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Title: Marx an Engels, [London,] 1. Juli 1861
Description: Marx erklärt den Ausbruch des amerikanischen Bürgerkriegs aus dem Gewicht der North Western States und dem usurpatorischen Charakter der Sezession und berichtet über Kinkels Ränke im Londoner Nationalverein.
Author: Karl Marx
Date: 1861-07-01
URL: https://marxismo.school/archivo/marx-engels/cartas/originales/1861-07-01%20Marx%20an%20Engels
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*Brief von Karl Marx an Friedrich Engels in Manchester, [London,] 1. Juli 1861. Text nach MEGA¹ III/3, Berlin 1930, Nr. 744, S. 29–31, ohne den Apparat der Herausgeber. [Traducción al español](https://marxismo.school/archivo/marx-engels/cartas/1861-07-01%20Marx%20a%20Engels).*

1. Juli 1861.

Lieber Frederic,

Ich war sehr froh, den lupus hier zu sehn; so die ganze family. Trotz seiner Gicht sah der Alte ganz jugendlich drein. Er überlieferte gleich Deinen Brief und £ 2, die der taxgatherer sofort erhielt. Ich erwartete heute Morgen einigen supply von Deutschland, ist aber noch nichts arriviert. Da ich vorläufig noch ganz ohne revenue und dennoch „in a continual course of consumption“ (daraus erklären einige Ökonomen den „Profit“, den sie nicht aus den Produktionskosten, sondern Konsumtionskosten ableiten), so alle Manchester Zufuhr sehr erfreulich.

Schreib mir gefälligst *gleich*, was Du von den Bewegungen (militärisch) in Virginien denkst? Die blunders von Milizoffizieren — Brigade-General Pierce, seines Zeugs ein „Schneider“ aus dem Staat Massachusetts — werden sich natürlich auf beiden Seiten oft genug wiederholen. Ist Washington noch bedroht? Glaubst Du, daß die Southernersstellung bei Manassas Junction offensiv? Oder sind die Kerls nicht vielmehr auf der Retirade begriffen? In Missouri scheint die Niederlage der Southerners entschieden, und taucht da jetzt auch auf der schreckliche „colonel Boernstein“. Aus einem Privatbrief an Weber ergibt sich, daß „colonel Willich“ an der Spitze eines corps von Cincinnati. Ins Feld scheint er noch nicht gerückt zu sein.

Bei dem nähern Studium dieser amerikanischen Affäre hat sich mir ergeben, daß der Konflikt zwischen Süd und Nord — nachdem der letztre seit 50 Jahren von einer Konzession zur andern sich degradiert hatte — endlich (abgesehn von den schamlosen neuen Forderungen der „chivalry“) zum Klappen gekommen durch das Gewicht, das die außerordentliche Entwicklung der North Western States in die Wagschale geworfen. Diese Bevölkrung, reich mit deutschen und englischen frischen Bestandteilen gemischt, außerdem wesentlich selfworking farmers, war natürlich nicht so einschüchtrungslustig wie die gentlemen von Wallstreet und die Quäker von Boston. Nach dem letzten Zensus (1860) ist sie gewachsen von 1850—1860 um 67 p. c. und betrug 1860 7 870 869, während die gesamte freie Bevölkerung der sezedierten slavestates nach demselben Zensus about fünf Millionen. Diese North Western States lieferten sowohl den bulk der Regierungspartei wie den Präsidenten 1860. Auch war es grade dieser Teil des Nordens, der zuerst dezidiert gegen jede Anerkennung der Selbständigkeit einer Southern Confederacy. Natürlich können sie des Mississippi untern Teil und Mündungen nicht fremden Staaten anheimgeben. Es war auch dieser North Western [States] Bevölkrung, die in der Kansasaffäre (von der eigentlich der jetzige Krieg zu datieren) handgemein wurde mit den Border Ruffians.

Eine nähere Ansicht der Sezessionsbewegungsgeschichte ergibt, daß Sezession, Verfassung (Montgomery), Kongreß ibid. usw. alles usurpations. Nirgendwo ließen sie das Volk en masse abstimmen. Über diese „Usurpation“ — in der es sich nicht nur um die Sezession vom Norden handelt, sondern um Befestigung und Zuspitzung der Oligarchie der 300 000 slavelords im Süden gegen die 5 Millionen whites — sehr charakteristische Artikel ihrer Zeit erschienen in den südlichen papers.

