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Title: Engels an Marx, [Manchester, 22. April 1857]
Description: Engels begrüßt Danas Angebot der Mitarbeit an der „New American Cyclopaedia“, stellt die Fragen für die militärischen Artikel und schlägt Marx vor, so viele Artikel wie möglich zu übernehmen.
Author: Friedrich Engels
Date: 1857-04-22
URL: https://marxismo.school/archivo/marx-engels/cartas/originales/1857-04-22%20Engels%20an%20Marx
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*Brief von Friedrich Engels an Karl Marx in London, [Manchester, 22. April 1857]. Text nach MEGA¹ III/2, Berlin 1930, Nr. 424, S. 185–187, ohne den Apparat der Herausgeber. [Traducción al español](https://marxismo.school/archivo/marx-engels/cartas/1857-04-22%20Engels%20a%20Marx).*

Lieber Mohr,

Die Geschichte mit dem Konversationslexikon kommt mir ganz gepfiffen und Dir wahrscheinlich auch. Voilà enfin Aussicht auf Ersatz der Ausfälle und für mich Aussicht auf eine regelmäßige Beschäftigung für meine Abende. La paix allait me démoraliser; seitdem keine Artikel mehr für die Tribune zu schreiben waren, hab ich viel zu viel gebummelt, wozu sich hier Veranlassung genug bot. Dana muß, was die Militaria angeht, sofort folgende Fragen beantworten:

1. Wieviel Bände das Ganze zirka haben wird, und bis wie weit er denkt, im ersten oder ersten und zweiten Band zu kommen.

2. Sollen die militärischen Artikel sich hauptsächlich beschränken auf Erklärung der Kunstausdrücke z. B. artillery, castrametation, column, mit historischen Randglossen und kurzer Inhaltsangabe der einzelnen Branchen der Militärwissenschaft — also z. B. Artillerie: 1. Erklärung, 2. Geschichte und jetziger Stand, 3. Resumé der Branchen der modernen Artilleriewissenschaft (Schießen, Bedienung, Bespannung, Gebrauch im Felde und vor Festungen usw.).

3. Oder sollen sonst noch kriegsgeschichtliche Artikel darin figurieren, z. B. unter dem head Austerlitz, Arbela usw., kurze comptes rendus der Schlachten selbst, und unter Alexander, Caesar, Carnot usw. militärische Biographien nebst Angabe der jedesmaligen epochemachenden Fortschritte.

Dann schreibe *gleich* an Steffen, er soll uns den Titel oder Verfasser eines möglichst kompletten und kurzen Militärwissenschaftslexikons angeben. Dasjenige, welches die meisten aber kürzesten Artikel hat, ist das beste; denn es soll bloß dazu dienen, daß ich gleich weiß, welche Artikel ich zu machen habe, und um das Alphabetische möglichst reichhaltig und handy zu haben. Sowie ich das habe, kann ich an die Bearbeitung der Buchstaben A und B gehn, vielleicht schon früher; denn aus Brockhaus allein kann ich viele Artikel sehn und einzelne auch ohne ihn.

Der Pay wird sich rentieren auch bei $ 2 per große Seite; eine Masse des Zeugs ist bloß Abschreiberei oder Übersetzung, und die größeren Artikel werden nicht sehr viel Arbeit machen. Ich werde mir gleich ein paar englische Konversationslexika ansehn, damit ich sehe, *welche* militärische Artikel sie haben, sodann aber besonders Brockhaus, der doch immer ein besserer Anhaltspunkt bleibt, kompletter ist und auch Dana als Vorbild zu gelten scheint.

Wenn einzelne philologische Abschnitte, z. B. die germanischen Sprachen, mittelhochdeutsche, althochdeutsche usw. Literatur (idem in romanischen Sprachen, besonders provenzalisch), zu erhaschen wären, so könnte das nicht schaden. Die slawischen Sachen wird entweder die Jacobs oder Herr Gurowski übernommen haben, erstere versteht auch mehr von den Sprachen als ich.

Welche Artikel übernimmst Du? Jedenfalls doch deutsche Philosophie — Biographie moderner englischer und französischer Staatsmänner? Einige finanzielle? Chartismus? Kommunismus? Sozialismus? Aristoteles-Epikur — Code Napoléon — und dergleichen. Ohne party tendency whatever allerdings schwerer zu behandelnde Themata als die braven Militaria, wo man selbstverständlich immer von der Partei des Siegers ist.

Nimm, soviel Artikel Du kriegen kannst, und organisiere allmählich ein Bureau. M. Pieper kann auch schanzen, für Biographica ist er ganz gut brauchbar und kriegt gleichzeitig einige gesunde trockne Notizen in seinen genialen Schädel. Vielleicht wäre Lupus auch bereit, im altklassischen Felde zu wirken; je verrai!

Obwohl die Arbeit nicht sehr interessant sein wird (wenigstens zum großen Teil), so macht mir die Geschichte doch unendlichen Spaß, weil dies ein enormer lift für Dich sein wird. Ich war diesmal wirklich höllisch ängstlich, wie die Sache mit der Tribune enden werde, und besonders, als D[ana] Dich auf halben Sold zu setzen versuchte; jetzt aber wird’s schon wieder gehen, und ist die Zahlung auch noch nicht so nahe, so ist dies doch ein sehr sichrer Posten, und man kann ruhig ein paar Buchstaben immer im voraus fertigmachen, das Geld kommt seiner Zeit schon.

Hast Du nichts von Olmsted wegen Putnam gehört? Den Artikel über Bazancourt hätte ich sehr gern, vielleicht kann ich durch Acton damit hier etwas machen. Auch sonst wäre vielleicht mit Putnam etwas weiteres zu machen — Progress in the art of war, improvements in artillery, small arms, ships against stone walls etc.; ich mache alles, aber die Kerle müssen sich verpflichten, *es auch zu drucken*. Dana würde es gewiß besorgen, damit Du weniger auf die Tribune allein angewiesen bist; laß den Editor von P[utnam] übrigens *selbst schreiben*, cela vaut mieux.

Laß Dana auch sagen, ob die Artikel im allgemeinen mehr oder weniger Raum füllen sollen als z. B. im *Brockhaus*, und ob das Ganze auf einen größeren oder geringeren Umfang berechnet ist als B[rockhaus]. Dann weiß man doch, woran man ist. Auch *wann* gezahlt wird — und in wieviel Zeit das Unternehmen komplettiert sein soll. Es ist gut, das alles zu wissen.

An Deiner Stelle würde ich ihm offerieren, das ganze Konversationslexikon allein zu machen, wir brächten das schon fertig. Jedenfalls nimm, was Du kriegen kannst, wenn wir 100 bis 200 Seiten in jedem Band haben, so ist das nicht zu viel; so viel „gediegene“ Wissenschaft liefern wir leicht, solange das gediegene kalifornische Gold dafür einspringt.

Jetzt aber grüß Deine Frau und Kinder herzlich und laß bald was von Dir hören.

Dein F. Engels.

Für die Augentinktur sehr verbunden. Ich laboriere noch immer etwas daran, aber ich glaube, es liegt daran, daß ich in der letzten Zeit mehr Portwein getrunken habe als sonst — drop that!
