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Title: Engels an Marx, Manchester, 4. März 1858
Description: Engels über Abschreibung und Erneuerung der Maschinerie: nicht alle fünf, sondern alle zehn bis dreizehn Jahre.
Author: Friedrich Engels
Date: 1858-03-04
URL: https://marxismo.school/archivo/marx-engels/cartas/originales/1858-03-04%20Engels%20an%20Marx
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*Brief von Friedrich Engels an Karl Marx in London, Manchester, 4. März 1858. Text nach MEGA¹ III/2, Berlin 1930, Nr. 507, S. 295–297, ohne den Apparat der Herausgeber. [Traducción al español](https://marxismo.school/archivo/marx-engels/cartas/1858-03-04%20Engels%20a%20Marx).*

Manchester, 4. März 1858.

Lieber Mohr,

Also richtig wieder von der Aufmerksamkeit des schwarzen Kabinetts beehrt. Ich hatte es wohl erwartet, aber daß Briefe positiv unterschlagen werden, ist doch stark. Ich glaube, Du tust besser, eine andre Hand adressieren zu lassen, dann werden sie wohl nur die Briefe *an* Dich öffnen. Da ich die Anzeige von Dir erwartete, war ich particular, unsren Ausläufer jeden Tag expreß zu fragen, ob keine Briefe für mich da seien — stets verneint. Und dabei schreibt der Esel Felix Pyat in die Welt, qu’il n’y a pas de police politique proprement dite, en Angleterre. Solch ein Saumachwerk, Sprache und alles ist mir selten vorgekommen. Immer noch der alte Glauben an die Konstitution von 1848, man glaubt unsre Reichsverfassungsesel vor sich zu haben. Und welche horrible Sprache! Après tout, die Affen haben jetzt ihren Zweck erreicht und werden sich vielleicht einen wohlfeilen Märtyrerruhm erwerben. Cette bête de Derby, sich sogleich fangen zu lassen und dem Pack seinen Willen zu tun.

Über die Maschineriefrage ist es schwer, etwas Positives zu sagen, jedenfalls ist Babbage sehr wrong. Das sicherste Kriterium ist die percentage, die jeder Fabrikant jährlich auf seine Maschinerie für Verschleiß und Reparatur abschreibt, also in einer bestimmten Zeit seine Maschinen ganz herausverdient hat. Diese percentage ist gewöhnlich 7½%, wonach die Maschinerie in 13⅓ Jahren durch das vom Nutzen jährlich Abgeschriebne gedeckt wird, also ohne Schaden ganz erneuert werden kann. Z. B., ich habe für £ 10 000 Maschinerie.

| | £ |
|---|--:|
| Nach Ablauf eines Jahrs, wo ich Bilanz mache, schreibe ich ab von | 10 000.— |
| 7½% Verschleiß | 750.— |
| | 9 250.— |
| gebe aus für Reparaturen | 100.— |
| kostet mich die Maschinerie | 9 350.— |
| Am Ende des zweiten Jahrs schreibe ich ab 7½% von £ 10 000.—, 7½% von £ 100.— | 757.10 |
| | 8 593.10 |
| zahle für Reparaturen | 306.10 |
| kostet jetzt die gesamte Maschinerie | 8 900.— |

