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Title: Engels an seine Schwester Marie, Bremen, 13. November 1838
Description: Kleine Bremer Neuigkeiten, eine Bitte um Volksbücher aus Köln und was die Brüder Graeber aus Berlin und von ihrer Harzreise erzählen.
Author: Friedrich Engels
Date: 1838-11-13
URL: https://marxismo.school/archivo/marx-engels/cartas/originales/1838-11-13%20Engels%20an%20Marie%20Engels
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*Friedrich Engels an seine Schwester Marie in Barmen, Bremen 1838, 13. November. Nach: Marx/Engels, Gesamtausgabe (MEGA¹), Abt. I, Bd. 2, Berlin 1930, S. 574-575. [Traducción al español](https://marxismo.school/archivo/marx-engels/cartas/1838-11-13%20Engels%20a%20Marie%20Engels)*

Bremen, 13. Nov. 1838.  
Liebe Marie!

Deine beiden Briefe haben mich sehr gefreut, und ich will sehen, daß ich Dir noch ziemlich was erzählen kann, soviel Raum und Zeit es zulassen. Es ist nämlich schon 3 Uhr durch und um vier Uhr muß der Brief auf die Post. Ich weiß aber wirklich eigentlich gar Nichts zu erzählen, hier passiert Nichts ungewöhnliches, als daß die Bremer wieder ihre beiden großartigen Kanonen an der Hauptwache aufgestellt haben, daß man hier statt „Fußbank“ Fußtritt sagt, daß hier sehr viele Macintosches getragen werden, daß es diese Nacht unendlich kalt war, und Blumen an die Fenster gefroren sind, daß jetzt die Sonne scheint und dergl. Noch eins fällt mir ein, was Du der Mutter sagen solltest, nämlich, ich schrieb Ende September an Gräbers, wenn sie nach Köln gingen sollten sie mir Volksbücher schicken und sich das Geld von Vater geben lassen; nun haben sie, da sie selbst nicht hinkamen, an ihren Vetter geschrieben; sollte der also welche per mezzo durch Pastor Gräber schicken, so ist es gut, und der Vater tut mir wohl den Gefallen, die Sache für meine Rechnung abzumachen; schickt er keine, so ist es auch gut, und ihr habt keine Plage davon. Ich würde eher davon geschrieben haben, bin aber erst heute von der gehörigen Prozedur in bedeutende Kenntnis gesetzt. Wilhelm Gräber schreibt mir auch — das ist recht was für Dich — daß man in Berlin keine eigentlichen Abtritte habe, sondern bloß Nachtstühle, und zwar müßten diese apart gemietet werden, welche monatlich 5 Silbergroschen kosten; sie, als Pastorensöhne, seien aber auch in dieser Hinsicht steuerfrei. Auch erzählen sie mir viel von ihrer Fußreise durch den Harz und auf den Blocksberg, und wie sie mit einem langen Garde-Unteroffizier von Magdeburg nach Berlin gefahren sind. Wenn Du mich einmal besuchen willst, so will ich Dir die ganze Historie vorlesen; auch die Geschichte von der schönen Dorothee, die im Siebertal im Harz passiert ist, wo ein reicher, reicher Herr sich in ein kleines Mädchen von 7 Jahren verliebt hat, und ihrem Vater einen Ring gegeben hat, daß er wiederkommen wollte und sie heiraten, wenn ihr der Ring paßte, und wie er nach zehn Jahren wiederkommt, da war das Mädchen seit einem Jahre tot, und da ist der Herr vor lieber langer Weile auch gestorben, wovon der Fritz Gräber ein rührendes Lied gemacht hat usw. Aber die Seite ist gleich voll, ich will eben noch einen Brief kopieren, der noch mit soll, und dann nach der Post gehn. Schreibst Du wohl an Ida? Dem Herrn Holler hat die Julchen in Mannheim sehr gut gefallen, aber der Karl ist ganz bös gewesen, daß er sie so oft besucht hat, erzähl’s aber ja nicht weiter. Adieu, liebe Marie, Dein  
Friedrich. —

[Auf der Adreßseite]

Frau Elise Engels  
Adr. Herren Friedr. Engels & Co.  
Barmen.

[Poststempel] Bremen, 13. 11.
