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Title: Marx an Engels, [London], 7. Juni [1859]
Description: Marx dankt für Engels' Urteil über das erste Heft „Zur Kritik“, berichtet über „Das Volk“, Kinkels Übertritt zu Vogt und Freiligraths Doppelspiel und beschuldigt Lassalle der letzten Verzögerung Dunckers.
Author: Karl Marx
Date: 1859-06-07
URL: https://marxismo.school/archivo/marx-engels/cartas/originales/1859-06-07%20Marx%20an%20Engels
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*Brief von Karl Marx an Friedrich Engels in Manchester, [London], 7. Juni [1859]. Text nach MEGA¹ III/2, Berlin 1930, Nr. 593, S. 397–398, ohne den Apparat der Herausgeber. [Traducción al español](https://marxismo.school/archivo/marx-engels/cartas/1859-06-07%20Marx%20a%20Engels).*

June 7.

Dear Frederick,

Du mußt entschuldigen, daß ich Dir erst jetzt schreibe, und auch nur einige Zeilen. Meine Zeit war ganz mit Beschlag belegt durch Arbeiten und Privat- und Parteilaufereien.

D’abord hat es mich sehr gefreut, daß Dir das erste Heft gefällt, da Dein Urteil mir allein wichtig in dieser Sache ist. Ich erwartete, zum großen amusement meiner Frau, with some anxiety your judgement.

*Ad vocem Volk.* Die Wirtschaft allerdings sehr liederlich, da nur ein Setzer, kein Laufbursch usw., außerdem bisher kein einziger „unverdächtiger“ Expedient, und vor allem kein Geld. Nichtsdestoweniger hat es die letzten Nummern ziemlich alle verkauft, und wenn die Mittel beigeschafft werden, um einen einigermaßen zuverlässigen Expedienten anzustellen, hält sich die Sache. Dabei hat das „Blättchen“, obgleich wir nur indirekt ihm turn geben, die ganze Demokratie in Hallo gebracht. Nicht nur hier, sondern in der Schweiz, wo Vogt-Kinkel gegen mich im Handelscourier eines der Sauartikelchen eingerückt haben, wie Du sie kennst. Ich lasse es abdrucken in der nächsten Nummer.

Biskamp werde ich wegen der Manchester Sache sprechen. Er hatte mich gestern umgekehrt aufgefordert, *Dir* zu schreiben, daß *kein* Exemplar von Manchester bestellt ist. Mir scheint, als ob *Hollinger* (der Drucker) schon von Kinkel bestochen. Nous verrons.

Kinkel, nach Audienz mit Kossuth, und Geld von Vogt, ist ins reichsverräterische Lager übergetreten. Bucher und Blind sind ausgetreten mit „Entrüstung“. Kinkels Mitarbeiter sind jetzt folgende: Bamberger, Ed. Bauer, Beta (How do you do) und Born (Bruder unsres Ex-Born). Schöne Bande. Dabei noch eine oder zwei alte Huren.

*Ad vocem Freiligrath.* Unter uns gesagt, ein Scheißkerl. Jetzt, wo er sieht, daß die Dinge revolutionären Turn nehmen (Du hast doch gehört von der Arbeiternot in Berlin) und Kinkel disrespectable wird, schimpft er auf ihn. Aber in dem sechsten und letzten Band seiner in Amerika herausgegebnen Gesammelten Werke (dreiviertel davon Übersetzungen von Schund) — diesen Band hat er eben erhalten und mir zugeschickt — bildet das Gedicht auf Johanna Mockel den Schluß, während er das Gedicht *gegen* Kinkel unterdrückt hat. Dies ist säuisch, und ich habe seine Entschuldigungen darüber mit sehr skeptischer Miene angehört. Der Teufel soll diese Sängerzunft holen.

*Ad vocem Vogt.* Hat sich in der „Volkszeitung“ (Berlin) Preußen zur „Verfügung“ gestellt.

*Ad vocem Duncker.* In einem Brief D[uncker]s, dem ich saugrob über seine Verzögrung geschrieben, gesteht das Vieh rundheraus, daß der letzte dreiwöchentliche Verzug (nachdem *alles* fertig außer dem Druckfehlerverzeichnis) *infolge des Erscheinens* des aus „Schweiß, Feuer und Logik“ zusammengebrauten „Anonymen“. Ich habe *absichtlich* Dich in den Zeitungen als Verfasser des „Po und Rhein“ verraten lassen, weil ich gegründete Verdachtmotive, daß der Verfasser des „Anonymen“ sich unterderhand mit Dir „verwechselt“. Ich finde es etwas toll, daß Herr L[assalle] mich beliebig in Embargo legt. Die Scheiße wird diese Woche in Berlin ausgegeben, ich meine Heft I.

Schließlich komme ich unter allen Umständen, sobald die means ready, auf einige Tage nach Manchester, da wir allerlei abmachen müssen.

Salut.

Dein K. M.

Gruß an lupullum.

Die „Pressen“ (dort hat der „Anonyme“ mir definitiv das Handwerk verdorben) schicke ich Dir morgen.

Ich versichre Dir, es ist kein Spaß mit diesem Lausestaff hier, Biskamp ist wenigstens raschschreibend und schlagfertig. Liebknecht ist an awful nuisance. Durch seine klugscheißerischen Manöver konnte der Klatsch wegen Kinkel und Bauer nur ganz verdünnt ins Blättchen.

Dein Artikel wurde denselben Tag im Volk gedruckt, wo er ankam. In der letzten Nummer ist die Vorrede aus meinem Dreck abgedruckt, d. h. mit einigen von Herrn B[iskamp] beliebten Weglassungen.
