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Title: Engels an Marx, Manchester, 10. Mai 1868
Description: Engels gibt Marx Näherungszahlen über fixes und zirkulierendes Kapital einer Baumwollspinnerei, freut sich über Schorlemmers Erfolg in der Royal Society und weiß noch nicht, wie er den Artikel für die Fortnightly Review anfangen soll.
Author: Friedrich Engels
Date: 1868-05-10
URL: https://marxismo.school/archivo/marx-engels/cartas/originales/1868-05-10%20Engels%20an%20Marx
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*Brief von Friedrich Engels an Karl Marx in London, Manchester, 10. Mai 1868. Text nach MEGA¹ III/4, Berlin 1931, Nr. 1133, S. 53–55, ohne den Apparat der Herausgeber. [Traducción al español](https://marxismo.school/archivo/marx-engels/cartas/1868-05-10%20Engels%20a%20Marx).*

Manchester, 10. Mai 1868.

Lieber Mohr,

Die Auskunft über die Fabrik hast Du damals von Henry Ermen direkt erhalten — es ist G. Ermens Spinnerei, die mich nichts angeht und worüber es den jungen E[rmen]s besonders verboten ist, mir irgend etwas zu sagen. Wenn Du an H[enry] E[rmen], Bridgewater Mill, Pendlebury (privat) schreibst, so wird er Dir wohl das Gewünschte mitteilen, Du mußt ihm aber sagen, daß er Dir die Data angibt, wie sie *1860* standen, da seitdem viel gebaut ist. Annähernd kann ich Dir angeben, daß ein Fabrikgebäude für 10000 Spindeln inklusive Bodenpreis 4 à 5000 £ kosten wird (hier vielleicht etwas billiger anzunehmen, da es bloß ein einstöckiges shed war und Land dort oben, falls nicht kohlenhaltig, fast Nichts kostet). Rate des Verschleißes auf Gebäude (£ 500—600 als Grundpreis abzuziehen) 7½ % *inklusive Zinsen*. Bei £ 3600 also £ 18 Grundrente (à 3 %) + (7½ % auf 3000 =) 225 = £ 243 Mietpreis des Gebäudes.

*Warehouse* existiert für diese Fabrik nicht, da G. E[rmen] nur durch, resp. an uns oder durch einen Agenten an andre Leute verkauft und dafür 2 % Kommission auf den Umsatz bezahlt. Diesen à £ 13 000 angenommen, also 260 £ als Ersatz für Warehouse-Kosten.

Was die Umschlagsberechnung des zirkulierenden Kapitals angeht, so weiß ich nicht recht, was Du darunter verstehst. Wir berechnen nur den *Gesamtumschlag*, d. h. die Summe der jährlichen Verkäufe. Wenn ich Dich richtig verstehe, so willst Du wissen, wie oft der zirkulierende Kapitalteil im Jahr umgeschlagen wird, oder mit andern Worten, wieviel zirkulierendes Kapital im *Geschäft* ist. Dies ist aber in fast allen Fällen verschieden. Ein prosperierender Spinner hat fast immer (d. h. mit Ausnahme der Zeit, wo er sich ausdehnt resp. unmittelbar nachher) etwas überflüssiges Kapital, das er sonstwie anlegt, zu Zeiten aber benutzt, um sich billig mit Baumwolle zu decken usw. Oder er wendet Kredit an, wenn er kann und es sich lohnt. Man kann annehmen, daß ein Spinner, der £ 10 000 in Maschinen anlegt (vom *Gebäude* abgesehn, das er ja mieten kann und meist auch wird), mit ⅕ à ¼ des fixen Kapitals in zirkulierendem Kapital auskommt, also daß für £ 10000 fixes, in Maschinen gestecktes Kapital £ 2000 à 2500 zirkulierendes Kapital genügen. Dies ist hiesige *Durchschnittsannahme*.

Dabei sehe ich von den Dampfmaschinen ab. Hier hat H. E[rmen] Dir offenbar aus dem Kopf eine ganz absurde Geschichte hingeschrieben. Wochenverschleiß der Dampfmaschine 20 £, also jährlich £ 1040! à 12½ %-Rate Kosten der Dampfmaschine £ 8320, ce qui est absurde. Die ganze Maschine kann nicht über £ 1500 à 2000 gekostet haben, und daß G. E[rmen] seine ganze Maschine in 2 Jahren abschreiben wollte, sieht ihm zwar ähnlich, aber ist doch nicht kaufmännisch. Auch hierüber kannst Du ihn befragen. Aber ich fürchte, Monsieur Gottfried hat diese alten Bilanzbücher längst in eignen Gewahrsam genommen, und dann kann H[enry] E[rmen] Dir auch nicht mehr helfen.

Schorlemmer wird Dich wahrscheinlich am Mittwoch oder Donnerstag besuchen. Die Royal Society hat ihn eingeladen, sein paper über die Siedepunkte der CₙH₂ₙ + 2 selbst am Donnerstag vorzulesen und sich an der Debatte zu beteiligen. Da der Hauptchemiker dort Frankland, den Sch[orlemmer] in allen seinen Sachen angegriffen hat, so ist dies ein großer Triumph, und noch ein paar solcher Einladungen will be the making of him. Es freut mich sehr für den Kerl, der seine hiesige, im Ganzen erbärmliche Position nur deswegen behalten hat, weil sie ihm das Laboratorium und damit die Mittel zu theoretischen Arbeiten zur Verfügung stellt. Er ist wirklich einer der besten Kerle, die ich seit langer Zeit kennen gelernt habe; er hat eine so totale Freiheit von Vorurteilen, daß sie fast naturwüchsig erscheint, aber doch auf viel Denken basiert sein muß. Dabei die merkwürdige Bescheidenheit.

Er hat übrigens wieder eine hübsche Entdeckung gemacht. Auf Seite 264 und 297 seines Buchs findest Du, daß Propylalkohol und *Isopropyl*alkohol zwei isomere Verbindungen sind. Der Propylalkohol ist bisher nicht rein darstellbar gewesen, so daß die Russen bereits die Behauptung aufgestellt haben, er existiere nicht, sondern bloß der *Isopropyl*alkohol. Vorigen Herbst auf der Naturforscherversammlung antwortete ihnen Sch[orlemmer] darauf: bis nächsten Herbst werde er ihn dargestellt haben, und er hat es auch richtig getan.

Diese Woche hab’ ich endlich keine Sitzungen und dgl. Geschichten mehr und werde ins Zeug gehn können mit der Fortnightly. Ich weiß aber noch immer nicht, *wie* anfangen. Daß ich mit der Verwandlung von Geld in Kapital anfange, ist mir klar, aber das *Wie* noch gar nicht. Was hältst Du davon?

Mit besten Grüßen. Dein F. E.
