dieselben Aufgaben zu erfüllen, wie die Kommunisten in Frankreich.

In Spanien haben wir eine starke, revolutionäre, aber noch nicht ganz zielbewußte Gewerkschaftsbewegung und gleichzeitig eine noch junge und verhältnismäßig schwache Kommunistische Partei. Bei gegebener Lage muß die Partei alles mögliche versuchen, um in den Gewerkschaften festen Fuß zu fassen, muß die Partei den Gewerkschaften mit Rat und Tat helfen, muß sie in der Gewerkschaftsbewegung klärend wirken, freundschaftliche Beziehungen mit ihr anknüpfen und den ganzen Kampf gemeinsam organisieren.

In England vollziehen sich in der Gewerkschaftsbewegung Entwicklungsprozesse von größter Wichtigkeit.

Die Gewerkschaftsbewegung revolutionisiert sich rasch. Die Massenbewegung entwickelt sich. Das Abwirtschaften der alten Gewerkschaftsführer vollzieht sich schnell. Die Partei muß alle Kräfte anstrengen, um in diesen großen Gewerkschaften (Kohlengrubenarbeiter usw.) festen Fuß zu fassen. Jedes Mitglied der Partei muß in einer Gewerkschaft tätig sein und durch rege, ausdauernde, organische Arbeit Einfluß für den Kommunismus gewinnen. Nichts soll unterlassen werden, um sich mit den Massen enger zu verbinden.

In Amerika vollzieht sich etwas langsamer dieselbe Entwicklung. Keinesfalls dürfen die Kommunisten die Reihen der reaktionären Federation of Labour einfach verlassen. Umgekehrt, sie müssen auf allen Wegen in die alten Gewerkschaften eindringen, um sie zu revolutionieren. Mit dem besten Teil der I. W. W. ist eine Koperation notwendig, die aber nicht einen aufklärenden Kampf gegen die Vorurteile der I. W. W. ausschließen soll.

In Japan entwickelt sich spontan eine große Gewerkschaftsbewegung, die noch ohne klare Führung ist. Die Hauptaufgabe der kommunistischen Elemente in Japan besteht darin, diese Bewegung zu unterstützen und sie im marxistischen Sinne zu beeinflussen.

In der Tschechoslowakei hat unsere Partei die Mehrheit der Arbeiterklasse hinter sich, die Gewerkschaftsbewegung bleibt aber zum großen Teil noch in den Händen der Sozialpatrioten und Zentristen und ist überdies noch national gespalten. Das ist das Resultat der mangelhaften Organisation und der Unklarheit der revolutionär gesinnten Gewerkschaftsmitglieder. Die Partei muß alles tun, um diesem Stand der Dinge ein Ende zu machen und die ganze Gewerkschaftsbewegung für die Leitung durch Kommunisten zu gewinnen. Dazu ist die Bildung der Zellen und einer für alle Nationen gemeinsamen kommunistischen Gewerkschaftszentrale unumgänglich notwendig. Auf die Vereinigung der verschiedenen national gespaltenen Verbände ist energisch hinzuarbeiten.

In Oesterreich und in Belgien haben es die Sozialpatrioten verstanden, die Gewerkschaftsbewegung fest und schlau in die Hand zu bekommen. Das Hauptterrain des Kampfes in diesen Ländern ist die Gewerkschaftsbewegung. Dieser Aufgabe müssen darum die Kommunisten ihre Hauptaufmerksamkeit schenken.

In Norwegen muß die Partei, die die Mehrheit der Arbeiter hinter sich hat, die Gewerkschaftsbewegung fester in die Hand bekommen und die zentristischen Elemente von der Führung beseitigen.

In Schweden hat die Partei nicht nur gegen Reformismus, sondern auch gegen die kleinbürgerliche Strömung im Sozialismus anzukämpfen und muß dazu ihre ganze Energie anstrengen.

In Deutschland ist die Partei auf bestem Wege, allmählich die Gewerkschaften zu gewinnen. Auf keinen Fall sollen den Anhängern der Parole „Heraus aus den Gewerkschaften“ Konzessionen gemacht werden. Das hieße, die Sozialpatrioten stützen. Gegen die Versuche, die Kommunisten auszuschließen — zäher, ausdauernder Kampf und Anstrengung aller Kräfte, um die Mehrheit in den Gewerkschaften zu gewinnen.

### V.

Durch diese Erwägungen werden jene gegenseitigen Beziehungen bestimmt, die zwischen der Kommunistischen Internationale einerseits und der Roten Gewerkschafts-Internationale andererseits zu schaffen sind.

Die Kommunistische Internationale hat die Aufgabe, nicht nur den politischen Kampf des Proletariats im engen Sinne des Wortes zu leiten, sondern seinen ganzen Befreiungskampf, welche Formen er auch annehmen möge. Die Kommunistische Internationale kann nicht bloß die arithmetische Summe der Zentralen der Kommunistischen Parteien verschiedener Länder sein. Die Kommunistische Internationale muß die Arbeit in dem Kampf aller proletarischen Organisationen, sowohl der rein politischen als auch der gewerkschaftlichen, genossenschaftlichen, der Sowjet- und Kulturorganisationen inspirieren und zusammenfassen.

Der Internationale Gewerkschaftsrat kann zum Unterschied von der gelben Internationale keinesfalls auf dem Standpunkt des Apolitizismus oder der Neutralität stehen. Eine Organisation, die der II., II½ und der III. Internationale gegenüber neutral zu bleiben wünschte, würde unvermeidlich zur Schachfigur in den Händen der Bourgeoisie. Das Aktionsprogramm der roten Gewerkschafts-Internationale, das des weiteren dargelegt und das die Kommunistische Internationale dem I. Kongreß der roten Gewerkschaften vorlegen wird, wird in Wirklichkeit nur von den kommunistischen Parteien, nur durch die Kommunistische Internationale verteidigt werden. Schon einzig aus diesem Grunde, zur wirksamen Revolutionierung der Gewerkschaftsbewegungen in einem jeden Lande, zur ehrlichen, entschiedenen Durchführung der neuen revolutionären Aufgaben der Gewerkschaften werden die Roten Gewerkschaften genötigt sein, Hand in Hand und in engem Kontakte mit der Kommunistischen Partei des betreffenden Landes zu arbeiten und die Rote Gewerkschafts-Internationale bei jedem Schritt mit der Arbeit der Kommunistischen Internationale in Einklang zu bringen.

Die Vorurteile der Neutralität, der „Unabhängigkeit“, des Apolitizismus und der Parteilosigkeit, mit denen auch gewisse ehrliche revolutionäre Syndikalisten Frankreichs, Spaniens, Italiens und anderer Länder behaftet sind, sind objektiv nichts anderes als ein den bourgeoisen Ideen gezollter Tribut. Die roten Gewerkschaften können das gelbe Amsterdam und folglich auch den Kapitalismus nicht besiegen, ohne der bourgeoisen Idee der Unabhängigkeit und der Neutralität ein für allemal zu entsagen. Vom Standpunkt der Kräfteersparnis und der besten Konzentrierung der Schläge ist als ideale Lage die Schaffung einer einheitlichen Internationale zu betrachten, die in ihren Reihen sowohl die politischen Parteien als auch die anderen Formen der Arbeiterorganisationen vereinigen wird. Zweifelsohne gehört die Zukunft diesem Organisationstypus. In der jetzigen Uebergangsperiode jedoch, bei der jetzigen Vielfältigkeit und Buntwürfigkeit der Gewerkschaften in den verschiedenen Ländern ist es unumgänglich notwendig, eine selbständige internationale Vereinigung der roten Gewerkschaften zu schaffen, die im großen und ganzen auf der Plattform der Kommunistischen Internationale stehen, aber Mitglieder mit größerer Freiheit aufnehmen als dies in der Kommunistischen Internationale der Fall ist.

Der auf dieser Grundlage zu organisierenden Roten Gewerkschafts-Internationale verspricht der III. Kongreß der Kommunistischen Internationale seine Unterstützung zwecks engerer Verbindung zwischen der Kommunistischen Internationale und Roten Gewerkschafts-Internationale, schlägt der III. Kongreß der Kommunistischen Internationale vor, daß sich die Kommunistische Internationale durch drei Mitglieder in der Exekutive der Roten Gewerkschafts-Internationale vertreten lasse und vice versa.

Das Aktionsprogramm der Roten Gewerkschaften ist nach der Meinung der Kommunistischen Internationale annähernd folgendes:

### Aktionsprogramm.

1. Die scharfe ökonomische Krisis, die sich über die ganze Welt erstreckt, das katastrophale Sinken der Engrospreise, die Ueberproduktion bei tatsächlichem Warenhunger, die aggressive Politik der Bourgeoisie gegen die Arbeiterklasse, die hartnäckigen Versuche zur Herabsetzung des Arbeitslohnes und die Versuche, die Arbeiter in ihrer Entwicklung um Jahrzehnte zurückzuwerfen, die infolgedessen anwachsende Verbitterung der Massen einerseits und die Hilflosigkeit der Gewerkschaften mit ihren alten Methoden andererseits, stellen die revolutionären Gewerkschaften aller Länder vor neue Aufgaben. Nötig sind neue, durch die Zersetzung des Kapitalismus hervorgerufene ökonomische Kampfesmethoden, notwendig ist eine aggressive ökonomische Politik seitens der Gewerkschaften, um den Angriff des Kapitals zurückzuschlagen und, nach Festigung der alten Position, selbst zum Angriff überzugehen.

2. Die Grundlage der Gewerkschaftstaktik bildet die direkte Aktion revolutionärer Massen und ihrer Organisationen gegen das Kapital. Alle Errungenschaften der Arbeiter stehen im direkten Verhältnis zu direkter Aktion und revolutionärer Druckausübung seitens der Massen. Unter direkter Aktion sind alle Arten der unmittelbaren Druckausübung auf die Unternehmer und den Staat seitens der Arbeiter zu verstehen; und zwar: Boykott, Streiks, Straßenaktionen, Demonstrationen, Besitzergreifung der Unternehmungen, gewaltsame Widersetzung gegen die Ausfuhr von Artikeln aus den Unternehmungen, bewaffneter Aufstand und andere revolutionäre Aktionen, die dazu geeignet sind, die Arbeiterklasse zum Kampf für den Sozialismus zu vereinigen. Die Aufgabe der revolutionären Gewerkschaften besteht infolgedessen darin, die direkte Aktion in ein Werkzeug der Erziehung und Vorbereitung der Arbeitermassen zum Kampf für die soziale Revolution und die Diktatur des Proletariats zu machen.

3. Die letzten Jahre des Kampfes zeigten mit besonderer Anschaulichkeit die ganze Schwäche der gewerkschaftlichen Organisationen. Die Zugehörigkeit der Arbeiter eines Unternehmens zu mehreren Gewerkschaften schwächt sie im Kampf. Zum Ausgangspunkt des ungeschwächten Kampfes muß der Uebergang vom rein gewerkschaftlichen Aufbau zur Organisation der Gewerkschaften nach den Produktionszweigen werden. „In einem Unternehmen — ein Verband“, muß die Losung auf dem Gebiete des Organisationsaufbaues sein. Die Verschmelzung der verwandten Gewerkschaften in einem Verband muß auf dem revolutionären Wege geschehen, indem diese Frage unmittelbar den Verbandsmitgliedern in den Fabriken und Betrieben, weiterhin den Bezirks- und Länderkonferenzen und den Nationalkongressen vorgelegt wird.

4. Jede Fabrik und jeder Betrieb müssen ein Bollwerk, eine Festung der Revolution werden.

Die alte Form der Beziehungen zwischen den einfachen Verbandsmitgliedern (Kassierer, Vorsitzender, Vertrauensleute und andere) müssen durch die Fabrikkomitees ersetzt werden. Die Fabrikkomitees müssen von allen Arbeitern des betreffenden Unternehmens gewählt werden, unabhängig davon, welcher politischen Ueberzeugung sie angehören. Die Aufgabe der Anhänger der Roten Gewerkschafts-Internationale liegt darin, alle Arbeiter des betreffenden Unternehmens an den Wahlen ihres sie vertretenden Organes heranzuziehen. Alle Versuche, die Wahlen der Fabriks- und Betriebskomitees ausschließlich auf Versammlungen von Gesinnungsgenossen zu beschränken, nur eine Parteirichtung durchzuführen und die breite Masse der Unparteiischen von den Wahlen auszuschließen, müssen ganz kategorisch verurteilt werden. Das wäre eine Zelle, aber nicht ein Fabriks- und Betriebskomitee. Der revolutionäre Teil der Arbeiter muß durch seine Zellen, durch seine Aktionsausschüsse und schließlich durch jedes einzelne Mitglied auf die allgemeine Versammlung, auf das von ihr gewählte Fabriks- und Betriebskomitee seinen Einfluß ausüben.

5. Die erste Forderung, welche den Fabriks- und Betriebskomitees gestellt werden muß, ist die Fürsorge der infolge Arbeitslosigkeit entlassenen Arbeiter auf Kosten des Unternehmens. Es darf unter keinen Umständen zugelassen werden, daß die Arbeiter auf die Straße geworfen werden und daß das Unternehmen daraus keinerlei Folgen tragen soll. Der Unternehmer muß zur Zanlung des vollen Arbeitslohnes des Arbeitslosen verpflichtet werden. Auf dieser Plattform muß man nicht die Arbeitslosen, sondern hauptsächlich die Arbeiter in den verschiedenen Unternehmungen organisieren, indem man sie darüber aufklärt, daß die Frage der Arbeitslosigkeit im Rahmen der kapitalistischen Ordnung nicht gelöst werden kann, und daß das beste Mittel gegen die Arbeitslosigkeit — die soziale Revolution und die Diktatur des Proletariats ist.

6. Die Schließung der Unternehmungen und die Kürzung der Anzahl der Arbeitstage bilden gegenwärtig eins der wichtigsten Werkzeuge in den Händen der Bourgeoisie, mit dessen Hilfe sie die Arbeiter zur Kürzung des Arbeitslohnes, zur Verlängerung der Arbeitszeit und zur Abschaffung des Kollektivvertrages zwingt. Die Aussperrung nimmt immer deutlichere Formen der „direkten Aktion“ seitens der vereinigten Unternehmer gegen organisierte Arbeitermassen an. Deshalb muß der Kampf gegen die Schließung der Unternehmen geführt und die Untersuchung der Gründe, die zur Schließung einer Fabrik führen, seitens der Arbeiter verlangt werden. Zu diesem Zweck müssen besondere Kontrollkommissionen gebildet werden, denen die Kontrolle über die Rohstoffe, das Heizmaterial, die Aufträge zusteht; die ferner eine Revision der tatsächlichen, zur Produktion notwendigen Rohstoffbestände vornehmen und die in den Banken deponierten Geldreserven kontrollieren. Die besonders gewählten Kontrollkommissionen müssen mit der größten Sorgfalt die finanziellen Beziehungen zwischen den betreffenden Unternehmen und anderen Unternehmungen prüfen, wobei den Arbeitern die Beseitigung der Geschäftsgeheimnisse als eine der nächstliegenden praktischen Aufgaben aufgestellt werden muß.

7. Als eins der Kampfesmittel gegen eine Massenschließung der Unternehmungen, die Herabsetzung des Arbeitslohnes und Verschlechterung der Arbeitsbedingungen erzielen wollen, gilt die Besitzergreifung der Fabrik oder des Betriebes durch die Arbeiter und die Fortsetzung der Produktion gegen den Willen des Unternehmers. Bei dem herrschenden Warenhunger ist die Fortsetzung der Produktion notwendig und daher dürfen die Arbeiter eine absichtliche Schließung der Fabriken und Werkstätten nicht zulassen. Je nach den lokalen Verhältnissen, den Produktionsbedingungen, der politischen Lage, der Anspannung des sozialen Kampfes, kann und muß die Besitzergreifung auch durch andere Methoden der Druckausübung auf das Kapital unterstützt werden. Bei der Besitzergreifung des Unternehmens muß sich die Verwaltung in den Händen des Fabriks- oder Betriebskomitees, sowie eines besonders dazu gewählten Vertreters des Verbandes befinden.

8. Der ökonomische Kampf wird unter der Losung der Erhöhung des Arbeitslohnes und Verbesserung der Arbeitsbedingungen gegen die der Vorkriegszeit geführt. Alle Versuche, Arbeitsbedingungen auf das Niveau der Vorkriegszeit zurückzuführen, müssen eine entschiedene und revolutionäre Zurückweisung erfahren. Der Krieg hatte die Entkräftung der Arbeiterklasse zur Folge; um dieser entgegenzuwirken, sind verbesserte Arbeitsbedingungen Voraussetzung. Die Hinweise der Kapitalisten auf eine Konkurrenz des Auslandes dürfen auf keinen Fall berücksichtigt werden; die revolutionären Gewerkschaften müssen die Fragen des Arbeitslohnes und der Verbesserung der Arbeitsbedingungen nicht vom Gesichtspunkt der Konkurrenz zwischen den raublustigen Elementen der verschiedenen Nationen betrachten, sondern vom Gesichtspunkt der Erhaltung und des Schutzes der Arbeitskraft.

9. Im Falle einer Taktik des Lohndruckes seitens der Kapitalisten und einer ökonomischen Krisis im Lande besteht die Aufgabe der revolutionären Gewerkschaften darin, die Herabsetzung des Arbeitslohnes nacheinander in den verschiedenen Produktionszweigen zu verhindern, d. h. sich nicht in mehrere Gruppen spalten zu lassen. Es müssen von vornherein Arbeiter der allgemeinnützlichen Unternehmungen (Kohlenarbeiter, Eisenbahner, Elektrotechniker, Gasarbeiter u. a.) zur Teilnahme am Kampf herangezogen werden, damit der Kampf gegen den Angriff des Kapitals die wichtigsten Nervenzentren, den wirtschaftlich-ökonomischen Organismus, umfaßt. Hier wird notwendig und zweckmäßig sein, alle Arten des Widerstandes anzuwenden, angefangen von einzelnen Teilstreiks bis zum Generalstreik irgendeines bedeutenden Produktionszweiges im nationalen Maßstabe.

10. Die Gewerkschaften müssen sich zu praktischen Aufgaben die Vorbereitung und Organisation internationaler Ausstände stellen, die einen bestimmten Produktionszweig umfassen. Die Einstellung der Kohlengewinnung oder die Unterbrechung des Verkehrs im internationalen Maßstabe sind wichtige Kampfmittel gegen die reaktionären Anschläge der Bourgeoisie aller Länder.

Die Gewerkschaften müssen aufmerksam die Weltkonjunktur verfolgen, um den geeigneten Moment für ihren Angriff zu wählen, dabei nicht einen Augenblick außer Achtung lassen, daß ein internationaler Angriff, welcher Art er auch sei, nur dann möglich sein wird, wenn wahre revolutionäre internationale Gewerkschaften gebildet werden, die nichts Gemeinsames mit der gelben Amsterdamer Internationale haben.

11. Der von den Opportunisten aller Länder verbreitete Glaube an einen absoluten Wert der Kollektivverträge muß eine scharfe und entschiedene Zurückweisung seitens der revolutionären Bewegung erfahren. Der Kollektivvertrag ist nichts weiter als ein Waffenstillstand. Die Unternehmer verletzen stets den Kollektivvertrag, sobald sich dazu die kleinste Möglichkeit bietet. Die religiösen Beziehungen zu den Kollektivverträgen beweisen, daß die Führer der Arbeiterklasse tief von der Ideologie der Bourgeoisie durchdrungen sind. Die revolutionären Gewerkschaften sollen den Kollektivvertrag nicht ablehnen, jedoch seinen relativen Wert erkennen und die Fragen der Methoden des Bruches dieser Verträge, wenn es der Arbeiterklasse Vorteil dienen sollte, immer klar vor Augen haben.

12. Der Kampf der Arbeiterorganisationen gegen den individuellen und kollektiven Unternehmer soll unter Berücksichtigung der nationalen und örtlichen Verhältnisse für die ganze Erfahrung des Befreiungskampfes der Arbeiterklasse verwertet werden. Daher muß jeder bedeutende Streik nicht nur von den Arbeitern gut vorbereitet sein, sondern geichzeitig mit dem Streikausbruch müssen auch besondere Kaders zum Kampf gegen die Streikbrecher und zum Widerstand gegen die verschiedenen Provokationen der von den bourgeoisen Regierungen unterstützten weißgardistischen Organisationen gegenüber gebildet werden. Die Faszisten Italiens, die technische Nothilfe Deutschlands, die aus ehemaligen Offizieren und Unteroffizieren bestehenden weißgardistischen Organisationen Frankreichs und Englands — alle diese Organisationen haben sich zum Ziel gesetzt, jede Arbeiteraktion zu desorganisieren, zu vernichten, nicht nur durch Ersatz der Streikenden, sondern auch durch materiellen Ruin und Tötung der Leiter der Arbeiterbewegung. Unter diesen Bedingungen wird die Organisation besonderer Streik- und Selbstschutztruppen zur Lebensfrage.

13. Diese neugebildeten Kampforganisationen sollen sich nicht nur gegen die Angriffe der Unternehmer und Streikbrecherorganisationen wehren, sondern auch die Initiative der Zurückhaltung aller Güter und Waren, welche für die betreffende Fabrik bestimmt sind, auf sich nehmen und die Ausfuhr der Fabrikate nach anderen Fabriken und Unternehmungen hindern. In dieser Beziehung muß den Transportarbeitern eine ganz besonders hervorragende Rolle zufallen, sie sollen die Ein- und Ausfuhr der Waren einstellen, was bei einmütiger Unterstützung aller örtlichen Arbeiter ausführbar ist.

14. Der ganze ökonomische Kampf der Arbeiterklasse in der nächsten Zukunft soll sich um die Losung der Partei „Arbeiterkontrolle der Produktion“ konzentrieren, wobei diese Kontrolle verwirklicht werden muß, bevor die Regierung und die herrschenden Klassen Kontrollsurrogate geschaffen haben. Es muß ein erbitterter Kampf gegen alle Versuche zur Gründung von Paritätsarbeitsgemeinschaften und Paritätskontrollkommissionen seitens der herrschenden Klassen und Reformisten begonnen werden, wobei die Kontrolle der Betriebe streng durchgeführt werden muß, um bestimmte Resultate zu erzielen. Die revolutionären Gewerkschaften müssen mit aller Entschlossenheit gegen das sozialistische Blendwerk und die Spitzbüberei, mit denen sich die Führer der alten Gewerkschaften mit Hilfe der herrschenden Klassen befaßt haben, auftreten. All das Gerede dieser Herren über eine friedliche Sozialisierung verfolgt nur das Ziel, die Arbeiter von einer revolutionären Aktion und sozialer Revolution abzulenken.

15. Um die Aufmerksamkeit der Arbeiter von ihren unmittelbaren Aufgaben abzulenken und in ihnen kleinbürgerliche Tendenzen wachzurufen, wird die Idee der Teilnahme der Arbeiter am Gewinn, d. h. der Rückerstattung eines unbedeutenden Teiles des von ihnen geschaffenen Mehrwertes propagiert. Diese Losung der Demoralisierung der Arbeiter muß einer schroffen und unbarmherzigen Kritik unterworfen werden. (Nicht Teilnahme am Gewinn, sondern „Vernichtung des Kapitalistengewinnes“ — ist die Losung der revolutionären Klassengewerkschaften.)

16. Zur Lähmung oder Brechung der Kampfkraft der Arbeiterklasse haben die Bourgeoisstaaten unter der Vorgabe des Schutzes lebenswichtiger Industrien zur zeitweiligen Militarisierung einzelner Betriebe oder ganzer Industriezweige gegriffen. Um angeblich ökonomische Erschütterungen nach Möglichkeit zu verhüten, führten sie zum Schutze des Kapitals obligatorische Schiedsgerichte oder Schlichtungsausschüsse ein. Im Interesse des Kapitals wurde auch, um die Lasten des Krieges gänzlich auf die Schultern der Arbeitenden abzuwälzen, der direkte Steuerabzug vom Arbeitslohn eingeführt, bei dem der Unternehmer die Rolle des Steuereintreibers hat. Gegen diese staatlichen, nur der kapitalistischen Klasse dienenden, Maßnahmen muß der erbittertste Kampf seitens der Gewerkschaften aufgenommen werden.

17. Indem man den Kampf für die Verbesserung der Arbeitsbedingungen, die Hebung des Lebensniveaus und der Einsetzung der Arbeitskontrolle führt, muß man immer vor Augen haben, daß diese Probleme auf dem Gebiete kapitalistischer Beziehungen unmöglich zu lösen sind, und daher müssen die revolutionären Gewerkschaftsverbände den herrschenden Klassen Schritt für Schritt Konzessionen entreißen, indem sie sie zwingen, sozialistische Gesetzgebung durchzuführen, es den Arbeitermassen völlig klarlegen, daß die soziale Frage nur durch Vernichtung des Kapitalismus und durch die Einsetzung der Diktatur des Proletariats gelöst werden kann. Von diesem Standpunkt betrachtet, darf keine Teilaktion der Arbeiter, kein Teilstreik, kein noch so unbedeutender Konflikt spurlos vorübergehen. Die revolutionären Gewerkschaften sollen diese Konflikte verallgemeinern und ihre Arbeitermassen bis zur Erkenntnis der Notwendigkeit und Unvermeidlichkeit der sozialen Revolution und der Diktatur des Proletariats bringen.

18. Der ökonomische Kampf ist zugleich auch ein politischer, d. h. ein allgemeiner Klassenkampf. Der Kampf selbst, wenn er auch noch so weite Arbeiterschichten im Lande umfaßt, kann nur dann wirklich revolutionär und mit größtmöglichstem Nutzen für die Arbeiterklasse als Gesamtheit durchgeführt werden, wenn die revolutionären Gewerkschaftsverbände Hand in Hand, in engster Arbeitsgemeinschaft und im engsten Bündnis mit der Kommunistischen Partei des Landes gehen werden. Die Theorie und Praxis der Spaltung des Klassenkampfes der Arbeiter in zwei unabhängige Teile ist im gegenwärtigen Revolutionsmoment äußerst schädlich. Dieses Vorgehen erfordert maximale Kraftkonzentration, die nur bei größter Anstrengung der Revolutionsenergie der Arbeiterklasse, d. h. aller seiner kommunistischen und revolutionären Elemente denkbar ist. Teilaktionen der Kommunistischen Partei und der roten revolutionären Klassenverbände sind von vorneherein dem Mißlingen und der Vernichtung geweiht. Daher sind Einheitlichkeit der Aktion und organisches Bündnis der Kommunistischen Partei mit den Gewerkschaften die Vorbedingungen des Erfolges im Kampf gegen den Kapitalismus.

## Resolution über die Arbeit auf dem Gebiete der Kooperativen

*Angenommen in der 22. Sitzung des III. Weltkongresses vom 10. Juli 1921.*

Der III. Kongreß der Internationale beauftragt die Exekutive, eine kooperative Sektion zu schaffen, die nach Bedarf und Notwendigkeit die Einberufung von internationalen kooperativen Beratungen, Konferenzen und Kongressen zwecks Verwirklichung in internationalem Maßstabe die in den Thesen aufgeführten Aufgaben vorzubereiten hat.

Die Sektion hat sich außerdem folgende praktische Aufgaben zu stellen: a) die Verstärkung der Tätigkeit der Kooperation der Arbeitenden in Landwirtschaft und Gewerbe durch Vergenossenschaftung kleiner halbproletarischer Betriebe, sowie durch Heranziehung der Arbeitenden zur kollektiven Führung und Verbesserung ihrer Wirtschaft anzustreben; b) den Kampf um die Uebergabe in nationalem Maßstabe der gesamten Distribution von Nahrungsmitteln und Gebrauchsartikeln an die Kooperation zu führen; c) Propaganda für die Prinzipien und Methoden der revolutionären Kooperation zu führen, sowohl als die Tätigkeit der proletarischen Kooperation auf die materielle Unterstützung der kämpfenden Arbeiterklasse zu lenken, und d) die Herstellung von internationalen Handels- und Finanzbeziehungen zwischen den Arbeitergenossenschaften zu unterstützen, sowie deren gemeinschaftliche Produktion zu organisieren.

## Thesen über die Arbeit der Kommunisten in den Kooperativen

*Angenommen in der 22. Sitzung des III. Weltkongresses vom 10. Juli 1921.*

I. In der Epoche der proletarischen Revolution stehen zwei Probleme vor den proletarischen Kooperativen: a) den werktätigen Massen in ihrem Kampf um die politische Macht Hilfe zu leisten, b) dort, wo die Macht schon errungen ist, ihnen beim Aufbau der sozialistischen Gesellschaft zu helfen.

II. Die alten Kooperative gingen den Weg des Reformismus und suchten dem revolutionären Kampfe aus dem Wege zu gehen. Sie verkörperten die Idee des langsamen „Hineinwachsens“ in den Sozialismus, ohne die Hilfe der Diktatur des Proletariats.

Sie predigen die politische Neutralität der Kooperative; unter diesem Schilde verbergen sie jedoch die Unterwerfung der Kooperative unter die politischen Ziele der imperialistischen Bourgeoisie.

Ihr Internationalismus beschränkt sich auf Worte. In Wirklichkeit verwandeln sie die internationale Solidarität der Arbeiter in die gemeinsame Arbeit der werktätigen Massen mit der Bourgeoisie ihres Landes.

Mit dieser ganzen Politik wird die Revolution durch die alten Kooperative nicht gefördert, sondern zurückgehalten, nicht beschleunigt, sondern gehindert.

III. Die verschiedenen Formen und Arten der Kooperative können den revolutionären Zielen des Proletariats ebenfalls nicht dienen. Die Konsumvereine können sich diesen Zielen am ehesten anpassen. Aber auch in ihrer Mitte gibt es viele Vereine, die aus bürgerlichen Elementen bestehen. Solche Kooperative werden sich in Revolutionskämpfen niemals auf die Seite des Proletariats stellen. Dessen ist nur das Arbeiterkooperativ in der Stadt und auf dem Lande fähig.

IV. Die Aufgaben der Kommunisten in der kooperativen Bewegung sind folgende: 1. die Propaganda der kommunistischen Ideen, 2. die Verwandlung der Kooperative in Organe des revolutionären Klassenkampfes, ohne die einzelnen Kooperative aus dem Zentralorgan auszuscheiden.

In allen Kooperativen ist es die Pflicht der Kommunisten, Zellen zu bilden, deren Aufgabe in der Organisation einer Zentrale der kommunistischen Kooperative in jedem Lande besteht.

Diese Zellen, ebenso wie die Zentrale, müssen in steter Verbindung mit der Kommunistischen Partei und mit ihren Vertretern in den Kooperativen bleiben. Die Zentrale muß die Grundlagen der Taktik der Kommunisten in der Kooperativbewegung ausarbeiten, diese Bewegung leiten und organisieren.

V. Die praktischen Aufgaben, die im gegebenen Moment vor den revolutionären Kooperativen des Westens stehen, werden sich im Laufe der Arbeit deutlicher zeigen. Aber jetzt schon kann man einige von ihnen klar erkennen:

a) die mündliche und schriftliche Propaganda und Agitation für die kommunistischen Ideen, der Kampf für die Befreiung der Kooperative von der Leitung und dem Einfluß der bürgerlichen Kompromißler;

b) die Verbindung der Kooperative mit der kommunistischen Partei und den revolutionären Gewerkschaftsvereinen. Die direkte und indirekte Teilnahme der Kooperative an dem politischen Kampf, den Demonstrationen und politischen Kampagnen des Proletariats. Die materielle Unterstützung der Kommunistischen Partei und ihrer Preßorgane; die materielle Unterstützung der Streikenden und der Arbeiter, die unter den Aussperrungen zu leiden haben usw.

c) der Kampf gegen die imperialistische Politik der Bourgeoisie und folglich auch gegen die Einmischung der Entente in die Angelegenheiten Sowjet-Rußlands und anderer Länder;

d) die Herstellung nicht nur ideeller und organisatorischer, sondern auch geschäftlicher Verbindungen zwischen den Arbeitern der Kooperative verschiedener Länder;

e) der Kampf für den schleünigen Abschluß verschiedener Handelsverträge und die Durchführung der Handelsbeziehungen mit Sowjet-Rußland und den anderen Sowjet-Republiken;

f) die möglichst rege Teilnahme an dem Warenaustausch mit diesen Republiken;

g) die Teilnahme an der Ausbeutung der Naturschätze der Sowjetstaaten durch die den Kooperativen zuerteilten Konzessionen.