usw. Nun ist 13⅓ Jahr allerdings eine lange Zeit, in der viel Bankrotte und Veränderungen vorkommen, man wirft sich auf andre Branchen und verkauft alte Maschinerie, führt neue Verbesserungen ein; aber wenn diese Rechnung nicht im ganzen richtig wäre, so würde die Praxis sie längst geändert haben. Die alte verkaufte Maschinerie wird auch nicht gleich altes Eisen, sie findet an kleinen Spinnern usw. Abnehmer, die sie noch verwenden. Wir haben Maschinerie laufen, die gewiß zwanzig Jahre alt ist; und wenn man hier manchmal einen Blick in alte rapplige Konzerns tun kann, so sieht man altfränkisches Zeug, das mindestens dreißig Jahr alt ist. Da bei den meisten Maschinen nur wenige Teile so verschleißen, daß sie nach fünf bis sechs Jahren erneuert werden müssen, und selbst nach fünfzehn Jahren, wenn im Hauptprinzip der Maschine keine Verdrängung durch neue Erfindungen stattgefunden hat, das Verschlissene ziemlich leicht erneuert werden kann (ich spreche hier speziell von Spinn- und Vorspinnmaschinen), so ist der Lebensfähigkeit solcher Maschinen schwer eine positive Grenze zu setzen. Nun sind die Verbesserungen der letzten zwanzig Jahre in Spinnmaschinen nicht der Art gewesen, daß sie nicht fast alle dem bestehenden *Rahmen* der Maschinen eingereiht werden könnten, sie bestehn meist in einzelnen Kleinigkeiten. (Beim Kardieren freilich war die Vergrößerung des Kardierzylinders eine Hauptverbesserung, die für *gute* Qualitäten die alte Maschinerie verdrängte; aber für ordinäre Sorten ist die alte Maschinerie noch lange gut genug).

Die Versicherung von Babbage ist so absurd, daß, wenn sie wahr wäre, das industrielle Kapital in England fortwährend abnehmen und Geld rein weggeworfen werden müßte. Ein Fabrikant, der in vier Jahren sein Gesamtkapital fünfmal umschlägt, also in fünf Jahren 6¼ mal, müßte also außer dem Durchschnittsprofit von 10% jährlich noch 20% auf ca. drei Viertel seines Kapitals (die Maschinerie) verdienen, um seinen Abgang an alter Maschinerie schadlos ersetzen zu können — also 25% machen. Dadurch würde ja der Kostpreis aller Artikel enorm erhöht, fast mehr als durch den Arbeitslohn: Und wo wäre dann der Vorteil der Maschinerie? Die jährlich bezahlten wages machen vielleicht ein Drittel des Preises der Maschinerie aus — bei einfachen Spinnereien und Webereien gewiß weniger, und der Verschleiß soll ein Fünftel ausmachen — es ist lächerlich. Es gibt gewiß nicht ein einziges Etablissement in England in der regelmäßigen line der großen Industrie, das in fünf Jahren seine Maschinerie erneuert. Wer so dumm wäre, müßte beim ersten change kaputt gehn; die alte Maschinerie, selbst wenn viel schlechter, erhielte ja den Vorteil über die neue und könnte viel wohlfeiler produzieren, da der Markt sich nicht nach denen richtet, die 15% für Verschleiß auf jedes Pfund Twist schlagen, sondern nach denen, die nur 6% (vier Fünftel ca. des Jahresverschleißes von 7½%) draufschlagen, also wohlfeiler verkaufen.

Zehn bis zwölf Jahre reichen hin, dem bulk der Maschinerie einen andern Charakter zu geben, ihn also mehr oder weniger zu erneuern. Die Periode von 13⅓ Jahren wird natürlich durch Bankrotte, Zusammenbrechen wesentlicher Stücke, die eine Reparatur zu kostspielig machen, usw., und dergleichen Zufälligkeiten so affiziert, daß man sie etwas kürzer nehmen kann. Aber unter zehn Jahre gewiß nicht.

Ich hatte Burmah fertig, als ich aus einer andern Quelle diverse nötige Additions machen mußte. Damit noch nicht fertig, muß der Dreck bis Dienstag bleiben. Er wird beinahe drei Seiten füllen. Für Bomarsund ist noch Detail nachzusehn. Dazu muß ich die Momente abpassen, die Bibliothekstunden fallen mit den Geschäftsstunden so zusammen, daß ich nicht immer hin kann. Sobald ich über diese Lausereien nebst Bülow und Beresford, die an denselben Haken laborieren, weg bin, hab ich wieder a fair galloping country vor mir und kann mit Cavalry etc. rasch ins Geschirr gehn.

Viele Grüße an Frau und Kinder.

Dein F. E.
