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Title: Marx an Engels, London, 10. Oktober 1868
Description: Marx legt seinen Plan dar, Schweitzer klaren Wein einzuschenken, daß er zwischen Sekte und Klasse wählen muß, berichtet über Odgers Kandidatur und über einen Bericht des Oberhauses zum irischen tenant right, der die Grundrente als praktischen Kampf zeigt.
Author: Karl Marx
Date: 1868-10-10
URL: https://marxismo.school/archivo/marx-engels/cartas/originales/1868-10-10%20Marx%20an%20Engels
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*Brief von Karl Marx an Friedrich Engels in Manchester, London, 10. Oktober 1868. Text nach MEGA¹ III/4, Berlin 1931, Nr. 1192, S. 109–110, ohne den Apparat der Herausgeber. [Traducción al español](https://marxismo.school/archivo/marx-engels/cartas/1868-10-10%20Marx%20a%20Engels).*

London, 10. Oktober 1868.

Dear Fred,

Thanks for the £ 5. Ich habe dem Leßner 8 £ gegeben. Es ist übrigens ein ziemlich bedeutender Irrtum in seiner Rechnung, den er jedoch schon vor Intervention meiner Frau berichtigt hatte.

Einliegend Brief von Schweitzer, nebst Nummer des Social-Demokraten, den er mir zusandte in dem Brief. Du mußt mir den Brief bis Dienstag zurückschicken, zugleich mit deinem advice. Das Temporisieren geht nun nicht länger. Damit Du genau weißt, wie die Sachen stehn, folgendes:

Dem Liebknecht habe ich einstweilen geschrieben, daß I could take no action; daß Schw[eitzer] bisher keinen offiziellen Anlaß dazu gegeben; daß eine Intervention meinerseits den Lassalleanism nur befestigen könne usw.

As to Schweitzer, so habe ich ihm noch nicht geantwortet auf seinen vorigen Brief, dessen Absendung er jetzt wahrscheinlich verwünscht. Da sein Trades-Unions-Congress so nah bevorstand, hielt ich es für besser, „den Verlauf der Dinge“ abzuwarten und to watch his operations. Jetzt natürlich muß ich das Schweigen brechen.

Was den Brief des S[chweitzer] angeht, so ist es klar, daß er sich nicht ganz wohl in seiner Haut fühlt. Seine Drohung mit „offnem Krieg“ ist albern, obgleich die Phrase „ostensibly“ nur gegen Liebknecht et Co. gerichtet ist. Seine Behauptung, daß Karnickel angefangen, ist keineswegs korrekt. Seine angebliche Identifikation mit der Internationalen Arbeiterassoziation ist in gewissem Widerspruch mit seinen hints im Social-Demokrat nach der Nürnberger Affäre, daß sein Verein sich „nicht“ der Internationalen Arbeiterassoziation angeschlossen. Vor allem aber geht aus dem ganzen Brief hervor, daß S[chweitzer] sich noch nicht von der fixen Idee, „seine eigne Arbeiterbewegung“ zu haben, lossagen kann. Andrerseits ist er unbedingt von allen jetzigen Arbeiterführern in Deutschland der intelligenteste und energischste, während Liebknecht, in point of fact, nur durch S[chweitzer] gezwungen wurde, sich zu erinnern, daß eine von der kleinbürgerlich-demokratischen Bewegung unabhängige Arbeiterbewegung existiert.

Mein Plan ist der, keine Diplomatie anzuwenden, sondern S[chweitzer] reinen Wein über meine Ansicht seines Treibens einzuschenken und ihm klar zu machen, daß er zwischen der „Sekte“ und der „Klasse“ wählen muß. Will er mit der „Nürnberger Majorität“ zu einem *rationellen* Einverständnis kommen, so bin ich als „Sekretär für Deutschland“ bereit, auf mir vernünftig scheinenden terms dazu behülflich zu sein. Will er das nicht, so kann ich nur versprechen, die nötige objektive Unparteiischkeit vis-à-vis seiner Agitation zu behaupten. Was ich aber nicht versprechen kann, ist, sobald ich es für nützlich achte, in meiner Privatqualität nicht öffentlich über den Lassalleschen Aberglauben herzufallen.

Schöne und echt Lassallesche Vorstellung des S[chweitzer], daß „zwei Organisationen nur schaden können“, und daß deshalb, weil er den andern zuvorgekommen ist, sie, wenn auch nicht rechtlich, doch gewissermaßen moralisch verpflichtet sind, in ihn „aufzugehen“.

Herr Odger steht, wie Du weißt, für Chelsea, ich glaube nicht mit Aussicht auf Erfolg. O[dger] hat uns das ganze letzte Jahr die cold shoulder gezeigt, seitdem, auf meinen Vorschlag, „der *Präsident* der Internationalen Arbeiterassoziation“ und damit auch „Präsident“ Odger ein für allemal abgeschafft wurde. Jetzt dankt er für seine Wiederwahl durch den Brüssler Kongreß und wünscht, daß wir seine Wahl durch ein Schreiben an sein electioneering committee unterstützen. Wir gehn nur auf sein Verlangen ein, weil es ein Schritt ist, der der Internationalen nützlich und sie in den Augen der London workmen empfiehlt.

Du sahst, als Du zuletzt hier warst, das Blaubuch über die irischen Landverhältnisse 1844—1845. By accident fand ich in einem kleinen Antiquarshop den Report und Evidence über Irish tenantright 1867. (House of Lords.) Dies war ein wahrer Fund. Während die Herrn Ökonomen es als reinen Dogmenstreit behandeln, ob die Grundrente Zahlung für natürliche Bodendifferenzen oder aber bloßer Zins für das im Boden angelegte Kapital sei, haben wir hier einen praktischen Kampf auf Leben und Tod zwischen farmer und landlord, *wie weit* die Rente *außer* der Zahlung für Bodendifferenz *auch* die Zinsen des nicht vom Landlord, sondern vom Pächter im Boden angelegten Kapitals einschließen *solle*. Nur dadurch, daß man an die Stelle der conflicting dogmas die conflicting facts und die realen Gegensätze stellt, die ihren verborgnen Hintergrund bilden, kann man die politische Ökonomie in eine positive Wissenschaft verwandeln.

Salut.

Dein K. M.
