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Title: Marx an Engels, [London,] 7. Dezember 1867
Description: Marx entwirft für Engels den Plan einer Besprechung des Kapitals für Mayers schwäbischen „Beobachter“: positive Entwicklungen und „tendenziöse“ Schlußfolgerungen trennen, Darwin, Fortschritt, Kritik an Lassalle; dazu die Plagiate der Lassalleaner.
Author: Karl Marx
Date: 1867-12-07
URL: https://marxismo.school/archivo/marx-engels/cartas/originales/1867-12-07%20Marx%20an%20Engels
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*Brief von Karl Marx an Friedrich Engels in Manchester, [London,] 7. Dezember 1867. Text nach MEGA¹ III/3, Berlin 1930, Nr. 1082, S. 459–461, ohne den Apparat der Herausgeber. [Traducción al español](https://marxismo.school/archivo/marx-engels/cartas/1867-12-07%20Marx%20a%20Engels).*

7. Dezember 1867.

Dear Fred,

Gestern war ich vor bei der Loan Society, um bodily untersucht zu werden. Dies ist keine bloße Formalität, denn stürbe ich *vor* September, so bekäme die Gesellschaft *keinen farthing* zurück. Ich fürchtete, mich ausziehn zu müssen (ein Schicksal, das ein Engländer hatte, der mit mir da war). Erstens liebe ich diese Inocularspekulation nicht und zweitens habe ich grade jetzt, außer zahlreichen Furunkeln, immer noch auf der linken Lende, nicht weit vom Propagationszentrum, einen Karbunkel. Glücklicher Weise imponierte mein Brustkasten dem Kerl so, daß er nichts weiter wissen wollte. Montag 12 Uhr erhalte ich das Geld.

Den Brief von *Siebel* hast Du *vergessen* einzulegen. *Kugelmann* nebst Beilage erhältst Du zurück. Außerdem einen von ihm an mich gesandten Brief nebst Beilagen. Die Schmiere von Bürgers lege zu den *Dokumenten*. Dieser Esel ist mit Recht von den Arbeitern zu Düsseldorf erinnert worden, daß er 1. zu Lassalles Zeiten erklärte, „den Verhältnissen Rechnung tragen zu wollen“, 2. die „*Illusionen über den Klassenkampf* verloren“ und 3. in Schulze-Del[itzsch] die Lösung aller vergangnen und zukünftigen sozialen Rätsel gefunden zu haben.

Was das schwäbische Blättchen betrifft, so wäre es ein amüsanter Coup, Vogts Freund, den Schwabenmayer, zu prellen. Die Sache wäre einfach so zu bewerkstelligen. D’abord damit anzufangen, daß, was man auch von der Tendenz des Buchs denken möge, es dem „*deutschen* Geist“ Ehre mache und deswegen auch von einem Preußen im Exil und nicht in Preußen geschrieben sei. Preußen habe lang aufgehört, das Land zu sein, worin irgend eine wissenschaftliche Initiative, speziell im politischen oder historischen oder sozialen Fach, möglich sei oder vorkomme. Es repräsentiere jetzt den russischen, nicht den deutschen Geist. Was nun das Buch selbst betreffe, so müsse man zweierlei unterscheiden, die positiven Entwicklungen („gediegenen“ lautet das zweite Adjektiv), die der Verfasser gebe, und die tendenziellen Schlußfolgerungen, die er ziehe. Die ersteren, da die tatsächlichen ökonomischen Verhältnisse ganz neu in einer materialistischen (dies Stichwort liebt „Mayer“ von wegen Vogts) Methode behandelt seien, seien direkte Bereicherung der Wissenschaft. *Beispiel*: 1. die Entwicklung des Geldes, 2. wie Kooperation, Teilung der Arbeit, Maschinensystem und die entsprechenden gesellschaftlichen Kombinationen und Verhältnisse sich „naturwüchsig“ entwickeln.

