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Title: Marx an Engels, [London], 14. Dezember 1853
Description: Marx versöhnt sich mit Engels, schickt ihm den „Ritter“, erwägt eine deutsche Ausgabe seines „Palmerston“ und rät ihm, militärische Artikel an die Londoner Presse zu schicken.
Author: Karl Marx
Date: 1853-12-14
URL: https://marxismo.school/archivo/marx-engels/cartas/originales/1853-12-14%20Marx%20an%20Engels
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*Brief von Karl Marx an Friedrich Engels in Manchester, [London], 14. Dezember 1853. Text nach MEGA¹ III/1, Berlin 1929, Nr. 286, S. 516–518, ohne den Apparat der Herausgeber. [Traducción al español](https://marxismo.school/archivo/marx-engels/cartas/1853-12-14%20Marx%20a%20Engels).*

14. Dezember 1853.

Lieber Frederic,

Du weißt, daß jeder momentan seine Nucken hat und nihil humani etc. Von „Konspirieren“ und solchem Unsinn war natürlich nie die Rede. Some jealousy bist Du gewohnt, und au fond ärgert mich nur, daß wir jetzt nicht zusammen sein und zusammen arbeiten und lachen können, während die „Schützlinge“ Dich bequem in der Nähe haben.

Einliegend die eine Kopie des „Ritters“. Die andre ist heute oder gestern in Washington eingetroffen. Ich habe die Sache dem Cluß zugeschickt, damit keine Kollision zwischen den zwei Erklärungen stattfinde und damit er streicht, was schon einmal da war. In der fortgeschickten Kopie sind noch einige kleine stilistische Änderungen gemacht. Die letzte Seite fehlt in der Dir zugeschickten; ist verbummelt worden, enthält nur ein paar Schlußphrasen heitren Inhalts.

Obgleich man nichts von ihm hört, muß Willich jetzt wieder in London sein. Hast Du in der „Reform“ das schöne Sitzungsprotokoll gelesen, Fr. Anneke, wo keine Stimme sich dafür erklärt, „unter Willichs militärischer Leitung“ als „Revolutionskämpfer“ nach Deutschland zurückkehren zu wollen?

Quant à Palmerston, so könnte ich bloß auf eine „deutsche“ Schrift eingehn, wenn ich sicher wäre, daß ein Buchhändler später die Arbeit nähme. Deutsches Manuskript habe ich nämlich nicht, da ich von vornherein, seit ich selbst die Sch— englisch schreiben muß, den Dreck immer gleich im Original angelsachse. Für die „Tribune“ denke ich zu schließen mit den treaties of 1840 and 1841, wofür ich sehr dicke blue books zur Verfügung hatte, besides dem Hansard und dem Moniteur. Die Umtriebe P[almerstons] in Greece, Afghanistan, Persien und Serbien als minder wichtig beiseite gelassen. Allerdings bliebe nun noch die Revolutionsepoche, wofür wieder die blue books — obgleich bedeutend verstümmelt — bedeutendes Material liefern, auch über unsern „vaterländischen“ Krieg etc. in Schleswig-Holstein.

Was Deinen Bonaparte als Artilleriehauptmann und -schriftsteller betrifft, so fände ich es besser, wenn Du in Deinem Namen solchen Aufsatz zuschickst entweder der 1. Daily News; 2. Examiner; oder 3. der Westminster Review. Das erste wäre vielleicht das beste. Du könntest durch einen solchen Artikel plötzlich — par coup d’état — Dich so in der Londoner Presse stellen, daß Du sie „pressen“ kannst und Dir zugleich die Chance eröffnest, Dein Buch über den ungarischen Feldzug englisch, in London, erscheinen zu lassen, was jedenfalls einträglicher und effektvoller als in poor Leipzig.

Die „Tribune“ renommiert natürlich gehörig mit Deinen Artikeln, als deren Verfasser wohl poor Dana gilt. Da sie gleichzeitig den P[almerston] sich angeeignet, so ist seit acht Wochen Marx-Engels die eigentliche „Redaktion“, der editorial staff der „T[ribune].“

Es ist mir lieb, wenn Du neben den größern Ausführungen, welche sie als Leader sich aneignen und die ja doch nur bei gewissen bedeutendern events oder Abschnitten, wie der Anfang, dann die Schlacht bei Oltenitza etc. möglich sind, — (wenn es Dir Deine Zeit erlaubt) — in den unbedeutendern Zwischenräumen die facta mir immer kurz, z. B. ein bis zwei Seiten anglisierst. Ich habe mit dieser kleinen Schmiere viel mehr Schwierigkeit, auch *sprachlich*, als mit profunden (!) Entwicklungen und besonders mit Material, womit ich durch englische Lektüre seit Jahren in *englischem* Verhältnis. Natürlich brauche ich dies bloß, wenn die „großen“ événements fehlen. Die Hauptsache ist die Ängstlichkeit meines kritischen Bewußtseins in Sachen, worin ich mich nicht à la hauteur fühle. Mein Konkurrent schreibt sehr einfach die facts (oder vielmehr was die Londoner Presse für facts ausgibt) ab.

Was hältst Du von dem *einliegenden* Vorschlag meines Schwagers Juta, monatlich für den Zuid-African (Kapstadt) zu schreiben? So schlecht Juta französisch stilisiert, ein so braver und verständiger Kerl ist er. Hätten wir beide — Du und ich — zur rechten Zeit in London das *englische* Korrespondenzgeschäft angefangen, so säßest Du nicht in Manchester, Comptoirgequält, und ich nicht Schuldengequält. Ich glaube übrigens, daß, wenn Du jetzt militärische Artikel an die Londoner Presse schickst, Du in ein paar Wochen eine fixe Stellung erhalten kannst, die Dir soviel abwirft wie das Manchestergeschäft und mehr freie Zeit läßt. Die demand for military writers ist jetzt größer als die Zufuhr.

Es wäre selbst die Frage, ob die *Times* selbst nicht sehr glücklich wäre, einen military collaborator zu angeln, da sie in diesem Punkt miserabel beschlagen ist. Es gälte einen Versuch. Man steht jetzt natürlich auf dem Punkt, wo man jede englische Zeitung als bloßes Magazin betrachtet, und es ist wurst, in welchem dieser Magazine man seine „Artikel“ ausstellt, supposé, daß sie nicht adulteriert werden.

Dein K. M.
