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Title: Engels an Marx, Manchester, 11. September 1867
Description: Engels über den von den Proudhonisten beherrschten Lausanner Kongreß, Vermorels Dummheiten über Deutschland, Schweitzers Wahl und den Plan, das Kapital „vom bürgerlichen Standpunkt“ anzugreifen.
Author: Friedrich Engels
Date: 1867-09-11
URL: https://marxismo.school/archivo/marx-engels/cartas/originales/1867-09-11%20Engels%20an%20Marx
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*Brief von Friedrich Engels an Karl Marx in London, Manchester, 11. September 1867. Text nach MEGA¹ III/3, Berlin 1930, Nr. 1048, S. 421–423, ohne den Apparat der Herausgeber. [Traducción al español](https://marxismo.school/archivo/marx-engels/cartas/1867-09-11%20Engels%20a%20Marx).*

Manchester, 11. September 1867.

Lieber Mohr,

Der Kongreß scheint diesmal wirklich von den Franzosen weggeschwemmt worden zu sein, die Anzahl proudhonistischer Beschlüsse ist doch gar zu groß. Es ist gut, daß er das nächstemal nach Belgien kommt, bis dahin wird sich in Norddeutschland vielleicht auch noch was machen lassen und dann mit Hülfe der Engländer der Flut ein Damm vorgesetzt. Indes ist es im Ganzen ja doch bloß für die Katze, was da beschlossen wird, solange der Central Council in London bleibt. Notre cher Philipp Becker scheint auch wieder einige seiner instinktiven Böcke geschossen zu haben, die man dem alten Agitator zugut halten muß, wenn er nicht unter Leitung ist.

Daß Eccarius die Berichte in der Times geschrieben, muß ja geheim gehalten werden. Wie sie ihm die Geschichte zurecht redigiert haben, könnte es ihm enorm schaden. Das nächste Mal, wo er für das Blatt rapportiert, wird er mehr unterscheiden müssen, inwiefern sein Humor von den redigierenden Bourgeois wird ausgebeutet werden können, um auf die ganze Sache und nicht nur auf die paar Crapauds ridicule zu werfen.

Da Du doch mit dem Vermorel in Verbindung, kannst Du nicht die Dummheiten des Kerls wegen Deutschland mäßigen? Es ist doch arg, wenn der Esel verlangt, *Bonaparte* solle *liberal*, bürgerlich liberal werden und dann einen Krieg anfangen, um Deutschland von der Tyrannei Bismarcks zu befreien! Diese Crapauds, die, selbst *wenn* sie eine Revolution machen, Deutschland werden sehr zart anfassen müssen, glauben, als wenn mit einer gelinden liberalen Wendung sie wieder die alte Rolle spielen könnten. Ich halte es für sehr wichtig, grade für den Fall einer Revolution, daß man die Herren daran gewöhnt, mit uns d’égal à égal zu verhandeln. Der Bismarckismus in Deutschland, nach ihnen, ist eine Natureigenschaft Deutschlands, die durch ihre Intervention kaputt gemacht werden muß, aber der Bonapartismus bei ihnen ist ein pures Akzidenz, das sogar durch einen Ministerwechsel abgeschafft und in sein Gegenteil verwandelt werden kann.

Der große Schweitzer ist mit Hülfe der Elberfelder und Barmer Pietisten glücklich gewählt und wird jetzt Gelegenheit haben, verschiedene Punkte aus Deinem Buch verballhornt im „Reichstag“ zu proklamieren. Daß er das tut, darauf kannst Du Gift nehmen. Dies wird aber nur nützlich sein und uns Anlaß zu mancher Heiterkeit geben; sowie das Buch einmal heraus ist, kann dergleichen nur noch nützen.

Bei Barmen fällt mir Siebel ein. Der arme Teufel ist wieder scheußlich krank geworden und muß von Barmen wieder fort, wohin, weiß ich nicht, es ist möglich, daß er den Winter nicht überlebt. Er muß so schlimm sein, daß ich nicht auf ihn rechne, um für Dein Buch in den Zeitungen irgend Lärm zu schlagen. Er hat sehr desponding hieher geschrieben.

Die Trades outrage Commission konstatiert hier lauter alte Schnurren, die schon vor 7 Jahren konstatiert waren. Wenn sie nichts Besseres herauskriegen, können sie einpacken. Man denke sich, brickmaking and bricklaying als Hauptindustriezweige von Manchester behandelt zu sehn!

Die Fehler, die sich bei dem hiesigen Probieren des Chassepotgewehrs herausgestellt haben, sind ganz dieselben, die man schon in Berlin konstatiert hatte und die mir Bölzig in Hannover schon erzählte. Damals glaubte ich, man habe den Preußen *absichtlich* schlechte Exemplare in die Hände gespielt, jetzt sieht es doch eher aus, als sei was dran, und dann ist das Gewehr nicht halb so gut wie das Zündnadelgewehr der Preußen.

Meißners Leute in Leipzig scheinen sehr lange zu machen, bis das Buch herum kommt. Noch immer keine Annoncen irgendwo. Was meinst Du, soll ich, um die Sache in Zug zu bringen, das Ding vom bürgerlichen Standpunkt angreifen? Meißner oder Siebel brächten das schon in ein Blatt. Was das Verbieten angeht, so glaube ich selbst nicht dran, man kann aber nie für den Diensteifer irgend eines Prokurators einstehn, und ist der Prozeß einmal im Gang, so könntest Du auf Deinen Freund Lippe rechnen.

Beste Grüße an Deine Frau und die Mädchen, die jetzt wohl zurück sind.

Die Dipl[omatic] Reviews dankend erhalten.

Dein F. E.
