---
Title: Marx an Engels, [London], 3. Februar 1851
Description: Marx bestreitet die Currency-Theorie von Ricardo und Loyd: Auch bei rein metallischer Zirkulation hängt die Menge des umlaufenden Geldes nicht vom Ab- und Zufluss der Edelmetalle ab; Illustration an der Bilanz der Bank of England.
Author: Karl Marx
Date: 1851-02-03
URL: https://marxismo.school/archivo/marx-engels/cartas/originales/1851-02-03%20Marx%20an%20Engels
---


*Brief von Karl Marx an Friedrich Engels in Manchester, [London], 3. Februar 1851. Text nach MEGA¹ III/1, Berlin 1929, Nr. 59, S. 136-140, ohne den Apparat der Herausgeber. [Traducción al español](https://marxismo.school/archivo/marx-engels/cartas/1851-02-03%20Marx%20a%20Engels).*

3. Februar 1851.

Lieber Engels,

Studierst Du Physiologie an der Mary oder anderswo? Im ersten Fall begreife ich, daß dies n’est pas de l’*hébreux*, sogar nicht einmal *russisch*.

Einstweilen hat mir meine neue Renttheorie nur das brave Bewußtsein eingebracht, wonach jeder Biedermann notwendig strebt. Indes bin ich jedenfalls zufrieden, daß Du damit zufrieden bist. Das umgekehrte Verhältnis der Fruchtbarkeit der Erde zu der menschlichen Fruchtbarkeit mußte einen lendenstarken Familienvater wie mich tief affizieren, um so mehr, da mon mariage est plus productif que mon industrie.

Jetzt lege ich Dir nur eine Illustration zur Currencytheorie vor, deren Studium bei mir von Hegelianern als Studium des „Andersseins“, des „Fremden“, kurz des „Heiligen“ charakterisiert werden dürfte.

Die Theorie des Herrn Loyd und tutti frutti von Ricardo an besteht in folgendem:

Gesetzt, wir hätten eine rein metallische currency. Wäre sie zu voll hier, so würden die Preise steigen, also der Export von Waren abnehmen. Ihr Import vom Ausland hierhin würde zunehmen. Die imports über die exports würden so steigen. Also ungünstige Handelsbilanz. Ungünstiger Wechselkurs. Klingende Münze würde ausgeführt werden, die currency würde sich zusammenziehn, die Preise der Waren würden fallen, die imports abnehmen, die exports zunehmen, Geld wieder herfließen, kurz, die situation in das alte Gleichgewicht kommen.

Beim umgekehrten Fall ebenso, mutatis mutandis.

Moral davon: Da das Papiergeld die Bewegung der metallic currency nachahmen muß, da hier eine künstliche Regulation an die Stelle dessen treten muß, was im andren Fall natürliches Gesetz ist, muß die Bank of England ihre Papierausgaben vermehren, wenn das bullion einströmt (z. B. durch Ankauf von government securities, Exchequer bills etc.), und vermindern, wenn das bullion abnimmt, durch Vermindrung ihrer Diskontos oder Verkauf von Regierungspapieren. Ich behaupte nun, daß die Bank umgekehrt handeln muß, ihre Diskonts *vermehren*, wenn das bullion *abnimmt*, und sie ihren gewöhnlichen Gang gehn lassen, wenn es zunimmt. Unter Strafe, die Handelskrise, die im Anzug ist, unnötig zu intensieren. Indes darüber une autre fois.

Was ich hier auseinandersetzen will, geht auf die Elementargrundlagen der Sache. Ich behaupte nämlich: *Auch unter einer rein metallischen currency hat das Quantum derselben, ihre Extension und Kontraktion nichts zu tun mit dem Aus- und Einfluß der edlen Metalle, mit der günstigen oder ungünstigen Handelsbilanz, mit dem günstigen oder ungünstigen Wechselkurs*, außer in äußersten Fällen, die praktisch nie eintreten, aber theoretisch bestimmbar sind. Tooke stellt dieselbe Behauptung auf; ich habe aber keinen Beweis gefunden in seiner histoire of prices für 1843—1847.

Du siehst, die Sache ist wichtig. Erstens wird die ganze Zirkulationstheorie in ihrer Grundlage geleugnet. Zweitens wird gezeigt, wie der Verlauf der Krisen, so sehr das *Kreditsystem* eine Bedingung derselben ist, mit der *currency* nur insofern zu schaffen hat, als verrückte Einmischungen der Staatsgewalt in ihre Reglung die vorhandne Krise erschweren können wie 1847.

