---
Title: Marx an Engels, London, 13. September 1854
Description: Marx bittet erneut um Geld, schildert die Cholera in Soho und das Pech der Partei: Steffen, Pieper und Jones haben Stellen oder Drucker verloren.
Author: Karl Marx
Date: 1854-09-13
URL: https://marxismo.school/archivo/marx-engels/cartas/originales/1854-09-13%20Marx%20an%20Engels
---


*Brief von Karl Marx an Friedrich Engels in Manchester, London, 13. September 1854. Text nach MEGA¹ III/2, Berlin 1930, Nr. 327, S. 52–53, ohne den Apparat der Herausgeber. [Traducción al español](https://marxismo.school/archivo/marx-engels/cartas/1854-09-13%20Marx%20a%20Engels).*

13. September 1854.
28, Deanstreet, Soho, London.

Lieber Engels,

Ich muß noch einmal bei Dir anpochen, so wirklich scheußlich es mir ist, aber die pressure from without zwingt mich. Meine Wechsel kann ich vor einigen Wochen nicht ziehn, da Freiligrath in consequence of Unannehmlichkeiten, die er bei dem Bischoffsheim deswegen hatte, keine Wechsel unter 25 £ St. mehr zieht. Im ganzen ist dies auch besser, da bei dem beständigen kleinen Ziehn die dette flottante zwar gedeckt, aber die fixe Schuld wächst. Kömmt hinzu, daß ich von dem nächsten Wechsel 8 £ St. für den Freund abzuziehn, da unter den gegenwärtigen circumstances meine Frau so mehr menagiert werden muß. Die extraordinary means, zu denen das Haus während der Krisen seine Zuflucht zu nehmen pflegt, sind again erschöpft und alles so sehr verpfändet wie im spanischen Staatshaushalt.

Was übrigens den „Staatshaushalt“ *en general* betrifft, so habe ich die Gesamtschulden unter £ St. 50 herabgedrückt, also ungefähr 30 £ tiefer, als sie Anfang d. J. standen. Du siehst daraus, daß große finanzielle Kunststücke angewandt worden sind. Wenn eine Negotiation gelingt, die ich mit dem Lassalle angeknüpft, und er mir 30 £ pumpt und Du mir den Rest, so würde ich endlich wieder auf freien Füßen stehn und die ganze Hauseinrichtung ändern, während ich jetzt im Pfandhaus allein 25% zu zahlen habe und überhaupt wegen der Rückstände nie in Ordnung kommen kann. Mit meiner Alten ist, wie sich noch einmal in Trier bewährt, nichts zu machen, bis ich ihr direkt auf dem Hals sitze.

*Dans ce moment* ist die gänzliche Entblößung von Geld so ekliger — abgesehn davon, daß die family wants keinen Moment aufhören —, als Soho das auserlesne Quartier der Cholera, rechts und links der mob krepiert (z. B. in der Broadstreet drei Leute durchschnittlich auf das Haus) und der Scheiße mit „Lebensmitteln“ am besten Widerstand geleistet wird.

So weit dieses. Ich schicke den Brief an Deine Privatadresse, weil sonderbare Verwicklungen grade diese keineswegs erbauliche Epistel auf Eurem Comptoir in falsche Hände spielen könnten.

Was die *asiatischen* Geschichten angeht, so hat hier Aufsehn gemacht die Korrespondenz der Morning Chronicle vom dortigen Kriegstheater, die im Observer und andern Wochenblättern abgedruckt steht.

Ich weiß nicht, ob es bis Manchester gedrungen, daß die Zouaves geschrien: „A bas les singes! Il nous faut Lamoricière!“ L’Espinasse ist als nächstes Opfer dieser Aufgeregtheit nach Frankreich zurückgerufen.

*Die Partei* hat Pech in der letzten Zeit. Steffen hat seine Stelle in Brighton verloren, indem der Schulmeister, in dessen Anstalt er war, Bankrott gemacht. Es ist die Frage, ob er das schon fällige Salär herausschlägt. *Pieper* hat die Korrespondenz der *Union* verloren, da Mr. Pierce ebenfalls Bankrott gemacht und seine Blätter kein Geld mehr für auswärtige Korrespondenten erhalten. *Mac Gowan*, Jones’ Drucker und Kreditgeber, ist an der Cholera gestorben. Schlag für Jones. All this is not very pleasant.

Ich erinnre mich der Scheiße mit Imandt nicht. Weitere Untersuchung drüber würde den Dreck nur vergrößern. Aber von nun an werde ich abbrechen, sobald der Herr mit irgend auf Dronke „Bezügliches“ beginnt. Dr[onke] ne vaut pas la peine d’en parler.

Dein K. M.
