---
Title: Marx an Engels, [London], 12. November 1869
Description: Marx über seine Furunkel, Freiligraths Heiligenbilder, Liebknechts Haft, die Konfusion der französischen Opposition und die Tagesordnung des Generalrats zur irischen Frage.
Author: Karl Marx
Date: 1869-11-12
URL: https://marxismo.school/archivo/marx-engels/cartas/originales/1869-11-12%20Marx%20an%20Engels
---


*Brief von Karl Marx an Friedrich Engels in Manchester, [London], 12. November 1869. Text nach MEGA¹ III/4, Berlin 1931, Nr. 1318, S. 237–238, ohne den Apparat der Herausgeber. [Traducción al español](https://marxismo.school/archivo/marx-engels/cartas/1869-11-12%20Marx%20a%20Engels).*

12. November 1869.

Dear Fred,

Diese Woche hat sich Einiges Bedenkliche in der Achselhöhle des linken Arms (wie in Manchester) und auf dem Bein gezeigt. Sofort wieder Arsenik. Und außerdem zwingt mich Tussy jetzt jeden Tag, nach 1 oder 2 Uhr mit ihr längeren Spaziergang zu machen. Schließlich heute Flanelljacken unter der Hand *zum erstenmal* eingeführt, da Verkältungen in diesem Zustand nicht angenehm.

Du wunderst Dich über die Kühnheit der Franzosen und sprichst somewhat sneeringly von uns braven Deutschen. Was wir riskieren, wirst Du aus der einliegenden Extravaganza ersehn.

Freiligrath hat sich, seiner Gewohnheit gemäß, in Stuttgart wieder in ein paar Dutzend Formen photographieren, als Statue etc. einrichten lassen. Das gelungenste Heiligenbild dieses Klassen-Kappelmann Heroen ist — verbotenus — eine Skizze, worin er *als Löwe* auf einem *Kamel* reitet. Dies ist wohl ein Wischer für Heines Kamel, das den Löwen besiegt.

Liebknecht spaziert nächste Woche auf 3 Monate ins Gefängnis und hat an Borkheim einen verzweifelten Geldtritt geschickt.

Was mir bei den Franzosen bange macht, ist die verfluchte Konfusion in den Köpfen. Ledru-[Rollin]s Sendschreiben ist ganz das eines Prätendenten. Er scheint wirklich die ihm von Heinzen angetragne Diktatur über Frankreich au sérieux zu nehmen. Andrerseits ist die Zukunft so gütig, Herrn Acollas, den kein Mensch in Paris kennt, eine Stelle in der provisorischen Regierung anzutragen, weil er nämlich die Franzosen aufgefordert hat, statt der antiquierten Menschen- und citoyen-Rechte von 1793 Herrn Dr. J. Jacobys Programm zu akzeptieren. Eine Hand wäscht die andre. Ich finde aber, daß old Jacoby selbst die ihm von sich selbst zudiktierte Stelle nicht ordentlich aufführt. Müßte er nicht, bei Gelegenheit des hannoverschen Vorfalls, die preußische Feldwebelregierung auffordern — da Preußen doch nun einmal ein „Militärstaat“ ist —, auch die nutzlosen und zugleich kostspieligen Dekorationen, wie Kammern, Zivilgerichte und dergl., bei Seite zu legen? Das bloß stumme Einhüllen in die Tiefe der eignen sittlichen Entrüstung lockt keinen Hund vom Ofen.

Die Herrn Russen haben vor einiger Zeit — wie Borkheim in einer Moskauer Zeitung fand — eine Insel bei Korea zum Zeitvertreiben verschossen. Kein Wort davon in den englischen Blättern. Wenn das so fortgeht, werden diese Herrn bald im Besitz von Japan sein.

Sehr schön waren die letzten Meetings in Irland, wo die Pfaffen beim Kragen gepackt und von der Rednerbühne entfernt wurden. Statt des Programms über Irland, wozu kein rechter Anlaß, habe ich (um Resolutionen zu nehmen) für nächsten Dienstag auf die Tagesordnung setzen lassen:

1. Verfahren des englischen Ministeriums in der irischen Amnestiefrage!

2. Die Stellung der englischen Arbeiterklasse zur irischen Frage.

Salut.

Dein K. M.
