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Title: Marx an Engels, [London,] 6. März 1862
Description: Marx kommentiert die Zahlen der englischen Ausfuhr 1861, sagt das Ende von John Bulls Weltmarkt durch Rußlands Vordringen in Asien und den Schutzzoll voraus, verspottet das mexikanische Blaubuch und bittet Engels um Angaben über die Arbeitsteilung in seiner Fabrik für sein Buch.
Author: Karl Marx
Date: 1862-03-06
URL: https://marxismo.school/archivo/marx-engels/cartas/originales/1862-03-06%20Marx%20an%20Engels
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*Brief von Karl Marx an Friedrich Engels in Manchester, [London,] 6. März 1862. Text nach MEGA¹ III/3, Berlin 1930, Nr. 766, S. 58–61, ohne den Apparat der Herausgeber. [Traducción al español](https://marxismo.school/archivo/marx-engels/cartas/1862-03-06%20Marx%20a%20Engels).*

6. März 1862.

Lieber Frederick,

Besten Dank für die Post Office Ordre und den Wein. Der Hund von Koller, der ein I. O. U. von mir besitzt, hatte mich gestern schon getreten.

Es liegen hierbei die 3 letzten *Free Press*. Den Collet selbst habe ich noch nicht gesehn. Er wird sicher auch die übrigen No’s besorgen können.

In dem Brief an Dich war Japan für Java gelesen. Die facts selbst habe ich aus verschiednen Nummern der *Tribune*, die offizielle russische Berichte und Berichte von amerikanischen Konsuln brachte — alle unterdrückt in der englischen Presse. Die Nummern selbst habe ich Urquhart zugeschickt und noch nicht zurückerhalten. Ich hatte sie vorher benutzt zu einem article in der *Presse* über den Fortschritt der Russen in Asien. Die Esel haben das jedoch nicht gedruckt. Nun kennst Du mein schlechtes Namensgedächtnis. Ich kann Dir also augenblicklich die Namen nicht nennen. Die erste Insel liegt grade in der Mitte zwischen dem südwestlichen Ende von Japan und dem Festland von Korea. Sie besitzt großen Hafen, nach dem amerikanischen Bericht fähig, ein Sebastopol No. II zu werden. Was die andern direkt zu Japan gehörigen Inseln betrifft, so befindet sich, wenn ich nicht irre, Jeso darunter. Ich werde jedoch sehn, daß ich die Dokumente wieder bekomme.

Der chinesische Handel, verglichen mit seinem status bis 1852, ist allerdings gewachsen, aber durchaus nicht verhältnismäßig wie alle Märkte seit den kalifornisch-australischen Entdeckungen. Außerdem ist auch in den früheren Reports Hongkong als englische Besitzung von China getrennt, so daß die Ausfuhr unter der Rubrik „China“ immer (seit den 40er Jahren) kleiner als die Gesamtausfuhr. Endlich der Zuwachs seit 1859 wieder auf seine damalige Größe reduziert 1861.

Der Board of Trade-Bericht für 1861 zeigt, schon infolge der amerikanischen Krise, große Veränderung in der Rangordnung, den die verschiedenen Märkte einnehmen für den englischen Export. *Indien* an der Spitze für 17 923 767 £ (Ceylon und Singapore eingeschlossen. Indien allein 16412 020).

*Zweiter Markt Deutschland*, sonst der 4te. 1860: 13491523 £. 1861: 12937073 £. (Nicht eingeschlossen, was über Holland geht und in kleinerem Maß über Belgien.) In Anbetracht dieser ökonomischen Wichtigkeit Deutschlands für England, wie könnten wir unter andern Verhältnissen dem groben John Bull diplomatisch gegenübertreten!

*Frankreich* dieses Jahr der 5te Markt. 1860: 5249980 £. 1861: 8896 282 £. Jedoch ist die Schweiz hierin eingeschlossen. Dagegen ist England jetzt der *erste Markt* für Frankreich.

Von der Gesamtausfuhr von £ 125115133 (1861) kommt £ 42260970 auf englische „Possessions“ und „Colonies“. Rechnet man dazu, was England sonst nach Asien, Afrika und Amerika ausführt, so bleiben höchstens 23 bis 24 p.c. für seine Ausfuhr nach den europäischen Staaten. Geht Rußland in dem Sturmschritt der letzten 10 Jahre in Asien vor, bis es alle seine efforts auf Indien konzentriert, so ist es aus mit dem Weltmarkt John Bulls, und dies Ende wird noch beschleunigt durch die Schutzzollpolitik der Vereinigten Staaten, die sie jetzt, schon aus revenge gegen John, sicher nicht so bald aufgeben werden. Außerdem entdeckt John Bull mit Schrecken, daß seine Hauptkolonien in Nordamerika und Australia grade in demselben Maß Protektionisten werden, wie John Bull freetrader wird. Die selbstgefällige, brutale Dummheit, womit John Pams „spirited policy“ in Asien und Amerika bewundert, wird ihm verdammt zu kosten kommen.