Die Aufgaben der Kooperative werden erst nach der proletarischen Revolution zur vollen Entwicklung gelangen. Aber auf die Erfahrungen Sowjet-Rußlands fußend, kann man schon jetzt einige charakteristische Züge dieser Arbeit erkennen:

a) Die Konsumvereine werden die Verteilung der Produkte nach dem Plane der proletarischen Regierung auf sich nehmen müssen. Dieses wird zu nie dagewesenem Aufblühen der Kooperative führen;

b) die Kooperative müssen sich zu einer Organisation heranbilden, welche die Verbindung zwischen den vereinzelten Kleinwirtschaften (der Bauern und Handwerker) und den zentralen Wirtschaftsorganen des proletarischen Staates herstellt. Diese letzteren werden mit Hilfe der Kooperative die Arbeit der vereinzelten Kleinwirtschaften nach einem einheitlichen Plane leiten. Die Konsumvereine werden das Organ sein, welches die Lebensmittel und Rohstoffe der Kleinwirtschaften sammeln und sie den Mitgliedern der Vereine und dem Staate weitergeben wird;

c) außerdem können die Produktivgenossenschaften die kleinen Betriebe zu Werkstätten und zu den größeren Betrieben vereinigen, in denen die Anwendung der Maschinenarbeit und der wissenschaftlich-technischen Arbeitsmethoden möglich sind. Dieses wird für die Kleinwirtschaft eine technische Basis gründen, die den Aufbau der sozialistischen Betriebsorganisation ermöglicht, zur Vernichtung der individualistischen Psychologie des kleinen Fabrikanten und zur Entwicklung der kollektivistischen Psychologie führt.

VII. In Anbetracht der wichtigen Rolle der revolutionären Kooperative in der Epoche der proletarischen Revolution, schreibt der III. Kongreß der Kommunistischen Internationale den kommunistischen Parteien, Gruppen und Organisationen vor, die energische Propaganda der Idee der revolutionären Kooperative und der Organisation kommunistischer Zellen in den Kooperativen fortzusetzen, die Kooperative in ein Organ des Klassenkampfes zu verwandeln und eine einheitliche Front der Kooperative mit den revolutionären Gewerkschaftsvereinen zu schaffen.

Der Kongreß überläßt der Exekutive der Kommunistischen Internationale die Organisation einer kooperativen Sektion, die alle aufgezählten Aufgaben durchzuführen hat; außerdem muß diese Sektion Versammlungen, Konferenzen und Kongresse zur Verwirklichung der kooperativen Aufgaben in internationalem Maßstabe zusammenrufen.

## Thesen zum Referat über die Politik der Kommunistischen Partei Rußlands

*Angenommen in der 17. Sitzung des III. Weltkongresses vom 5. Juli 1921.*

### I. Die internationale Lage der R.S.F.S.R.

Die internationale Lage der R.S.F.S.R. wird gegenwärtig durch ein gewisses Gleichgewicht charakterisiert. Trotz aller Unbeständigkeit ergab sich daraus immerhin eine eigentümliche Konjunktur der Weltpolitik. Das Eigenartige dieser Politik besteht in folgendem:

Einerseits ist die internationale Bourgeoisie voll von wütendem Haß und Feindschaft gegen Sowjetrußland und bereit, es jede Minute zu überfallen, um es zu erwürgen; auf der anderen Seite haben alle Versuche militärischer Intervention, die der Bourgeoisie Hunderte von Millionen Franken gekostet haben, mit einem vollen Mißerfolg geendet, trotzdem die Sowjetmacht damals schwächer war als jetzt, während die russischen Großgrundbesitzer und Kapitalisten ganze Armeen auf dem Gebiete der R.S.F.S.R. zur Verfügung hatten. Die Opposition gegen die Kriege mit Sowjet-Rußland hat in allen kapitalistischen Ländern außerordentlich zugenommen; sie hat die revolutionäre Bewegung des Proletariats gestärkt und selbst sehr breite Massen kleinbürgerlicher Demokratie erfaßt. Der Widerspruch zwischen den Interessen der verschiedenen imperialistischen Länder hat sich verschärft und verschärft sich mit jedem Tage immer mehr. Die revolutionäre Bewegung bei den hunderten Millionen der unterdrückten Völker des Ostens wächst mit bemerkenswerter Kraft. Infolge aller dieser Verhältnisse war der internationale Imperialismus nicht imstande, Sowjet-Rußland zu erwürgen, obwohl er an sich viel stärker ist; ja er ist sogar gezwungen worden, auf eine Zeit Sowjet-Rußland ganz oder halb anzuerkennen und in Handelsbeziehungen mit ihm zu treten. Auf diese Weise kam es zu einem, wenn auch äußerst unsicheren und unbeständigen, aber doch immerhin vorhandenen Gleichgewicht, bei dem die sozialistische Republik — wenn auch nicht auf lange Zeit — in der kapitalistischen Umzingelung existieren kann.

### II. Das gegenseitige Verhältnis der Klassenkräfte im internationalen Maßstabe.

Bei einem solchen Stand der Dinge hat sich das Verhältnis der Klassenkräfte im internationalen Maßstabe in folgender Weise gestaltet: Die internationale Bourgeoisie, die keine Möglichkeit hat, den offenen Krieg gegen Sowjet-Rußland zu führen, wartet in Wachbereitschaft den Moment ab, wo die Umstände es gestatten werden, diesen Krieg wieder von neuem zu beginnen.

Das Proletariat der entwickelten kapitalistischen Länder hat bereits überall seine Avantgarde herauskristallisiert, die kommunistischen Parteien, die zielbewußt an die Eroberung der Mehrheit des Proletariats in jedem Lande herangehen und dabei den Einfluß der alten tradeunionistischen Bürokraten und der von imperialistischen Privilegien korrumpierten Aristokratie der Arbeiterklasse Europas und Amerikas zerstören.

Die kleinbürgerliche Demokratie der kapitalistischen Länder, deren entwickeltsten Teil die II. und II½-Internationale darstellt, ist gegenwärtig die Hauptstütze des Kapitalismus, soweit unter ihrem Einfluß die Mehrheit oder ein bedeutender Teil der in Industrie und Handel beschäftigten Arbeiter und Angestellten steht, die im Falle einer Revolution ihre relativ spießbürgerliche Lebenshaltung zu verlieren fürchten, welche die Folge der Privilegien des Imperialismus ist. Aber die anwachsende ökonomische Krisis verschlechtert überall die Lage der breiten Massen, und dieser Umstand, wie die immer klarer werdende Unvermeidlichkeit neuer imperialistischer Kriege bei der Erhaltung des Kapitalismus erschüttert diese Stütze immer mehr.

Die arbeitenden Massen der Kolonial- und Halbkolonialländer, welche die ungeheure Mehrheit der Bevölkerung der Erde darstellen, sind bereits seit dem Beginn des XX. Jahrhunderts in das politische Leben hineingezogen worden, ganz besonders aber durch die Revolution in Rußland, der Türkei, Persien und China. Der imperialistische Krieg von 1914 bis 1918 und die Sowjetmacht in Rußland verwandeln diese Massen endgültig in einen aktiven Faktor der Weltpolitik und der revolutionären Zertrümmerung des Imperialismus, trotzdem die sehr gebildeten Kleinbürger in Europa und Amerika, darunter auch die Führer der Internationale II und II½ dieses noch nicht erkennen. Britisch-Indien steht an der Spitze dieser Länder und die Revolution wächst um so schneller heran, je bedeutsamer einerseits das Industrie- und Eisenbahnproletariat und je brutaler auf der anderen Seite der Terror der Engländer wird, die immer ihre Zuflucht zu Massenmorden (Amritsar), zu öffentlichen Auspeitschungen nehmen.

### III. Das gegenseitige Verhältnis der Klassenkräfte im internationalen Maßstabe.

Die innere politische Lage Sowjet-Rußlands wird dadurch bestimmt, daß wir hier zum erstenmal in der Weltgeschichte während einer ganzen Reihe von Jahren nur zwei Klassen vor uns sehen. Das Proletariat, das durch eine sehr junge, aber immerhin hochmoderne Maschinengroßindustrie in Jahrzehnten erzogen ist, und das Kleinbauerntum, das die überwältigende Mehrheit der Bevölkerung darstellt.

Die Großgrundbesitzer und die Kapitalisten sind in Rußland zwar noch nicht verschwunden, aber sie wurden der vollständigen Expropriation unterworfen, politisch vollständig als Klasse zerschmettert und ihre Ueberreste verteilen sich unter den staatlichen Angestellten der Sowjetmacht. Ihre Klassenorganisation haben sie im Ausland als Emigration aufrechterhalten, wahrscheinscheinlich in einer zahlenmäßigen Stärke von 1½ bis 2 Millionen. Sie verfügen über mehr als ein halbes hundert Tageszeitungen aller bürgerlichen und „sozialistischen“, d. h. kleinbürgerlichen Parteien, ferner die Reste der Armee und zahllose Verbindungen mit der internationalen Bougeoisie. Diese Emigration arbeitet mit allen Kräften und Mitteln an der Zerstörung der Sowjetmacht und der Wiederherstellung des Kapitalismus in Rußland.

### IV. Das Proletariat und das Bauerntum in Rußland.

Bei einer derartigen inneren Lage Rußlands ist für das Proletariat als die herrschende Klasse die momentane Hauptaufgabe die genaue Bestimmung und Durchführung derjenigen Maßnahmen, die unbedingt notwendig sind zur Leitung des Bauerntums, zur Herstellung eines dauerhaften Bundes mit ihm und zur Durchführung einer langen Reihe allmählicher Uebergangsmaßnahmen zum gesellschaftlichen maschinellen landwirtschaftlichen Großbetrieb. Diese Aufgabe ist in Rußland besonders schwierig angesichts der Rückständigkeit unseres Landes und auch infolge der ungemeinen Ausplünderung durch den imperialistischen und Bürgerkrieg von sieben Jahren. Ganz abgesehen von dieser Besonderheit, gehört diese Aufgabe zu den schwierigsten des sozialistischen Aufbaues, die allen kapitalistischen Ländern — vielleicht mit Ausnahme von England — bevorsteht, und selbst im Falle Englands darf man nicht vergessen, daß zwar die Zahl der kleinen Landpächter sehr gering ist, daß aber dafür der Prozentsatz kleinbürgerlicher Landarbeiter und Angestellter infolge der tatsächlichen Knechtschaft von Hunderten von Millionen von Menschen in den England „gehörenden“ Kolonien außerordentlich groß ist. Infolgedessen besteht vom Standpunkt der Entwicklung der proletarischen Weltrevolution als eines einheitlichen Prozesses die Bedeutung der Epoche, die Rußland jetzt durchmacht, darin, daß es praktisch die Politik des Proletariats, das die Staatsmacht in seinen Händen hat, gegenüber der kleinbürgerlichen Masse zu erproben und zu prüfen hat.

### V. Das Kriegsbündnis zwischen dem Proletariat und dem Bauerntum in der R.S.F.S.R.

Die Grundlagen für die richtigen gegenseitigen Beziehungen zwischen dem Proletariat und dem Bauerntum in Rußland sind in der Epoche von 1917 bis 1921 geschaffen, in welcher der Angriff der Kapitalisten und Großgrundbesitzer mit Unterstützung der gesamten Weltbourgeoisie und aller kleinbürgerlichen demokratischen Parteien (S.-R., Menschewiki) das militärische Bündnis des Proletariats und des Bauerntums für die Sowjetmacht geschaffen, befestigt und in eine feste Form gebracht hat. Der Bürgerkrieg ist die zugespitzte Form des Klassenkampfes und je zugespitzter der Klassenkampf ist, um so schneller und augenscheinlicher beweist die Erfahrung selbst den rückständigsten Schichten des Bauerntums, daß nur die Diktatur des Proletariats das Bauerntum retten kann, daß die S.-R. und Menschewiki tatsächlich nur die Bedienten der Kapitalisten und Großgrundbesitzer sind.

Wenn aber auch das militärische Bündnis zwischen Proletariat und Bauerntum — und es mußte so sein — die erste Form eines dauerhaften Bündnisses war, so hätte es sich doch nicht halten können, ohne einen bestimmten wirtschaftlichen Bund beider Klassen. Der Bauer bekam vom Arbeiterstaat das ganze Land und Unterstützung gegen den Großgrundbesitzer und Großbauer; die Arbeiter bekamen vom Bauern Lebensmittel zur Unterstützung bis zur Wiederherstellung der Großindustrie.

### VI. Der Uebergang zu den richtigen wirtschaftlichen gegenseitigen Beziehungen von Proletariat und Bauerntum.

Vom sozialistischen Standpunkt aus kann der Bund der Kleinbauern und des Proletariats nur dann richtig und beständig sein, wenn der vollständig wiederhergestellte Transport und die Großindustrie dem Proletariat die Möglichkeit geben, dem Bauern als Ersatz für die Lebensmittel alle die Produkte zu geben, die für ihn und für die Verbesserung seiner Wirtschaft notwendig sind. Bei der kolossalen Verwüstung des Landes war es vollständig unmöglich, das auf einmal zu erreichen. Das Kontributionssystem war für den nicht genügend organisierten Staat die verhältnismäßig erträglichste Maßnahme, um sich in dem unerhört schweren Kriege gegen die Großgrundbesitzer zu halten. Die Mißernte und Hungersnot im Jahre 1920 verschärften auch ohnedies die schwere Not der Bauern und machten den sofortigen Uebergang zur Naturalsteuer zu einer unbedingten Notwendigkeit. Eine gemäßigte Naturalsteuer wird mit einem Male eine bedeutende Verbesserung in der Lage der Bauern schaffen und sie gleichzeitig an der Ausdehnung der Saat und der Verbesserung des landwirtschaftlichen Betriebes interessieren.

Die Naturalsteuer bedeutet den Uebergang von der Beschlagnahmung aller Getreideüberschüsse des Bauerntums zu einem geregelten sozialistischen Warenaustausch zwischen Industrie und Landwirtschaft.

### VII. Bedeutung und Bedingungen der Zulässigkeit des Kapitalismus und der Konzessionen durch die Sowjetmacht.

Die Naturalsteuer bedeutet selbstverständlich die Freiheit des Bauern, über seine Ueberschüsse zu verfügen, die ihm nach der Bezahlung der Steuer verbleiben. Soweit der Staat nicht in der Lage sein wird, dem Bauerntum die Produkte der sozialistischen Fabrik im Austausch für alle diese Ueberschüsse zu geben, soweit bedeutet die Freiheit des Handels mit diesen Ueberschüssen unbedingt Freiheit der Entwicklung des Kapitalismus.

Innerhalb dieser Grenzen ist das freilich für den Sozialismus keineswegs gefährlich, solange der Transport und die Großindustrie in den Händen des Proletariats bleiben; umgekehrt, die Entwicklung des Kapitalismus unter Kontrolle und Regulierung des proletarischen Staates (d. h. in *diesem* Sinne des Wortes „Staatskapitalismus“) ist günstig und unbedingt notwendig in einem außerordentlich ausgeplünderten und rückständigen kleinbäuerlichen Land (freilich nur bis zu einem gewissen Grade), soweit diese Entwicklung nämlich imstande ist, einen *sofortigen* Aufschwung der bäuerlichen Landwirtschaft zu beschleunigen. Noch mehr trifft dies auf Konzessionen zu. Ohne die geringste Entstaatlichung gibt der Arbeiterstaat bestimmte Bergwerke, Waldbezirke, Naphthaquellen an auswärtige Kapitalisten, um von ihnen neue Ausrüstung und Maschinen zu erhalten, die ihm die beschleunigte Wiederherstellung der Sowjetgroßindustrie möglich machen sollen. Die Bezahlung der Konzessionäre durch hochwertige Produkte ist unzweifelhaft ein Tribut des Arbeiterstaates an die Weltbourgeoisie; ohne das im geringsten zu verhehlen, müssen wir doch klar verstehen, daß wir diesen Tribut zahlen müssen, um nur die Wiederherstellung unserer Großindustrie und eine ernste Verbesserung der Lage unserer Bauern und Arbeiter zu beschleunigen.

### VIII. Die Folgen unserer Ernährungspolitik.

Die Ernährungspolitik Sowjet-Rußlands von 1917 bis 1921 war unzweifelhaft sehr primitiv, unvollkommen und brachte viele Mißbräuche mit sich. Eine ganze Reihe von Fehlern wurde gemacht. Aber im großen Ganzen war sie bei den gegebenen Bedingungen die einzig mögliche und sie erfüllte auch ihre geschichtliche Aufgabe, sie rettete die proletarische Diktatur in dem ausgeplünderten und rückständigen Land. Es ist eine unbestreitbare Tatsache, daß sie sich langsam vervollständigt. Im ersten Jahre unserer vollen Regierungsmacht vom 1. August 1918 bis 1. August 1919 bekam der Staat 110 Millionen Pud, im zweiten 220 und im dritten 285. Jetzt haben wir schon praktische Erfahrungen. Wir werden imstande sein, 400 Millionen Pud zu sammeln, die Naturalsteuer beläuft sich auf 240 Millionen. Nur bei tatsächlichem Besitz eines genügenden Lebensmittelfonds ist der Arbeiterstaat in der Lage, in wirtschaftlicher Beziehung dauerhaft auf eigenen Füßen zu stehen und eine, wenn auch langsame, so doch zielbewußte Wiederherstellung der Großindustrie zu sichern und ein geregeltes Finanzsystem zu schaffen.

### IX. Materielle Grundlagen des Sozialismus und der Plan für die Elektrifizierung Rußlands.

Die einzige materielle Grundlage des Sozialismus kann nur die maschinelle Großindustrie sein, die imstande ist, auch die Landwirtschaft zu organisieren. Aber auf diese allgemeine Formel kann man sich nicht beschränken, sie muß genauer und konkreter bestimmt werden. Die Großindustrie, die der neuesten Technik entspricht und imstande ist, die Landwirtschaft zu organisieren, das ist die Elektrifizierung des ganzen Landes. Die wissenschaftliche Arbeit der Ausarbeitung des Planes einer solchen Elektrifizierung der R.S.F.S.R. mußten wir leisten und eine solche Arbeit haben wir geleistet. Unter Beteiligung von mehr als 200 der besten Gelehrten, Ingenieure und landwirtschaftlichen Kräften Rußlands ist diese Arbeit zu Ende gebracht und in einem Sammelbande gedruckt und in großen Zügen vom VIII. Allrussischen Rätekongreß im Dezember 1920 bestätigt worden. Jetzt ist bereits die Einberufung eines Allrussischen Kongresses der Elektrotechniker organisiert, der sich im August 1921 sammeln wird zur neuen Prüfung dieser Arbeiten. Dann werden sie die endgültige staatliche Bewilligung erhalten. Die Arbeiten für die Elektrifizierung sind zunächst auf zehn Jahre berechnet und fordern ungefähr 370 Millionen Arbeitstage. Während wir im Jahre 1918 acht neugebaute elektrische Stationen hatten, hatten wir im Jahre 1919 bereits 36 und im Jahre 1920 hundert Stationen. Mag dieser Anfang für unser ungeheures Land auch noch so bescheiden sein, trotzdem ist der Anfang gemacht, die Arbeit ging vonstatten und geht immer besser und besser. Der russische Bauer ist nach dem imperialistischen Kriege, nachdem Millionen von Gefangenen in Deutschland die moderne erstklassige Technik kennen gelernt haben, nach der schweren, aber aufklärenden Erfahrung des dreijährigen Bürgerkrieges schon nicht mehr der Bauer, der er früher gewesen ist. Mit jedem Monat sieht er klarer und anschaulicher, daß allein die Führung durch das Proletariat imstande ist, die Masse der kleinen Landbesitzer aus der Knechtschaft zu befreien und dem Sozialismus näher zu bringen.

### X. Die Rolle der „reinen Demokratie“ der II. und II½-Internationale und der S.-R. und Menschewiki als der Verbündeten des Kapitals.

Die Diktatur des Proletariats bedeutet nicht die Einstellung des Klassenkampfes, sondern seine Fortsetzung in neuer Form mit neuen Waffen. Solange die Klassen bleiben, solange die in einem Lande gestürzte Bourgeoisie die Angriffe gegen den Sowjetstaat in internationalem Maßstabe fortsetzt, solange ist die Diktatur notwendig. Die Klasse der kleinen Landbesitzer muß in der Uebergangsepoche eine Reihe Schwankungen durchmachen. Die Schwierigkeit des Ueberganges, der Einfluß der Bourgeoisie erzeugen von Zeit zu Zeit unvermeidliche Schwankungen in der Stimmung dieser Massen. Auf dem Proletariat, das geschwächt und durch die Zerstörung seiner lebendigen Grundlage, der maschinellen Großindustrie, bis zu einem gewissen Grade deklassiert ist, liegt die sehr schwere und ungeheure Aufgabe, trotz dieser Schwankungen festzubleiben und die Befreiung der Arbeit vom Joch des Kapitals zu Ende zu führen. Der politische Ausdruck der Zersetzung des Kleinbürgertums ist die Politik der kleinbürgerlichen Parteien, d. h. der Parteien der II. und II½-Internationale, in Rußland der Sozial-Revolutionäre und Menschewiki. Diese Parteien, die jetzt ihre Hauptstäbe und Zeitungen im Auslande haben, stehen jetzt tatsächlich in einem Block mit der ganzen bürgerlichen Konterrevolution und erweisen ihr tatsächlich Dienste. Die klugen Führer der russischen Großbourgeoisie, an ihrer Spitze Miljukow, Führer der Partei der Kadetten (Konstitutionelle Demokraten) haben diese Rolle der kleinbürgerlichen Demokratie der S.-R. und Menschewiki vollständig klar und genau und gradlinig abgeschätzt. Anläßlich des Kronstädter Aufstandes, bei dem die Menschewiki, die S.-R. und die Weißgardisten ihre Kräfte vereinigten, sprach sich Miljukow für die Losung aus: „Sowjets ohne Bolschewiki“. Diesen Gedanken weiter entwickelnd, schrieb er: „Ehre und Anerkennung den S.-R. und Menschewiki („Prawda“ Nr. 64 und 110 1921 zitiert aus den Pariser Letzten Nachrichten); denn sie haben die Aufgabe, als erste die Macht den Bolschewiki zu nehmen! Miljukow, der Führer der Großbourgeoisie, zieht vollkommen richtig die Lehre aus allen Revolutionen, die bewiesen haben, daß die kleinbürgerliche Demokratie nicht imstande ist, die Macht zu halten und daß sie immer nur ein Schild für die Diktatur der Bourgeoisie, immer nur eine Stufe zur vollen Herrschaft der Bourgeoisie ist. Die proletarische Revolution in Rußland bestätigt noch einmal die Erfahrungen aus den Jahren 1789 bis 1794 und 1848 bis 1849, bestätigt die Worte von Friedrich Engels, der in seinem Briefe an Bebel vom 11. Dezember 1884 schrieb:

„..... Die reine Demokratie kann im Momente der Revolution ... als letzter Rettungsanker der ganzen bürgerlichen, selbst feudalen Wirtschaft momentan Bedeutung bekommen .... So verstärkte die gesamte feudal-bürokratische Masse (1848 März bis September) die Liberalen, um die revolutionäre Masse niederzuhalten ... Jedenfalls ist unser einziger Gegner am Tage der Krise und am Tage nachher *die um die reine Demokratie sich gruppierende Gesamtreaktion*, und das, glaube ich, darf nicht aus den Augen verloren werden.“ („Friedrich Engels Politisches Vermächtnis“, Nr. 12 der Internationalen Jugendbibliothek, Berlin 1920, Seite 13.)

## Resolution über die Taktik der Kommunistischen Partei Rußlands

*Angenommen in der Sitzung vom 5. Juli 1921.*

Nachdem der III. Weltkongreß der K.I. den Bericht des Genossen Lenin über die Taktik der K.P.R. gehört und von den dazu vorgelegten Thesen Kenntnis genommen hat, erklärt der Kongreß:

Der III. Weltkongreß der K. I. blickt mit Bewunderung auf den fast vierjährigen Kampf des russischen Proletariats um die Eroberung und Erhaltung seiner politischen Macht. Der Kongreß billigt einmütig die Politik der K.P.R., die vom Beginn an in jeder Situation die drohenden Gefahren richtig erkannt und, getreu den Grundsätzen des revolutionären Marxismus, immer Mittel und Wege gefunden hat, sie zu meistern, die auch jetzt, nach der vorläufigen Beendigung des offenen Bürgerkrieges, durch ihre Politik gegenüber dem Bauerntum, in der Frage der Konzessionen und des Aufbaus der Industrie alle Kräfte des von der K.P.R. geführten Proletariats darauf konzentriert, die Diktatur des Proletariats in Rußland so lange zu halten, bis das Proletariat Westeuropas seinen Brüdern zu Hilfe kommen wird.

Indem der Weltkongreß die Ueberzeugung ausspricht, daß nur dank dieser konsequenten und zielbewußten Politik der K.P.R. Sowjetrußland als die erste und wichtigste Zitadelle der Weltrevolution gehalten wird, brandmarkt er das verräterische Verhalten der menschewistischen Parteien, die in allen Ländern dank ihres Feldzuges gegen Sowjetrußland und die Politik der K.P.R. den Kampf der kapitalistischen Reaktion gegen Rußland stärken, und die soziale Revolution in der ganzen Welt zu verzögern suchen.

Der Weltkongreß fordert das Proletariat aller Länder auf, sich einmütig an die Seite der russischen Arbeiter und Bauern zu stellen und den Oktobertag in der ganzen Welt zur Wirklichkeit werden zu lassen.

Es lebe der Kampf um die Diktatur des Proletariats!

Es lebe die soziale Weltrevolution!

## Leitsätze über den organisatorischen Aufbau der Kommunistischen Parteien, über die Methoden und den Inhalt ihrer Arbeit

*Angenommen in der 24. Sitzung des III. Weltkongresses vom 12. Juli 1921.*

### I. Allgemeines.

1. Die Organisation der Partei muß den Bedingungen und dem Zweck ihrer Tätigkeit angepaßt sein. Die Kommunistische Partei soll die Avantgarde, der führende Vortrupp des Proletariats sein für alle Phasen seines revolutionären Klassenkampfes und der späteren Uebergangsperiode zur Verwirklichung des Sozialismus, dieser ersten Stufe der kommunistischen Gesellschaft.

2. Es kann keine absolut richtige, unveränderliche Organisationsform für die kommunistischen Parteien geben. Die Bedingungen des proletarischen Klassenkampfes sind in einem unaufhörlichen Verwandlungsprozeß Aenderungen unterworfen, und diesen Aenderungen entsprechend soll auch die Organisation der Avantgarde des Proletariats dauernd nach zweckmäßigen Formen suchen. Gleichfalls werden durch die historisch bestimmte Eigenart jedes einzelnen Landes besondere Anpassungsformen für die Organisation der einzelnen Parteien bedingt.

Diese Differenzierung hat aber bestimmte Grenzen. Die trotz aller Eigenart existierende *Gleichheit* in den Bedingungen des proletarischen Klassenkampfes in den verschiedenen Ländern und in den verschiedenen Phasen der proletarischen Revolution ist für die internationale kommunistische Bewegung von grundlegender Bedeutung. Sie ergibt die gemeinsame Grundlage für die Organisation der kommunistischen Parteien aller Länder.

Auf dieser Grundlage gilt es, die Organisation der kommunistischen Parteien zweckmäßig weiter zu entwickeln, nicht aber nach der Gründung irgendwelcher neuer Musterparteien an Stelle der schon existierenden zu streben oder nach einer absolut richtigen Organisationsform oder idealen Statuten zu suchen.

3. Die meisten kommunistischen Parteien, somit die Kommunistische Internationale als Gesamtpartei des revolutionären Proletariats der Welt, haben in ihren Kampfesbedingungen das gemeinsam, daß sie noch gegen die herrschende Bourgeoisie zu kämpfen haben. Der Sieg über diese, die Eroberung der Macht aus den Händen der Bourgeoisie ist für sie alle bis auf weiteres der entscheidende, richtunggebende Hauptzweck.

Für alle Organisationsarbeit der kommunistischen Parteien in den kapitalistischen Ländern ist demgemäß durchaus entscheidend der Gesichtspunkt, eine solche Organisation aufzubauen, die den *Sieg* der proletarischen Revolution über die besitzenden Klassen ermöglicht und sichert.

4. Die Zweckmäßigkeit erfordert bei jeder gemeinsamen Aktion eine *Führung*. Vor allem ist sie nötig für den größten Kampf der Weltgeschichte. Die Organisation der kommunistischen Partei ist Organisation der kommunistischen Führung in der proletarischen Revolution.

Um gut führen zu können, braucht die Partei selbst auch gute Führung. Unsere organisatorische Grundaufgabe ist demgemäß: Bildung, Organisierung und Erziehung einer unter tüchtigen führenden Organen tätigen kommunistischen Partei zum tüchtigen Führer der proletarischen revolutionären Bewegung.

5. Die Führung des revolutionären Klassenkampfes setzt bei der kommunistischen Partei und bei ihren führenden Organen die organische Verbindung von größtmöglichster Schlagkraft und größter Anpassungsfähigkeit an die sich verändernden Kampfesbedingungen voraus.

Die erfolgreiche Führung setzt außerdem unbedingt die engste *Verbindung mit den proletarischen Massen voraus.* Ohne diese Verbindung wird die Führerschaft die Massen nicht *führen,* sondern bestenfalls hinter ihnen hergehen.

Diese organischen Verbindungen werden in der kommunistischen Parteiorganisation durch den demokratischen Zentralismus erstrebt.

### II. Ueber den demokratischen Zentralismus.

6. Der demokratische Zentralismus in der kommunistischen Parteiorganisation soll eine wirkliche *Synthese, Verschmelzung* des Zentralismus und der proletarischen Demokratie sein. Diese Verschmelzung ist nur auf der Grundlage der ständigen gemeinschaftlichen *Tätigkeit,* des ständigen gemeinschaftlichen *Kampfes* der gesamten Parteiorganisation erreichbar.

Die Zentralisation in der kommunistischen Parteiorganisation bedeutet keine formale und mechanische Zentralisation, sondern eine *Zentralisation der kommunistischen Tätigkeit,* d. h. die Bildung einer starken, schlagfertigen und zugleich auch anpassungsfähigen *Führung.*

Eine formale oder mechanische Zentralisation wäre die Zentralisation der „Macht“ in den Händen einer Parteibureaukratie zur *Beherrschung* der übrigen Mitglieder oder der außenstehenden Massen des revolutionären Proletariats. Aber nur die Feinde des Kommunismus können behaupten, daß die Kommunistische Partei durch die Funktion der Führung der proletarischen Klassenkämpfe und durch die Zentralisation dieser kommunistischen Führung das revolutionäre Proletariat beherrschen will. Das ist eine Lüge. Ebensowenig ist innerhalb der Partei ein Machtgegensatz oder ein Kampf um die Herrschaft mit den von der Kommunistischen Internationale angenommenen Grundsätzen des demokratischen Zentralismus vereinbar.

In den Organisationen der alten, nicht revolutionären Arbeiterbewegung entwickelte sich ein durchgehender Dualismus von derselben Art, wie er sich in der Organisation des bürgerlichen Staates gebildet hatte: der Dualismus zwischen Bürokratie und „Volk“. Unter dem verknöchernden Einfluß der bürgerlichen Umgebung entwickelte sich bei ihnen die Entfremdung der Funktionäre, die Ersetzung der lebendigen Arbeitsgemeinschaft durch bloße, formale Demokratie und die Spaltung der Organisation in aktive Funktionäre und passive Massen. Auch die revolutionäre Arbeiterbewegung erbt unvermeidlich diese Tendenz des Formalismus und Dualismus bis zu einem gewissen Grade aus der bürgerlichen Umgebung.

Die Kommunistische Partei soll diese Gegensätze durch systematische, ausdauernde, politische und organisatorische Arbeit und *mehrfache* Verbesserungen und Revidierungen gründlich überwinden.

