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Title: Marx an Engels, [London,] 25. Februar 1862
Description: Marx erklärt sein langes Schweigen mit der häuslichen Misere, dem geringen Ertrag der Wiener „Presse“, dem erzwungenen Vergleich mit Koller und der Krankheit seiner Tochter Jenny.
Author: Karl Marx
Date: 1862-02-25
URL: https://marxismo.school/archivo/marx-engels/cartas/originales/1862-02-25%20Marx%20an%20Engels
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*Brief von Karl Marx an Friedrich Engels in Manchester, [London,] 25. Februar 1862. Text nach MEGA¹ III/3, Berlin 1930, Nr. 762, S. 54–55, ohne den Apparat der Herausgeber. [Traducción al español](https://marxismo.school/archivo/marx-engels/cartas/1862-02-25%20Marx%20a%20Engels).*

25. Februar 1862.

Lieber Engels,

Mein langes Schweigen stammt nicht „von innen“ her, sondern aus dem Dreck von Verhältnissen, mit denen ich Dich nicht langweilen und quälen wollte.

Du weißt, daß ich Neujahrstag nur einen Teil der Schuld settlen konnte, die damals schon nicht mehr aufschiebbar schien (wie z. B. mein Landlord, dem ich Ende nächsten Monats ein ganzes Jahr schulde). Die Hauptsumme ging weg für Schulden, worauf Wechsel ausgestellt waren.

Die *Wiener Presse*, wie unter den jetzigen deutschen Lauseverhältnissen vorherzusehn, ist nicht die Kuh, die sie sein sollte. Angeblich erhalte ich 1 £ per article. Da die Kerls aber von 4 Artikeln vielleicht nur 1 drucken und oft *keinen*, so kommt verdammt wenig heraus außer Zeitverlust und Ärger, daß ich auf die Spekulation schreiben muß, ob oder ob nicht besagter Artikel das Imprimatur einer gnädigen Redaktion erhält.

In dem Prozeß mit Koller mußte ich nachgeben, aus dem Hauptgrund, weil ich, sobald der solicitor 30 £ Vorschuß brauchte, da die Sache an einen superior court ging, sie natürlich nicht leisten konnte. Ich hatte 5 £ zu zahlen dem solicitor für ihn und den von ihm zugezogenen counsel. Mit Koller ein Verständnis einzugehn, wonach ich ihm 18 £ St., monatlich 2 £ zu zahlen; die ersten 2 .£ zahlte ich ihm den letzten Januar, die folgenden 2 £ habe ich Ende Februar zu zahlen, weiß aber noch nicht wovon.

Während der letzten 2 Monate hat die *Presse* so wenig von mir gedruckt, daß mein Guthaben an sie kaum nennenswert.

Was die Situation noch pleasanter macht, ist, daß Jennychen seit beinahe 2 Monaten unter ärztlicher Kur steht. Das Kind hat zusehends abgenommen. Jenny ist jetzt schon so weit, daß sie den ganzen Druck und die Schmiere unsrer Verhältnisse fühlt, und das, glaube ich, ist ein Hauptgrund ihres physischen Leidens. (Apropos! Allen hat gestern *Wein* für sie verordnet, und es ist mir daher lieb, wenn Du einige Flaschen herüberschickst.) Sie war z. B. hinter unsrem Rücken bei Mrs. Young, um zu sehn — ob sie sich für das Theater engagieren könne.

Take all in all, so ist es in der Tat nicht worth while, solch ein Lauseleben zu führen.

Was die Urquhartblätter betrifft, habe ich sie bis jetzt nicht zusammenbekommen können. Schreib mir, *von welcher Nummer an*, so wird Collet das Nötige tun. Einliegend eine Denunziation des Kerls gegen Bakunin, den ich nicht gesehn habe. Er lebt bei Herzen.

Hast Du nicht nachgeforscht, ob das Lassallesche Opus in der Tat an August Philips abgesandt worden?

Salut.

Dein K. M.
