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Title: Marx an Engels, [London], 11. Dezember 1858
Description: Marx spottet über den Kult um den Tod Johanna Kinkels und Freiligraths Gedicht darauf und beschreibt die düstere Lage im Haus.
Author: Karl Marx
Date: 1858-12-11
URL: https://marxismo.school/archivo/marx-engels/cartas/originales/1858-12-11%20Marx%20an%20Engels
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*Brief von Karl Marx an Friedrich Engels in Manchester, [London], 11. Dezember 1858. Text nach MEGA¹ III/2, Berlin 1930, Nr. 548, S. 350-351, ohne den Apparat der Herausgeber. [Traducción al español](https://marxismo.school/archivo/marx-engels/cartas/1858-12-11%20Marx%20a%20Engels).*

11. Dezember 1858.

Lieber Engels,

Kannst Du bis Dienstag liefern etwa Bericht über Brights meeting, und zwar so, daß man sieht, that the writer was at Manchester?

Einliegend Kinkeliana. Freiligrath scheint zu glauben, daß, weil Gattin Kinkel den Hals gebrochen hat, Gatte Kinkel ein großer Mann geworden ist, oder wenigstens ein edler. Kinkel hatte das Begräbnis so melodramatisch organisiert — mit der „zitternden Hand“ und dem „Lorbeerkranz“ etc. — daß Freiligrath, der keinen Ton des Schmerzes in seiner Leier finden konnte bei den „tragischen“ Ereignissen, sei es in der eignen Partei (wie Daniels’ Tod), sei es in der Welt generally (Cayenne, Orsini and so forth), plötzlich den elenden Humbug ansingt. Aus dem Ausschnitt aus dem „Daily Telegraph“ siehst Du, wie die Koterie ganz ebenso den Tod der nasty „bitterbösen Sieben“ ausbeutet (denn das war die Affektierte, Kunstdurchtriebne, wesentlich nach Person; ihre Gemeinheit zeigte sich z. B. glaringly in dem Undank gegen Strodtmann, gegen Frau von Brüning, nachdem sie ihr soviel Geld als möglich abgepreßt etc.), ganz wie das Mensch selbst „Kinkel’s hat, shot through and through“, ausbeutete und von London nach Deutschland schreibt: „Have you an idea what it is to be looked upon as a sort of another to all emigrants?“ So schreibt das Mensch zur Zeit, wo sie und Gottfried as a sort of beggar bei allen Juden in der City herumhausierten.

Es ist noch etwas in F[reiligrath]s beschönigendem Brief an mich, das mir mißfällt. Ich soll es als etwas Revolutionäres betrachten, daß er gegen die Amnestiewut, d. h. in fact gegen Rudolf Schramms Idiosynkrasie. Aber unser F[reiligrath] hat sich vor einigen Wochen in England *naturalisiert* und wäre in der Tat ein Narr, wenn er, solang die angenehmen Credits mobiliers lassen, sich nach der Stellung eines schlecht bezahlten Kommis in Deutschland zurücksehnte. Ich erinnre mich sehr lebhaft, daß zu einer Zeit, wo schon von Amnestie gefaselt wurde, aber die General Bank of Switzerland noch keinen Platz in den Royal Exchange Buildings einnahm, Frau F[reiligrath] sehr ernsthaft mich zu bereden suchte, keinen Widerspruch zu erheben gegen Annahme von Amnestie.

Die Leute fühlen alle, that there is something moving again. Und drängen sich natürlich mit Freiheitsfahnen auf die Bühne.

Heb das einliegende Gedicht und Brief auf.

Hier im Haus sieht es more dreary and desolate out than ever. Da meine Frau selbst kein Weihnachtsfest den Kindern bereiten kann, statt dessen von allen Seiten mit Mahnzetteln gehudelt ist und dabei Manuskript schreibt, und dazwischen nach der Stadt in die Pfandhäuser laufen muß, ist die Stimmung außerordentlich düster. Zudem hat meine Frau ganz recht, wenn sie sagt, daß nach alle der Misère, die sie durchmachen mußte, es in der Revolution noch schlechter werden und sie das Vergnügen erleben wird, alle Humbugs von hier drüben wieder Triumphe feiern zu sehn. Weiber sind einmal so. Und das weibische Benehmen der Freiligraths etc. und andrer Bekannten erbittert sie mit Recht. Sie sagt à la guerre comme à la guerre. Aber there is no guerre. Alles bürgerlich.

Salut.

Dein K. M.