7. Bei der Umbildung einer sozialistischen Massenpartei in eine kommunistische Partei darf die Partei sich nicht darauf beschränken, nur Machtbefugnisse in den Händen ihrer Zentralleitung zu konzentrieren, im übrigen aber ihre alte Ordnung unverändert zu lassen. Soll die Zentralisation nicht nur auf dem Papier stehen, sondern tatsächlich durchgeführt werden, so muß ihre Durchführung derart erfolgen, daß sie von den Mitgliedern als eine *sachlich begründete Verstärkung und Entfaltung ihrer gemeinsamen Tätigkeit und Kampfkraft* empfunden wird. Andernfalls erscheint sie den Massen als eine Bürokratisierung der Partei, die dann eine Opposition heraufbeschwört gegen alle Zentralisation, gegen jede Führung, gegen jede straffe Disziplin. Der Anarchismus ist der Gegenpol des Bürokratismus.

Die bloße, formale Demokratie in der Organisation kann weder die Tendenzen des Bürokratismus, noch die des Anarchismus beseitigen, denn auf ihrer Grundlage haben sie in der Arbeiterbewegung den Nährboden gefunden. Deshalb kann die Zentralisierung der Organisation, d. h. das Streben nach einer starken Führung, keinen Erfolg haben, wenn sie allein auf dem Boden der formalen Demokratie zu erreichen versucht wird. Dazu ist vor allem nötig die Entwicklung und Erhaltung lebendiger Verbindungen und Wechselbeziehungen sowohl innerhalb der Partei zwischen den führenden Parteiorganen und den übrigen Mitgliedern wie auch zwischen der Partei und den außenstehenden Massen des Proletariats.

### III. Ueber die Arbeitspflicht der Kommunisten.

8. Die Kommunistische Partei soll eine *Arbeitsschule des revolutionären Marxismus sein.* Durch die tägliche, gemeinschaftliche Arbeit in den Parteiorganisationen werden die organischen Verbindungen zwischen den verschiedenen Teilen und zwischen den einzelnen Mitgliedern angeknüpft.

In den legalen kommunistischen Parteien fehlt es noch heute an der regelmäßigen Teilnahme der meisten Mitglieder an der täglichen Parteiarbeit. Das ist der Hauptmangel dieser Parteien, der Boden einer beständigen Unsicherheit für ihre Entwicklung.

9. Für eine Arbeiterpartei besteht immer bei den ersten Schritten zu ihrer kommunistischen Neugestaltung die Gefahr, sich nur damit zu begnügen, daß sie ein kommunistisches Programm annimmt, daß an Stelle der früheren Doktrin in ihrer Propaganda die kommunistische Doktrin tritt und daß nur die gegnerischen Funktionäre durch kommunistisch gesinnte ersetzt werden. Die Annahme eines kommunistischen Programms ist aber erst die Kundgebung des Willens, kommunistisch zu werden. Wenn die kommunistische Tätigkeit ausbleibt und wenn in der Organisation der Parteiarbeit die *Passivität* der Mitgliedermassen noch immer erhalten bleibt, erfüllt die Partei nicht einmal das Mindeste von dem, was sie durch die Annahme des kommunistischen Programms dem Proletariat versprochen hat. Denn zur ernsten Durchführung dieses Programms ist die *Heranziehung aller Mitglieder zu beständiger, alltäglicher Mitarbeit die erste Bedingung.*

Die Kunst der kommunistischen Organisation besteht darin, im proletarischen Klassenkampf alles und alle auszunützen, zwischen *allen* Parteimitgliedern die Parteiarbeit zweckmäßig zu verteilen und durch die Mitglieder noch breitere Massen des Proletariats ständig in die revolutionäre Bewegung hineinzuziehen, dabei die Führung über die gesamte Bewegung fest in den Händen zu halten, nicht kraft der Macht, sondern kraft der Autorität, also kraft der Energie, der größeren Erfahrung, der größeren Vielseitigkeit, der größeren Fähigkeit.

10. Eine kommunistische Partei soll also in ihrem Bestreben, nur wirklich aktive Mitglieder zu haben, von einem *jeden* in ihren Reihen fordern, daß er seine Kraft und Zeit, soweit er überhaupt selbst darüber unter den gegebenen Verhältnissen disponieren kann, zur Verfügung seiner Partei stellt und immer sein Bestes für diesen Dienst hergibt.

Zur Mitgliedschaft in der Kommunistischen Partei gehört natürlich in der Regel — unter Voraussetzung der kommunistischen Ueberzeugung — auch formale Registrierung, eventuell zuerst als Kandidat, dann als Mitglied, regelmäßige Zahlung der festgesetzten Beiträge, das Abonnement der Parteizeitung usw. Das Wichtigste aber ist die Teilnahme *jedes Mitgliedes* an der täglichen Parteiarbeit.

11. Zum Zwecke der täglichen Parteiarbeit soll in der Regel jedes Parteimitglied stets in eine *kleinere Arbeitsgruppe* eingegliedert sein: in eine Gruppe, ein Komitee, eine Kommission, einen Ausschuß oder ein Kollegium, in eine Fraktion oder Zelle. Nur auf diese Weise kann die Parteiarbeit ordentlich verteilt, geleitet und ausgeführt werden.

Ganz selbstverständlich ist auch die Teilnahme an den allgemeinen Mitgliederversammlungen der örtlichen Organisationen; es ist nicht gut, diese periodischen Versammlungen unter legalen Verhältnissen durch örtliche Repräsentationen ersetzen zu wollen, vielmehr sollten *alle* Mitglieder zum *regelmäßigen* Besuche dieser Versammlungen *verpflichtet* werden. Daß ist aber keineswegs genug. Schon die ordentliche Vorbereitung dieser Versammlungen setzt eine Arbeit in kleineren Gruppen oder die Arbeit beauftragter Genossen voraus, ebenso wie die Vorbereitungen für wirksame Ausnutzung allgemeiner Arbeiterversammlungen, Demonstrationen und Massenaktionen der Arbeiterschaft. Die mannigfachen Aufgaben dieser Tätigkeit können nur durch kleinere Gruppen mit Sorgfalt geprüft und intensiv ausgeführt werden. Ohne solche beständige Kleinarbeit der gesamten Mitglieder, unter die große Menge der kleinen Arbeitsgruppen verteilt, führen uns auch die eifrigsten Bemühungen bei der Teilnahme an den Klassenkämpfen des Proletariats nur zu vergeblichen, kraftlosen Versuchen der Beeinflussung dieser Kämpfe und nicht zu der notwendigen Zusammenfassung aller lebendigen, revolutionären Kräfte des Proletariats in einer einheitlichen, aktionsfähigen kommunistischen Partei.

12. Kommunistische *Kerngruppen* sind für die tägliche Arbeit auf verschiedenen Gebieten der Parteitätigkeit zu bilden: für Hausagitation, für Parteistudien, für Zeitungsdienst, für Literaturvertrieb, für Nachrichtendienst, für Verbindungsdienst usw.

Die kommunistischen *Zellen* sind Kerngruppen für die tägliche kommunistische Arbeit in Betrieben und Werkstätten, in Gewerkschaften, in proletarischen Genossenschaften, in Militärabteilungen usw., überall, wo es wenigstens einige Mitglieder oder Kandidaten der Kommunistischen Partei gibt. Sind mehrere Parteimitglieder in demselben Betrieb oder in derselben Gewerkschaft usw., so erweitert sich die Zelle zur Fraktion, deren Arbeit die Kerngruppe leitet.

Ist es geboten, zunächst eine breitere, allgemein oppositionelle Fraktion zu bilden oder sich an einer bestehenden zu beteiligen, so haben die Kommunisten darin durch ihre besondere Zelle die Leitung anzustreben.

Ob eine kommunistische Zelle für ihre Umgebung kenntlich oder gar der Oeffentlichkeit gegenüber als kommunistisch hervortreten soll, hängt jeweils nach gewissenhafter Prüfung der Gefahren und Vorteile von der besonderen Sachlage ab.

13. Die Einführung der allgemeinen Arbeitspflicht in der Partei und die Organisierung dieser kleinen Arbeitsgruppen ist insbesondere für kommunistische *Massenparteien* eine schwierige Aufgabe. Sie kann nicht über Nacht durchgeführt werden, sondern erheischt *unermüdliche Beharrlichkeit, reifliche Ueberlegung und viel Energie.*

Es ist besonders wichtig, daß diese Neuorganisierung von Anfang an mit Sorgfalt und vielseitiger Erwägung ausgeführt wird. Es wäre eine leichte Sache, in jeder Organisation alle Mitglieder nach irgendeinem formalen Schema in kleine Zellen und Gruppen einzuteilen und diese dann ohne weiteres zur allgemeinen täglichen Parteiarbeit aufzufordern. Ein solcher Anfang wäre aber schlimmer als gar nicht anzufangen: er würde sehr bald Mißstimmung und Abneigung unter den Parteimitgliedern gegen diese wichtige Neuerung hervorrufen.

Es empfiehlt sich, daß die Parteileitung zuerst durch eingehende Beratungen mit mehreren tüchtigen Organisatoren, die zugleich auch fest überzeugte und begeisterte Kommunisten sind und über den Stand der Bewegung in den verschiedenen Kampfzentren des Landes genau orientiert sind, eine detaillierte Unterlage zur ersten Richtschnur für die Einführung dieser Neuerung ausarbeitet. Dann müssen instruierte Organisatoren oder Organisationskomitees an Ort und Stelle die nächste Arbeit zweckmäßig vorbereiten, die ersten Obmänner der Gruppen auswählen und die ersten Schritte unmittelbar einleiten. Den Organisationen, Arbeitsgruppen, Zellen und den einzelnen Mitgliedern müssen alsdann ganz konkrete, genau bestimmte Aufgaben gestellt werden, und zwar so, daß sie ihnen ohne weiteres nützlich, erwünscht und durchführbar erscheinen. Wo nötig, soll man ihnen auch durch praktische Beispiele demonstrieren, wie die Aufgaben durchzuführen sind. Es muß ihnen dabei eingeprägt werden, vor welchen Fehlern sie sich besonders zu hüten haben.

14. Diese Neuorganisierung ist praktisch Schritt für Schritt durchzuführen. Im Anfang sind deshalb in den örtlichen Organisationen nicht allzu viel neue Zellen oder Arbeitsgruppen zu gründen. Erst muß sich in einer kürzeren Praxis erweisen, daß die in den einzelnen bedeutenden Betrieben und Gewerkschaften gegründeten Zellen ordentlich funktionieren und daß auch auf den übrigen Hauptgebieten der Parteitätigkeit die notwendigsten Arbeitsgruppen gegründet sind und sich einigermaßen konsolidiert haben (z. B. auf dem Gebiete des Nachrichtendienstes, des Verbindungsdienstes, der Hausagitation, der Frauenbewegung, des Schriftenvertriebs, des Zeitungsdienstes, in der Arbeitslosenbewegung usw.). Bevor der neue Organisationsapparat sich nicht einigermaßen eingespielt hat, darf der alte Rahmen der Organisation nicht blind zerschlagen werden.

Dabei muß aber doch diese grundlegende Aufgabe der kommunistischen Organisationsarbeit überall mit voller Energie durchgeführt werden. Das stellt große Anforderungen nicht nur an eine legale Partei, sondern ebenso an jede illegale Partei. Bis ein weit verbreitetes Netz von kommunistischen Zellen, Fraktionen und Arbeitsgruppen an allen Brennpunkten des proletarischen Klassenkampfes in Wirksamkeit ist, bis jedes Mitglied der starken, zielbewußten Partei an der täglichen revolutionären Arbeit teilnimmt und diese Teilnahme sogar zur selbstverständlichen Gewohnheit geworden ist, darf die Partei sich bei ihren Anstrengungen zur Durchführung dieser Aufgabe keine Ruhe gönnen.

15. Diese grundlegende organisatorische Aufgabe verpflichtet die führenden Parteiorgane zur fortdauernden, sich nie erschöpfenden, direkten Leitung und systematischen Beeinflussung der Parteiarbeit. Das erfordert die mannigfachsten Bemühungen jener Genossen, die in der Leitung der Organisationen der Partei tätig sind. Die kommunistische Arbeitsleitung hat eben nicht nur darüber zu wachen, daß die Genossen und Genossinnen überhaupt beschäftigt sind, sie muß ihnen helfen, sie hat ihre Arbeit planmäßig und sachverständig zu leiten mit genauer Orientierung über die besonderen Arbeitsbedingungen und mit dem Streben, auch in der eigenen Tätigkeit begangene Fehler herauszufinden, auf Grund gewonnener Erfahrungen die Arbeitsmethoden immer zu verbessern und dabei nie das Ziel des Kampfes aus den Augen zu lassen.

16. Unsere gesamte Parteiarbeit ist praktischer oder theoretischer Kampf oder Vorbereitung dieses Kampfes. Die *Spezialisierung dieser Arbeit* ist bisher meist sehr mangelhaft gewesen. Es gibt da ganze wichtige Arbeitsgebiete, auf denen von der Partei überhaupt nur zufällig etwas getan worden ist, so z. B. von den legalen Parteien in dem speziellen Kampf gegen die politische Polizei. Die *Instruierung* der Parteigenossen geschieht in der Regel nur zufällig und nebenbei, dabei aber so oberflächlich, daß der größte Teil der wichtigsten prinzipiellen Beschlüsse der eigenen Partei, ja sogar das Parteiprogramm wie die Resolutionen der Kommunistischen Internationale großen Schichten der Parteimitglieder unbekannt bleiben. Die Instruktionsarbeit muß durch das ganze System der Parteiorganisationen, in allen Arbeitsgemeinschaften der Partei systematisch geordnet und unaufhörlich betrieben werden, um dadurch auch einen immer höheren Grad von Spezialisierung zu erreichen.

17. Zur Arbeitspflicht in der kommunistischen Organisation gehört notwendigerweise auch die Pflicht der *Berichterstattung.* Diese obliegt sowohl allen Organisationen und Organen der Partei sowie jedem einzelnen Parteimitglied. Die allgemeine Berichterstattung muß regelmäßig für kürzere Perioden erfolgen. Dabei ist über die Erfüllung spezieller Parteiaufträge besonders zu berichten. Es ist wichtig, die Berichterstattungspflicht so systematisch durchzuführen, daß sie sich als beste Tradition in der kommunistischen Bewegung einwurzelt.

18. Die Partei erstattet ihre regelmäßigen Vierteljahresberichte an die Leitung der Kommunistischen Internationale. Jede Teilorganisation in der Partei hat ihre Berichte an das nächste führende Komitee zu erstatten (z. B. Monatsberichte der örtlichen Organisationen an das betreffende Parteikomitee).

Jede Zelle, Fraktion und Arbeitsgruppe soll an dasjenige Parteiorgan berichten, unter dessen tatsächlicher Leitung sie steht. Das einzelne Mitglied soll (z. B. wöchentlich) an die Zelle oder Arbeitsgruppe (beziehungsweise den Obmann), der es angehört, berichten, und über die Erfüllung spezieller Aufträge an das Parteiorgan, von welchem es den Auftrag erhalten hat.

Die Berichterstattung soll stets bei *erster* Gelegenheit erfolgen. Sie erfolgt mündlich, soweit die Partei oder der Auftraggeber nicht schriftlichen Bericht verlangt hat. Die Berichte sollen knapp gehalten und sachlich sein. Der Berichtempfänger ist dafür verantwortlich, daß solche Mitteilungen, die nicht ohne Schaden veröffentlicht werden können, gut aufbewahrt werden, sowie auch dafür, daß wichtige Berichte *ohne Verzögern* weiter an das betreffende führende Parteiorgan mitgeteilt werden.

19. Alle diese Parteiberichte sollen sich natürlich nicht nur auf das beschränken, was der Berichterstatter getan hat. Sie müssen auch Mitteilungen über solche während der Tätigkeit beobachteten Umstände enthalten, die für unseren Kampf bedeutungsvoll sind, besonders über Feststellungen, die zu einer Aenderung oder Verbesserung unserer zukünftigen Tätigkeit Anlaß geben können. Auch Vorschläge zu Verbesserungen, deren Notwendigkeit während der Tätigkeit empfunden wurde, müssen dabei vorgebracht werden.

In allen kommunistischen Zellen, Fraktionen und Arbeitsgruppen sollen in der Regel die an sie erstatteten wie auch die von ihnen zu erstattenden *Berichte besprochen* werden. Die Besprechungen müssen sich als Gewohnheit einbürgern.

In den Zellen und Arbeitsgruppen muß auch dafür gesorgt werden, daß einzelne Parteimitglieder oder Mitgliedergruppen regelmäßig den speziellen Auftrag der Beobachtung und der Berichterstattung über feindliche Organisationen haben, besonders über kleinbürgerliche Arbeiterorganisationen, vor allem über die Organisationen der „sozialistischen“ Parteien.

### IV. Ueber die Propaganda und Agitation.

20. Unsere allgemeinste Aufgabe in der Zeit vor der offenen revolutionären Erhebung ist die revolutionäre Propaganda und Agitation. Diese Tätigkeit und ihre Organisierung wird oft noch zum großen Teil nach der alten formalen Manier betrieben, durch zufälliges Auftreten von außerhalb, auf Massenversammlungen und ohne besondere Sorge um den konkreten revolutionären Inhalt in den Reden und Schriften.

Die kommunistische Propaganda und Agitation muß sich vor allem in der intimsten Mitte der Proletarier einwurzeln. Aus dem konkreten Leben der Arbeiter, aus ihren gemeinsamen Interessen und Bestrebungen und besonders aus ihren gemeinsamen Kämpfen muß sie emporwachsen.

Der *revolutionierende Inhalt ist das wichtigste* in der Propaganda der Kommunisten. Nach diesem Gesichtspunkt bedürfen die Losungen und Stellungnahmen zu den konkreten Fragen in den verschiedenen Situationen immer einer aufmerksamen Erwägung. Zum Zweck der richtigen Stellungnahme müssen nicht nur die beruflichen Propagandisten und Agitatoren, sondern auch alle anderen Parteimitglieder fortgesetzt und ausführlich instruiert werden.

21. Die Hauptformen der kommunistischen Propaganda und Agitation sind: mündliche, persönliche Ueberredung, Teilnahme an den Kämpfen der gewerkschaftlichen und politischen Arbeiterbewegung. Wirkung durch Parteipresse und Parteiliteratur. An all dieser Tätigkeit soll jedes Mitglied sowohl einer illegalen wie auch legalen Partei auf die eine oder andere Weise regelmäßig teilnehmen.

Die mündliche, persönliche Propaganda muß in erster Linie als eine systematisch organisierte *Hausagitation* durch die dafür eingerichteten Arbeitsgruppen betrieben werden. Kein Haus in dem Einflußbereich der örtlichen Parteiorganisation darf außerhalb dieser Agitation bleiben. In größeren Städten kann auch eine besonders organisierte *Straßenagitation,* von Plakaten und Flugzetteln unterstützt, guten Erfolg bringen. Außerdem muß auf den Arbeitsplätzen durch die Zellen oder Fraktionen eine regelmäßige persönliche Agitation, verbunden mit Schriftenvertrieb, organisiert werden.

In Ländern, deren Bevölkerung nationale Minderheiten enthält, ist es Pflicht der Partei, der Agitation und Propaganda in den proletarischen Schichten dieser Minderheiten die nötige Aufmerksamkeit zu widmen. Diese Agitation und Propaganda ist selbstverständlich in der Sprache der betreffenden nationalen Minderheiten zu führen; zu diesem Zwecke müssen geeignete Parteiorgane geschaffen werden.

22. Bei der kommunistischen Propaganda in solchen kapitalistischen Ländern, wo die große Mehrheit des Proletariats noch keine bewußte revolutionäre Neigung besitzt, müssen unablässig verbesserte Arbeitsweisen gesucht werden, um ständig dem Verständnis des noch nicht revolutionären Arbeiters bei seiner beginnenden Revolutionierung entgegenzukommen und ihm den Eingang in die revolutionäre Bewegung zu öffnen. Die kommunistische Propaganda mit ihren Losungen soll in den verschiedenen Situationen die keimenden, unbewußten, unvollständigen, schwankenden und halbbürgerlichen Revolutionierungstendenzen in seinem Gehirn in dem inneren Ringen gegen die bürgerlichen Traditionen und Werbungen unterstützen.

Dabei darf sich die kommunistische Propaganda nicht bei den heutigen beschränkten, unklaren Forderungen oder Hoffnungen der proletarischen Massen bescheiden. Die revolutionären Keime dieser Forderungen und Hoffnungen bilden nur den notwendigen Ausgangspunkt für unsere Beeinflussung, weil die Proletarier nur durch diese Anknüpfungen dem Kommunismus verständnisvoll näher gebracht werden können.

23. Die kommunistische Agitation unter den proletarischen Massen muß so betrieben werden, daß unsere kommunistische Organisation von den kämpfenden Proletariern als der mutige, einsichtsvolle, energische und bis zum Ende treue Führer ihrer eigenen gemeinsamen Bewegung erkannt wird.

Um dies zu erreichen, müssen die Kommunisten *an allen elementaren Kämpfen und Bewegungen der Arbeiterklasse teilnehmen* und die Sache der Arbeiter *führen* in allen Konflikten zwischen ihnen und den Kapitalisten über Arbeitszeit, Arbeitslohn, Arbeitsbedingungen usw. Die Kommunisten müssen sich dabei mit den konkreten Fragen des Arbeiterlebens intensiv beschäftigen, sie müssen den Arbeitern helfen, diese Fragen zu entwirren, ihre Aufmerksamkeit auf die wichtigsten Mißbräuche lenken, ihre Forderungen an die Kapitalisten genau und praktisch formulieren helfen, in den Arbeitern das Solidaritätsbewußtsein zu entwickeln trachten, das Bewußtsein ihrer gemeinsamen Interessen und der gemeinsamen Sache aller Arbeiter des Landes wecken als einer einheitlichen Arbeiterklasse, die einen Teil der Weltarmee des Proletariats bildet.

Nur durch diese tägliche, unbedingt notwendige Kleinarbeit, durch ständige aufopfernde Teilnahme an allen Kämpfen des Proletariats kann sich die „Kommunistische Partei“ zur *kommunistischen* Partei entwickeln. Nur dadurch wird sie sich von den überlebten sozialistischen reinen Propaganda- und Werbeparteien unterscheiden, deren Aktivität sich im Sammeln von Mitgliedern, im Reden über Reformen und im Ausnutzen der parlamentarischen Unmöglichkeiten erschöpft. Die zielbewußte und aufopfernde Beteiligung der ganzen Masse der Parteimitglieder an der Schule der täglichen Kämpfe und Auseinandersetzungen der Ausgebeuteten mit den Ausbeutern ist die unerläßliche Voraussetzung nicht nur für die Eroberung, sondern in noch höherem Maße für die Durchführung der Diktatur des Proletariats. Nur die *Führung der Arbeitermassen im ständigen Kleinkrieg* gegen die Uebergriffe des Kapitals befähigt die kommunistischen Parteien, zu solchen Avantgarden der Arbeiterklasse zu werden, die tatsächlich die Führung des Proletariats systematisch erlernen und die Fähigkeit zur bewußt vorbereiteten Ausschaltung der Bourgeoisie erwerben.

24. Besonders bei Streiks und Aussperrungen und anderen Massenentlassungen der Arbeiter müssen die Kommunisten zahlreich mobilisiert werden, um an der Bewegung der Arbeiter teilzunehmen.

Es ist der *größte Fehler,* wenn sich die Kommunisten, unter der Berufung auf das kommunistische Programm und den bewaffneten revolutionären Endkampf, bei den heutigen Kämpfen der Arbeiter um kleine Verbesserungen ihrer Arbeitsbedingungen *passiv* und geringachtend oder gar widerstrebend verhalten. Wie klein und bescheiden auch die Forderungen sind, für welche die Arbeiter schon heute bereit zum Kampf gegen die Kapitalisten sind, niemals darf das für Kommunisten ein Grund sein, sich dem Kampfe fernzuhalten. Unsere agitatorische Tätigkeit soll zwar nicht etwa dafür Zeugnis sein, daß wir Kommunisten blinde Aufwiegler zu dummen Streiks und sonstigen unbesonnenen Aktionen sind, aber unter den kämpfenden Arbeitern sollen sich die Kommunisten überall den Ruhm der tüchtigsten Kampfgenossen verdienen.

25. In der Praxis der *gewerkschaftlichen* Bewegung stehen die kommunistischen Zellen und Fraktionen oft ziemlich ratlos vor den einfachsten Fragen der Tagesordnung. Es ist leicht, aber fruchtlos, *immer nur* die allgemeinen Prinzipien des Kommunismus zu predigen, um dann vor den konkreten Fragen in die negative Haltung des vulgären Syndikalismus zu verfallen. Dadurch wird nur das Spiel der Amsterdamer gelben Führung erleichtert.

Statt dessen sollen die Kommunisten ihre revolutionäre Stellungnahme nach dem sachlichen Inhalt jeder vorkommenden Frage erwägen. Zum Beispiel statt sich mit dem theoretisch-prinzipiellen Widerstand gegen alle Tarifverträge zu begnügen, sollen sie vor allem direkt um den sachlichen Inhalt der von den Amsterdamer Führern empfohlenen Tarife kämpfen. Und zwar ist jede Fesselung der Kampfbereitschaft des Proletariats zu verurteilen und entschieden zu bekämpfen, und es ist bekanntlich das Ziel der Kapitalisten und ihrer Amsterdamer Helfershelfer, durch jeden Tarifvertrag den kämpfenden Arbeitern die Hände zu binden, deshalb ist es selbstverständlich die Pflicht der Kommunisten, dieses Ziel vor den Arbeitern zu enthüllen. Diese Enthüllung können die Kommunisten aber in der Regel dadurch am besten zustande bringen, daß sie eine solche Gestaltung des Tarifs beantragen, die keine Fessel für die Arbeiter bildet.

Die gleiche Stellungnahme ist z. B. gegenüber den Hilfskassen und den *Unterstützungseinrichtungen* der Gewerkschaften zweckmäßig. Die Sammlung von Kampfmitteln und die Gewährung von Streikunterstützung aus den gemeinsamen Kassen ist an sich gut. Ein prinzipieller Widerstand gegen diese Tätigkeit ist nicht am Platze. Nur solche Sammlung und solcher Gebrauch von diesen Mitteln, wie es die Amsterdamer Führer wollen, steht im Widerspruch zu den revolutionären Klasseninteressen der Arbeiter. Den gewerkschaftlichen Krankenkassen und dergleichen gegenüber ist es am Platze, daß die Kommunisten z. B. die Aufhebung der besonderen Beitragsverpflichtung fordern, auch die Aufhebung aller fesselnden Bedingungen bei den freiwilligen Kassen. Wenn aber ein Teil der Mitglieder sich immer noch mit seinen Beiträgen die Krankenunterstützung sichern will, werden sie es nicht verstehen, wenn wir ihnen dies ohne weiteres verbieten wollten. Es ist notwendig, diese Mitglieder zunächst durch eine intensive persönliche Propaganda von ihren kleinbürgerlichen Bestrebungen zu befreien.

26. Im Kampfe gegen die sozialdemokratischen und anderen kleinbürgerlichen Führer der Gewerkschaften wie auch der verschiedenen Arbeiterparteien kann man durch keine Ueberredungen bei ihnen auf etwas hoffen. Gegen sie muß man den Kampf mit aller Energie organisieren. Man bekämpft sie aber sicher und erfolgreich nur in der Weise, daß man die Anhänger von ihnen trennt, indem man die Arbeiter von dem Schiebkarrendienst ihrer sozialverräterischen Führer für den Kapitalismus überzeugt. Man soll diese Führer also womöglich zuerst in solche Situationen bringen, in denen sie gezwungen sind, *sich zu entlarven,* um sie dann nach solcher Vorbereitung auf die schärfste Weise anzugreifen.

Es genügt durchaus nicht, die Amsterdamer Führer lediglich als „gelb“ zu beschimpfen. Ihr Charakter als „Gelbe“ muß vielmehr fortgesetzt an praktischen Beispielen nachgewiesen werden. Ihre Tätigkeit in den Arbeitsgemeinschaften, im internationalen Arbeitsamt des Völkerbundes, in den bürgerlichen Ministerien und Verwaltungen, die verräterischen Worte aus ihren Reden auf Konferenzen und in Parlamenten, die entscheidenden Sätze ihrer vielen Beschwichtigungsschreibereien in Hunderten von Zeitungen und insbesondere ihr schwankendes und zögerndes Verhalten bei der Vorbereitung und Durchführung selbst der kleinsten Lohnbewegungen und Arbeitskämpfe bieten täglich Gelegenheit, durch einfach formulierte Anträge, Resolutionen und klare Reden das unzuverlässige und verräterische Treiben der Amsterdamer Führer als „gelb“ zu enthüllen und zu kennzeichnen.

Die Zellen und Fraktionen müssen die praktischen Vorstöße *systematisch* führen. Auch die Ausreden der unteren Gewerkschaftsbürokratie, die in ihrer Schwäche — oft sogar trotz guten Willens — sich hinter Statuten, Verbandstagsbeschlüsse und Anweisungen ihrer Hauptvorstände verschanzt, dürfen die Kommunisten nicht hindern, mit Zähigkeit vorzugehen und von der unteren Bürokratie immer wieder klare Antworten darauf zu verlangen, was sie zur Beseitigung dieser angeblichen Hindernisse unternommen hat und ob sie bereit ist, zusammen mit den Mitgliedern offen gegen diese Hindernisse und für deren Ueberwindung zu kämpfen.

27. Die Teilnahme der Kommunisten an den Versammlungen und Konferenzen der gewerkschaftlichen Organisationen müssen die Fraktionen und Arbeitsgruppen im voraus mit Sorgfalt vorbereiten, z. B. eigene Anträge ausarbeiten, Referenten und Verteidiger auswählen, fähige, erfahrene und energische Genossen als Kandidaten aufstellen usw.

Ebenso müssen die kommunistischen Organisationen durch ihre Arbeitsgruppen sich sorgfältig auf alle, von den feindlichen Parteien arrangierten allgemeinen Arbeiterversammlungen, Wahlversammlungen, Demonstrationen, politischen Arbeiterfeste und dergleichen vorbereiten. Wo die Kommunisten selbst allgemeine Arbeiterversammlungen einberufen, müssen möglichst zahlreiche kommunistische Arbeitsgruppen sowohl im voraus wie bei den Versammlungen nach einem einheitlichen Plan zusammenwirken, um die organisatorische Auswertung zu sichern.

28. Die Kommunisten müssen es auch immer besser verstehen lernen, *unorganisierte,* unbewußte Arbeiter dauernd in den Einflußbereich der Partei zu ziehen. Durch unsere Zellen und Fraktionen sollen wir diese Arbeiter veranlassen, den Gewerkschaften beizutreten und unsere Parteizeitung zu lesen. Als Vermittler unseres Einflusses können auch andere Arbeitervereine (Konsumvereine, Organisationen der Kriegsopfer, Bildungsvereine und Studienkreise, Sportvereine, Theatervereine usw.) benutzt werden. Wo die kommunistische Partei illegal arbeiten muß, können solche Arbeitervereine mit der Zustimmung und Kontrolle der führenden Parteiorgane auch außerhalb der Partei durch die Initiative der Parteimitglieder gegründet werden. (Vereine der Sympathisierenden.) Auch die kommunistischen *Jugend- und Frauenorganisationen* können durch ihre Kurse, Leseabende, Exkursionen, Feste, Sonntagsausflüge usw. in vielen politisch indifferent gebliebenen Proletariern zuerst das Interesse für ein gemeinsames Organisationsleben erwecken, um sie dann dauernd an die Organisationen heranzuziehen und sie auf diese Weise auch zu nützlicher Hilfsarbeit für unsere Partei zu veranlassen (durch Flugschriftenverteilung, Verbreitung von Parteizeitungen, Broschüren usw.). Durch die tätige Teilnahme an der gemeinsamen Bewegung werden sie am leichtesten befreit von ihren kleinbürgerlichen Neigungen.

