---
Title: Engels an Marx, Manchester, 11. Februar 1870
Description: Engels schickt seine Einleitung zum „Bauernkrieg“, spottet über Liebknecht, fragt nach Flerowskis Buch und freut sich, daß Bakunin Genf verlassen hat.
Author: Friedrich Engels
Date: 1870-02-11
URL: https://marxismo.school/archivo/marx-engels/cartas/originales/1870-02-11%20Engels%20an%20Marx
---


*Brief von Friedrich Engels an Karl Marx in London, Manchester, 11. Februar 1870. Text nach MEGA¹ III/4, Berlin 1931, Nr. 1340, S. 276–278, ohne den Apparat der Herausgeber. [Traducción al español](https://marxismo.school/archivo/marx-engels/cartas/1870-02-11%20Engels%20a%20Marx).*

Manchester, 11. Februar 1870.

Lieber Mohr,

Deine Halsdrüsengeschichte, nach dem Achseldrüsengeschwür, gefällt mir nicht besonders. Sie zeigt jedenfalls, daß es mit dem Lymphsystem nicht ganz koscher ist. Wenn die Sache nicht bald vorübergeht, würde ich doch den Allen fragen, der damals bei meinen Drüsengeschichten eine so richtige Prognose stellte. Deine sind allerdings offenbar chronisch, während die meinigen höchst akut waren, aber besser ist besser.

Inliegend schicke ich Dir, was ich dem L[iebknecht] als Einleitung für den Bauernkrieg geschrieben habe. Da es dabei nicht zu umgehen ist, das Jahr 1866 zu berühren, was bisher vermieden wurde, so müssen wir uns darüber einigen, was da zu sagen ist. Sonstige Bemerkungen sind ebenfalls willkommen.

Ferner Wilhelmchens Antwort. Ganz Wilhelm. Er hat gar nicht *gewußt*, daß der „18. Brumaire“ erschienen war. Dagegen soll *ich ihm umgehend* meine Adresse schicken. Weil *er* mir sein Blatt nicht mehr geschickt hat, muß *ich* zu seiner Entschuldigung ausgezogen sein. Und jetzt diese Buße, mir den ganzen Volksstaat vom 1. Oktober an nachträglich an den Kopf zu werfen!

Diese beiden Aktenstücke erbitte ich baldmöglichst zurück, damit ich dem Wilhelmchen das Betreffende zuschicken kann und Ruhe vor ihm bekomme.

Heute habe ich per Globe Parcel Co. sämtliche Clochen, Lanternen, Marseillaisen, Figaros usw., die ich hier hatte, an Dich zurückgeschickt. Das betreffende Heft der Cloche ist dabei. Da Jennychen diese Sachen sammelt, so ist es am besten, daß sie alles zusammen hat. Nur die eine Marseillaise habe ich hier behalten, worin von der Schießbaumwolle steht, ich will den Chlormeier darüber weiter examinieren.

Der Dakyns wollte schon vor Weihnachten zu Dir kommen und schrieb an Moore wegen Deiner Adresse. Dieser aber, dessen Menschenkenntnis und Beurteilung der Umstände nicht immer unanfechtbar, gab ihm eine solche Schilderung von Deiner Unnahbarkeit zu Hause, daß ich gleich sagte, er werde den connu D[akyns] ganz unnötiger Weise abschrecken. Ich wollte Dir daher schon voriges Mal D[akyn]s Adresse geben, vergaß es aber, sagte aber Ml[oore] gleich, er solle doch dem D[akyns] keinen solchen Unsinn in den Kopf setzen.

Der zitierte Satz von Flerowski ist der erste russische Satz, den ich *ganz* ohne Wörterbuch verstehe. Wie ist der russische Titel des Buchs? Ich werde es mir anschaffen. Was ich Dir schicken wollte, ist nicht *Herzen*, sondern die deutsche Übersetzung des Земля и воля, Land und Freiheit, von dem Adligen *Lilienthal*, worin auch die schlechten Folgen der Freiheit für die Bauern geschildert werden und das Verkommen der Ackerbauproduktion dabei. Ich schrieb Dir schon vor über einem Jahr darüber, und seitdem hat Borkheim es auch angeschafft und Dir, glaub’ ich, Stellen daraus übersetzt. Sowie ich es durchgelesen, schick ich es Dir.

Der Perretsche Brief ebenfalls inliegend zurück. Es ist schon gut, daß der Bakunin nach Tessin ist. Dort richtet er nicht viel Unheil an, und es ist doch ein Beweis, daß es in Genf vorbei ist. Da es nun einmal solche ehrgeizige eitle Unfähigkeiten in jeder Bewegung gibt, ist es au fond gut, daß sie sich in ihrer Weise zusammentun und dann doch mit ihren weltbewegenden Schrullen ans Tageslicht rücken. Dann wird sich bald vor aller Welt zeigen lassen, daß es alles Wind ist. Und das ist besser, als daß der Kampf auf dem Terrain des Privatklatsches bleibt, wo Leute, die etwas zu tun haben, denen, die den ganzen Tag zum Klüngeln haben, nie gewachsen sind. Aber aufgepaßt muß den Kerls werden, damit sie nicht ohne Widerstand an irgendeinem Ort das Terrain okkupieren. Spanien und Italien wird man ihnen freilich wohl lassen müssen, wenigstens vor der Hand.

Es wäre sehr gut, wenn der p. p. Rochefort, oder wie Lizzie sagt Rushforth, jetzt etwas im Gefängnis verschölle. Die petite presse ist schon ganz gut, aber wenn sie Alles andre verdrängt, so verlier’ ich den Geschmack daran. Es steckt der ganzen Sorte ihr Ursprung aus dem bas-empire noch immer in den Gliedern. Und wenn Rochefort Einigkeit zwischen Bürgern und Arbeitern predigt, so ist er gar heiter. Andrerseits sind die „seriösen“ Führer der Bewegung aber auch wirklich richtig ernscht. Es ist wirklich wunderbar. Der supply von *Köpfen*, der bis 1848 dem Proletariat aus andern Klassen zugeführt wurde, scheint seitdem total versiegt zu sein, und in allen Ländern. Die Arbeiter scheinen es mehr und mehr *selbst* machen zu müssen.

Was macht denn l’illustre Gaudissart? Ich höre und sehe nichts von ihm. Hat er noch kein Geschäft wieder?

Beste Grüße.

Dein F. E.