Bei der folgenden Illustration zu bemerken, daß hier angenommen: Der *Einfluß* von bullion hängt zusammen mit flottem Geschäft, noch nicht hohen, sondern steigenden Preisen, Überfluß von Kapital, Überschuß der exports über die imports. Der Ausfluß von Gold vice versa, mutatis mutandis. Nun, diese Voraussetzung haben die Leute, gegen die die Polemik gerichtet ist. Sie können nichts dagegen sagen. In der Wirklichkeit können 1001 Fälle eintreten, wo Gold ausfließt, obgleich in dem Land, das es ausführt, die Preise der übrigen Waren weit niedriger stehn als in denen, wohin es Gold führt. Z. B. dies der Fall für England 1809 bis 1811 und 1812 etc. etc. Indes die *allgemeine Voraussetzung* erstens in abstracto richtig, zweitens von den currency-Kerls angenommen. Also hier einstweilen nicht zu debattieren.

Vorausgesetzt also, es herrsche *rein metallische currency in England*. Damit aber nicht vorausgesetzt, daß das *Kreditsystem* aufgehört hat. Die Bank of England würde sich vielmehr in eine *Deposit- und Leihbank* zugleich verwandeln. Nur würden ihre Ausleihen bloß in barem Geld bestehn. Wollte man diese Voraussetzung nicht, so würde, was hier als *deposit der Bank of England* erscheint, als *hoards der Privaten* erscheinen, und was als Ausleihe derselben, als Ausleihe der Privaten. *Was hier also von den deposits der Bank of England* gesagt wird, nur *Eine Abkürzung, um den Prozeß nicht zersplittert*, sondern auf Einen focus zusammengefaßt darzustellen.

Fall I. *Influx von bullion*. Hier die Sache sehr einfach. Viel unbeschäftigtes Kapital, also Zunehmen der Deposita. Um sie zu verwenden, würde die Bank ihren *Zinsfuß* herabsetzen. Also Ausdehnung des Geschäfts im Lande. Die *Zirkulation* würde *nur* steigen, wenn das Geschäft so stiege, um vermehrte currency zu seiner Führung nötig zu machen. Sonst würde die überflüssig ausgegebne currency wieder in die Bank zurückströmen durch den Verfall der Wechsel usw. als deposit etc. Die *currency* wirkt hier also nicht als *Ursache*. Ihre Vermehrung schließlich *Folge* des größeren in Aktion gesetzten Kapitals, nicht umgekehrt. (In dem angegebnen Fall würde also die *nächste Folge Wachsen der deposits*, d. h. des unbeschäftigten Kapitals sein, nicht der Zirkulation.)

Fall II. Hier fängt eigentlich die Sache an. *Export von bullion* wird vorausgesetzt. Anfang einer Periode der pressure. Wechselkurs ungünstig. Dabei mache schlechte Ernte etc. (oder auch Verteurung der Rohmaterialien der Industrie) beständig größere Wareneinfuhr nötig. Gesetzt, die Rechnung der Bank of England stehe beim Beginn einer solchen Periode wie folgt:

|     |     |     |     |
|---|---|---|---|
| a) Capital | 14 500 000 £ | Government securities | 10 000 000 £ |
| Rest | 3 500 000 £ | Bills of Exchange | 12 000 000 £ |
| Deposits | 12 000 000 £ | Bullion or coin | 8 000 000 £ |
|  | 30 000 000 £ |  | 30 000 000 £ |

Die Bank schuldet, da unter der *Voraussetzung* keine *Noten* existieren, nur 12 Millionen *deposits*. Nach ihrem Prinzip (das deposits- und Zirkulationsbanken gemein, nur den dritten Teil ihrer liabilities in cash haben zu müssen) ist ihr bullion von 8 Millionen um die Hälfte zu groß. Um mehr Gewinn zu machen, setzt sie den *Zinsfuß herab* und steigert ihre discounts z. B. um 4 Millionen, die für Korn etc. ausgeführt werden. Die Rechnung der Bank steht dann so:

|     |     |     |     |
|---|---|---|---|
| b) Capital | 14 500 000 £ | Government securities | 10 000 000 £ |
| Rest | 3 500 000 £ | Bills of Exchange | 16 000 000 £ |
| Deposits | 12 000 000 £ | Bullion or coin | 4 000 000 £ |
|  | 30 000 000 £ |  | 30 000 000 £ |

Aus dieser figure folgt:

Die Kaufleute agieren *zuerst* auf die *bullion reserve der Bank*, sobald sie *Gold* ausführen müssen. Dies exportierte Gold *vermindert* ihre reserve (die der Bank), ohne im mindesten auf die *currency* zu wirken. Ob die 4 Millionen in ihren Kellern oder in einem Schiff nach Hamburg liegen, ist *dasselbe* für die currency. Es zeigt sich endlich, daß ein bedeutender *drain von bullion*, hier von 4 Millionen £ Sterling, stattfinden kann, der nicht im geringsten weder die currency noch das Geschäft des Landes im allgemeinen affiziert. Nämlich während der ganzen Periode, wo die *bullion reserve*, die *zu groß* gegen die liabilities war, nur auf ihre *due proportion* zu denselben reduziert wird.

c. Nehmen wir aber an, daß die Umstände, die den drain der 4 Millionen nötig gemacht, fortdauern, Kornmangel, Steigen des Preises der Rohbaumwolle etc. Die Bank wird besorgt für ihre Sicherheit. Sie *erhöht den Zinsfuß* und limitiert ihre *discounts*. Daher pressure in der Handelswelt. Wie wirkt diese pressure? Es wird auf die *deposits* der Bank gezogen, ihr bullion sinkt verhältnismäßig. Sinken die deposits auf 9 Millionen, d. h. vermindern sie sich um 3 Millionen, so müßten dann 3 abgehn von der bullion reserve der Bank. Diese würden also fallen (4 Millionen minus 3 Millionen) auf 1 Million gegen deposits von 9 Millionen, Verhältnis, das gefährlich für die Bank würde. Will sie also ihre bullion reserve auf dem dritten Teil der deposits halten, so wird sie ihre discounts um 2 Millionen verringern.

Die Rechnung wird dann so stehn:

|     |     |     |     |
|---|---|---|---|
| Capital | 14 500 000 £ | Government securities | 10 000 000 £ |
| Rest | 3 500 000 £ | Bills under discount | 14 000 000 £ |
| Deposits | 9 000 000 £ | Bullion or coin | 3 000 000 £ |
|  | 27 000 000 £ |  | 27 000 000 £ |

Folgt hieraus: Sobald der drain so groß wird, daß die bullion reserve ihre due proportion gegen die deposits erreicht hat, erhöht die Bank den Zinsfuß und vermindert den discount. Aber dann beginnt die *Wirkung auf die deposits*, und infolge ihrer Verminderung vermindert sich die reserve von bullion, aber in größerem Verhältnis der discount von bills. Die *currency* wird nicht im geringsten affiziert. Ein Teil der entzogenen bullion und deposits *füllt* das Vakuum, das die Kontraktion der Bankakkomodation in der inländischen Zirkulation erzeugt, ein andrer wandert ins Ausland.

d. Gesetzt der Import von Korn etc. daure fort, die deposits sänken auf 4 500 000, so würde die Bank, um die nötige reserve gegen ihre liabilities zu behalten, ihre discounts um 3 Millionen noch reduzieren, und die Rechnung stünde wie folgt:

|     |     |     |     |
|---|---|---|---|
| Capital | 14 500 000 £ | Government securities | 10 000 000 £ |
| Rest | 3 500 000 £ | Bills under discount | 11 000 000 £ |
| Deposits | 4 500 000 £ | Bullion or coin | 1 500 000 £ |
|  | 22 500 000 £ |  | 22 500 000 £ |

Die Bank hätte unter dieser Voraussetzung ihre discounts von 16 auf 11 Millionen, also um 5 Millionen reduziert. Der nötige Bedarf der Zirkulation ersetzt durch die weggenommenen deposits. Aber gleichzeitig Mangel an Kapital, hoher Preis der Rohmaterialien, Abnahme der Nachfrage, also des Geschäfts, also *schließlich* der Zirkulation, der nötigen *currency*. Der überflüssige Teil derselben würde als bullion ins Ausland zur Zahlung des Imports geschickt. Die currency wird *zuletzt* berührt, und sie würde erst über ihre notwendige Quantität hinaus *vermindert*, wenn die bullion reserve vermindert über das notwendigste Verhältnis zu den deposits hinaus.

Zu dem obigen noch zu bemerken:

1. Statt ihre discounts zu vermindern, könnte die Bank ihre public securities verklopfen, was unter der Voraussetzung unprofitlich wäre. Indes Resultat dasselbe. Statt ihre eigne reserve und discounts würde sie die von Privatpersonen, die ihr Geld in die public securities stecken, vermindern.

2. Ich habe hier einen drain auf die Bank von 6 500 000 vorausgesetzt. 1839 fand einer von 9—10 Millionen statt.

3. Der vorausgesetzte Prozeß bei einer rein metallic currency kann wie beim Papier zum Schließen der Kasse fortgehn, wie dies zweimal im Hamburg im achtzehnten Jahrhundert geschehn.

Schreib bald.

Dein K. M.