29. Um *halbproletarische Schichten* des arbeitenden Volkes als Sympathisierende des revolutionären Proletariats zu gewinnen, müssen die Kommunisten ihre besonderen Interessengegensätze zu den Großgrundbesitzern, Kapitalisten und zum kapitalistischen Staat ausnützen und die Zwischenschichten durch fortgesetzte Ueberredung von ihrem Argwohn gegen die proletarische Revolution befreien. Das kann oft einen längeren Verkehr mit ihnen fordern. Verständnisvolles Interesse für ihre Lebensbedürfnisse, unentgeltliche Auskunft und Hilfeleistung bei kleinen, von ihnen zu überwindenden Schwierigkeiten, in denen sie selbst keinen Bescheid wissen, Heranziehung zu besonderen, ihrer Aufklärung dienenden, unentgeltlichen Veranstaltungen usw. wird ihr Vertrauen zur kommunistischen Bewegung fördern. Dabei ist notwendig, vorsichtig und unermüdlich denjenigen feindlichen Organisationen und Personen entgegenzuwirken, die Autorität im Orte besitzen oder Einfluß auf die arbeitenden Kleinbauern, Hausindustriellen und sonstigen halbproletarischen Existenzen haben. Die nächsten Feinde, die die Ausgebeuteten aus eigener Erfahrung als Unterdrücker kennen, müssen als Vertreter und Personifikationen des gesamten kapitalistischen Verbrechertums enthüllt werden. Alle Tagesereignisse, wo die staatliche Bürokratie in Konflikt mit den Idealen der kleinbürgerlichen Demokratie und des „Rechtsstaats“ kommt, müssen in der kommunistischen Propaganda und Agitation intensiv und gemeinverständlich ausgenützt werden.

Jede örtliche Organisation auf dem Lande muß unter ihre Mitglieder die Aufgabe der Hausagitation genau verteilen und diese Agitation auf sämtliche Dörfer, alle Gutshöfe und einzelne Häuser ihres Tätigkeitsgebietes ausdehnen.

30. Für die Propaganda in der *Armee und Flotte* des kapitalistischen Staates sind die am besten geeigneten Methoden in jedem einzelnen Lande besonders zu untersuchen. Antimilitaristische Agitation in pazifistischem Sinne ist sehr verderblich, sie fördert nur die Bestrebungen der Bourgeoisie, das Proletariat zu entwaffnen. Das Proletariat verwirft prinzipiell und bekämpft auf das energischste alle militaristischen Einrichtungen des bürgerlichen Staates und der bürgerlichen Klasse überhaupt. Andererseits nützt es diese Einrichtungen (Armee, Schützengesellschaften, Einwohnerwehren usw.) aus, um die militärische Uebung der Arbeiter für revolutionäre Kämpfe zu erzielen. Also, nicht gegen militärische Schulung der Jugend und der Arbeiter, sondern gegen die militaristische Ordnung und gegen die Selbstherrschaft der Offiziere muß die intensive Agitation gerichtet werden. Jede Möglichkeit des Proletariats, Waffen in die Hände zu bekommen, ist aufs energischste auszunützen.

Der Klassengegensatz, der sich in der materiellen Bevorzugung der Offiziere und in der schlechten Behandlung der Mannschaften zeigt, muß den letzteren bewußt gemacht werden. Außerdem muß in der Agitation den Mannschaften klar gemacht werden, wie ihre ganze Zukunft mit dem Schicksal der ausgebeuteten Klasse engstens verbunden ist. In der fortgeschrittenen Periode der beginnenden revolutionären Gärung kann sich die Agitation für die demokratische Wahl aller Befehlshaber durch die Soldaten und Matrosen und für die Gründung der Soldatenräte sehr wirksam zeigen, um die Stützen der kapitalistischen Klassenherrschaft zu untergraben.

Die größte Aufmerksamkeit und Schärfe ist stets erforderlich in der Agitation gegen die speziellen Klassenkriegstruppen der Bourgeoisie, besonders gegen ihre freiwilligen bewaffneten Banden. Wo es ihre soziale Zusammensetzung und ihr korruptes Getriebe ermöglicht, muß zur geeigneten Zeit die soziale Zersetzung systematisch in ihre Reihen getragen werden. Wo sie einen einheitlichen bürgerlichen Klassencharakter haben, wie z. B. in den reinen Offizierstruppen, sind sie vor der gesamten Bevölkerung derart bloßzustellen, verächtlich und verhaßt zu machen, daß sie durch ihre so herbeizuführende Isoliertheit innerlich zermürbt werden.

### V. Ueber die Organisation politischer Kämpfe.

31. Für eine kommunistische Partei gibt es keine Zeit, in der die Parteiorganisation nicht politisch aktiv sein könnte. Die organisatorische Ausnutzung jeder politischen und ökonomischen Situation und jeder ihrer Aenderungen muß zu einer organisatorischen Strategie und Taktik entwickelt werden.

Ist die Partei noch schwach, so kann sie doch immer schon politisch aufregende Ereignisse oder große, das ganze Wirtschaftsleben erschütternde Streiks ausnützen, indem sie, systematisch und planmäßig organisierend, eine radikale Propagandaaktion durchführt. Hat sich eine Partei in einer entsprechenden Situation dazu entschlossen, so muß sie mit aller Energie alle Glieder und Teile der Parteibewegung auf diese Kampagne einstellen.

Zunächst sind alle die Verbindungen, die sich die Partei durch die Arbeit ihrer Zellen und Arbeitsgruppen verschafft hat, auszunützen, um in den Hauptorten der politischen Organisierung oder der Streikbewegung Versammlungen zu organisieren, in denen die Redner der Partei die kommunistischen Losungen den Versammelten als Ausweg aus ihrer schwierigen Kampfsituation klar zu machen haben. Besondere Arbeitsgruppen müssen diese Versammlungen bis ins Kleinste gut vorbereiten. Sind eigene Versammlungen nicht zu ermöglichen, so sollen geeignete Genossen in den allgemeinen Versammlungen der streikenden oder sonst irgendwie kämpfenden Proletarier als Hauptdiskussionsredner auftreten.

Wenn Aussicht besteht, die Mehrheit oder einen großen Teil der Versammlung für unsere Losungen zu gewinnen, so müssen diese Losungen durch gut formulierte und geschickt begründete Anträge und Resolutionen zum Ausdruck zu bringen versucht werden. Sind solche Beschlüsse zustande gebracht, so muß in allen Versammlungen, die sich am gleichen Orte oder in andern Gegenden mit derselben aktuellen Bewegung befassen, dahin gearbeitet werden, daß gleichlautende oder ähnliche Beschlüsse und Resolutionen immer zahlreicher angenommen werden oder wenigstens starke Minderheiten finden. Dadurch werden wir die von uns zunächst nur geistig beeinflußten in Bewegung befindlichen Proletarierschichten zusammenfassen und sie die neue Führung erkennen lassen.

Nach allen solchen Versammlungen sollen die an ihrer organisatorischen Vorbereitung und Ausnutzung beteiligten Arbeitsgruppen zusammenkommen, um in einer kurzen Besprechung nicht nur den Bericht für das leitende Parteikomitee herzustellen, sondern auch, um aus den gemachten Erfahrungen oder etwaigen Fehlern sofort die notwendigen Lehren für die weitere Tätigkeit zu ziehen.

Je nach der Situation müssen auch durch Plakate und kleine Handzettel die praktischen Losungen den interessierten Arbeiterschichten zugänglich gemacht werden, oder es müssen ausführliche Flugblätter den Kämpfenden in die Hand gegeben werden, die ihnen in Verbindung mit der Situation und mit Hilfe der Tageslosungen den Kommunismus verständlich machen. Die geschickte Plakatverbreitung erfordert besonders organisierte Gruppen, die die geeigneten Klebestellen zu ermitteln und auch die Zeiten für die wirkungsvolle Anheftung der Plakate auszuwählen haben. Die Handzettelverbreitung in und vor den Betrieben, in den Verkehrslokalen der in Bewegung stehenden Arbeiterschichten, an Verkehrsknotenpunkten, Arbeitsnachweisen, Bahnhöfen soll, soweit das möglich ist, mit einer schlagwortartigen Diskussion verbunden werden, die geeignet ist, sich in den bewegten Arbeitermassen fortzupflanzen. Ausführliche Flugblätter sind möglichst nur in geschlossenen Räumen, Betrieben, Sälen, Wohnungen, oder wo sonst ein aufmerksames Entgegenkommen zu erwarten ist, zu verbreiten.

Diese gesteigerte Propaganda muß durch eine parallel laufende Tätigkeit in allen von der Bewegung erfaßten Gewerkschafts- und Betriebsversammlungen, die unsere Genossen nötigenfalls fordern oder selbst organisieren und dann mit geeigneten Referenten oder Diskussionsrednern besetzen müssen, unterstützt werden. Die Zeitungen unserer Partei müssen für solche besondere Bewegung ständig den größten Teil ihres Raumes und ihre besten Argumente zur Verfügung stellen, wie überhaupt der gesamte Organisationsapparat für die betreffenden Zeitspannen ganz in den Dienst der Generalidee dieser Bewegung gestellt werden muß, wobei es kein Erlahmen geben darf.

32. Demonstrationsaktionen fordern eine sehr bewegliche und aufopfernde Führung, die das Ziel dieser Aktion fest im Auge haben muß und jeden Augenblick in der Lage ist, die Uebersicht zu gewinnen, ob die Demonstration an der höchsten Grenze ihrer Wirksamkeit angelangt ist, oder ob in der gegebenen Situation eine weitere Steigerung durch Erweiterung der Bewegung zur Massenaktion in Form von Demonstrationsstreiks und schließlich Massenstreiks möglich ist. Die Friedensdemonstrationen während des Krieges haben uns gelehrt, daß es auch nach dem Niederwerfen solcher Demonstrationen, wenn es sich um ein großes, aktuelles Ziel handelt, das in den Massen naturnotwendig immer breiteres Interesse hervorrufen muß, für eine wirklich proletarische Kampfpartei, auch wenn sie illegal und nur klein ist, kein Ablenken oder Abstoppen geben darf.

Straßendemonstrationen stützen sich am besten auf die größeren Betriebe. Nachdem durch planmäßige Vorbereitungsarbeiten unserer Zellen und Fraktionen mittels mündlicher und Flugzettelpropaganda die Stimmung in einer geeigneten Situation zu einer gewissen Einheitlichkeit gebracht worden ist, müssen die Betriebsvertrauensleute unserer Partei, die Leiter der Zellen und Fraktionen, von dem leitenden Komitee zu einer Vorbesprechung zusammengezogen werden, um für den kommenden Tag die Maßnahmen für den geschickten Aufmarsch und das pünktliche Zusammentreffen zu besprechen und den Charakter der Tageslosungen die Aussichten der Steigerung und den Augenblick des Abbruches und der Auflösung der Demonstrationen festzulegen. Ein gut instruierter und organisatorisch erfahrener Stamm eifriger Funktionäre muß vom Abmarsch von den Betrieben an bis zur Auflösung der Massenbewegung das Rückgrat der Demonstration bilden. Damit diese Funktionäre untereinander lebendige Fühlung behalten, und stets mit den laufend erforderlichen politischen Direktiven versehen werden können, müssen verantwortliche Parteiarbeiter unter der demonstrierenden Menge systematisch eingereiht teilnehmen. Diese bewegliche, politisch-organisatorische Führung der Demonstration schafft die besten Voraussetzungen für die Erneuerung und eventuelle Steigerung zu größeren Massenaktionen.

33. Kommunistische Parteien, die bereits eine gewisse innere Festigkeit, einen erprobten Funktionärstamm und einen nennenswerten Anhang in den Massen erreicht haben, sollen alles daransetzen, um durch größere Kampagnen den Einfluß der sozialverräterischen Führer auf die Arbeiterschaft vollends zu überwinden und die Mehrheit der Arbeitermassen unter die kommunistische Führung zu bringen. Je nach der Situation, ob aktuelle Kämpfe ihr ermöglichen, sich als proletarische Führung zu bewegen und an die Spitze zu stellen, oder ob eine vorläufige Stagnation herrscht, müssen die Kampagnen verschieden organisiert werden. Auch die Zusammensetzung der Partei wird mit entscheidend sein für die organisatorischen Methoden der Aktionen. So wurde, um noch mehr als es in den einzelnen Bezirken schon möglich war, die sozialentscheidenden Schichten des Proletariats für die V.K. P.D., als junge Massenpartei zu gewinnen, zu dem Mittel des sogenannten „Offenen Briefes“ gegriffen. Um die sozialverräterischen Führer zu entlarven, trat die Kommunistische Partei in einer Zeit der wachsenden Verelendung und der Verschärfung der Klassengegensätze an die andern Massenorganisationen des Proletariats heran, um von ihnen offen vor dem Proletariat darüber Antwort zu verlangen, ob sie bereit wären, gegen die offensichtliche Verelendung des Proletariats für die minimalsten Forderungen, für ein kümmerliches Stück Brot, mit ihren angeblich machtvollen Organisationen den Kampf gemeinsam mit der Kommunistischen Partei aufzunehmen.

Wo die Kommunistische Partei eine ähnliche Kampagne einleitet, muß sie alle organisatorischen Vorbereitungen treffen, um in den breitesten Arbeitermassen einen Widerhall für ihr Auftreten hervorrufen zu können. Alle Betriebsfraktionen und Gewerkschaftsfunktionäre der Partei müssen in ihren nächsten Betriebs- und Gewerkschaftsversammlungen, sowie in allen öffentlichen Versammlungen, nach der gründlichen Vorbereitung dieser Versammlungen, die Forderungen der Partei als Gesamtheit der lebensnotwendigsten Forderungen des Proletariats wirksam dargestellt zur Sprache bringen. Flugblätter, Handzettel und Plakate müssen überall da, wo unsere Zellen oder Fraktionen einen Vorstoß für die Zustimmung der Massen zu unseren Forderungen einleiten wollen, in geschickter Weise zur Ausnutzung der Stimmung verbreitet werden. Die Presse unserer Partei muß in den Wochen dieser Kampagne täglich die Probleme dieser Bewegung in wechselnder kurzer oder ausführlicher Weise von ständig neuen Gesichtspunkten aus beleuchten. Die Organisationen haben die Presse dafür laufend mit Material zu versorgen und energisch darauf zu achten, daß die Redakteure in der publizistischen Fortführung der Parteikampagne nie erlahmen. Auch die Fraktionen der Partei in Parlamenten und kommunalen Körperschaften müssen planmäßig in den Dienst solcher Kämpfe gestellt werden. Sie haben nach den Direktiven der Parteileitungen die eingeleitete Bewegung durch entsprechende Anträge in den Parlamenten zur Sprache zu bringen. Die Abgeordneten sollen sich als bewußte Glieder der kämpfenden Massen, als ihre Wortführer im Lager des Klassenfeindes, als verantwortliche Funktionäre und Parteiarbeiter fühlen.

Hat die vereinte, organisatorisch zusammengefaßte Tätigkeit aller Glieder der Partei in einigen Wochen zu einer größeren, ständig anschwellenden Zahl von Zustimmungsbeschlüssen geführt, so tritt an die Partei die ernste organisatorische Frage heran, die den Losungen zustimmenden Massen organisatorisch zu erfassen. Hat die Bewegung einen vorwiegend gewerkschaftlichen Charakter angenommen, so muß vor allem daran gegangen werden, den organisatorischen Einfluß auf die Gewerkschaften zu steigern, indem unsere Fraktionen zu wohl vorbereiteten, direkten Vorstößen gegen die örtlichen Gewerkschaftsleitungen vorgehen, um sie entweder zu überwinden, oder sie zu zwingen, einen organisierten Kampf auf dem Boden der Forderungen unserer Partei durchzuführen. Wo es Betriebsräte, Fabrikkomitees, oder ähnliche Einrichtungen gibt, müssen durch ein geordnetes Vorgehen unserer Fraktion die Vollversammlungen dieser Betriebsräte oder Fabrikkomitees veranlaßt werden, sich ebenfalls für diesen Kampf zu entscheiden. Sind einige lokale Organisationen für eine solche Kampfbewegung um die nackten Lebensinteressen des Proletariats unter kommunistischer Führung gewonnen worden, so müssen sie zu Konferenzen zusammenberufen werden, zu denen auch die Betriebsversammlungen, die sich in gleichem Sinne entschieden haben, ihre besonderen Delegierten entsenden sollen. Die auf diese Weise sich konsolidierende neue Führung unter kommunistischem Einfluß gewinnt durch diese Konzentration der aktiven Gruppen der organisierten Arbeiterschaft neue Stoßkraft, die wiederum ausgenutzt werden muß, um die Führung der sozialistischen Parteien und Gewerkschaften voranzutreiben oder sie nunmehr auch organisatorisch bloßzustellen.

In den Wirtschaftsgebieten, in denen unsere Partei über ihre besten Organisationen verfügt und wo sie die zahlreichsten Zustimmungen zu ihren Forderungen gefunden hat, muß durch den inzwischen entstandenen organisierten Druck auf die örtlichen Gewerkschaften und Betriebsräte erreicht werden, daß alle in diesem Gebiete ausgebrochenen wirtschaftlichen Einzelkämpfe und auch die in der Entwicklung befindlichen Bewegungen anderer Gruppen zusammengefaßt werden zu einer einheitlichen Kampfbewegung, die nunmehr über den Rahmen des einzelnen Berufsinteresses hinaus einige gemeinsame elementare Forderungen erhebt, um sie mit den gemeinsamen Kräften aller Organisationen des Bezirkes durchzusetzen. In einer solchen Bewegung wird sich dann die Kommunistische Partei als die wirkliche Führerin des zum Kampfe bereiten Proletariats bewähren, während die Gewerkschaftsbürokratie und die sozialistischen Parteien, die sich einer solch gemeinsam organisierten Kampfbewegung widersetzen würden, nicht nur ideell politisch, sondern auch organisatorisch praktisch erledigt sein würden.

34. Unternimmt die Kommunistische Partei den Versuch, die Führung der Massen in die Hände zu bekommen, in einer Zeit der politischen und ökonomischen Zuspitzungen, die zum Ausbruch neuer Bewegungen und Kämpfe drängt, so kann man von der Aufstellung besonderer Forderungen absehen und in volkstümlichen Aufrufen direkt an die Mitglieder der sozialistischen Parteien und Gewerkschaften den Appell richten, den infolge der Notlage und der fortschreitenden Unterdrückung durch die Unternehmer notwendigen Kämpfen auch entgegen dem Willen ihrer bürokratischen Führer nicht auszuweichen, um nicht dem völligen Verfall entgegengetrieben zu werden. Die Organe der Partei, insbesondere die Tageszeitungen haben in einer solchen Bewegung der Partei Tag für Tag zu betonen und zu beweisen, daß die Kommunisten bereit sind, in die drohenden und ausgebrochenen Kämpfe der verelendenden Proletarier führend einzugreifen, daß ihre Kampfbereitschaft allen Unterdrückten in der jetzigen gespannten Situation, wo immer nur möglich, zu Hilfe kommen wird. Täglich ist zu beweisen, daß ohne diese Kämpfe für die Arbeiterschaft keine Lebensmöglichkeiten mehr geschaffen werden können, und daß trotzdem die alten Organisationen diese Kämpfe meiden und zu verhindern versuchen.

Die Betriebs- und Gewerkschaftsfraktionen müssen unter ständiger Berufung auf die opferwillige Kampfbereitschaft der Kommunisten ihren Kollegen in den Versammlungen klar machen, daß es kein Ausweichen mehr geben kann. Die Hauptsache aber ist in einer solchen Kampagne die organisatorische Zusammenfassung und Vereinheitlichung der aus der Situation geborenen Kämpfe und Bewegungen. Nicht nur haben die Zellen und Fraktionen der in die Kämpfe gezogenen Berufe und Betriebe sich ständig miteinander in einer engen organischen Fühlung zu halten, sondern auch die Leitungen haben sowohl durch die Bezirkskomitees als auch durch die Zentrale für alle die ausbrechenden Bewegungen sofort Funktionäre und verantwortliche Parteiarbeiter zur Verfügung zu stellen, die unmittelbar mit den Kämpfenden zusammen die Bewegungen zu leiten, zu erweitern, zu steigern, zu verallgemeinern und zu verbinden haben. Die Hauptarbeit der Organisation ist es, überall das Gemeinsame dieser verschiedenen Kämpfe scharf herauszuarbeiten und in den Vordergrund zu stellen, um damit auf eine allgemeine Kampflösung, wenn nötig durch politische Mittel hinzudrängen.

Im Laufe der Steigerung und Verallgemeinerung der Kämpfe wird es notwendig sein, einheitliche Organe der Kampfführung zu schaffen. Bei dem vorzeitigen Versagen der bürokratischen Streikleitungen mancher Gewerkschaften ist rechtzeitig auf deren Neubesetzung durch Kommunisten hinzudrängen, die eine feste, entschlossene Kampfführung sicherstellen müssen. Ist es bereits gelungen, mehrere Kämpfe zu kombinieren, so ist darauf zu drängen, daß gemeinsame Aktionsleitungen eingesetzt werden, in denen sich nach Möglichkeit die Kommunisten die Führung verschaffen sollen. Sowohl auf dem Wege über die Gewerkschaftsfraktion, wie über die Betriebsfraktionen, Betriebsräte, Betriebsrätevollversammlungen und insbesondere durch die allgemeinen Versammlungen der Streikenden kann die gemeinsame Aktionsleitung bei geschickter organisatorischer Vorbereitung oft leicht erreicht werden.

Nimmt die Bewegung infolge der Verallgemeinerung und infolge des Eingreifens von Unternehmerorganisationen und behördlichen Organen einen politischen Charakter an, so muß die Propaganda und die organisatorische Vorbereitung für die vielleicht möglich und notwendig werdende Wahl von Arbeiterräten einsetzen, wobei dann alle Organe der Partei mit größter Intensivität den Gedanken zu vertreten haben, daß nur durch solche aus den Kämpfen der Arbeiter direkt hervorgegangene eigene Organe der Arbeiterklasse ihre wirkliche Befreiung mit der notwendigen Rücksichtslosigkeit auch ohne die Gewerkschaftsbürokratie und ihre sozialistischen Parteitrabanten durchgesetzt werden kann.

35. Die bereits gekräftigten kommunistischen Parteien und insbesondere die großen Massenparteien sollen durch organisatorische Maßnahmen auch beständig auf politische Massenaktionen gerüstet sein. In den Demonstrationsaktionen und in den ökonomischen Massenbewegungen, in allen Teilaktionen ist ständig daran zu denken, die organisatorischen Erfahrungen dieser Bewegungen für eine immer festere Verbindung mit den breiteren Massen nachdrücklichst und zäh auszubauen. In breiten Konferenzen der leitenden Funktionäre und der verantwortlichen Parteiarbeiter mit den Betriebsvertrauensleuten der größeren und mittleren Betriebe müssen immer erneut die Erfahrungen aller neuen, großen Bewegungen durchgesprochen und eifrig geprüft werden, um das Netz der Verbindungen durch die Betriebsvertrauensleute immer fester zu machen und immer sicherer zu organisieren. Ein enges Vertrauensverhältnis der leitenden Funktionäre und der verantwortlichen Parteiarbeiter zu den Betriebsvertrauensleuten ist organisatorisch die beste Gewähr dafür, politische Massenaktionen nicht vorzeitig und immer nur in dem Umfange einzuleiten, wie es die Umstände und der jeweilige Einfluß der Partei ermöglichen.

Ohne die engste Verbindung der Parteiorganisation mit den in großen und mittleren Betrieben tätigen Proletariermassen wird die Kommunistische Partei große Massenaktionen und wirklich revolutionäre Bewegungen nicht durchführen können. Wenn in Italien im vorigen Jahre die zweifellos revolutionäre Erhebung, die in der Betriebsbesetzung ihren stärksten Ausdruck fand, vorzeitig zusammenbrach, so eines Teils sicher wegen des Verrats der Gewerkschaftsbürokratie und der Unzulänglichkeit der politischen Parteiführung, aber andern Teils auch deshalb, weil eine intime, organisierte Verbindung zwischen der Partei und den Betrieben durch politisch informierte und am Parteileben interessierte Fabrikvertrauensleute überhaupt nicht bestand. Auch die große englische Bergarbeiterbewegung dieses Jahres hat in ihrer intensiven politischen Auswertung durch diesen Mangel ganz zweifellos außerordentlich gelitten.

### VI. Ueber die Parteipresse.

36. Die kommunistische Presse muß von der Partei mit unermüdlicher Energie entwickelt und verbessert werden.

Keine Zeitung darf als kommunistisches Organ anerkannt werden, die sich nicht den *Direktiven der Partei* unterwirft. Sinngemäß ist dieser Grundsatz anzuwenden auf alle literarischen Produkte, wie Zeitschriften, Bücher, Broschüren usw., unter Berücksichtigung ihrer wissenschaftlichen, propagandistischen oder sonstigen Bestimmung.

Die Partei muß mehr Aufmerksamkeit darauf verwenden, daß sie *gute* Zeitungen hat, als darauf, daß sie deren viele hat. Jede kommunistische Partei muß vor allem ein gutes, womöglich ein täglich erscheinendes *Zentralorgan* haben.

37. Eine kommunistische Zeitung darf niemals ein kapitalistisches Unternehmen werden, wie es die bürgerlichen Zeitungen und oft auch sogenannte „sozialistische“ Zeitungen sind. Unsere Zeitung muß sich *unabhängig* von den kapitalistischen Krediteinrichtungen halten. Die geschickte Organisation der Anzeigensammlung, die die Existenzmöglichkeit unserer Zeitung für legale Massenparteien erheblich begünstigt, darf jedoch nie dazu führen, sich etwa gegenüber großen Inserenten irgendwie in Abhängigkeit zu begeben. Vielmehr wird den Zeitungen unserer Massenparteien ihre unerbittliche Haltung in allen proletarischen, sozialen Fragen am schnellsten das unbedingte Ansehen verschaffen. Unsere Zeitung soll nicht der Befriedigung der Sensationslust oder dem Zeitvertreib des bunten Publikums dienen. Sie darf nicht der Kritik der kleinbürgerlichen Literaten oder der journalistischen Virtuosen nachgeben, um sich salonfähig zu machen.

38. Die kommunistische Zeitung muß sich vor allem um die Interessen der unterdrückten, kämpfenden Arbeiter kümmern. Sie soll unser bester Propagandist und Agitator, der leitende Propagandist der proletarischen Revolution sein.

Unsere Zeitung hat die Aufgabe, aus aller Tätigkeit der Parteimitglieder die wertvollen Erfahrungen zu sammeln und diese wieder den Parteigenossen als Richtschnur für die fortgesetzte Revidierung und Verbesserung der kommunistischen Arbeitsmethoden aufzuzeigen. Diese Erfahrungen sind auf gemeinsamen Redakteurversammlungen des ganzen Landes auszutauschen, wo gleichzeitig durch gegenseitige Aussprache die größtmöglichste Einheitlichkeit in Ton und Richtung der gesamten Parteipresse erzielt wird. So wird die Parteipresse, wie jede einzelne Zeitung, der beste Organisator unserer revolutionären Arbeit sein.

Ohne diese zusammenfassende, zielbewußte Organisationsarbeit der kommunistischen Zeitungen, besonders der Hauptzeitung, wird die Durchführung des demokratischen Zentralismus, der zweckmäßigen Arbeitsteilung in der Kommunistischen Partei und infolgedessen auch die Erfüllung der geschichtlichen Aufgabe der Partei kaum möglich sein.

39. Die kommunistische Zeitung muß danach trachten, kommunistisches Unternehmen zu werden, d. h. eine *proletarische Kampforganisation*, eine Arbeitsgemeinschaft der revolutionären Arbeiter, aller derjenigen, die für die Zeitung regelmäßig schreiben, die sie setzen, drucken, verwalten, verteilen und vertreiben, die für ihren Inhalt örtliches Material sammeln und das Material in den Zellen besprechen und bearbeiten, die zu ihrer Verbreitung täglich tätig sind usw.

Um die Zeitung zu einer solchen wirklichen Kampforganisation und kräftig pulsierenden Arbeitsgemeinschaft der Kommunisten zu machen, sind deshalb eine Reihe praktischer Maßnahmen erforderlich.

Die engste Verbindung gewinnt jeder Kommunist mit seiner Zeitung, wenn er für sie Opfer bringt und für sie arbeitet. Sie ist seine tägliche Waffe, die jeden Tag neu gestählt und geschärft werden muß, um brauchbar zu sein. Nur unter fortgesetzten starken, materiellen und finanziellen Opfern wird sich die kommunistische Zeitung aufrecht erhalten lassen. Ständig müssen ihr aus den Reihen der Mitglieder für ihren Ausbau, ihre inneren Verbesserungen Mittel zugeführt werden, bis sie schließlich in legalen Massenparteien zu so großer Verbreitung und organisatorischer Festigung kommt, daß sie selbst eine materielle Stütze der kommunistischen Bewegung zu werden beginnt.

Es genügt nicht, inzwischen der Zeitung ein eifriger Werber und Agitator zu sein, man muß ihr ein ebenso nützlicher Mitarbeiter werden. Aus der Betriebsfraktion oder Zelle ist alles sozial und ökonomisch Bemerkenswerte, vom Arbeitsunfall bis zur Betriebsversammlung, von der Lehrlingsmißhandlung bis zum Geschäftsbericht des Unternehmens unverzüglich auf dem schnellsten Wege der Zeitung zu berichten. Die Gewerkschaftsfraktionen müssen aus den Versammlungen und den Sekretariaten ihrer Verbände alle wichtigen Beschlüsse und Maßnahmen mitteilen, sowie über charakteristische Betätigung unserer Gegner kurz und treffend berichten. Das öffentliche Leben der Versammlungen und der Straße bietet dem aufmerksamen Parteiarbeiter sehr oft Gelegenheit, mit sozialkritischem Sinne Einzelheiten zu beobachten, deren Verwendung in der Zeitung unsere enge Verbindung mit den Nöten des Lebens auch den Indifferenten deutlich machen wird.

Das Redaktionskollegium muß mit großer Wärme und Liebe gerade diese aus dem Arbeiterleben und den Arbeiterorganisationen kommenden Mitteilungen behandeln, um sie entweder als kurze Nachrichten dazu zu verwenden, unserer Zeitung den Charakter einer lebenswahren, kräftig pulsierenden Arbeitsgemeinschaft zu geben, oder es soll diese Mitteilungen verwenden, um an Hand dieser praktischen Beispiele aus dem täglichen Arbeiterdasein die Lehren des Kommunismus verständlich zu machen, was der rascheste Weg ist, die breiten Arbeitermassen den großen Ideen des Kommunismus lebendig nahe zu bringen. Wo nur irgend möglich, soll das Redaktionskollegium in den Sprechzeiten, zu den günstigsten Stunden des Tages jedem Arbeiter, der unsere Zeitung aufsucht, zur Verfügung stehen, um von ihm seine Wünsche und Beschwerden über die Kümmernisse des Daseins entgegenzunehmen, sie fleißig notieren und zur Belebung der Zeitung verwenden.

Unter kapitalistischen Verhältnissen kann freilich keine unserer Zeitungen eine vollkommene kommunistische Arbeitsgemeinschaft werden. Es kann aber auch unter sehr schwierigen Verhältnissen ermöglicht werden, eine revolutionäre Arbeiterzeitung nach diesem Gesichtspunkt mit Erfolg zu organisieren. Durch das Beispiel der „Prawda“ unserer russischen Genossen in den Jahren 1912—13 ist das bewiesen. Sie bildete tatsächlich eine ständige, tätige Organisation der bewußten, revolutionären Arbeiter in den wichtigsten Zentren des russischen Reiches. Diese Genossen haben die Zeitung gemeinschaftlich redigiert, herausgegeben und verbreitet — die meisten natürlich neben ihrer Lohnarbeit und aus dem Arbeitslohn das nötige Geld für Kosten sparend. Die Zeitung ihrerseits konnte ihnen das beste geben, was sie wünschten, was sie damals in der Bewegung brauchten und was ihnen heute noch in Arbeit und Kampf von Nutzen ist. Eine solche Zeitung konnte wirklich den Parteimitgliedern wie auch vielen anderen revolutionären Arbeitern „unsere Zeitung“ werden.

