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Title: Marx an Engels, [London,] 8. Januar 1868
Description: Marx hält Österreich nun für das wichtigste Feld der Besprechungen, findet Dührings Rezension anständig, aber drollig in der Gleichsetzung mit Stein, und spottet über die Hochzeitsreise von Kate Freiligrath.
Author: Karl Marx
Date: 1868-01-08
URL: https://marxismo.school/archivo/marx-engels/cartas/originales/1868-01-08%20Marx%20an%20Engels
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*Brief von Karl Marx an Friedrich Engels in Manchester, [London,] 8. Januar 1868. Text nach MEGA¹ III/4, Berlin 1931, Nr. 1093, S. 4–5, ohne den Apparat der Herausgeber. [Traducción al español](https://marxismo.school/archivo/marx-engels/cartas/1868-01-08%20Marx%20a%20Engels).*

8. Januar 1868.

Dear Fred,

Den Staatsanzeiger und Beobachter habe ich ditto von Kugelmann erhalten. Deinen St[aatsanzeiger] schicke ich Dir heute zurück. Ebenso die mir von K[ugelmann] zugesandte Copy des Briefes des Obersten, der die ganze Sache vermittelt hat. Würtemberg ist nun hinreichend versehn. Nach meiner Ansicht — mit spezieller Rücksicht auf den Verkauf — ist *Östreich* nun am wichtigsten. Notabene, wenn Du die Geduld hast, noch mehr Rezepte zu schreiben. Jennychen, ein Kenner im Fach, behauptet, daß Du großes dramatisches Talent entwickeltest, resp. komisches, in dieser Aktion von „verschiednen“ Standpunkten und mit verschiednen Charaktermasken.

Dem Wilhelmchen werde ich dieser Tage — ich bin immer noch etwas matt und wenig zum Schreiben passend —, sobald ich mich wieder ganz auf dem Strumpf fühle, einige Rutenstreiche zukommen lassen. Namentlich wegen seiner Identifikation meiner Ansicht mit der spezifisch Wilhelmschen.

Die Sache von Dühring (er ist Privatdozent an der Berliner Universität) ist sehr anständig, so mehr, als ich seinen Meister „Carey“ so hart angelassen habe. Verschiednes hat D[ühring] offenbar mißverstanden. Das drolligste aber, daß er mich mit Stein zusammenstellt, weil ich Dialektik treibe und Stein in hölzernen Trichotomien, mit einigen hegelschen Kategorieumschlägen, das Allertrivialste gedankenlos zusammenreiht.

Hast Du Borkheims „*Perle*“ schon erhalten?

Es scheint, daß professionelle Poesie bloß eine Maske für den allertrockensten Prosaismus ist. Z. B. unsre Freiligrathfamilie. Kate reist (zur Hochzeitsreise) mit dem jungen Kornwuchrer Kröker nach Paris. Da dieser Edle aber zugleich „Geschäfte“ abzumachen, läßt er Besagte 2—3 Tage *allein* in einem der großen Pariser Hotels. Kate und die ganze family finden das in der Ordnung. Ja K[ate] schreibt entzückt, daß man sie in dem Hotel „Mademoiselle“ nennt (nachdem sie daselbst mit Kröker gemeinschaftlich genachtlagert) und daß alle Kellner und sogar der Portier ihr freundlich „zunicken“. Noch mehr. Kröker kehrt von Paris (nachdem er den Geschäftsausflug in die Provinz gemacht) direkt mit K[ate] nach London zurück, und die ganze Familie ist entzückt darüber, daß der „honeymoon“ nun 6 Monate vertagt ist, da das Geschäft „vor alles“ geht. Für einen Poeten ist ja der honeymoon auch nur eine Redeblume und kann vor oder nach der Entbindung ge„feuert“ werden (die Tatsachen sind von den Freiligraths Jungen bei mir im Hause erzählt worden), vorn oder hinten. Das Kate scheint sogar den Clauren gelesen zu haben, denn sie beschreibt sich — von Paris aus — als „Strohwitwe“.

Die Yankees werden dem John Bull was Angenehmes vorpfeifen. Was sagst Du von den letzten Rodomontaden der Russen?

Der Zwerg Alberich war sehr entzückt von Deinem Brief. Er ist eben in die Turnschule, wo er Großes leistet.

Salut.

Dein K. M.