Was nun die *Tendenz* des Verfassers angehe, so müsse man wieder unterscheiden. Wenn er nachweist, daß die jetzige Gesellschaft, ökonomisch betrachtet, mit einer neuen höheren Form schwanger gehe, so zeigt er nur sozial denselben allmählichen Umwälzungsprozeß nach, den Darwin naturgeschichtlich nachgewiesen hat. Die liberale Lehre des „Fortschritts“ (c’est Mayer tout pur) schließt dies ein, und es ist ein Verdienst von ihm, daß er selbst da einen verborgnen Fortschritt zeigt, wo die modernen ökonomischen Verhältnisse von abschreckenden unmittelbaren Folgen begleitet sind. Der Verfasser hat durch diese seine kritische Auffassung zugleich, vielleicht malgré lui!, allem Sozialismus von Fach, d. h. allem Utopismus ein Ende gemacht.

Die *subjektive* Tendenz des Verfassers dagegen — er war vielleicht durch seine Parteistellung und Vergangenheit gebunden und verpflichtet dazu —, d. h. die Manier, wie er sich oder andern das Endresultat der jetzigen Bewegung, des jetzigen gesellschaftlichen Prozesses vorstellt, hat mit seiner wirklichen Entwicklung gar nichts zu schaffen. Erlaubte der Raum, näher einzugehn, so könnte vielleicht gezeigt werden, das seine „objektive“ Entwicklung seine eignen „subjektiven“ Grillen widerlegt.

Wenn Herr Lassalle die Kapitalisten ausschimpfte und dem preußischen Krautjunkertum schmeichelte, so zeigt Herr M[arx] dagegen die *historische* „*Notwendigkeit*“ der kapitalistischen Produktion nach und geißelt den bloß konsumierenden aristokratischen Grundjunker. Wie wenig er die Ideen seines abtrünnigen Schülers Lassalles über Bismarcks Beruf zur Einführung eines ökonomischen Millenniums teilt, hat er nicht nur früher in seinen Protesten gegen den „*königlich preußischen Sozialismus*“ gezeigt, sondern spricht er offen wieder aus p. 762, 763, wo er sagt, daß das in Frankreich und Preußen jetzt herrschende System das régime der russischen Knute über den Kontinent von Europa verhängen werde, wenn man ihm nicht zeitig Einhalt tue.

Dies ist meiner Ansicht nach die Manier, den Schwabenmayer (der ja auch meine Vorrede gedruckt hat) zu prellen, und so klein sein Saublättchen, ist es doch das populäre Orakel aller Föderalisten in Deutschland und wird auch im Ausland gelesen.

Was den Liebknecht angeht, so ist’s in der Tat eine Schande, daß er mit den vielen Winkelblättern, die ihm zu Gebot stehn, nicht spontanément kurze Notizen einschickte, wozu kein ihm von Natur widerstrebendes Studium erheischt war. Da versteht’s Herr Schweitzer et Co. besser, wie Du aus dem beiliegenden Soc[ial]-Dem[okrat] siehst. (Kug[elmann] hat ihn mir geschickt.) Ich habe (dies bloß *unter uns*) dem Guido Weiß von der „Zukunft“ gestern eine Zusammenstellung geschickt, auf der einen Seite die verballhornenden Plagiate des von Hofstetten, auf der andern die Originalstellen aus meinem Buch. Ich habe ihm zugleich geschrieben, daß dies *nicht in meinem Namen*, sondern als von der „*Zukunft*“ ausgehend gedruckt werden muß (oder, wenn das untulich, als von einem Berliner Leser der *Zukunft*). Nimmt Weiß dies (*und ich glaube es*), so ist nicht nur der Berliner Arbeiter auf das Buch aufmerksam gemacht durch Zitation von Stellen, die ihn direkt interessieren, sondern eine höchst nützliche Polemik eröffnet, und der Plan des *Schweitzer*, das Buch zu ignorieren und seinen Inhalt zu exploitieren, im Arsch. Gottvoll von diesen Kerls, wie sie *Lassalles* Plan glauben fortsetzen zu können. Gibt es etwas naiveres als die Art und Weise, wie von Hofstetten und Bürger Geib sich auf der Generalversammlung des Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins in die Vermöblung meines Abschnitts über den „Arbeitstag“ geteilt haben?

Salut.

Dein K. Marx.

My compliments to Mrs. Burns. Schorlemmers Kompendium gefällt mir außerordentlich.