40. Das eigentliche Element der kommunistischen Kampfpresse ist direkte Teilnahme an den von der Partei geführten Kampagnen. Ist in einer Zeitperiode die Tätigkeit der Partei auf eine bestimmte Kampagne konzentriert, so muß sich die Parteizeitung in allen ihren Rubriken, nicht nur in politischen Leitartikeln, in den Dienst dieser Kampagne stellen. Die Redaktion muß aus allen Gebieten Material zur Nährung der Kampagne heranziehen und mit ihm die ganze Zeitung in geeigneter Bearbeitung und Form durchsetzen.

41. Die *Werbetätigkeit* für unsere Zeitung muß in ein formelles System gebracht werden. Zunächst gilt es, jede Situation, in der die Arbeiter in lebhaftere Bewegung kommen und in der das politische oder soziale Leben durch irgendwelche politische und ökonomische Ereignisse stärker angefacht wird, auszunützen. So soll nach jeder größeren Streikbewegung oder Aussperrung, in der die Zeitung die Interessen der kämpfenden Arbeiter offen und energisch vertreten hat, unmittelbar nach Beendigung des Streiks bei den bisherigen Streikenden eine Werbetätigkeit von Mann zu Mann organisiert werden. Nicht nur die kommunistischen Betriebs- und Gewerkschaftsfraktionen der an der Streikbewegung beteiligten Berufe haben in ihrem Wirkungskreise mit Listen und Bestellscheinen die Zeitungspropaganda zu betreiben, sondern es sind, wenn irgend möglich, durch sie die Listen der Wohnungen der bisher im Kampfe stehenden Arbeiter zu beschaffen, damit die besonderen Arbeitsgruppen für das Zeitungswesen eine energische Hausagitation durchführen können.

Ebenso muß nach jeder politischen Wahlbewegung, durch die das Interesse der Arbeitermassen aufgerüttelt wird, von den dazu bestellten Arbeitsgruppen in den proletarischen Straßenvierteln eine planmäßige Hausagitation von Tür zu Tür durchgeführt werden.

In den Zeiten latenter politischer oder ökonomischer Krisen, deren Wirkungen durch Teuerung, Arbeitslosigkeit und sonstige Elendserscheinungen weiteren Arbeitermassen fühlbar werden, sollen nach geschickter propagandistischer Ausnützung dieser Erscheinungen alle Versuche gemacht werden, um möglichst durch die Gewerkschaftsfraktionen umfangreiche Listen der gewerkschaftlich organisierten Arbeiter der verschiedenen Berufe zu bekommen, damit dann die Arbeitsgruppe für das Zeitungswesen die dauernde planmäßige Hausagitation nutzbringend fortsetzen kann. Für diese ständige Werbearbeit eignet sich erfahrungsgemäß am besten die letzte Woche vor dem Monatsschluß. Jede örtliche Organisation, die diese letzte Woche auch nur in einem einzigen Monat des Jahres ungenützt für die Zeitungsagitation verstreichen läßt, begeht ein schweres Versäumnis in der Ausbreitung der kommunistischen Bewegung. Die Arbeitsgruppe für das Zeitungswesen dürfte auch keine öffentliche Arbeiterversammlung und keine größere Kundgebung vorbeigehen lassen, ohne dort sowohl zu Anfang als auch in den Pausen und am Schlusse mit ihren Bestellscheinen für unsere Zeitung tätig zu sein. Den Gewerkschaftsfraktionen obliegt dieselbe Pflicht in jeder einzelnen Versammlung ihrer Gewerkschaft, wie den Zellen und Betriebsfraktionen in den Betriebsversammlungen.

42. Unsere Zeitung muß auch ständig von den Parteimitgliedern gegen alle Feinde verteidigt werden.

Gegen die kapitalistische Presse haben alle Parteimitglieder einen erbitterten Kampf zu führen, ihre Käuflichkeit, ihre Lügen, ihr gemeines Schweigen und all ihre Treibereien müssen klar enthüllt und scharf gestempelt werden.

Die sozialdemokratische und unabhängig-sozialistische Presse muß überwunden werden, indem man in ständigem Angriff, ohne sich in kleinliche Fraktionspolemik zu verlieren, ihre die Klassengegensätze verhüllende verräterische Haltung an mehreren Beispielen des täglichen Lebens entlarvt. Die Gewerkschafts- und sonstigen Fraktionen müssen bestrebt sein, durch organisatorische Maßnahmen die Mitglieder der Gewerkschaften und anderer Arbeitervereinigungen dem verwirrenden und lähmenden Einfluß dieser sozialdemokratischen Blätter zu entziehen. Auch die Werbetätigkeit für unsere Zeitung muß sowohl bei der Hausagitation wie insbesondere in den Betrieben sich mit klugem Vorbedacht direkt gegen die Presse der Sozialverräter richten.

### VII. Ueber die allgemeine Struktur des Parteiorganismus.

43. Bei der Ausdehnung und Befestigung der Partei darf nicht nach einem formalen geographischen Aufteilungsschema vorgegangen werden, sondern nach der realen wirtschaftlichen, politischen und verkehrstechnischen Struktur der betreffenden Landesteile. Das Schwergewicht ist auf die *Hauptstädte* und auf die *Zentren der großindustriellen Arbeiterschaft* zu legen.

Beim Aufbau einer neuen Partei macht sich oft im Anfang das Streben geltend, sofort das Netz der Parteiorganisationen über das ganze Land auszubreiten. Obgleich die zur Verfügung stehenden Kräfte sehr beschränkt sind, werden sie so nach allen Himmelsgegenden zerstreut. Dadurch wird die Werbekraft und das Wachstum der Partei geschwächt. Nach einigen Jahren ist meist zwar schon ein umfangreiches Kanzleisystem zustande gekommen, aber dabei hat die Partei vielleicht nicht einmal in den wichtigsten Industriestädten des Landes festen Fuß gefaßt.

44. Um eine möglichst große Zentralisation der Parteitätigkeit zu erreichen, ist es nicht zweckmäßig, die Parteiführung in eine schematische Hierarchie mit vielen einander vollständig untergeordneten Stufen zu zergliedern. Es ist anzustreben, daß sich möglichst von jeder größeren Stadt, die ein wirtschaftliches, politisches oder verkehrstechnisches Zentrum darstellt, ein Netz organisatorischer Fäden über die weitere Umgegend dieser Stadt und des zu ihr gehörenden wirtschaftlichen oder politischen Bezirkes erstreckt. Das Parteikomitee, das von der größeren Stadt, als dem Haupte dieses Parteikörpers aus die gesamte organisatorische Arbeit des Bezirkes leitet und die politische Führung des Bezirkes darstellt, muß in engster Verbindung mit den arbeitenden Mitgliedermassen des Hauptortes gebracht werden.

Die von der Bezirkskonferenz oder dem Bezirksparteitag zu wählenden und von der Parteizentrale zu bestätigenden angestellten Organisatoren eines solchen Bezirkes müssen verpflichtet sein, an dem Parteileben des Bezirkshauptortes regelmäßig Anteil zu nehmen. Das Parteikomitee des Bezirkes sollte immer durch Parteiarbeiter aus den Mitgliederkreisen des Hauptortes verstärkt werden, so daß eine ganz enge lebendige Fühlung zwischen dem politischen, den Bezirk führenden Parteikomitee und der großen Mitgliedschaft in dem Hauptort des Bezirkes besteht. In der weiteren Entwicklung der Organisationsformen muß dahin gestrebt werden, daß das leitende Parteikomitee des Bezirkes auch gleichzeitig die politische Leitung des Bezirkshauptortes darstellt. Auf diese Weise werden die führenden Parteikomitees der Bezirkskörperschaften, zusammen mit dem Zentralkomitee, die Rolle der wirklich führenden Organe in der allgemeinen Parteiorganisation haben.

Das Gebiet eines Parteibezirkes wird natürlich nicht nur durch die weite Ausdehnung des Gebietes begrenzt. Der entscheidende Gesichtspunkt ist, daß es dem Parteibezirkskomitee möglich sein muß, alle örtlichen Organisationen im Bezirke einheitlich zu leiten. Wo das nicht mehr möglich ist, muß die Teilung des Bezirkes und Gründung eines neuen Parteibezirkskomitees erfolgen.

Dabei braucht die Partei natürlich in den größeren Ländern auch gewisse zusammenfassende Verbindungsorgane, sowohl zwischen der Zentralleitung und den verschiedenen Bezirksleitungen (Provinzleitungen, Oberbezirke und dergl.), wie auch zwischen einer Bezirksleitung und den verschiedenen örtlichen Körperschaften (Unterbezirks- oder Kreisleitungen). Unter Umständen kann es zwar zweckmäßig werden, auch dem einen oder anderen dieser Zwischenorgane, z. B. einer größeren Stadt mit stärkerer Mitgliedschaft, eine führende Rolle zu verleihen. In der Regel ist das aber als Dezentralisation zu vermeiden.

45. Die großen Einheiten der Parteiorganisationen (Bezirke) werden aus den örtlichen Parteikörperschaften zusammengesetzt: aus den ländlichen und kleinstädtischen „Ortsgruppen“ und aus den „Distrikten“ oder „Rayons“ der verschiedenen Stadtteile der größeren Städte.

Eine örtliche Parteikörperschaft, die so angewachsen ist, daß sie unter legalen Verhältnissen nicht mehr zweckentsprechend allgemeine Versammlungen ihrer Mitglieder abhalten kann, muß geteilt werden.

In der örtlichen Parteikörperschaft sind die Mitglieder zum Zweck der täglichen Parteiarbeit den verschiedenen Arbeitsgruppen zuzuteilen. In den größeren Organisationen kann es dabei zweckmäßig sein, die Arbeitsgruppen in verschiedene Kollektivgruppen zu vereinigen. An ein und dieselbe Kollektivgruppe sind in der Regel solche Mitglieder anzuschließen, die auf den Arbeitsplätzen oder sonst im alltäglichen Leben miteinander meist in Berührung kommen. Die Kollektivgruppe hat die Aufgabe, die allgemeine Parteiarbeit unter den verschiedenen Arbeitsgruppen zu verteilen, die Berichte von den Obleuten zu empfangen, Mitgliederkandidaten in ihrer Mitte zu erziehen usw.

46. Die Partei als Ganzes steht *unter der Führung der Kommunistischen Internationale*. Die Direktiven und Resolutionen der internationalen Leitung in den Sachen einer angeschlossenen Partei werden zugewiesen: 1. entweder der allgemeinen Zentralleitung der Partei, oder 2. durch diese der Zentralleitung einer Spezialtätigkeit, oder 3. allen Parteiorganisationen.

Die Direktiven und Beschlüsse der Internationale sind für die Partei und selbstverständlich für jedes einzelne Parteimitglied bindend.

47. Die *Zentralleitung der Partei* (Zentralkomitee und Beirat oder Ausschuß) sind dem Parteitag und der Leitung der Kommunistischen Internationale verantwortlich. Sowohl die engere Leitung als auch das breite Komitee, Beirat oder Ausschuß werden in der Regel vom Parteitag gewählt. Wenn der Parteitag es für zweckmäßig hält, kann er die Zentralleitung damit beauftragen, aus ihrer Mitte die engere Leitung zu wählen, die aus dem politischen und dem organisatorischen Büro besteht. Die Politik und die laufenden Arbeiten der Partei werden verantwortlich von der engeren Leitung durch ihre beiden Büros geführt. Durch die engere Leitung werden regelmäßig die Gesamtsitzungen der Zentralleitung der Partei einberufen, um Beschlüsse von größerer Bedeutung und längerer Tragweite zu fassen. Um dafür die politische Gesamtsituation gründlich erkennen zu können und um das lebendige Bild der Partei, ihrer Klarheit und Leistungsfähigkeit vor Augen zu haben, ist es notwendig, bei den Wahlen zur zentralen Parteileitung die verschiedenen Landesteile, wenn irgend geeignete Vorschläge vorliegen, zu berücksichtigen. Aus demselben Grunde sollten auch taktisch abweichende Meinungen ernsthaften Charakters bei der Zentralleitungswahl nicht unterdrückt werden. Vielmehr sollte ihnen in der Gesamtleitung eine Vertretung durch ihre besten Repräsentanten ermöglicht werden. Die engere Leitung jedoch soll, wenn irgend angängig, einheitlich in ihren Auffassungen sein, und sie muß sich, um fest und sicher führen zu können, nicht nur auf ihre Autorität, sondern auch auf eine klare und sogar zahlenmäßig feste Mehrheit der Gesamtleitung stützen können.

Durch eine solche breitere Konstitution ihrer zentralen Parteileitung werden insbesondere die legalen Massenparteien für ihr Zentralkomitee am schnellsten die beste Grundlage der festen Disziplin, das unbedingte Zutrauen der Mitgliedermassen erreichen, außerdem aber auch Schwankungen und Krankheiten, die sich in den Funktionärschichten der Partei zeigen könnten, schneller zur Erkenntnis und danach zur Heilung und Ueberwindung führen. Der Aufhäufung solcher Krankheiten in der Partei und ihrer vielleicht katastrophalen operativen Beseitigung auf späteren Parteitagen kann auf diesem Weg sachgemäß bis zu einem erträglichen Maße vorgebeugt werden.

48. Jedes der führenden Parteikomitees muß in seiner Mitte eine *zweckmäßige Arbeitsteilung* durchführen, um die Parteiarbeit auf den verschiedenen Gebieten effektiv leiten zu können. Dabei können sich auf mehreren Arbeitsgebieten auch Spezialleitungen notwendig erweisen (z. B. für Propaganda, für Zeitungsdienst, für den gewerkschaftlichen Kampf, für Landagitation, Frauenagitation, für Verbindungsdienst, Rote Hilfe usw.). Jede Spezialleitung ist entweder der zentralen Parteileitung oder dem Parteikomitee eines Bezirkes unterworfen.

Einem führenden Parteibezirkskomitee, in letzter Hand der zentralen Parteileitung gehört überhaupt die *Kontrolle* sowohl *über* die *zweckmäßige Tätigkeit* wie auch über die *gute Zusammensetzung* aller ihm untergeordneten Komitees. Alle in der Parteiarbeit festangestellten Mitglieder sind ebenso wie die Parlamentarier direkt dem führenden Parteikomitee unterworfen. Es kann sich zweckmäßig zeigen, die Beschäftigungen und Arbeitsorte der festangestellten Genossen (z. B. der Redakteure, Propagandisten, Organisatoren u. a.) dann und wann zu wechseln, soweit dadurch die Tätigkeit der Partei nicht allzu viel gestört wird. Die Redakteure und Propagandisten müssen an der regelmäßigen Parteiarbeit in einer der Arbeitsgruppen dauernd teilnehmen.

49. Die Zentralleitung der Partei wie auch die der Kommunistischen Internationale ist jederzeit berechtigt, erschöpfende *Informationen* von allen kommunistischen Organisationen, von deren Organen und von den einzelnen Mitgliedern zu verlangen. Die Vertreter und Bevollmächtigten der Zentralleitung sind zu allen Versammlungen und Sitzungen mit beratender Stimme und Vetorecht zuzulassen. Die zentrale Parteileitung muß ständig solche Bevollmächtigte (Kommissare) zur Verfügung haben, um diese Bezirks- und Kreisleitungen nicht nur durch ihre politischen und organisatorischen Rundschreiben oder Korrespondenzen, sondern auch direkt mündlich verantwortlich instruieren und informieren zu können. Bei der Zentralleitung wie auch bei jeder Bezirksleitung muß eine aus erprobten und sachverständigen Parteigenossen zusammengesetzte Revisionskommission tätig sein, um die Kontrolle über die Kassen- und Rechnungsführung auszuüben. Sie soll dem erweiterten Komitee (Beirat oder Ausschuß) regelmäßig Bericht erstatten.

Jede Organisation und jedes Parteiorgan wie auch jedes einzelne Mitglied ist berechtigt, seine Wünsche und Initiativen, Anmerkungen oder Anklagen jederzeit direkt der Zentralleitung der Partei oder der Internationale mitzuteilen.

50. *Die Direktiven und Beschlüsse* der führenden Parteiorgane sind für die untergeordneten Organisationen und für die einzelnen Mitglieder *bindend*.

Die *Verantwortlichkeit* der führenden Organe und ihre Pflicht, sich sowohl vor Versäumnissen wie vor Mißbrauch ihrer Führerstelle zu hüten, kann immer nur zum Teil formal bestimmt sein. Je kleiner ihre formale Verantwortung ist, z. B. bei den illegalen Parteien, um so mehr sind sie verpflichtet, die Meinung der übrigen Parteimitglieder einzuholen, sich regelmäßig solide Informationen zu verschaffen und ihre eigenen Entschlüsse erst nach reiflicher, vielseitiger Erwägung zu fassen.

51. Die Parteimitglieder sind in ihrem öffentlichen Auftreten verpflichtet, sich *stets als disziplinierte Mitglieder* einer kämpfenden Organisation zu betätigen. Wo Meinungsverschiedenheiten über die richtige Handlungsweise vorkommen, sind diese, soweit möglich, schon vor dem Auftreten im Kreise der Parteiorganisation zu entscheiden und dann ist nach dieser Entscheidung zu handeln. Damit jedoch jeder Parteibeschluß durch alle Parteiorganisationen und Mitglieder mit der größten Energie durchgeführt wird, muß womöglich die breiteste Parteimasse zur Prüfung und Entscheidung jeder Frage herangezogen werden. Den Parteiorganisationen und Parteiinstanzen obliegt auch die Pflicht, zu entscheiden, ob überhaupt und in welcher Form und welchem Umfang in der Oeffentlichkeit (Presse, Vorträge, Broschüren) Fragen von einzelnen Genossen diskutiert werden sollen. Aber auch wenn der Beschluß der Organisation oder der Parteileitung nach der Meinung anderer Mitglieder fehlerhaft sei, dürfen diese Genossen in ihrem öffentlichen Auftreten nie vergessen, daß das *schlimmste disziplinarische Vergehen* und der schlimmste Fehler *im Kampf* doch ist, *die Einheitlichkeit der gemeinsamen Front zu stören* oder gar zu brechen.

Es ist oberste Pflicht jedes Parteimitgliedes, die Kommunistische Partei und vor allem die Kommunistische Internationale gegen alle Feinde des Kommunismus zu verteidigen. Wer dies vergißt und im Gegenteil die Partei oder die Kommunistische Internationale öffentlich angreift, ist wie ein Gegner der Partei zu behandeln.

52. *Die Statuten* der Partei sind so abzufassen, daß sie den führenden Parteiorganen bei der ständigen Entwicklung der allgemeinen Parteiorganisation und bei der unaufhörlichen Verbesserung der Organisationsarbeit kein Hindernis bilden, sondern ihnen dabei als Hilfe dienen.

Die Beschlüsse der Kommunistischen Internationale sind von den angeschlossenen Parteien *ohne Verzug zu vollziehen*, auch in dem Falle, daß entsprechende Veränderungen in den bestehenden Statuten und Parteibeschlüssen statutenmäßig erst nachher erfolgen können.

### VIII. Ueber die Verbindung der legalen und illegalen Arbeit.

53. Je nach den verschiedenen Phasen des Revolutionsprozesses können im alltäglichen Leben jeder kommunistischen Partei entsprechende *Funktionswechsel vorkommen*. Es gibt aber im Grunde genommen keine wesentliche Verschiedenheit in der Parteistruktur, die von einer legalen Partei einerseits und von einer illegalen Partei andererseits erstrebt werden sollte.

Die Partei muß so organisiert sein, daß sie stets in der Lage ist, sich rasch an die Veränderungen der Kampfesbedingungen anzupassen.

Die Kommunistische Partei muß sich zu einer *Kampforganisation* entwickeln, die fähig ist, einerseits auf offenem Kampfgelände einem mit überwältigenden Kräften versehenen Feinde, der seine ganze Kraft auf einen Punkt konzentriert hat, auszuweichen, andererseits aber auch die Schwerfälligkeit dieses Feindes auszunützen, um ihn dort und dann anzufallen, wo er am allerwenigsten den Angriff erwartet. Es wäre der größte Fehler der Parteiorganisation, sich mit Berechnung ausschließlich auf Erhebung und Straßenkampf oder nur auf den Zustand der schwersten Unterdrückung einzustellen. Kommunisten müssen ihre vorbereitende revolutionäre Arbeit *in jeder Situation verrichten und stets auf Kampfbereitschaft gestellt sein*, weil es oft beinahe unmöglich ist, den Wechsel der Erhebungsperiode und der Periode der Stille vorauszusehen; und auch in den Fällen, wo es möglich wäre, kann diese Voraussicht meist nicht mehr zur Neuorganisierung der Partei ausgenützt werden, weil der Wechsel gewöhnlich in sehr kurzer Zeit, ja oft sogar ganz *überraschend eintritt*.

54. Die legalen kommunistischen Parteien der kapitalistischen Länder haben es gewöhnlich noch nicht genügend als ihre Aufgabe begriffen, wie die Partei sich auf revolutionäre Erhebungen, auf den bewaffneten Kampf oder überhaupt auf den illegalen Kampf gehörig rüsten soll. Man baut allzu einseitig die gesamte Parteiorganisation auf eine dauernde Legalität auf und gestaltet sie nach den Bedürfnissen legaler Tagesaufgaben aus.

In den illegalen Parteien wird hingegen oft nicht genug verstanden, die Möglichkeiten der legalen Tätigkeit auzunützen und eine Parteiorganisation aufzubauen, die in lebendiger Verbindung mit den revolutionären Massen steht. Die Parteiarbeit zeigt in diesem Falle die Tendenz, unfruchtbare Sisyphusarbeit oder ohnmächtige Verschwörerei zu bleiben.

Beides ist fehlerhaft. Jede legale Kommunistische Partei muß sich die höchstmöglichste Kampfbereitschaft auch im Falle der unterirdischen Existenz zu sichern verstehen und besonders muß sie für den Ausbruch revolutionärer Erhebungen gerüstet sein. Jede illegale Kommunistische Partei wieder muß auch die Möglichkeiten der legalen Arbeiterbewegung energisch ausnützen, um sich durch intensive Parteiarbeit zum Organisator und zum wirklichen Führer der großen revolutionären Massen zu entwickeln.

Die Führung der legalen und der illegalen Arbeit muß immer in den Händen derselben einheitlichen Parteizentrale liegen.

55. Sowohl im Kreise der legalen wie der illegalen Parteien wird die illegale kommunistsche Organisationsarbeit oft als die Gründung und Erhaltung einer geschlossenen, ausschließlich *militärischen* Organisation aufgefaßt, die isoliert von der übrigen Parteiarbeit und Parteiorganisation steht. Das ist durchaus fehlerhaft. Im Gegenteil muß in der vorrevolutionären Periode die Bildung unserer Kampforganisation hauptsächlich durch die allgemeine kommunistische Parteiarbeit geschehen. Die *gesamte* Partei soll zu einer *Kampforganisation* für die Revolution ausgebildet werden.

Isolierte revolutionär-militärische Organisationen, allzu früh vor der Revolution entstanden, zeigen in sich sehr leicht Tendenzen der Auflösung und Demoralisation, weil es für sie an unmittelbar nützlicher Parteiarbeit mangelt.

56. Für eine illegale Partei ist es natürlich bei aller ihrer Tätigkeit von entscheidender Bedeutung, ihre Mitglieder und Organe vor einer Entdeckung zu schützen und sie nicht etwa durch Registrierung, unvorsichtige Beitragserhebung und Materialverteilung preiszugeben. Sie kann deshalb nicht in demselben Grade wie eine legale Partei offene Organisationsformen für konspirative Zwecke benützen. Sie kann das aber mehr und mehr erlernen.

Um dem Eindringen von zweifelhaften oder unzuverlässigen Elementen in die Partei vorzubeugen, werden alle Vorsichtsmaßnahmen anzuwenden sein. Die dazu brauchbaren Mittel werden sehr stark abhängen davon, ob die Partei legal oder illegal ist, verfolgt oder geduldet wird, im raschen Wachstum oder in der Stagnation begriffen ist. Ein Mittel, das stellenweise unter bestimmten Umständen von Erfolg war, ist das System der Kandidatur. Danach werden Bewerber für die Aufnahme in die Partei auf Vorschlag von ein oder zwei Parteigenossen zuerst als Kandidaten zugelassen und es hängt von ihrer Bewährung bei der ihnen aufzugebenden Arbeit für die Partei ab, ob sie als Mitglieder aufgenommen werden können.

Es ist unvermeidlich, daß die Bourgeoisie Spitzel und Provokateure in die illegalen Organisationen zu schicken versucht. Dagegen muß mit größter Sorgfalt und Ausdauer der Kampf geführt werden. Eine Methode dieses Kampfes ist geschickte Kombinierung der legalen Tätigkeit mit der illegalen. Durch längere legale, revolutionäre Arbeit wird überhaupt am besten geprüft, wer zuverlässig, mutig, gewissenhaft, energisch, geschickt und pünktlich genug ist, um mit wichtigen und seiner Fähigkeit entsprechenden Aufträgen der illegalen Arbeit betraut zu werden.

Eine legale Partei soll sich immer besser auf Ueberraschungen vorbereitend rüsten und einrichten (z. B. Deckadressen sicher verwahren, Briefe in der Regel vernichten, notwendige Dokumente in sichere Aufbewahrung bringen, Verbindungsleute konspirativ schulen usw.).

57. Unsere allgemeine Parteiarbeit muß somit in der Weise verteilt werden, daß sich dadurch schon vor der offenen revolutionären Erhebung die *Wurzeln* einer den Bedürfnissen dieser Phase entsprechenden Kampforganisation entwickeln und befestigen. Es ist besonders wichtig, daß die kommunistische Parteileitung in ihrer führenden Tätigkeit *beständig an diese Bedürfnisse denkt*, daß sie versucht, soweit es möglich ist, sich davon im voraus eine *klare Vorstellung zu bilden*. Freilich kann diese Vorstellung nie im voraus exakt oder klar genug werden. Das darf aber kein Grund sein, um diesen wichtigsten Gesichtspunkt der kommunistischen organisatorischen Führung außer acht zu lassen.

Denn wenn bei der offenen revolutionären Erhebung der größte Funktionswechsel im Leben der Kommunistischen Partei kommt, dann kann er auch die bestorganisierte Partei vor sehr schwierige und komplizierte Aufgaben stellen. Es gilt vielleicht im Laufe weniger Tage unsere politische Partei zum kriegerischen Kampf zu mobilisieren. Und nicht nur die Partei, sondern auch ihre Reserven, die Organisationen der Sympathisierenden, ja sogar den ganzen Landsturm, d. h. die unorganisierten revolutionären Massen. Von der Formierung einer regulären Roten Armee kann zu dieser Zeit noch keine Rede sein. Wir müssen siegen — ohne eine vorher konstruierte Armee — durch die Massen, unter der Führung der Partei. Darum wird vielleicht auch der heldenmütigste Kampf nichts helfen, wenn unsere Partei nicht schon *vorher* für diesen Fall organisatorisch vorbereitet worden ist.

58. In revolutionären Situationen hat man vielfach beobachtet, daß die revolutionären *Zentralleitungen sich nicht fähig zeigten*, ihre Aufgaben zu erfüllen. Das Proletariat kann in der Revolution großartige Errungenschaften in organisatorischen Aufgaben des niederen Grades zustande bringen. In seinem Hauptquartier herrscht aber meistens Unordnung, Ratlosigkeit, Chaos. Auch die elementarste Arbeitsverteilung kann fehlen. Besonders der Nachrichtendienst ist gewöhnlich so schlecht, daß er mehr Schaden als Nutzen bringt. Auf die Verbindungen ist kein Verlaß. Wo man geheime Post, geheimen Transport, geheime Quartiere, geheime Druckereien braucht, sind diese gewöhnlich von glücklichen und unglücklichen Zufällen durchaus abhängig. Jede Provokation der organisierten Feinde hat die besten Aussichten.

Es kann auch gar nicht besser sein, wenn die führende revolutionäre Partei nicht *vorher* bei sich eine besondere Tätigkeit für diese Zwecke organisiert hat. Z. B. die Beobachtung und Entlarvung der politischen Polizei fordert spezielle Uebung: ein Apparat für geheime Verbindungen kann nur durch längeren regelmäßigen Gang sicher und rasch funktionierend wirken usw. Auf all diesen Gebieten der revolutionären Spezialtätigkeit braucht jede legale Kommunistische Partei irgendwelche, wenn auch noch so kleine geheime Vorbereitungen.

Zum größten Teil kann auch auf diesen Gebieten der nötige Apparat durch eine ganz legale Tätigkeit entwickelt werden, wenn man bei der Organisierung dieser Tätigkeit nur beachten wird, was für ein Apparat daraus entstehen soll. Zum Beispiel kann in der Hauptsache schon durch eine genau geregelte Verteilung der legalen Flugschriften u. a. Veröffentlichungen und Briefen ein Apparat für geheime Verbindungen (für Kurierdienst, geheime Post, geheime Quartiere, konspirative Transporte usw.) ausgearbeitet werden.

59. Der kommunistische Organisator sieht überhaupt jedes Parteimitglied und *jeden* revolutionären Arbeiter im voraus in seiner *kommenden geschichtlichen Rolle als Soldat* in unserer Kampforganisation der Revolutionszeit. Demnach leitet er ihn schon im voraus in *die* Kerngruppe und in *die* Arbeit, die seiner kommenden Stellung und Waffenart am besten entspricht. Seine heutige Tätigkeit muß auch an sich nützlicher Dienst sein, notwendig für den heutigen Kampf, kein bloßes Drillen, das der praktische Arbeiter heute nicht mehr versteht; dabei ist diese Tätigkeit aber auch zum Teil Schulung für die wichtigen Bedürfnisse des Endkampfes von morgen.

## Resolution zur Organisation der Kommunistischen Internationale

*Angenommen in der 24. Sitzung des III. Weltkongresses vom 12. Juli 1921.*

Die Exekutive der K. I. soll so ausgebaut werden, daß es ihr möglich wird, zu allen Aktionsfragen des Proletariats Stellung zu nehmen. Ueber die bisherigen allgemeinen Aufrufe zu solchen kritischen Fragen hinaus, soll die Exekutive mehr und mehr dazu übergehen, Mittel und Wege zu finden, um die praktische Initiative für ein einheitliches organisatorisches und propagandistisches Auftreten der verschiedenen Sektionen in den internationalen Streitfragen herbeizuführen. Die K. I. muß zu einer Internationale der Tat heranreifen, zur internationalen Leitung des gemeinsamen täglichen Kampfes des revolutionären Proletariats aller Länder. Voraussetzung dafür ist:

1. Die der K. I. angeschlossenen Parteien müssen alles daran setzen, um mit der Exekutive die engste und eifrigste Verbindung aufrecht zu erhalten, sie müssen nicht nur die besten Vertreter ihres Landes für die Exekutive stellen, sondern mit Umsicht und Zähigkeit die dauernde gute Information der Exekutive betreiben, damit die Exekutive auf Grund wirklicher Dokumente und gründlicher Materialien zu den auftauchenden politischen Problemen Stellung nehmen kann. Zur fruchtbringenden Verarbeitung dieses Materials muß die Exekutive für alle Spezialgebiete Abteilungen organisieren. Außerdem ist bei der Exekutive ein internationales ökonomisch-statistisches Institut für Arbeiterbewegung und Kommunismus zu errichten.

2. Die angeschlossenen Parteien müssen untereinander, insbesondere wenn sie benachbart sind, und deshalb an den politischen Konflikten, die sich aus den kapitalistischen Gegensätzen ergeben, gleich stark interessiert sind, die engste informatorische und organisatorische Verbindung unterhalten. Durch gegenseitige Beschickung ihrer wichtigsten Konferenzen und durch den Austausch geeigneter Kräfte kann dieses gemeinsame Aktionsverhältnis gegenwärtig am zweckmäßigsten angebahnt werden. Dieser Austausch geeigneter Kräfte muß unverzüglich zu einer ständigen Einrichtung aller irgendwie leistungsfähigen Sektionen werden.