Daß die Southerners bis Juli 1862 Frieden geschlossen haben, scheint mir nicht sehr probable. Wenn die Northerners 1. die border states gesichert haben — und um die handelte es sich in der Tat von Anfang an —, 2. den Mississippi bis New Orleans und Texas, wird wohl eine 2te Periode des Kriegs beginnen, worin die Northerners sich nicht sehr militärisch anstrengen, sondern durch Quarantäne der Gulfstates diese schließlich zur freiwilligen re-annexation treiben werden.

Das Benehmen Bulls während dieses Kriegs ist wohl das schamloste, was je vorgekommen.

Das *Mexican Blue Book* übertrifft mit Bezug auf Brutalität englischer Seite alles, was die Geschichte kennt. Menschikoff erscheint als ein gentleman, verglichen mit *Sir C. Lennox Wyke*. Diese Canaille entwickelt nicht nur den unbändigsten zèle in der Ausführung der geheimen Instruktionen Pams, sondern sucht sich durch Lümmelei auch dafür zu rächen, daß der mexikanische Minister des Auswärtigen (jetzt abgegangen), Señor Zamacona, ein ehmaliger Journalist, in dem diplomatischen Depeschenwechsel ihm beständig überlegen ist. Was den Stil des Kerls angeht, so hier ein paar Proben aus seinen Depeschen an Zamacona. „The arbitrary act of stopping all payments for the space af two years in depriving the parties interested of their money *for that space of time, which is a dead loss of so much value* to them.“ „A starving man may justify, in his own eyes, the fact of stealing a loaf on the ground that imperious necessity impelled him there to; but such an argument cannot, in a moral point of view, justify his violation of the law, which remains as positive, *apart from all sentimentality*, as if the crime had not had an excuse. *If he was actually starving*, he should have first asked the baker to assuage his hunger, but *doing so* (starving?) *of his own free will*, without permission, *is* acting exactly as the Mexican government *has* done towards *its creditors on the present occasion*.“ With regard to the *light* in which you view the question, as *expressed* in your above named note, you will excuse me for stating that *it cannot be treated of partially*, without *also* taking into consideration the opinions of those who directly suffer *from the practical operation of such ideas as emanating from yourself*.“ „I had a full right to complain of having first of all *heard* of this extraordinary measure by *seeing* it in printed bills *placarded through* the public streets.“ „I have a duty to perform both to my own God and to that to *which* I am accredited, *which* impels me etc.“ „I suspend all official relations with the Government of this Republic until *that* of Her Majesty shall adopt such measures as *they* shall deem necessary.“ Zamacona schreibt ihm, daß die intrigues der Foreign diplomatists hauptsächlich seit 25 Jahren an den troubles in Mexiko Schuld. Wyke antwortet ihm, daß „the population of Mexico is so degraded as to make them dangerous, not only to themselves, but to everybody coming into contact with them!“

Zamacona schreibt ihm, daß die Vorschläge, die er macht, der Selbständigkeit der Republik ein Ende machen und gegen die Würde jedes unabhängigen Staats seien. Wyke antwortet: „Excuse me for adding that such a proposition as I have made to you does not necessarily become undignified and impracticable simply *because you, an interested person*, (i. e. als auswärtiger Minister Mexikos) are pleased to say so.“ Jedoch satis superque.

Nach einem Brief Schilys an Rheinländer sieht es in Paris sehr bedenklich aus und wird Badinguet ohne Krieg sich kein Jahr mehr halten. Welches Pech für den Kerl, daß er nicht die ihn bewundernden Berliner statt der Pariser zu regieren hat!

Salut

Dein K. M.

P. S. Wie übersetze ich gigs zu Deutsch?

2. Was sind feeders on circular frames?

3. Kannst Du mir z. B. von Eurer Fabrik alle Sorten Arbeiter (ohne Ausnahmen, except the warehouse) schreiben, die darin beschäftigt sind, und in welcher Proportion zu einander? Ich brauche für mein Buch nämlich ein Beispiel, um zu zeigen, daß in den mechanischen Ateliers die *Teilung der Arbeit*, wie sie die Grundlage der Manufaktur bildet und von A. Smith beschrieben ist, nicht existiert. Der Satz selbst schon von Ure ausgeführt. Es handelt sich um ein beliebiges Beispiel.

Ich muß den Kerls in der *Presse* schreiben, daß ein neues arrangement getroffen wird. Es ist mir gleichgültig, daß sie die besten Artikel *nicht* drucken (obgleich ich *immer* so schreibe, daß sie drucken können). Aber pekuniär geht das nicht, daß sie auf 4—5 Artikel 1 drucken und nur 1 zahlen. Dies setzt mich tief unter die penny-a-liner.