Und nun zur großen Politik — Kinkel und Nationalverein in London. Du erinnerst Dich noch, daß vorigen Samstag vor 8 Tagen Heintzmann die Sitzung aufgeschoben hatte (und dies im *Hermann* angezeigt), weil Juch nach Koburg geschickt there to move a placitum patrum. Gleichzeitig hatte great Heintzmann eine außerordentliche Sitzung für den Dienstag zur Feier der Schlacht bei Waterloo etc. anberaumt.

Der schlaue Gottfried jedoch, zusammen mit Zerffi, erließen geheime Zirkulare an ihre Leut (sieh den letzten Hermann) zu einer Sitzung am Sonnabend. Gottfried und seine Leut’, die nun das Feld frei hatten, hielten in der Tat hinter dem Rücken der andern ihre Sitzung. Gottfried (als einer der Vicepräsidenten des National-Vereins, präsidierte und Zerffi (als Comitémitglied desselben National-Vereins) sekretarisierte. Es versteht sich, daß in dieser Sitzung dem Gottfried und Zerffi gefällige Beschlüsse mit Bezug auf die Mac Donald Geschichte usw. gefaßt wurden. Am folgenden Dienstag nun ließ Heintzmann das Protokoll vorlesen der letzten Sitzung, in der er präsidiert hatte, und tat, als wisse er gar nicht, daß Gottfried und Konsorten in der Zwischenzeit eine Sitzung abgehalten. Auch trugen die anwesenden Gottfried und Zerffi nicht auf die Verlesung des bezüglichen Protokolls an, nahmen überhaupt mit keinem Wort Bezug auf die von ihnen selbst arrangierte Sitzung. Wohl aber schrieb Gottfried den folgenden Tag an Juch mit dem Ersuchen, das in dem Brief von ihm eingelegte Protokoll über die Gottfriedsitzung im Hermann abzudrucken. Er bezog sich sogar drohend auf ein Abkommen, das er beim Überlassen des Hermann mit Juch getroffen. Letztrer sagte jedoch, „quod non“ (sieh letzten Hermann). Vorgestern nun muß der Skandal in der Sitzung des National-Vereins in Seyds Hotel zur Sprache gekommen sein. Ich habe jedoch noch keinen Bericht darüber erhalten.

Du hast davon eine Art Probe von dem „Machiavellismus Gottofredi Magni“. Du wirst ferner aus dem letzten Hermann, Sitzung des National-Vereins, ersehn, daß Blind — so voll von kleinen Ränken wie ein Hund von Flöhen — den „Dralle“ gekeilt, um sich ein Dankvotum als Schleswig-Holstein-Retter zu erhaschen. Dies jedoch capped by Heintzmann, der Dralles motion gar nicht zur Abstimmung kommen ließ. Derselbe summus Blind ließ durch einen Zwischenträger anfragen bei Weber etc., ob er bei dem zu Ehren der Juniinsurrektion von dem deutschen Kommunistenverein und Franzosenvereinen zusammen gehaltnen Meeting „als Sprecher auftreten“ solle? Erhielt aber zur Antwort: Wenn er Keile erhalten wolle — ja.

Ad vocem Lassalles Werk:

Lupus hat mir sein Exemplar geschenkt zu folgender Verfügung: daß Du es nämlich schickst an meinen Vetter unter der Adresse: „A. Philips, Advokaat. Keizergracht by de Westermarkt. L. L. 267. *Amsterdam*.“. Du mußt natürlich L[assalle]s Zueignung an lupum auskratzen. Mein Vetter interessiert sich für theoretische Jurisprudenz.

Du selbst, um einen Schmack zu bekommen — sowohl von dem, was abgeschmackt als was gut ist in L[assalle]s Buch, lies einstweilen Vorrede von Band I und von Band II Abschnitt XLI, beginnend p. 517.

Salut.

Dein K. M.