3. Die Exekutive soll die notwendige Verschmelzung aller nationalen Sektionen zu einer einheitlichen internationalen Partei der gemeinsamen proletarischen Propaganda und Aktion dadurch fördern, daß sie in Westeuropa eine in allen wichtigeren Sprachen erscheinende politische Korrespondenz herausgibt, durch welche die Auswertung der kommunistischen Idee immer einheitlicher und klarer gestaltet werden muß und die durch zuverlässige und gleichmäßige Information die Grundlagen für ein aktives, gleichzeitiges Auftreten verschiedener Sektionen schaffen soll.

4. Durch Entsendung bevollmächtigter Vertreter der Exekutive in die Sektionen kann die Exekutive das Streben nach einer wirklichen Internationale des gemeinsamen täglichen Kampfes des Proletariats aller Länder organisatorisch wirksam unterstützen. Diese Vertreter haben die Aufgabe, die Exekutive mit den besonderen Bedingungen bekannt zu machen, unter denen die Kommunistischen Parteien der kapitalistischen und der Kolonialländer zu kämpfen haben. Sie haben ferner dafür zu sorgen, daß diese Parteien in der intimsten Verbindung sowohl mit der Exekutive als auch untereinander bleiben, um die Schlagkraft beider zu erhöhen. Die Exekutive soll ebenso wie die Parteien dafür sorgen, daß der Verkehr zwischen ihr und den einzelnen angeschlossenen Parteien sowohl persönlich durch Vertrauensmänner, als auch durch schriftliche Korrespondenzen häufiger und schneller vor sich geht, als es bisher der Fall war, so daß zu allen großen politischen Fragen eine übereinstimmende Stellungnahme herbeigeführt wird.

5. Um diese außerordentlich gesteigerte Tätigkeit entfalten zu können, muß die Exekutive erheblich erweitert werden. Die Sektionen, denen vom Kongreß 40 Stimmen zugesprochen wurden, sowie die Exekutive der Kommunistischen Jugendinternationale haben in der Exekutive je zwei Stimmen, die Sektionen, welche auf dem Kongreß 30 und 20 Stimmen hatten, haben je eine Stimme. Die Kommunistische Partei Rußlands verfügt wie bisher über fünf Stimmen. Die Vertreter der übrigen Sektionen haben beratende Stimmen. Den Präsidenten der Exekutive wählt der Kongreß. Die Exekutive wird beauftragt, drei Sekretäre zu bestellen, die womöglich verschiedenen Sektionen zu entnehmen sind. Neben ihnen sind die Mitglieder der Exekutive, die von den Sektionen entsendet werden, verpflichtet, sich an der Erledigung der laufenden Arbeiten durch ihre besonderen nationalen Abteilungen oder durch die Uebernahme der Bearbeitung ganzer Sachgebiete als Referenten zu beteiligen. Die Mitglieder des geschäftsführenden engeren Büros werden von der Exekutive besonders gewählt, in der Regel aus den Reihen der Mitglieder der Exekutive; Ausnahmen sind in besonderen Fällen zulässig.

6. Der Sitz der Exekutive ist Rußland, der erste proletarische Staat. Die Exekutive soll jedoch auch durch Konferenzen, die sie außerhalb Rußlands organisiert, ihren Wirkungskreis zu erweitern suchen, um die organisatorische und politische Führung der gesamten Internationale fester zu zentralisieren.

## Thesen über die Methoden und Formen der Arbeit unter den Frauen der Kommunistischen Parteien

*Angenommen in der 20. Sitzung des III. Weltkongresses vom 8. Juli 1921.*

### Grundprinzipien.

1. Der III. Kongreß der Kommunistischen Internationale bekräftigt noch einmal gemeinsam mit der Internationalen Konferenz der Kommunistinnen die Entscheidungen des I. und II. Kongresses, die dahin lauten, daß es nötig sei, die Arbeit der Kommunistischen Parteien des Westens und des Ostens unter dem weiblichen Proletariat zu verstärken, die breiten Massen der Arbeiterinnen im Geiste des Kommunismus zu erziehen und sie für den Kampf um die Sowjetmacht oder für den Aufbau der Sowjetrepublik heranzuziehen.

In der ganzen Welt erhebt sich vor der Arbeiterklasse, folglich auch vor den Arbeiterinnen, die wesentliche Frage über die Diktatur des Proletariats.

Das kapitalistische Wirtschaftssystem ist in eine Sackgasse geraten, im Rahmen des Kapitalismus ist kein Raum mehr für eine Weiterentwicklung der Produktionskräfte. Die Verarmung der Werktätigen, die Kraftlosigkeit der Bourgeoisie, die Produktion zu erneuern, das hohe Ausmaß der Spekulation, der Zerfall der Produktion, die Arbeitslosigkeit, die Preisschwankungen, das Mißverhältnis des Arbeitslohnes zu den Preisen, alle diese Erscheinungen führen unausbleiblich zur Verschärfung des Klassenkampfes in allen Ländern. In diesem Kampfe entscheidet sich die Frage der Leitung, Führung, Organisation und des Systems der Produktion, und ob diese Führung von einem Häuflein Bourgeois und Ausbeutern auf der Grundlage des Kapitalismus und des Privateigentums oder von der Klasse der Erzeuger auf kommunistischer Grundlage übernommen werden soll. Die neue, aufstrebende Klasse, die Klasse der Erzeuger, muß nach den Gesetzen der wirtschaftlichen Entwicklung den Produktionsapparat in ihre Hände nehmen, um neue Wirtschaftsformen zu schaffen. Nur auf diese Weise wird es möglich sein, die Höchstentwicklung der Produktionskräfte zu ermöglichen, die bis jetzt durch die Anarchie der kapitalistischen Produktionsweise hintangehalten wurde.

Solange die Macht in den Händen der bürgerlichen Klasse ist, ist das Proletariat nicht imstande, das Produktionsverfahren zu heben. Solange die Macht in den Händen des Kapitals ist, sind keinerlei Reformen, keinerlei Maßregeln einer demokratischen oder sogenannten sozialistischen Regierung in einem bürgerlichen Lande imstande, die Lage zu retten und die schweren, unerträglichen Leiden der Arbeiterinnen und der Arbeiter zu erleichtern, die durch den Zerfall des kapitalistischen Wirtschaftssystems hervorgerufen sind. Nur die Ergreifung der Macht durch das Proletariat gibt der Klasse der Erzeuger die Möglichkeit, die Produktionsmittel in Besitz zu nehmen und die wirtschaftliche Entwicklung im Interesse der Werktätigen zu fördern. Um die Stunde des unausbleiblichen Entscheidungskampfes des Proletariats gegen die verfaulte kapitalistische Welt zu beschleunigen, muß sich die Arbeiterklasse fest und unerbittlich an die Taktik halten, die von der III. Internationale festgelegt ist. Die Arbeiterdiktatur des Proletariats ist das Nächste, das für die Methoden der Arbeit und die Kampflinie des Proletariats beider Geschlechter bestimmend ist.

Der III. Kongreß der Kommunistischen Internationale geht von dem Grundsatz aus, daß der Kampf um die Diktatur des Proletariats den Proletariern aller kapitalistischen Staaten bevorsteht, ebenso wie der Aufbau des Kommunismus die nächste Aufgabe jener Länder ist, in denen sich die Diktatur schon in den Händen der Arbeiter befindet. Der III. Kongreß der Kommunistischen Internationale konstatiert, daß weder die Erkämpfung der Macht, noch die Verwirklichung des Kommunismus in einem Lande, in dem das Kapital bereits gestürzt ist, ohne aktive Unterstützung von seiten der breiten Frauenmassen des Proletariats und Halbproletariats möglich ist.

Andererseits lenkt der Kongreß noch einmal die Aufmerksamkeit aller Frauen auf den Umstand, daß alle Versuche, die die Befreiung der Frau aus der Knechtschaft und ihre Gleichstellung zum Ziele haben, ohne ihre Unterstützung unmöglich sind.

II. Das Interesse der Arbeiterklasse erfordert gerade gegenwärtig besonders dringend die Einbeziehung der Frauen in die organisierten Reihen des Proletariats, die für den Kommunismus kämpfen, und dies um so mehr, als die wirtschaftliche Zerrüttung sich für die Stadt- und Landarmut immer entscheidender und unerträglicher gestaltet und die Durchführung der sozialen Revolution für die Arbeiterklasse der kapitalistischen Länder immer unerläßlicher wird, die Arbeiter in Sowjetrußland aber den Wiederaufbau der Volkswirtschaft auf neuen kommunistischen Grundlagen durchzuführen haben. Beide Aufgaben werden um so leichter zu lösen sein, je aktiver, bewußter und williger die Frauen an ihrer Lösung Anteil nehmen.

III. Die kommunistischen Parteien müssen überall dort, wo die Frage der Eroberung der Macht auftritt, die große Gefahr für die Revolution richtig einschätzen, die die Massen der Arbeiterinnen, Hausfrauen, weiblichen Angestellten und Bäuerinnen darstellen, die nicht in die Bewegung einbezogen wurden, nicht vom Einfluß der kapitalistischen Weltanschauung, der Kirche und der bürgerlichen Vorurteile losgelöst und auf diese oder jene Art mit der großen Freiheitsbewegung des Kommunismus in Zusammenhang gebracht wurden. Die Frauenmassen des Westens und des Ostens, die nicht in die Bewegung einbezogen wurden, stellen unbedingt eine Stütze des Kapitals, ein Objekt für konterrevolutionäre Propaganda dar. Die Erfahrung der ungarischen Revolution, in deren Verlauf nichtklassenbewußte Frauenmassen eine derartige traurige Rolle spielten, muß für die Proletarier aller Länder, die den Weg der sozialen Revolution beschritten haben, als Warnung dienen.

Andererseits hat die Praxis der Sowjetrepublik gezeigt, wie wichtig die Teilnahme der Arbeiterinnen und Bäuerinnen sowohl in der Verteidigung der Republik als auch auf allen Gebieten des Sowjetaufbaus ist. Die Bedeutung der Rolle, die die Arbeiterinnen und Bäuerinnen bei der Organisation der Verteidigung des Hinterlandes, im Kampf gegen die Fahnenflucht und im Kampfe gegen alle Arten von Konterrevolution, Sabotage usw., in der Sowjetrepublik spielten, ist durch Tatsachen bewiesen. Die Erfahrung der proletarischen Republik muß vom Proletariat der übrigen Länder ausgenützt werden.

Daraus ergeben sich für die kommunistischen Parteien folgende Aufgaben: sie müssen den Einfluß der Partei und des Kommunismus durch gesteigerte und besondere Methoden innerhalb der Partei auf die breiten Frauenmassen ihres Landes ausdehnen — durch solche Methoden, die es ihnen ermöglichen, die Frauen von dem Einfluß der kapitalistischen Weltanschauung oder der Kompromißparteien zu befreien, sie zu tatsächlichen Kämpferinnen zu erziehen und auf diese Weise ihre tatsächliche Befreiung zu erreichen.

IV. Der III. Kongreß der Kommunistischen Internationale legt es den kommunistischen Parteien des Westens und des Ostens besonders ans Herz, die Arbeit unter dem weiblichen Proletariat zu verstärken und verweist gleichzeitig die Arbeiterinnen der ganzen Welt darauf, daß nur der *Sieg des Kommunismus* ihre Befreiung aus der Knechtschaft und Unterdrückung möglich macht. Das, was der Kommunismus der Frau geben kann, kann ihr die *kapitalistische Frauenbewegung in keinem Falle geben.* Solange die Macht des Kapitals und des Privateigentums in den kapitalistischen Ländern besteht, kann die Befreiung der Frau aus der Abhängigkeit vom Manne nicht weiter gehen, als bis zu dem Rechte, über ihr eigenes Besitztum, ihren Verdienst zu verfügen, und gleichberechtigt mit dem Mann das Schicksal der Kinder zu entscheiden. Das Streben der Feministinnen während der Herrschaft des Parlamentarismus, das Wahlrecht auf die Frauen auszudehnen, entscheidet nicht die Frage der tatsächlichen Gleichstellung der Frauen und besonders nicht der Frauen der nichtbesitzenden Klassen, was die Arbeiter aller jener kapitalistischen Länder erfahren haben, in denen die Bourgeoisie in den letzten Jahren formell die politische Gleichberechtigung der Geschlechter eingeführt hat. Das Wahlrecht kann die ursprünglichen Gründe der Fesselung der Frau an die Familie und die Gesellschaft nicht zerstören. Die Einführung der Zivilehe anstelle der unlösbaren Ehe gleicht in den kapitalistischen Ländern, bei der wirtschaftlichen Abhängigkeit der Proletarierin vom Kapitalisten und vom Mann-Ernährer, bei dem Fehlen des Mutter- und Jugendschutzes und der sozialen Erziehung, die Lage der Frau in ehelicher Hinsicht nicht aus und kann das Problem der gegenseitigen Beziehungen der Geschlechter nicht lösen.

Die nicht nur formelle, sondern tatsächliche Gleichstellung der Frau ist nur im Kommunismus möglich, d. h. nur dann, wenn die Frau der werktätigen Masse in den Stand gesetzt wird, am Besitze der Produktionsmittel, an der Verteilung und Leitung teilzunehmen und die Arbeitspflicht in gleicher Weise wie alle übrigen Glieder der werktätigen Gesellschaft zu erfüllen; mit anderen Worten, sie ist nur dann möglich, wenn das System der kapitalistischen Produktion gestürzt und durch die kommunistische Wirtschaftsweise ersetzt wird. Nur der Kommunismus schafft die Bedingungen, unter denen die natürliche Funktion der Frau, die Mutterschaft, nicht mit ihren gesellschaftlichen Pflichten in Konflikt geraten und ihre schöpferische Arbeit zugunsten der Allgemeinheit stören, sondern im Gegenteil die harmonische Entwicklung der Persönlichkeit allseitig fördern wird, die eng und untrennbar mit den Aufgaben und dem Leben des werktätigen Kollektivs im Zusammenhang steht. Der Kommunismus muß das Ziel aller Frauen sein, die für die Befreiung der Frau und die Anerkennung ihrer Rechte kämpfen.

Der Kommunismus ist aber gleichzeitig das Ziel des gesamten Proletariats, folglich muß der Kampf der Arbeiterinnen und Arbeiter im Interesse beider Seiten *gemeinsam und geschlossen* geführt werden.

V. Der III. Kongreß der Kommunistischen Internationale betont den grundlegenden Satz des revolutionären Marxismus, daß es keine „besondere Frauenfrage“ gibt und daß jegliches Zusammengehen der Arbeiterinnen mit dem kapitalistischen Feminismus zu einer Schwächung der Kräfte des Proletariats führt, er betont aber andererseits auch, daß jede Unterstützung, die die Arbeiterinnen der verräterischen Taktik der Sozialkompromißler und Opportunisten zuteil werden lassen, gleichfalls die Kräfte des Proletariats schwächt, die soziale Revolution hinausschiebt und den Sieg des Kommunismus und folglich auch die Stunde der Befreiung der Frau verzögert.

Der Kommunismus ist nicht durch die vereinigten Anstrengungen der Frauen verschiedener Klassen, sondern nur durch den vereinigten Kampf aller Ausgebeuteten möglich.

Die proletarischen Frauenmassen sind in ihrem eigenen Interesse verpflichtet, die revolutionäre Taktik der kommunistischen Parteien zu unterstützen und aktiv und unmittelbar an den Massenaktionen und am Bürgerkrieg teilzunehmen, wie er sich in allen seinen Normen im nationalen, wie im internationalen Maßstabe auswirkt.

VI. Der Kampf der Frau gegen ihre zweifache Unterdrückung (Kapitalismus und Abhängigkeit vom Familienleben) muß im nächsten Stadium seiner Entwicklung internationalen Charakter annehmen und sich unter dem Banner der III. Internationale in einen Kampf des Proletariats beider Geschlechter um die Diktatur und um den Sowjetaufbau verwandeln.

VII. Der III. Kongreß der Kommunistischen Internationale warnt die Arbeiterinnen vor jeder Mitarbeit und jedem Kompromiß mit den kapitalistischen Feministen und verweist sie gleichzeitig darauf, daß jegliche Illusion darüber, daß die proletarische Frau die II. Internationale oder opportunistisch gestimmte Elemente, die dieser nahestehen, ohne Schaden für sich unterstützen könnte, der Bewegung einen riesigen Schaden bringt. Die Frauen müssen sich folgendes ständig vor Augen halten: Die Knechtschaft der Frau wurzelt im kapitalistischen Bau, um dieser Knechtschaft ein Ende zu machen, muß zu einer neuen Gesellschaftsform übergegangen werden.

Die Unterstützung der II. und II½ Internationale und ähnlicher Gruppen verhindert die Entwicklung der sozialen Revolution und folglich auch die Herbeiführung neuer Gesellschaftsformen. Je entschiedener sich die breiten Frauenmassen von der II. und II½ Internationale abwenden, desto gesicherter ist der Sieg der sozialen Revolution. Es ist die Pflicht der Kommunistinnen, alle jene zu verurteilen, die vor der revolutionären Taktik der Kommunistischen Internationale zurückschrecken, und unerbittlich ihren Ausschluß aus den geschlossenen Reihen derselben zu verlangen.

Die Frauen müssen sich erinnern, daß die II. Internationale nicht einmal den Versuch machte, ein Organ zu schaffen, dessen Aufgabe es gewesen wäre, den Kampf für die allseitige Befreiung der Frau zu führen. Die Internationale Vereinigung der Sozialistinnen kam, soweit sie schon verwirklicht wurde, außerhalb des Rahmens der II. Internationale auf eigenen Antrieb der Arbeiterinnen zustande.

Die III. Internationale formulierte schon auf ihrem I. Kongreß 1919 konkret ihr Verhältnis zur Frage der Einbeziehung der Frauen in den Kampf um die Diktatur. Auf Anlaß des I. Kongresses wurde die erste Konferenz der Kommunistinnen einberufen, und im Jahre 1920 das Internationale Sekretariat für die Arbeit unter den Frauen mit einer ständigen Vertretung im Exekutivkomitee der Kommunistischen Internationale gegründet. Es ist die Pflicht der klassenbewußten Arbeiterinnen aller Länder, unweigerlich mit der *II. und II½ Internationale* zu brechen und die revolutionäre Haltung der Kommunistischen Internationale kräftig zu unterstützen.

VIII. Die Unterstützung der Kommunistischen Internationale soll von seiten der Arbeiterinnen, Bäuerinnen und weiblichen Angestellten durch den Eintritt in die kommunistische Partei ihres Landes bewiesen werden.

In jenen Ländern und Parteien, in denen der Kampf zwischen der II. und III. Internationale noch nicht zu Ende geführt wurde, ist es Pflicht der Arbeiterinnen, jene Partei oder Gruppe mit allen Kräften zu unterstützen, die für die Kommunistische Internationale eintritt, und einen erbarmungslosen Kampf gegen alle schwankenden oder offenkundig verräterischen Elemente zu führen, ohne auf irgendwelche Autoritäten Rücksicht zu nehmen. Die klassenbewußten Proletarierinnen, die ihre tatsächliche Befreiung anstreben, dürfen nicht in Parteien verbleiben, die außerhalb der Kommunistischen Internationale stehen. Wer ein Gegner der III. Internationale ist, der ist ein Feind der Befreiung der Frau.

Die zielbewußten werktätigen Frauen des Westens und des Ostens haben nur einen Platz: unter dem Banner der Kommunistischen Internationale, d. h. in den Reihen der kommunistischen Partei ihres Landes. Jedes Schwanken seitens der werktätigen Frauen, jedes Ausweichen vor dem Kampf mit den Kompromißparteien, die sich sozialistische nennen und ihren Führern, wirkt verderblich auf den Kampf des Proletariats zurück, gefährdet seinen Erfolg. Denn dieser Kampf hat den Charakter eines offenen und erbarmungslosen nationalen und internationalen Bürgerkrieges angenommen.

### Die Methoden und Formen der Arbeit unter den Frauen.

Von allen oben angeführten Grundsätzen ausgehend, bestimmt der III. Kongreß der Kommunistischen Internationale, daß die kommunistischen Parteien aller Länder ihre Arbeit unter dem weiblichen Proletariat auf folgender Grundlage zu führen haben:

I. Die Frauen sind als gleichberechtigte Mitglieder der Partei und aller Klassenorganisationen (Gewerkschaften, Genossenschaften, Räte der Fabriksältesten usw.) zu betrachten.

II. Es ist die Notwendigkeit dessen anzuerkennen, daß die Frauen aktiv in alle Gebiete des proletarischen Kampfes (die militärische Selbstverteidigung des Proletariats nicht ausgeschlossen), des Aufbaus der neuen gesellschaftlichen Grundlagen und der Organisation der Produktion und des Lebens auf kommunistischer Basis einzubeziehen sind.

III. Es ist die Funktion der Mutterschaft als soziale Funktion anzuerkennen und für die Durchführung und Verwirklichung von Maßregeln einzutreten, die die Frau in ihrer Eigenschaft als Mutter schützen.

Der III. Kongreß der Kommunistischen Internationale spricht sich in entschiedenster Weise gegen die Bildung besonderer, separater Frauenvereinigungen innerhalb der Partei, der Gewerkschaften oder anderer besonderer Frauenorganisationen aus, erkennt aber trotzdem die Notwendigkeit der Anwendung besonderer Arbeitsmethoden von seiten der Kommunistischen Parteien unter den Frauen an, und konstatiert deshalb die *Zweckmäßigkeit der Schaffung besonderer Organe* zur Durchführung dieser Arbeit innerhalb aller Kommunistischen Parteien. Der Kongreß läßt sich hierbei von folgenden Erwägungen leiten:

a) daß sich einerseits die Unterjochung der Frau in den kapitalistischen Ländern und andererseits ihre schwere Lage in den Sowjetländern, die den Uebergang vom Kapitalismus zum Kommunismus durchmachen, fühlbar macht;

b) daß eine gewisse Passivität und politische Rückständigkeit der Frauenmassen konstatiert werden muß, die sich daraus erklärt, daß die Frau von altersher vom gesellschaftlichen Leben ferngehalten und an die Familie gekettet wurde.

c) daß die besonderen Funktionen (Mutterschaft), die die Natur der Frau auferlegt und die daraus entsprungenen Eigentümlichkeiten der Frau einen größeren Schutz der Gesundheit und der Kräfte der Frau im Interesse der Allgemeinheit erfordern. Aus eben diesen Erwägungen konstatiert der Kongreß die Zweckmäßigkeit der Schaffung besonderer Organe zur Durchführung der Arbeit unter den Frauen. Solche Organe sind Sektionen und Kommissionen, die bei allen Parteikomitees vom Z. K. der Partei an bis zum Stadtbezirk oder Kreisparteikomitee herab organisiert werden müssen. Diese Entscheidung ist für alle Parteien, die der Kommunistischen Internationale angehören, verbindlich.

Der III. Kongreß der Kommunistischen Internationale verweist darauf, daß die *Aufgaben* dieser Sektionen und Kommissionen in folgendem bestehen:

1. Die breiten Frauenmassen im Geist des Kommunismus zu erziehen und sie in die Reihen der Partei einzugliedern.

2. Den Kampf gegen die Vorurteile, die mit der gesellschaftlichen Stellung der Frau zusammenhängen, zu führen und in den Arbeitern und Arbeiterinnen das Bewußtsein der Gemeinsamkeit der Interessen der Proletarier beiderlei Geschlechts zu bekräftigen.

3. Die Willenskraft der Arbeiterinnen zu stärken, sie in alle Formen und Arten des Bürgerkrieges in den kapitalistischen Ländern einzubeziehen und die Aktivität der Frauen durch ihre Heranziehung zu Massenaktionen und zum Kampf gegen die kapitalistische Ausbeutung (Wohnungsnot, Teuerung, Arbeitslosigkeit, Kinderelend) zu wecken, in den Sowjetrepubliken dasselbe Ziel aber durch Heranziehung der Frauen zum Aufbau der kommunistischen Wirtschaft und Lebensweise zu erreichen.

4. Die Fragen, die sich unmittelbar auf die Gleichberechtigung und den Schutz der Frau als Mutter beziehen, aufzurollen und die Aufmerksamkeit der Partei und der gesetzlichen Organe (in Sowjetländern) auf sie zu lenken.

5. Einen planmäßigen Kampf mit der Macht der Tradition, der bürgerlichen Gewohnheiten und der Religion zu führen und auf diese Weise gesundere und harmonischere Beziehungen zwischen den Geschlechtern herbeizuführen, die die physische und moralische Gesundung der werktätigen Menschheit sicherzustellen imstande sind.

Die Parteikomitees haben die Arbeit der Kommissionen unmittelbar zu leiten und sind für sie verantwortlich. An der Spitze jeder Kommission soll ein Mitglied des Komitees stehen. Nach Möglichkeit sollen mehrere Kommunisten Mitglieder dieser Kommissionen sein.

Die Kommissionen sollen selbständig alle Maßregeln durchführen, die sich vor ihnen erheben; sie sollen diese in den Sowjetländern durch die entsprechenden wirtschaftlichen oder politischen Organe (Sowjets, Kommissariate, Kommissionen, Gewerkschaften usw.), in den kapitalistischen Ländern aber mit Hilfe der entsprechenden Organe des Proletariats (Gewerkschaften, Räte usw.) zu erreichen suchen. Ueberall, wo die kommunistischen Parteien illegal oder halblegal bestehen, schaffen sie einen illegalen Apparat für die Arbeit unter den Frauen. Dieser Apparat muß dem illegalen Apparate der Gesamtpartei unterstellt und angepaßt sein. So wie in der legalen Organisation ist auch in der illegalen in jedem Orts-, Bezirks- bezw. Zentralkomitee eine Genossin vertreten, die die illegale Propagandaarbeit unter den Frauen verantwortlich zu leiten hat.

In der gegenwärtigen Periode stellen die Gewerkschafts- und Produktionsverbände, ferner die Genossenschaften die hauptsächlichste Grundlage für die Arbeit unter den Frauen seitens der kommunistischen Parteien dar; dies gilt sowohl in den Ländern, in denen sich noch der Kampf um den Sturz des Kapitals abspielt, als auch in den werktätigen Sowjetrepubliken. Die Arbeit unter den Frauen muß im Geiste der Einheitlichkeit der Parteibewegung und Organisation, der Anerkennung der selbständigen Initiative gegenüber den Kommissionen geführt werden usw. bei allen jenen Unternehmungen, die sich auf die völlige Befreiung und Gleichstellung der Frau, die von der Partei in vollem Ausmaße zu verwirklichen ist, beziehen.

Kein Parallelismus in der Arbeit, sondern Ergänzung der Arbeit der Partei durch die schöpferische Selbstbetätigung und Initiative der Frau.

### Die Arbeit der Partei unter den Frauen in Sowjetländern.

Die Aufgabe der Frauensektionen in einer werktätigen Sowjetrepublik besteht darin, die breiten Frauenmassen im Geiste des Kommunismus zu erziehen und sie für die kommunistische Partei zu gewinnen. Sie haben die Aktivität und Selbstbetätigung zu wecken und zu heben, indem sie die Frauen zur Arbeit beim Aufbau des Kommunismus heranziehen, um sie zu standhaften Schützerinnen der Kommunistischen Internationale heranzubilden. Die Frauensektionen müssen mit allen Mitteln bestrebt sein, die Frauen in alle Gebiete des Sowjetaufbaues hereinzuziehen, von der Verteidigung angefangen bis zu ihrer Einbeziehung in die vielseitigen wirtschaftlichen Pläne der Republik.

Die Frauensektionen müssen in der Sowjetrepublik darauf achten, daß die Bestimmungen des VIII. Rätekongresses durchgeführt werden, die von der Einbeziehung der Arbeiterinnen und Bäuerinnen zum Aufbau und der Organisation der Volkswirtschaft sprechen und die Teilnahme der Frauen an allen Organen, bei denen es sich um die Organisation, Kontrolle und Leitung der Produktion handelt, gesichert sehen wollen.

Die Frauensektionen müssen durch ihre Vertreter und durch die Organe der Partei an der Ausarbeitung neuer Gesetzforderungen teilnehmen und auf Aenderung jener hinwirken, die zwecks wirtschaftlicher Befreiung der Frau einer Veränderung bedürfen. Die Sektionen müssen besonders bei der Ausarbeitung jener Gesetze Initiative zeigen, die die Frauen- und Kinderarbeit zu schützen haben.

Die Frauensektionen sind verpflichtet, die größtmöglichste Anzahl von Arbeiterinnen und Bäuerinnen für die Kampagne bei Rätewahlen heranzuziehen und sich darum zu kümmern, daß auch Arbeiterinnen und Bäuerinnen Mitglieder von Räten und Vollzugskomitees werden.

Die Frauensektionen müssen für die schleunige Durchführung aller politischen und wirtschaftlichen Kampagnen, die von der Partei eingeleitet werden, Sorge tragen.

Es ist die Aufgabe der Frauensektionen, die Qualität der Frauenarbeit durch Erhöhung der gewerkschaftlichen Ausbildung zu heben und sich darum zu kümmern, daß die Arbeiterinnen und Bäuerinnen in den entsprechenden Lehranstalten Zutritt erhalten.

Die Frauensektionen müssen für den Eintritt von Frauen in die Kommissionen für Arbeitsschutz in den einzelnen Unternehmungen Sorge tragen und auf die Förderung der Tätigkeit der Hilfskommissionen für Frauen und Jugendschutz bedacht sein.

Die Frauensektionen müssen das ganze Netz jener gesellschaftlichen Institutionen (öffentliche Waisenhäuser, Wäschereien, Reparaturwerkstätten, Kommunehäuser, Institutionen für soziale Erziehung usw.) zu heben suchen, die die Lebensweise auf neue kommunistische Grundlage stellen, den Frauen die Schwere der Uebergangszeit erleichtern, ihre materielle Unabhängigkeit fördern und die Sklavin des Hauses und der Familie zur freien Gefährtin des Schöpfers der neuen Lebensformen machen.

Die Frauensektionen müssen für die Erziehung der weiblichen Mitglieder der Gewerkschaftsverbände im Geiste des Kommunismus Sorge tragen, wobei sie sich der Hilfe der Organisationen für die Arbeit unter den Frauen, die von der Fraktion der Kommunisten in den Gewerkschaftsverbänden gestellt werden, zu bedienen haben.

Die Frauensektionen haben darauf zu sehen, daß die Fabrikarbeiterinnen die Fabriksdelegiertenversammlungen besuchen. Sie sind verpflichtet, eine planmäßige Verteilung der weiblichen Delegierten — Praktikantinnen — für die verschiedensten Arbeiten (in den Räten, auf dem Gebiete der Volkswirtschaft, der Gewerkschaftsverbände) vorzunehmen.

### In den kapitalistischen Ländern.

Die nächsten Aufgaben der Kommissionen für die Arbeit unter den Frauen werden durch die objektive Lage bestimmt. Einerseits der Zerfall der Weltwirtschaft, das ungeheure Anwachsen der Arbeitslosigkeit, (die sich besonders im Nachlassen der Nachfrage nach Frauenarbeit ausdrückt), das Anwachsen der Prostitution und der Teuerung, die Wohnungsnot, drohende neue imperialistische Kriege; andererseits die unaufhörlichen ökonomischen Streiks der Arbeiter, die wiederholten Versuche des bewaffneten Aufstandes des Proletariats und die immer mehr sich verdichtende Atmosphäre des Bürgerkrieges im Weltmaßstabe, dies alles ist der Prolog der unausbleiblichen sozialen Weltrevolution.

Die Kommissionen der Arbeiterinnen müssen die Kampfaufgaben des Proletariats betonen, für die gesamten Losungen der Kommunistischen Partei eintreten und die Frauen zur Teilnahme an den revolutionären Aktionen der Kommunisten gegen die Bourgeoisie und die Sozialverräter heranziehen.

Die Kommissionen müssen dafür Sorge tragen, daß die Frauen nicht nur als gleichberechtigte und gleichverpflichtete Mitglieder in die Partei, Gewerkschaften, Genossenschaften und andere Klassenorganisationen aufgenommen werden, indem sie gegen jede Trennung oder Sonderstellung der Arbeiterin auftreten, sondern sie müssen auch dahin wirken, daß die Arbeiterinnen als gleichberechtigte Mitarbeiterinnen in die leitenden Organe der Partei, der Gewerkschaften und Genossenschaften aufgenommen werden.

Die Kommissionen sind verpflichtet, darauf hinzuwirken, daß die breiten Massen des weiblichen Proletariats und der Bauernschaft ihr Recht bei den Wahlen ins Parlament und in alle öffentlichen Institutionen zugunsten der kommunistischen Partei zur Geltung bringen, wobei sie gleichzeitig die Beschränkung dieser Rechte sowohl in bezug auf die Beseitigung oder Milderung der kapitalistischen Ausbeutung, als auch in bezug auf die Befreiung der Frau aufzeigen und den Parlamentarismus dem Sowjetsystem gegenüberstellen müssen.

Die Kommissionen müssen auch dafür Sorge tragen, daß die Arbeiterinnen, weiblichen Angestellten und Bäuerinnen an den Wahlen der revolutionären, ökonomischen und politischen Räte der Arbeiterdeputierten in lebhaftester und klassenbewußter Weise Anteil nehmen, wobei sie sich zu bemühen haben, daß es ihnen gelingt, die politische Aktivität der Hausfrau zu wecken und die Idee der Räte ganz besonders unter den Bäuerinnen zu propagieren. Eine besondere Arbeit besteht für die Kommissionen darin, die Verwirklichung des Prinzips der gleichen Zahlung für gleiche Arbeit zu erreichen. Es ist die Aufgabe der Kommissionen, die Arbeiterinnen und Arbeiter in kostenlosen und allgemein zugänglichen Kursen für diese Kampagne zu gewinnen, kurz sich die höhere Einschätzung der Frau zur Aufgabe zu machen.

Die Kommissionen müssen darauf hinwirken, daß Kommunistinnen an gesetzgebenden, kommunalen und allen anderen sozialen Organen teilnehmen, in denen die Frauen auf Grund des Wahlrechts Sitz und Stimme haben, um dort die revolutionäre Politik ihrer Partei zu treiben.

Bei ihrer Betätigung in den gesetzgebenden, kommunalen und anderen Körperschaften des bürgerlichen Staates müssen die Kommunistinnen die Grundsätze und die Taktik ihrer Partei streng einhalten. Ihre Hauptaufgabe darf und kann nicht sein, Reformen innerhalb der bürgerlichen Ordnung zu erreichen, sondern die Lage und die Forderungen der werktätigen Frauen dazu auszunutzen, die Frauen für die Verwirklichung ihrer Forderungen und die Wahrung ihrer Interessen auf den Weg des revolutionären Kampfes, auf den Weg des Kampfes zur Aufrichtung der proletarischen Diktatur zu verweisen.

Die Kommissionen sollen in engstem Kontakt mit den Parlaments- und Gemeindefraktionen stehen und über alle die Frauen betreffenden Anträge etc. gemeinsam beraten.

Die Kommissionen müssen den Frauen die Rückständigkeit und Unzweckmäßigkeit der getrennten häuslichen Wirtschaft, die Unvollkommenheit der kapitalistischen Erziehungsmethode begreiflich machen und die Aufmerksamkeit der Arbeiterinnen auf die praktischen Fragen der Verbesserung des Haushalts der Arbeiter lenken, die von der Partei aufgestellt und unterstützt werden. Die Kommissionen müssen alles daran setzen, die weiblichen Mitglieder der Gewerkschaften für die kommunistische Partei zu gewinnen, zu welchem Zwecke von der Gewerkschaftsfraktion eigene Organisatoren für die Arbeit unter den Frauen aufzustellen sind, die unter der Leitung der Partei und der örtlichen Sektionen zu arbeiten haben.

Die Frauenagitationskommissionen haben ihre Propaganda auch darauf zu richten, daß die proletarischen Frauen in den Genossenschaften versuchen, die Idee des Kommunismus zu verbreiten und durch Eindringen in die Leitung Einfluß auf die Führung der Genossenschaften zu gewinnen, da diese Organisationen als Verteilungsorgane während und nach der Revolution von größter Bedeutung sind.

Die gesamte Arbeit der Kommissionen muß die Entwicklung der revolutionären Aktivität der Massen, die die soziale Revolution beschleunigt, zum Ziele haben.

### In den wirtschaftlich zurückgebliebenen Ländern. (Osten).

Die kommunistischen Parteien müssen in den Ländern mit gering entwickelter Industrie gemeinsam mit den Frauensektionen die Anerkennung der Gleichstellung der Frau sowohl in den Rechten, als in den Pflichten von seiten der Partei, der Gewerkschaften und der anderen Organisationen der werktätigen Klasse zu erringen versuchen.

Die Sektionen der Kommission müssen einen energischen Kampf gegen alle Vorurteile, Sitten und religiösen Gebräuche, die auf die Frau einwirken, führen, wobei sich ihre Agitation auch auf die Männer zu erstrecken hat.

Die kommunistische Partei und ihre Sektionen der Kommissionen müssen das Prinzip der Gleichberechtigung der Frau in bezug auf Kindererziehung, auf Familienverhältnisse und auf das öffentliche Leben aufstellen.

Die Sektionen müssen sich unter den vom Kapital ausgebeuteten Arbeiterinnen des Kleingewerbes, der Reis-, Baumwoll- und anderen Plantagen eine Stütze suchen, und überall dort, wo es möglich ist (in erster Linie unter den Völkern des Ostens, die auf dem Territorium Sowjetrußlands leben), die Entstehung von Arbeiterwerkstätten, Kooperativindustrien fördern und auch die Einbeziehung der Plantagenarbeiterinnen in die Gewerkschaften zu erreichen suchen.

Die Hebung des allgemeinen kulturellen Niveaus der Bevölkerung ist das beste Kampfmittel gegen die Rückständigkeit des Landes und gegen religiöse Vorurteile. Die Kommissionen müssen die Entwicklung der Schulen für Erwachsene und Kinder zu heben suchen; in diese Schulen müssen sich die Frauen Zutritt verschaffen. In den kapitalistischen Ländern müssen die Kommissionen unmittelbar gegen den bürgerlichen Einfluß der Schule agitieren.

Wo es nur möglich ist, müssen die Frauensektionen oder Kommissionen ihre Agitation im Hause ausnützen; es müssen Klubs für die Arbeiterinnen eingerichtet werden, die gerade auf die rückständigsten Elemente unter den Frauen einwirken sollen. Die Klubs sollen kulturelle Aufklärungszentren sein und in praktischer Weise zeigen, was die Frau durch ihre Selbstbetätigung (Einrichtung von Kinderheimen, Kindergärten, Schulen usw.) für die Befreiung erreichen kann.

Für Nomadenvölker sind transportable Klubs einzurichten.

In den Sowjetländern sollen die Sektionen gemeinsam mit der Partei zum Uebergang von der vorkapitalistischen Wirtschaftsform zur gemeinsamen Produktionsweise beitragen und die Arbeiterinnen durch die praktische Erfahrung davon überzeugen, daß die Hauswirtschaft und die früheren Familienverhältnisse sie knechten, während die gemeinsame Arbeit sie befreit.

In Sowjetrußland sollen die Frauensektionen, die unter den Völkern des Ostens arbeiten, dafür sorgen, daß die Sowjetgesetzgebung, die die Frau rechtlich mit dem Manne gleichstellt und die Interessen der Frau schützt, auch tatsächlich eingehalten wird. Deshalb sollen die Sektionen die Aufstellung von Frauen als Richter und Geschworene in den Volksgerichten unterstützen.

Die Sektionen müssen die Frauen zu den Sowjetwahlen heranziehen und bestrebt sein, dahin zu wirken, daß Frauen Mitglieder der Räte und Vollzugskomitees werden. Die Arbeit unter den Proletarierinnen des Ostens muß auf der Grundlage des Klassenprinzips ausgeführt werden.

Es ist die Aufgabe der Sektionen, die Frauen über die Nutzlosigkeit der Anstrengungen der Feministinnen bezüglich der Lösung der Frauenfrage aufzuklären.

In den Sowjetländern des Ostens sind die intellektuellen weiblichen Kräfte (z. B. Lehrerinnen) zu Aufklärungsarbeiten heranzuziehen.

Die Sektionen oder Kommissionen müssen jeden taktisch nicht richtigen und groben Ausfall gegen den religiösen Glauben oder die nationale Tradition auf das energischste vermeiden, aber doch auf das bestimmteste gegen den Einfluß des Nationalismus und der Religion ankämpfen.

Sowohl im Westen wie im Osten darf sich die Organisation der Arbeiterinnen nicht um den Schutz der nationalen Interessen gruppieren, sondern um das Organ der Vereinigung des internationalen Proletariats beider Geschlechter und um die einheitlichen Klassenaufgaben. Da die Arbeit bei den Frauen des Ostens von besonderer Wichtigkeit ist, so wird eine besondere Instruktion der Thesen folgen, die die Richtlinien der Arbeit bei den Frauen des Ostens der K. P. feststellt, indem sie die eigenartigen Verhältnisse des Lebens der Ostvölker berücksichtigt.

### Agitations- und Propagandamethoden.

Um die Hauptaufgaben der Sektionen — die kommunistische Erziehung der breiten Massen der Proletarierinnen — erfüllen und dadurch die Reihen der kommunistischen Kämpfer stärken zu können, ist es notwendig, daß sich alle kommunistischen Parteien des Westens und des Ostens das Grundprinzip der Arbeit unter den Frauen „Agitation und Propaganda durch die Tat“ zu eigen machen.

Unter Agitation durch die Tat ist vor allem die Fähigkeit zu verstehen, die Selbstbetätigung der Arbeiterin zu wecken, ihr Vertrauen in die eigenen Kräfte zu stärken und durch ihre Heranziehung zur praktischen Arbeit auf dem Gebiete des Aufbaus oder des Kampfes sie zur Ueberzeugung zu bringen, daß jeder Erfolg der kommunistischen Partei, jede Aktion, die sich gegen die kapitalistische Ausbeutung richtet, einen Schritt zur Erleichterung der Lage der Frau bedeutet. Von der Praxis und Aktion — zur Erkenntnis der Ideale des Kommunismus und der theoretischen Prinzipien desselben. Das ist die Methode, mit welcher die kommunistischen Parteien und ihre Sektionen an die breiten Massen der Arbeiterinnen herantreten sollen.

Sofern die Sektionen nicht nur Organe der Propaganda des Wortes, sondern solche der Tat sein sollen, müssen sie sich auf die kommunistischen Zellen innerhalb der Betriebe und Werkstätten stützen und dafür Sorge tragen, daß jede kommunistische Zelle einen Organisator zur Arbeit unter den Frauen der Betriebe beiordnet.

Die Sektionen müssen sich durch ihre Vertreter oder Organisatoren mit den Gewerkschaften in Verbindung setzen, die von der Gewerkschaftsfraktion beigestellt werden und ihre Arbeit unter der Leitung der Sektionen leisten.

Propaganda der Idee des Kommunismus durch die Tat bedeutet in Sowjetrußland soviel, wie Heranziehung der Arbeiterinnen, Bäuerinnen, Hausfrauen und weiblichen Angestellten zu allen Gebieten des Sowjetaufbaus, angefangen von der Armee und Miliz bis zu den Gebieten der Befreiung der Frau (Organisationen der gesellschaftlichen Verpflegung, der sozialen Erziehungsinstitutionen, des Mutterschutzes usw.) Besonders wichtig ist im gegenwärtigen Augenblick die Heranziehung der Arbeiterinnen zu allen Arbeiten auf dem Gebiete der Wiederherstellung des Volkswirtschaft.

In den kapitalistischen Ländern bedeutet Propaganda durch die Tat soviel, wie Heranziehung der Arbeiterinnen zur Teilnahme an Streiks, Demonstrationen und Aufständen, die den revolutionären Willen und das revolutionäre Bewußtsein festigen und stärken; aber auch soviel, wie Heranziehung der Arbeiterinnen zu allen Arten von Parteiarbeiten, von illegaler Arbeit (besonders auf dem Gebiete des Verbindungsdienstes), die Organisierung von Subotniki oder Wosskresniki (komm. Sonnabends- und Sonntagsarbeit), durch die die sympathisierenden Arbeiterinnen und weiblichen Angestellten lernen, durch freiwillige Arbeit der Partei nützlich zu sein.

Auch das Prinzip der Heranziehung der Frauen zu allen politischen, ökonomischen oder kulturell aufklärenden Kampagnen, die von der kommunistischen Partei eingeleitet werden, dienen dem Ziele der Propaganda durch die Tat. Die arbeitenden Frauenorgane der kommunistischen Parteien müssen ihre Betätigung ausdehnen auf immer weitere Kreise der ausgebeuteten und sozial geknechteten Frauen der kapitalistischen Länder, den Geist der unfreien oder durch die Ueberbleibsel der alten Ordnung gefesselten Frauen in den Sowjetstaaten. Sie haben an alle Nöte und Uebel, an alle Interessen und Forderungen anzuknüpfen, die den Frauen zeigen, daß der Kapitalismus als ihr Todfeind niedergerungen, daß dem Kommunismus als ihrem Befreier das Tor weit geöffnet werden muß.

Zur Durchführung ihrer planmäßigen Agitations- und Propagandaarbeit durch das gesprochene Wort organisieren die Frauenkommissionen Betriebswerkstätten und Volksversammlungen, wie öffentliche Versammlungen für die Arbeiterinnen, die weiblichen Angestellten und Beamten, sei es einzelner Berufe oder Bezirke, sei es im allgemeinen, öffentliche Frauen- und Hausfrauenversammlungen usw. Sie lassen agitierende und organisierende Vertreterinnen in die kommunistischen Fraktionen der Gewerkschaften, Genossenschaften, Betriebsräte, in alle arbeitenden, verwaltenden, kontrollierenden und leitenden Organe der Sowjetordnung wählen, kurz, in alle Organisationen, die in den kapitalistischen Ländern der Revolutionierung der ausgebeuteten und unterdrückten Massen und ihrem Kampf um die Eroberung der politischen Macht nutzbar gemacht werden müssen, die in Sowjetstaaten der Verteidigung der proletarischen Diktatur, der Verwirklichung des Kommunismus dienen. Sie delegieren erfahrene Kommunistinnen als Arbeiterinnen oder Angestellte in Betriebe und Unternehmungen, in denen viele Frauen berufstätig sind; sie siedeln solche Genossinnen in großen proletarischen Bezirken und Zentren an, so wie es in Sowjetrußland erfolgreiche Praxis ist. Wie die arbeitenden Frauenorgane der Kommunistischen Partei Sowjetrußlands die außerordentlich wertvollen parteilosen Delegiertenversammlungen und Delegiertenkonferenzen veranstalten, so haben die kommunistischen Frauenausschüsse in den kapitalistischen Ländern öffentliche Versammlungen von Arbeiterinnen, weiblichen Berufstätigen jeder Art, Bäuerinnen, Hausfrauen einzuberufen, die zu bestimmten Nöten und Forderungen der Versammelten Stellung nehmen und Ausschüsse ad hoc wählen, die in steter Verbindung mit ihren Auftraggeberinnen und den kommunistischen Frauenorganen die aufgerollte Frage weiter behandeln. Sie schicken Diskussionsrednerinnen in gegnerische Veranstaltungen. Die Propaganda und Agitation durch Versammlungen und ähnliche Veranstaltungen muß durch eine dauernde regelmäßige Hausagitation ergänzt werden. Jede mit derselben beauftragte Kommunistin sollte nicht mehr als 10 Frauen in ihrer Häuslichkeit aufsuchen, müßte das aber mindestens einmal regelmäßig in der Woche und bei jeder wichtigen Betätigung der kommunistischen Parteien, der proletarischen Massen tun.

Die arbeitenden Frauenorgane der kommunistischen Parteien sind beauftragt, zur Durchführung ihrer Agitations-, Organisierungs- und Erziehungsarbeit mittels geschriebenen Wortes in jedem Lande auf das Erscheinen eines kommunistischen Zentralfrauenblattes hinzuwirken, das Erscheinen von Frauenseiten oder Frauentribünen in der kommunistischen Presse zu sichern wie auch von Artikeln und Beiträgen in den politischen und gewerkschaftlichen Blättern, die Redakteurinnen dieser Veröffentlichungen zu stellen und Mitarbeiterinnen für sie aus den Reihen der berufstätigen und kämpfenden Frauen zu gewinnen und zu erziehen. Sie müssen eine geeignete, einfache, erweckende und sammelnde Flugblatt- und Broschürenliteratur schaffen und verbreiten.

Die Kommissionen haben auf die eifrigste Ausnutzung aller Bildungseinrichtungen und Bildungsmittel der kommunistischen Parteien durch die weiblichen Mitglieder hinzuwirken. Sie müssen zur Klärung und Vertiefung der Erkenntnis und der Stärkung des Willens der noch rückständigen und verschüchterten organisierten Kommunistinnen und erwachender werktätiger Frauen diese zu den allgemeinen Parteikursen und Diskussionen heranziehen und nur dort, wo es zweckmäßiger ist, eigene Bildungsinstitutionen in Gestalt von Lese- und Diskussionsabenden, Kursen, Vortragsreihen schaffen.

Damit der Solidaritätsgeist zwischen den Arbeiterinnen und Arbeitern gestärkt wird, ist es wünschenswert, keine separaten Kurse und Schulen, sondern in jeder Parteischule einen obligatorischen Kursus über die Methoden der Arbeit unter den Frauen einzurichten.

Die Kommission soll das Recht haben, eine Anzahl von ihren Mitgliedern zur Parteischule zu delegieren.

### Struktur der Sektionen.

Frauenagitationskommissionen werden bei jedem örtlichen Parteikomitee, bei den Bezirks- (Gebiets-) Parteikomitees und bei dem Zentralkomitee der Partei gegründet. Die Zahl der Mitglieder der Kommissionen wird nach den Bedürfnissen jedes Landes geregelt. Auch die Zahl der bezahlten Mitarbeiter wird von der Partei festgelegt. Die Leiterin der Frauenagitationskommission im Reiche in den Bezirks- und Ortsgruppen, hat Sitz und Stimme in der Zentrale, in den Bezirks- und Ortsleitungen der Partei. Die Leiterin der F.A.K. ist gleichzeitig Mitglied der örtlichen Parteileitung. In den Fällen, wo dies nicht zutrifft, wohnt die Leiterin der F.A.K. allen Sitzungen des Komitees bei, und zwar in allen Fragen, die die Frauensektion betreffen mit beschlußfähiger Stimme, in allen übrigen Fragen mit beratender Stimme.

Zu den Obliegenheiten der Bezirkskommissionen oder der Gouvernementskommissionen gehören außer den oben angeführten allgemeinen Aufgaben der Sektionen noch folgende Funktionen: die Aufrechterhaltung der Verbindung zwischen den Frauenagitationskommissionen des gegebenen Bezirks mit der Bezirksleitung, das Sammeln von Material über die Tätigkeit der Sektion oder der Kommissionen des gegebenen Bezirks (Gebiets); die Sorge dafür, daß die Ortskommissionen das Material austauschen; die Versorgung des Bezirks (Gouvernements) mit Literatur, die Verteilung der Agitationskräfte in den Bezirken (Gebieten); die Mobilisierung der Parteikräfte für die Arbeit unter den Frauen; die Einberufung (mindestens zweimal jährlich) von Bezirks- (Gouvernements-) Konferenzen der Kommunistinnen, die die Kommissionen vertreten (Vertretungsnorm eine bis zwei von jeder Sektion, Bäuerinnen und Hausfrauen des gegebenen Bezirks, Gouvernements).

Bezirks- (Gouvernements-) F.A.K. bestehen aus 5—7 Mitgliedern. Die Mitglieder der Kommissionen werden vom Gouvernement oder vom Vorsteher des Kreisvorstandes auf Vorschlag der Kommissionsleiterin bestätigt. Die Leiterin und alle übrigen Mitglieder der Kreis- und Gouvernementskommission werden auf der Parteikonferenz des Kreises oder des Gouvernements gewählt.

Die Mitglieder der Bezirks- (Gouvernements-) und der Ortskommissionen werden auf der städtischen, der Kreis- oder Bezirks- (Gouvernements-) Konferenz gewählt oder von der entsprechenden Kommission nach Uebereinkommen mit dem Parteikomitee ernannt. Die Zentralkommission für Arbeit unter den Frauen besteht aus 2—5 Mitgliedern, von denen mindestens eine von der Partei bezahlt wird.

Außer den Funktionen, die oben für die Bezirks- (Gouvernements-) Kommissionen angeführt sind, hat die Zentralkommission (Frauenreichskomitee) folgendes durchzuführen: die Ueberwachung der Arbeit der Kommissionen, Leitung und Verteilung der Kräfte, die unter den Frauen arbeiten; Ueberwachung der Bedingungen und der Entwicklung der Frauenarbeit, wobei die Forderungen betreffs der Rechtslage und der wirtschaftlichen Lage der Frau in Erwägung zu ziehen sind; Beteiligung der Vertreter und Bevollmächtigten der Zentralkommission an den speziellen Kommissionen, die die Fragen der Verbesserung oder Veränderung der Lebensweise der Arbeiterklasse, des Arbeitsschutzes, des Kinderschutzes usw. ausarbeiten; die Herausgabe des Zentral- und Frauenblattes und die Schriftleitung der Zeitschriften und Frauenseiten der Arbeiterinnen; Einberufung (mindestens einmal jährlich) der Vertreterinnen aller Bezirke (Gouvernementssektionen); Organisation von Agitationskreisen der Instruktoren für Arbeit unter den Frauen im ganzen Lande; Ueberwachung der Heranziehung der Arbeiterinnen und der Beteiligung aller Kommissionen bei den verschiedenen politischen und ökonomischen Kampagnen und Aktionen der Partei; Aufrechterhaltung der ständigen Verbindung mit dem Internationalen Sekretariat der Kommunistinnen; die alljährliche Durchführung des internationalen Frauentages.

Ist der Leiter der Frauensektion des Zentralkomitees nicht Mitglied des Zentralkomitees, so hat er das Recht, allen Sitzungen des Zentralkomitees beizuwohnen, und zwar in allen Fragen, die die Sektion betreffen, mit beschlußfähiger Stimme, in allen übrigen Fragen aber mit beratender Stimme. Die Vorsitzende der Kommission wird vom Zentralkomitee der Partei ernannt oder vom allgemeinen Parteikongreß gewählt. Die Beschlüsse und Verfügungen aller Kommissionen müssen vom zuständigen Parteikomitee bestätigt werden.

### Ueber die Arbeit im internationalen Maßstabe.

Die Leitung der Arbeit der kommunistischen Parteien aller Länder, der Zusammenschluß der Arbeiterinnen und die Lösung der von der Kommunistischen Internationale gestellten Aufgaben und die Einbeziehung der Arbeiterinnen aller Länder und Völker in den revolutionären Kampf um die Macht der Räte und die Diktatur der Arbeiterklasse im Weltmaßstabe, das sind die Aufgaben, die dem Internationalen Frauensekretariat der Kommunistischen Internationale obliegen. Die Zahl der Mitglieder der Zentralkommission und die Zahl der beschlußfähigen Mitglieder wird vom Z.K. der Partei festgelegt.

## Resolution über die internationale Verbindung der Kommunistinnen und das Internationale Kommunistische Frauensekretariat

*Angenommen in der Sitzung vom 11. Juni 1921 nach dem Bericht der Gen. Kollontai und dem Nachtrag der Gen. Zetkin.*

„Die II. Internationale Kommunistische Frauenkonferenz fordert die kommunistischen Parteien aller Länder des Westens und Ostens auf, den „Richtlinien“ der III. Internationale entsprechend durch ihre Zentral-Frauenausschüsse *internationale Korrespondentinnen* wählen zu lassen.

Pflicht der Korrespondentin jeder einzelnen kommunistischen Partei ist, wie es in den „Richtlinien“ vorgesehen ist, regelmäßige Beziehungen mit den internationalen Korrespondentinnen der anderen Länder zu unterhalten, sowie mit dem Internationalen Kommunistischen Frauensekretariat in Moskau, das ein Arbeitsorgan der Exekutive der III. Internationale ist. Die kommunistischen Parteien sind verpflichtet, ihren internationalen Korrespondentinnen die technischen Mittel und Möglichkeiten für den internationalen Verkehr untereinander und mit dem Sekretariat in Moskau schaffen zu helfen. Die internationalen Korrespondentinnen kommen einmal in sechs Monaten zur Beratung und zum Meinungsaustausch mit der Vertretung des Internationalen Frauensekretariats zusammen, das sie jedoch bei wichtigen Anlässen jederzeit zu einer Besprechung einberufen kann.

Das Internationale Frauensekretariat zu Moskau erfüllt in organisatorischem Zusammenhang mit der Exekutive und in engster Fühlung mit den internationalen Korrespondentinnen der einzelnen Länder die Aufgaben, die in den „Richtlinien“ festgelegt worden sind. Es läßt sich insbesondere angelegen sein, durch Rat und Tat die Entwicklung der noch schwachen kommunistischen Frauenbewegung in einzelnen Ländern zu fördern, des weiteren — der kommunistischen Frauenbewegung aller Länder des Westens und des Ostens einheitliche Richtung für Arbeit und Kampf zu geben, nationale und internationale Aktionen der Frauen unter Führung und mit tatkräftigster Unterstützung der Kommunisten anzuregen und zu leiten, nationale und internationale Aktionen, die geeignet sind, den revolutionären Klassenkampf des Proletariats durch den Vorstoß der Frauen zu erweitern und zu verschärfen. Dem Internationalen Frauensekretariat zu Moskau wird zum Zwecke festerer und regelmäßigerer Verbindung mit der kommunistischen Frauenbewegung aller Länder ein Hilfsorgan in Westeuropa angegliedert. Dieses hat Vorarbeit und Nacharbeit für das Internationale Frauensekretariat zu leiten, ist lediglich ausführendes, nicht bestimmendes Organ und für seine Tätigkeit an die Beschlüsse und Weisungen des Hauptsekretariats in Moskau und der Exekutive der III. Internationale gebunden. In dem westeuropäischen Hilfsorgan hat ständig mindestens eine Vertreterin des Hauptsekretariats mitzuarbeiten. Soweit die Zusammensetzung und der Aufgabenkreis des Hauptsekretariats nicht schon durch die „Richtlinien“ festgelegt sind, regelt die Exekutive der III. Internationale in Verbindung mit dem internationalen Frauensekretariat diese Fragen, sowie Aufbau, Gestaltung und Tätigkeit des „Hilfsorgans“.

## Resolution über die Formen und Methoden der kommunistischen Arbeit unter den Frauen

*Angenommen in der 20. Sitzung des III. Weltkongresses vom 8. Juli 1921 nach dem Bericht der Gen. Kollontai.*

„Die Zweite Internationale Kommunistische Frauenkonferenz zu Moskau erklärt:

Der Zerfall der kapitalistischen Wirtschaft und der auf ihr beruhenden bürgerlichen Ordnung, wie das Fortschreiten der Weltrevolution macht für das Proletariat aller Länder, wo diese Ordnung noch herrscht, den revolutionären Kampf für die Eroberung der politischen Macht und die Aufrichtung seiner Diktatur immer gebieterischer zur Lebensnotwendigkeit und Pflicht, die nur erfüllt werden kann, wenn auch die breitesten Massen der werktätigen Frauen sich bewußt, entschlossen und opferfreudig an diesem Kampfe beteiligen.

In den Ländern, wo das Proletariat die Staatsgewalt bereits erobert und in der Räteordnung seine Diktatur aufgerichtet hat — wie in Sowjetrußland und der Ukraine — ist es außer Stande, seine Macht wider die nationale und internationale Gegenrevolution zu behaupten und den Aufbau der menschheitsbefreienden kommunistischen Ordnung zu beginnen, wenn nicht breiteste Massen der werktätigen Frauen von der klaren, unerschütterlichen Ueberzeugung durchdrungen sind, daß Verteidigung und Aufbau auch ihr Werk sein müssen.

Die II. Internationale Kommunistische Frauenkonferenz zu Moskau fordert deshalb die Parteien aller Länder auf, getreu den Grundsätzen und Beschlüssen der III. Internationale, *mit der höchsten Energie sich dafür einzusetzen, daß die breitesten Massen der werktätigen Frauen im Zeichen des Kommunismus für den revolutionären Kampf und die revolutionäre Aufbauarbeit geweckt, gesammelt, geschult und den kommunistischen Parteien eingegliedert,* und daß der Wille und ihre Fähigkeit für Aktion und Kampf stetig, zielbewußt gekräftigt und gesteigert werden.

Damit dieses Ziel erreicht wird, sind alle der III. Internationale angeschlossenen Parteien verpflichtet, bei all ihren Organen und Institutionen — von den untersten bis zu den höchsten — *Frauenausschüsse* zu errichten, denen ein Mitglied der Parteileitung vorsteht, deren Aufgabe die Agitations-, Organisierungs- und Erziehungsarbeit unter den breitesten Massen der werktätigen Frauen ist, und die ihre Vertreterinnen in allen leitenden und verwaltenden Körperschaften der Parteien haben. Diese Frauenausschüsse bilden nicht Sonderorganisationen, sondern sind nichts als deren Arbeitsorgane für die vorliegende besondere Aufgabe, breiteste Massen der werktätigen Frauen für den Kampf zur Eroberung der politischen Macht, wie für die kommunistische Aufbauarbeit zu mobilisieren und zu erziehen. Sie wirken daher auf allen Gebieten und zu jeder Zeit unter der Leitung der Partei, sie besitzen aber die nötige Bewegungsfreiheit, solche Methoden und Formen der Arbeit anzuwenden und solche Einrichtungen zu schaffen, die im Hinblick auf den Erfolg ihrer Arbeit durch die Eigenart der Frau und ihre noch nicht überwundene Sonderstellung in der Gesellschaft und in der Familie geboten sind. Für die Arbeit dieser Frauenausschüsse im einzelnen verweist die Konferenz auf die von ihr angenommenen Thesen.

Die arbeitenden Frauenorgane der kommunistischen Partei müssen sich bei ihrem Wirken stets des Ziels ihrer Doppelaufgabe bewußt sein:

1. Frauenmassen von wachsendem Umfang, klarer Erkenntnis und gefestigtem Willen in den revolutionären Klassenkampf der Ausgebeuteten und Unterdrückten gegen den Kapitalismus und für den Kommunismus zu reißen, und

2. nach dem Sieg der proletarischen Revolution zu verständnisvollen, opferwilligen Mitarbeiterinnen am kommunistischen Aufbau zu machen. Die Frauenorgane der kommunistischen Partei müssen sich bei ihrem Wirken bewußt sein, daß nicht nur das gesprochene und das geschriebene Wort Agitations- und Erziehungsmittel für die Frauenmassen sind, sondern daß als wichtigste Mittel voll gewertet und ausgewertet werden müssen: die Mitarbeit der organisierten Kommunistinnen auf allen Gebieten der Betätigung — des Kampfes, des Aufbaus — der kommunistischen Parteien, die aktive Beteiligung der werktätigen Frauen an allen Aktionen und Kämpfen des revolutionären Proletariats, an Streiks, Generalaufständen, Straßendemonstrationen und dem Aufstand mit bewaffneter Hand.

## Resolution über die Kommunistische Internationale und die Kommunistische Jugendbewegung

*Angenommen in der 24. Sitzung des III. Weltkongresses vom 12. Juli 1921.*

1. Die sozialistische Jugendbewegung ist entstanden unter dem Druck der verschärften kapitalistischen Ausbeutung der Arbeiterjugend und der Ausnützung durch den bürgerlichen Militarismus, als Reaktion gegen die Versuche, die Arbeiterjugend mit der bürgerlichen, nationalistischen Ideologie zu vergiften und als Reaktion gegen die Vernachlässigung der ökonomischen, politischen und kulturellen Forderungen der Arbeiterjugend durch die sozialdemokratischen Parteien und Gewerkschaften in den meisten Ländern.

Die Schaffung von sozialistischen Jugendorganisationen geschah in den meisten Ländern ohne Hilfe der immer stärker opportunistisch und reformistisch werdenden sozialdemokratischen Parteien und Gewerkschaften, in einzelnen Ländern sogar direkt gegen deren Willen. Die reformistischen sozialdemokratischen Parteien und Gewerkschaften sahen in dem Aufkommen selbständiger revolutionärer sozialistischer Jugendorganisationen eine ernste Gefahr für ihre opportunistische Politik. Durch eine bürokratische Bevormundung und die Aufhebung jeder Selbständigkeit versuchten sie, die Jugendbewegung niederzuhalten, den Charakter der Jugendbewegung zu ändern und ihn ihrer Politik anzupassen.

2. Der imperialistische Krieg und die Stellung der sozialdemokratischen Parteien in den meisten Ländern dazu mußten die Gegensätze zwischen den sozialdemokratischen Parteien und den internationalen revolutionären Jugendorganisationen vertiefen und zum offenen Konflikt treiben. Während des Krieges wurde die Lage der Arbeiterjugend durch Mobilisierung und Kriegsdienste, durch eine gesteigerte Ausbeutung in der Kriegsindustrie und Militarisierung hinter der Front unerträglich verschlechtert. Der beste Teil der sozialistischen Jugend nahm gegen den Krieg und den Nationalismus Stellung, trennte sich demgemäß von den sozialdemokratischen Parteien und ging zu eigenen politischen Aktionen über. (Internationale Jugendkonferenz, Bern 1915, Jena 1916.)

In ihrem Kampfe gegen den Krieg wurden die sozialistischen Jugendorganisationen durch die besten revolutionären Gruppen der Erwachsenen unterstützt und wurden so zum Sammelpunkt der revolutionären Kräfte. Damit hatten die Jugendorganisationen die Funktionen fehlender revolutionärer Parteien übernommen, wurden zur Avantgarde im revolutionären Kampf und zu politisch selbständigen Organisationen.

3. Mit der Entstehung der K.I. und der K.P. in den einzelnen Ländern ändert sich die Rolle der revolutionären Jugendorganisationen in der gesamten proletarischen Bewegung. Durch ihre ökonomische Lage und ihre psychologische Eigenart ist die Arbeiterjugend für die kommunistischen Ideen leichter empfänglich und zeigt im revolutionären Kampf einen größeren revolutionären Enthusiasmus als die erwachsenen Arbeiter, aber ihre Rolle als Avantgarde im Sinne des selbständigen politischen Auftretens und der politischen Leitung übernehmen die kommunistischen Parteien. Ein Weiterbestehen der K.J.O. als politisch selbständiger und führender Organisation müßte zur Entstehung zweier miteinander konkurrierender kommunistischer Parteien führen, die sich nur durch das Alter ihrer Mitglieder unterscheiden.

4. Die jetzige Rolle der K.J.O. besteht darin, die Massen der jugendlichen Arbeiter zu sammeln, sie kommunistisch zu erziehen und einzureihen in die kommunistische Kampffront. Die Zeit ist vorüber, in der kommunistische Jugendorganisationen sich auf die Arbeit zahlenmäßig kleiner Propagandavereine beschränken können. Als ein Mittel zur Gewinnung der breiten Massen der jugendlichen Arbeiter kommt neben einer zähen, mit neuen Methoden geführten Agitation die Einleitung und Führung von wirtschaftlichen Kämpfen durch die K.J.O. in Betracht.

Gemäß ihren neuen Aufgaben müssen die K.J.O. ihre Bildungsarbeiten erweitern und verstärken. Die Grundlage der kommunistischen Erziehung in der kommunistischen Jugendbewegung ist die aktive Teilnahme an allen revolutionären Kämpfen, welche mit der marxistischen Schulung eng verknüpft sein muß.

Eine weitere wichtige Aufgabe der K.J.O. in der nächsten Zeit ist die Zerstörung der zentristischen und sozialpatriotischen Ideologie in der Arbeiterjugend und die Loslösung von den sozialdemokratischen Jugendpflegern und Führern. Gleichzeitig müssen die K.J.O. alles tun, um den durch die Entwicklung zur Massenbewegung einsetzenden Verjüngungsprozeß durch eine rasche Abgabe ihrer älteren Mitglieder an die K.P. zu fördern.

In der regen Beschäftigung mit allen politischen Problemen, in der Mitarbeit am Aufbau kommunistischer Parteien und in der aktiven Teilnahme an revolutionären Kämpfen und Aktionen zeigt sich der große grundsätzliche Unterschied zwischen kommunistischen Jugendorganisationen und den zentristischen und sozialpatriotischen Jugendvereinen.

5. Das Verhältnis der K.J.O. zu den K.P. ist grundverschieden von dem der revolutionären Jugendorganisationen zu den sozialdemokratischen Parteien. In dem gemeinsamen Kampfe für eine rasche Durchführung der proletarischen Revolution ist die größte Einheitlichkeit und strengste Zentralisation notwendig. Die politische Leitung und Führung kann international nur bei der K.I., in den einzelnen Ländern nur bei deren Landessektionen liegen. Pflicht der K.J. O. ist es, sich dieser politischen Leitung (Programm, Taktik und politischen Direktiven) unterzuordnen und sich in die gemeinsame revolutionäre Front einzugliedern. Bei der Verschiedenheit des revolutionären Entwicklungsgrades der einzelnen K.P. ist es notwendig, daß die Anwendung dieses Grundsatzes in Ausnahmefällen von dem E.K. der K.J.I. unter Berücksichtigung der besonderen Verhältnisse in den einzelnen Ländern bestimmt wird. Die K.J.O., die ihre eigenen Reihen nach den Gesetzen der strengsten Zentralisation zu organisieren begonnen haben, werden gegenüber der K.I. als Trägerin und Führerin der proletarischen Revolution eiserne Disziplin üben. Die K.J.O. haben sich innerhalb ihrer Organisationen mit allen politischen und taktischen Fragen zu beschäftigen, Stellung zu nehmen und innerhalb der K.P. ihres Landes, aber nie gegen sie, im Sinne der gefaßten Beschlüsse zu wirken. In Fällen ernster Meinungsverschiedenheiten zwischen K. P. und K. J. O. ist das Appellationsrecht an das E. K. der K. I. auszunützen. Die Aufgabe ihrer politischen Selbständigkeit bedeutet auf keinen Fall den Verzicht auf die organisatorische Selbständigkeit, die aus erzieherischen Gründen unerläßlich ist. Da zur erfolgreichen Führung des revolutionären Kampfes die stärkste Zentralisation und die größte Einheitlichkeit notwendig sind, soll in jenen Ländern, wo infolge der historischen Entwicklung eine große Abhängigkeit der Jugend von der Partei besteht, dieses Verhältnis in der Regel aufrechterhalten werden; bei Differenzen zwischen beiden Organen entscheidet das Exekutivkomitee der Kommunistischen Internationale in Gemeinschaft mit dem Exekutivkomitee der Kommunistischen Jugendinternationale.

6. Eine der nächsten und wichtigsten Aufgaben der K.J.O. ist die restlose Aufräumung mit allen, aus der Periode der absoluten Autonomie in ihren Reihen übriggebliebenen Resten der Ideologie von der politischen Führerrolle. Die Jugendpresse und der gesamte Organisationsapparat der K.J.O. müssen restlos benutzt werden, die Jugendlichen völlig zu durchdringen mit dem Gefühl, Soldat und verantwortliches Mitglied der einigen kommunistischen Partei zu sein.

Dieser Aufgabe müssen die K.J.O. um so mehr Aufmerksamkeit, Zeit und Arbeit widmen, als sie beginnen, durch Gewinnung größerer Scharen jugendlicher Arbeiter zur Massenbewegung zu werden.

7. Das enge politische Zusammenwirken der K.J.O. mit den K.P. muß auch in einer festen organisatorischen Verbindung beider Organisationen zum Ausdruck kommen. Unbedingt erforderlich ist eine ständige gegenseitige Vertretung der Organisations- und Parteispitzen, der Kreis-, Bezirks- und Ortsgruppen bis hinab zu den Zellen der kommunistischen Gruppen im Betrieb, in den Gewerkschaften, wie eine starke gegenseitige Beschickung aller Konferenzen und Kongresse. Auf diese Weise wird es der K.P. möglich, dauernd auf die politische Linie und Tätigkeit der Jugend einzuwirken und die Jugend zu unterstützen und andererseits der Jugend, wirksamen Einfluß auf die Partei auszuüben.

In noch engerer Weise wie das Verhältnis der K.I. zu den K.P., ordnet sich das Verhältnis zwischen der K.J.I. und der K.I. Die Aufgabe der K.J.I. besteht in der zentralisierten Leitung der kommunistischen Jugendbewegung, der Unterstützung und Förderung der Einzelverbände mit moralischen und materiellen Mitteln, der Schaffung neuer K.J.O., wo solche nicht bestehen, und der internationalen Propaganda für die kommunistische Jugendbewegung und ihr Programm. Die K.J.I. ist ein Teil der K.I. und unterordnet sich als solcher den Beschlüssen des Kongresses der K.I. und deren E.K. Im Rahmen dieser führt sie ihre Arbeit und wirkt als Vermittlerin des politischen Willens der K.I. in allen ihren Sektionen. Durch eine starke gegenseitige Delegation und ein enges dauerndes Zusammenarbeiten wird die ständige Kontrolle durch die K.I. und die fruchtbarste Arbeit der K.J.I. auf allen Gebieten ihrer Tätigkeit, (Leitung, Agitation, Organisierung, Festigung und Stützung der K.J.O.) gesichert.

## Aufruf des Exekutivkomitees der Kommunistischen Internationale an die Proletarier aller Länder

### Zu neuer Arbeit, zu neuen Kämpfen.

*An die Proletarier und Proletarierinnen aller Länder!*

Der Dritte Kongreß der Kommunistischen Internationale ist vorüber. Die große Heerschau des kommunistischen Proletariats aller Länder ist zu Ende. Sie zeigte, daß im Laufe des vergangenen Jahres der Kommunismus in einer Reihe von Ländern, wo er bisher erst in den Anfängen war, zu einer großen, die Massen bewegenden, das Kapital bedrohenden Macht geworden ist. Die Kommunistische Internationale, die auf ihrem Gründungskongreß außer Rußland nur kleine Gruppen von Genossen darstellte, die auf dem Zweiten, vorjährigen Kongreß erst den Weg suchte, auf dem Massenparteien entstehen, verfügt jetzt nicht nur in Rußland, sondern auch in Deutschland, Polen, in der Tschechoslowakei, in Italien, Frankreich, Norwegen, Jugoslavien und Bulgarien über Parteien, um deren Fahne sich große Massen sammeln. Der Dritte Kongreß wendet sich an die Kommunisten aller Länder mit der Aufforderung, den beschrittenen Weg weiter zu befolgen und alles zu tun, um in den Reihen der Kommunistischen Internationale weitere Millionen und Abermillionen von Arbeitern und Arbeiterinnen zu sammeln. Denn die Macht des Kapitals kann nur gebrochen werden, wenn sich die Idee des Kommunismus verkörpert im ungestümen Drängen der großen Mehrheit des Proletariats, geführt durch kommunistische Massenparteien, die die eiserne zusammenfassende Klammer der kämpfenden proletarischen Klasse bilden müssen. *„Zu den Massen“* — das ist der erste Kampfruf, den der Dritte Kongreß den Kommunisten aller Länder zuruft.

### Neuen großen Kämpfen entgegen.

Diese Massen kommen zu uns, strömen uns zu; denn immer klarer, immer offensichtlicher beweist ihnen der Weltkapitalismus, daß er sein Leben nur noch fristen kann, indem er die ganze Welt immer mehr zerrüttet, das Chaos, das Elend, die Versklavung der Massen immer mehr steigert. Angesichts der Weltwirtschaftskrise, die Millionen Arbeiter auf die Straße wirft, verstummt der Schrei der sozialdemokratischen Lakaien des Kapitals, verstummt der Ruf der bürgerlichen Klasse, mit dem sie sich seit Jahren an die Arbeiter gewendet hat: „Arbeitet! Arbeitet!“ Denn der *Ruf nach Arbeit wird zum Kampfruf der Arbeiterklasse*, und verwirklicht wird er nur auf den Ruinen des Kapitalismus, wenn sich das Proletariat der von ihm geschaffenen Produktionsmittel bemächtigt. Die kapitalistische Welt sieht sich am Abgrunde neuer *Kriegsgefahren*. Der amerikanisch-japanische, die englisch-amerikanischen, die englisch-französischen, die französisch-deutschen, die polnisch-deutschen Gegensätze, die Gegensätze im Nahen und Fernen Osten, sie treiben die Kapitalisten zu *gesteigerten Rüstungen*. Sie wecken in ihnen die bange Frage: „Soll Europa wieder von neuem den Weg zum Weltkriege gehen?“ Nicht den millionenfachen Mord fürchten die Kapitalisten. Denn schon nach dem Kriege haben sie durch ihre Politik der Blockade Rußlands kaltblütig Millionen von Menschen dem Hungertode ausgeliefert. Was sie fürchten, das ist, daß ein neuer Krieg endgültig die Massen in die Arme der Weltrevolution treiben, daß ein neuer Krieg den endgültigen Aufstand des Weltproletariats bedeuten würde. Sie versuchen also, wie sie es vor dem Weltkriege getan haben, durch diplomatische Techtel-Mechtel eine *Entspannung* herbeizuführen. Aber die Entspannung an einem Punkte bedeutet die Steigerung auf dem anderen. Die Verhandlungen zwischen England und Amerika über die Begrenzung der Seerüstungen der beiden Staaten schaffen notwendig eine Front gegen Japan. Die französisch-englische Annäherung liefert Deutschland an Frankreich aus, und die Türkei an England. *Nicht Frieden, sondern wachsende Unruhe, wachsende Versklavung der besiegten* Völker durch das Kapital der siegreichen; das ist das Resultat aus den Bemühungen des Weltkapitals, irgendwelche Ordnung in das wachsende Weltchaos hineinzubringen. Die Presse des Weltkapitals spricht jetzt von weltpolitischer Entspannung und Beruhigung, weil die Bourgeoisie Deutschlands sich dem Diktat der Alliierten unterworfen hat, und weil sie, um ihre Macht zu retten, das deutsche Volk den Hyänen der Pariser und Londoner Börse ausgeliefert hat.

Aber zugleich ist diese Börsenpresse schon voll von Nachrichten über die Steigerung des wirtschaftlichen Zerfalls in Deutschland, über die ungeheuren Steuern, die im Herbste auf die zur Arbeitslosigkeit verurteilten Massen wie Hagel niedersausen werden, jeden Bissen Essen, jedes Stück Kleidung ungeheuer verteuernd. Die Kommunistische Internationale, die in ihrer Politik von der ruhigen, sachlichen Prüfung der Weltlage ausgeht — denn nur klar das Kampffeld beobachtend, nur klar erkennend, kann das Proletariat den Sieg erfechten — sie sagt dem Proletariat aller Länder: Der Kapitalismus hat sich bisher als unfähig erwiesen, der Welt auch nur das Maß der Ordnung zu sichern, das vor dem letzten Kriege existierte. Denn was er jetzt unternimmt, das kann *keine Konsolidierung, keine Neuordnung bringen*, sondern es bringt nur die Verlängerung Eurer Leiden, die Verlängerung des Absterbeprozesses des Kapitalismus. *Die Weltrevolution marschiert vorwärts.* Ueberall zittern die Grundlagen des Weltkapitals. Der zweite Ruf, den der Weltkongreß der Kommunistischen Internationale den Proletariern aller Länder zugehen läßt, ist der Ruf: *„Neuen großen Kämpfen gehen wir entgegen! Rüstet Euch für neue Schlachten!“*

### Richtet die allgemeine Kampffront des Proletariats auf.

Die Weltbourgeoisie ist unfähig, den Arbeitern Arbeit und Brot, Wohnung und Kleidung zu sichern; aber sie beweist ihre große Fähigkeit in der Organisierung des Krieges gegen das Weltproletariat. Seit dem Moment ihrer ersten, großen Desorientation, seitdem sie ihre große Angst vor den aus dem Kriege zurückkehrenden Arbeitern überwunden hat, seitdem sie es verstanden hat, die Arbeiter wieder in die Fabriken zu jagen, ihre ersten Aufstände niederzuwerfen, seitdem sie es verstanden hat, über den Krieg hinaus das Bündnis mit den sozialdemokratischen und gewerkschaftlichen Verrätern des Proletariats zu verlängern und so das Proletariat zu spalten, hat sie alle Kräfte dazu verwandt, um *weiße Kampfgarden* gegen das Proletariat zu organisieren, *das Proletariat zu entwaffnen*. Die Weltbourgeoisie steht bis an die Zähne gerüstet nicht nur bereit, jedem Aufstand des Proletariats mit den Waffen in der Hand entgegenzutreten, sondern sie versteht es, wenn notwendig, frühzeitige Aufstände des sich zum Kampfe vorbereitenden Proletariats zu *provozieren* und es niederzuschlagen, bevor sich die allgemeine, unbesiegbare Front des Proletariats aufgerichtet hat. *Dieser Strategie der Weltbourgeoisie hat die Kommunistische Internationale ihre Strategie entgegenzustellen.* Gegen die Kassen des Weltkapitals, das bewaffnete Banditen dem organisierten Proletariat gegenüberstellt, hat die Kommunistische Internationale eine untrügliche Waffe; es sind die Massen des Proletariats, die einheitliche geschlossene Front des Proletariats.

*Wenn Millionen und Abermillionen in geschlossenen Reihen in den Kampf rücken, dann versagen die Tücken der Bourgeoisie, dann versagt ihre Gewalt:* dann stocken die Eisenbahnen, auf denen die Bourgeoisie ihre weißgardistischen Truppen gegen das Proletariat bewegt. Dann erfaßt die bleiche Angst Teile der Weißgardisten. Das Proletariat entreißt ihnen die Waffen, um mit ihnen in der Hand gegen die anderen weißgardistischen Formationen zu kämpfen. Gelingt es, einheitlich das Proletariat in den Kampf zu führen, dann verliert das Kapital, die Weltbourgeoisie, die wichtigste Vorbedingung des Sieges, den Glauben an den Sieg, den ihr nur der Verrat der Sozialdemokratie, nur die Zersplitterung der Arbeitermassen wiedergegeben hat. Der Sieg über das Weltkapital, der Weg zum Siege gegen das Weltkapital, geht durch die Eroberung der Herzen der Mehrheit der Arbeiterklasse. Der Dritte Weltkongreß der Kommunistischen Internationale fordert die kommunistischen Parteien aller Länder, fordert die Kommunisten in den Gewerkschaften auf, ihre Kraft, alle ihre Anstrengungen darauf zu richten, *die breitesten Arbeitermassen dem Einfluß der sozialdemokratischen Parteien und der verräterischen Gewerkschaftsbürokratie zu entreißen*. Das kann nur geschehen, wenn die Kommunisten in allen Ländern sich in dieser schweren Zeit, in der jeder Tag den Arbeitermassen neue Entbehrungen bringt, als die *Vorkämpfer der Arbeiterklasse in allen Nöten des Tages erweisen*, wenn sie sie zum Kampfe führen um die Erleichterung der Lasten, die das Kapital immer unerträglicher den Arbeitermassen aufbürdet. Es gilt den breitesten Arbeitermassen zu zeigen, daß nur die Kommunisten allein um die Besserung ihrer Lage kämpfen, und daß die Sozialdemokratie und die reaktionäre Gewerkschaftsbürokratie gewillt sind, die Proletarier des Hungers verrecken zu lassen, um nur nicht zu kämpfen. Nicht auf dem Boden theoretischer Auseinandersetzungen um Demokratie und Diktatur sind die Verräter des Proletariats, die Agenten der Bourgeoisie, zu schlagen, *sondern sie sind zu schlagen bei der Frage des Brotes, des Lohnes, des Arbeiterkittels und der Arbeiterwohnung*. Und das erste *Kampffeld*, das wichtigste Kampffeld, auf dem sie überwunden werden müssen, ist das *Gebiet der Gewerkschaftsbewegung*, der Kampf gegen die gelbe *Amsterdamer Gewerkschaftsinternationale*, der Kampf *für die Rote Gewerkschaftsinternationale*. Das ist der Kampf um die Frage von der Einnahme der feindlichen Festungen in unserem eigenen Lager; das ist die Frage von der Bildung einer Kampffront, der gegenüber das Weltkapital *versagen muß*. *Haltet rein Eure Organisationen von zentristischen Strömungen, bildet den Kampfgeist aus!*

Nur im Kampfe um die einfachsten Lebensinteressen der Arbeitermassen können wir die einheitliche Front des Proletariats gegen die Bourgeoisie errichten, können wir ein Ende machen der Zersplitterung des Proletariats, die die Grundlage der Weiterexistenz der Bourgeoisie bildet. Aber stark, kampfesfreudig wird diese Front des Proletariats nur dann werden, wenn sie durch kommunistische Parteien zusammengehalten wird, deren Geist einheitlich und stark, deren Disziplin eisern ist. Darum mußte der Dritte Weltkongreß der Kommunistischen Internationale in demselben Augenblicke, wo er an die Kommunisten aller Länder den Ruf ergehen läßt: „Zu den Massen!“ „Richtet die einheitliche Front des Proletariats auf!“ ihnen gleichzeitig zurufen: *„Haltet Eure Reihen rein von Elementen, die imstande sind, die Kampfesmoral und die Kampfesdisziplin der Stoßtruppe des Weltproletariats, der kommunistischen Parteien, zu zersetzen.“* Der Kongreß der Kommunistischen Internationale bestätigt den *Ausschluß* der *Sozialistischen Partei Italiens* bis zu dem Moment, wo sie mit den Reformisten bricht und sie aus ihren Reihen ausschließt. In diesem Entschluß drückt sich die Ueberzeugung des Kongresses aus, daß, wenn die Kommunistische Internationale Millionen und Abermillionen von Arbeitern in den Kampf führen will, sie in ihren Reihen keine Reformisten besitzen darf, deren Ziel nicht die siegreiche Revolution des Proletariats, sondern die Aussöhnung mit dem Kapitalismus und seine Reform ist. Armeen, die an ihrer Spitze Führer dulden, die die Aussöhnung mit dem Feinde im Auge haben, werden von diesen Führern an die Feinde verraten und verkauft. Die Kommunistische Internationale wandte ihre Aufmerksamkeit auch der Tatsache zu, daß in *einer Reihe von Parteien, obwohl aus ihnen die Reformisten ausgeschlossen sind, es noch Strömungen gibt, die nicht endgültig den Geist des Reformismus überwunden haben*, die, wenn sie auch nicht auf die Aussöhnung mit dem Feinde hinarbeiten, so doch nicht energisch genug in ihrer Agitation und Propaganda den Kampf gegen den Kapitalismus vorbereiten; nicht genügend energisch und entschieden die Arbeit der Revolutionierung der Massen betreiben. Parteien, die nicht imstande sind, in ihrer täglichen Arbeit der revolutionäre Odem der Massen zu sein, die nicht imstande sind, tagtäglich mit Leidenschaft den Willen der ungestümen Massen zum Kampfe zu stärken, diese Parteien müssen *günstige Situationen für den Kampf unausgenutzt lassen*, müssen große spontane Kämpfe des Proletariats versanden lassen, wie es der Fall war bei der *Fabrikbesetzung in Italien und bei dem Dezemberstreik in der Tschechoslowakei*. Die kommunistischen Parteien müssen den *Kampfgeist* in sich ausbilden. Sie müssen sich ausbilden zum Stab, der imstande ist, schnell günstige Kampfsituationen zu erfassen und bei spontanen Bewegungen des Proletariats durch umsichtsvolle, mutige Leitung des Kampfes das Letzte herauszuholen, was herauszuholen ist. *Seid die Avantgarde der in Bewegung tretenden Arbeitermassen; seid ihr Herz und Hirn!* — ruft der Dritte Weltkongreß der Kommunistischen Internationale den kommunistischen Parteien zu. Und Avantgarde zu sein, das bedeutet: *an der Spitze der Massen zu marschieren, als ihr tapferster, klarster und umsichtigster Teil!* Nur wenn die kommunistischen Parteien eine solche Avantgarde bilden, werden sie imstande sein, die einheitliche Front des Proletariats nicht nur aufzurichten, sondern sie führend, den Feind zu besiegen.

### Setzt der Strategie des Kapitals die Strategie des Proletariats entgegen, bereitet Eure Kämpfe vor!

Der Feind ist stark, weil er Jahrhunderte der Machtausübung hinter sich hat, die in ihm das Machtbewußtsein und den Willen zur Behaltung der Macht erzeugt hat. Der Feind ist stark, weil er Jahrhunderte lang gelernt hat, wie man die Proletariermassen spaltet, niederhält und besiegt. Der Feind weiß es, wie man siegreich den Bürgerkrieg zu führen hat, und darum ruft der Dritte Weltkongreß der Kommunistischen Internationale den kommunistischen Parteien aller Länder die *Gefahr ins Bewußtsein, die in der ausgebildeten Strategie der herrschenden und besitzenden Klasse und in der mangelnden, sich erst bildenden Strategie der um die Macht ringenden Arbeiterklasse liegt*.

Die Märzereignisse in Deutschland haben die große Gefahr gezeigt, daß die Vorderreihen der Arbeiterklasse, die kommunistische Vorhut des Proletariats vom Feinde zum Kampfe gezwungen werden können, bevor der Aufmarsch der großen Massen der Proletarier stattgefunden hat. Die Kommunistische Internationale hat es freudig begrüßt, daß Hunderttausende von Arbeitern des gesamten Deutschland den bedrohten mitteldeutschen Arbeitern zu Hilfe geeilt sind. In diesem Geiste der Solidarität, in der Erhebung der Proletarier des ganzen Landes, ja der ganzen Welt zum Schutze eines bedrohten Teiles des Proletariats, sieht die Kommunistische Internationale den Weg zum Sieg. Sie hat es begrüßt, daß die Vereinigte Kommunistische Partei Deutschlands sich an die Spitze der Arbeitermassen stellte, die zur Verteidigung ihrer bedrohten Brüder eilten. Aber gleichzeitig hält es die Kommunistische Internationale für ihre Pflicht, klar und offen den Arbeitern aller Länder zu sagen: *Wenn auch die Vorhut nicht imstande ist, Kämpfen aus dem Wege zu gehen, wenn auch diese Kämpfe imstande sind, die Mobilisierung der ganzen Arbeiterklasse zu beschleunigen, so darf die Vorhut nicht vergessen, daß sie allein, daß sie isoliert sich in keine entscheidenden Kämpfe einlassen darf; daß, isoliert zum Kampf genötigt, die Vorhut der proletarischen Armee der bewaffneten Auseinandersetzung mit dem Feinde ausweichen muß, denn die Quelle des Sieges des Proletariats über die bewaffneten weißen Garden bildet seine Masse.* Marschiert es als überwiegende Masse nicht auf, dann darf die Vorhut dem bewaffneten Feinde sich nicht als unbewaffnete Minderheit entgegenstellen. Und die Märzkämpfe haben noch eine Lehre gezeitigt, auf die die Kommunistische Internationale die Proletarier aller Länder aufmerksam macht. Es gilt die breitesten Arbeitermassen durch eine ununterbrochene, tagtägliche, sich verschärfende und ausbreitende revolutionäre Agitation für die kommenden Kämpfe vorzubereiten, und es gilt in die Kämpfe einzutreten unter den Losungen, die den breitesten Massen des Proletariats klar und verständlich sind. Der Strategie des Feindes muß eine überlegene, kluge Strategie des Proletariats entgegengestellt werden. Es genügt nicht der Kampfeswille der Vorderreihen, deren Mut und Entschlossenheit. Der Kampf muß so vorbereitet, so organisiert werden, daß er die breitesten Massen mitreißt, daß er den breitesten Massen als der Kampf um ihre lebendigen Interessen erscheint und sie mobilisiert. Je gefährdeter die Lage des Weltkapitals sein wird, desto mehr wird es versuchen, den künftigen Sieg der Kommunistischen Internationale zu vereiteln, indem es ihre Vorderreihen isoliert von der großen Masse schlägt. Diesem Plane, dieser Gefahr ist entgegenzusetzen eine allumfassende, aufrüttelnde Massenagitation der Kommunistischen Parteien, energischste Organisationsarbeit, die ihren Einfluß auf die breiten Massen sichert, kühle Beurteilung der Kampfsituationen ermöglicht, eine überlegene Taktik des Ausweichens vor überlegenen Kräften des Feindes und des Angriffs in der Lage, wo der Feind gespalten und die Masse vereinigt ist.

Der Dritte Weltkongreß der Kommunistischen Internationale weiß es, daß nur *durch Erfahrung in dem Kampfe* die Arbeiterklasse kommunistische Parteien ausbilden wird, die fähig sind, blitzschnell den Feind anzugreifen, wo er sich in Bedrängnis befindet, und ihm auszuweichen, wo er überlegen ist. Darum ist es die Pflicht der Proletarier aller Länder, alle Lehren, die die Arbeiterklasse in einem Lande durch große Opfer sammelt, international verstehen und benutzen zu lernen.

### Wahrt die Kampfdisziplin!

*Nicht auf eine Periode ruhiger Agitation und Organisation* haben *sich die Arbeiterklasse* und *die Kommunistischen Parteien aller Länder vorzubereiten, sondern auf große Kämpfe, die das Kapital dem Proletariat jetzt aufdrängen wird, um es zu schlagen* und ihm alle Lasten seiner Politik aufzubürden. In diesem Kampfe müssen die kommunistischen Parteien die *höchste Kampfdisziplin* ausbilden. Ihre Parteileitungen müssen kühl und besonnen alle Lehren des Kampfes berücksichtigen, vorsichtig das Kampffeld übersehen, den großen Plan mit der größten Besonnenheit vereinigen. Sie müssen in Geistesarbeit der gesamten Partei unter Berücksichtigung der Kritik der Parteigenossen ihre taktische Linie, ihre Kampfpläne schmieden. Aber alle Parteiorganisationen müssen ohne Zaudern die *Linie der Partei ausführen*. Ihrem Zweck muß jedes Wort und jeder Schritt jeder Parteiorganisation untergeordnet sein. Die parlamentarischen Fraktionen, die Presse der Partei, die Parteiorganisationen müssen ohne Schwanken dem Befehl der Parteileitung Folge leisten.

Die Weltschau der kommunistischen Vorderreihen ist beendet. Sie hat gezeigt, daß der Kommunismus eine Weltmacht ist. Sie hat gezeigt, daß die Kommunistische Internationale noch große Armeen des Proletariats zu formen und zu bilden hat. Sie hat gezeigt, daß große Kämpfe siegreich dieser Armeen harren. Sie hat bekundet, daß wir diese Kämpfe siegreich bestehen wollen. Sie hat dem Weltproletariat gezeigt, wie es den Sieg vorzubereiten und zu erringen hat. Es ist jetzt die Sache der kommunistischen Parteien aller Länder, die Entscheidungen des Kongresses, die aus den Erfahrungen des Weltproletariats erwachsen sind, zum allgemeinen Bewußtsein der Kommunisten aller Länder zu machen, damit alle kommunistischen Proletarier und Proletarierinnen als Leiter von Hunderten nichtkommunistischer Proletarier in den kommenden Kämpfen wirken können.

Es lebe die Kommunistische Internationale!

Es lebe die Weltrevolution!

An die Arbeit zur Vorbereitung und Organisierung unseres Sieges!

Die Exekutive der Kommunistischen Internationale:

*Deutschland:* Heckert, Frölich. *Frankreich:* Souvarine. *Tschechoslowakei:* Burian, Kreibisch. *Italien:* Terracini, Gennari. *Rußland:* Sinowjew, Bucharin, Radek, Lenin, Trotzki. *Ukraine:* Schumski. *Polen:* Warski. *Bulgarien:* Popow. *Jugoslavien:* Markovicz. *Norwegen:* Schefflo. *England:* Bell. *Amerika:* Baldwin. *Spanien:* Merino Gracia. *Finland:* Sirola. *Holland:* Jansen. *Belgien:* Van Overstraaten. *Schweden:* Kilbum. *Lettland:* Stutschka. *Schweiz:* Arnold. *Oesterreich:* Koritschoner. *Ungarn:* Bela Kun.

Exekutive der Jugendinternationale: Münzenberg, Lekai.

Moskau, 17. Juli 1921.
