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Title: Landschaften (1840)
Description: Reisebilder Friedrich Oswalds (Engels): Heide, Holland, die Nordsee, England und Westfalen, gedeutet nach dem religiösen Charakter der Landschaften.
Author: Friedrich Engels
Date: 1840-07
URL: https://marxismo.school/archivo/marx-engels/originales/1840%20Landschaften
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*Text nach der Marx-Engels-Gesamtausgabe, I. Abteilung, Band 2 (Berlin 1930, S. 76-82), ohne den textkritischen Apparat der Herausgeber. Erstdruck: Telegraph für Deutschland (Hamburg), Juli 1840, Nr. 122, S. 485-487; Nr. 123, S. 490-491. [Traducción al español](https://marxismo.school/archivo/marx-engels/1840%20Paisajes).*

*Von Friedrich Oswald*

Hellas hatte das Glück, seinen landschaftlichen Charakter in der Religion seiner Bewohner zum Bewußtsein gebracht zu sehen. Hellas ist ein Land des Pantheismus; alle seine Landschaften sind — oder waren es wenigstens — in den Rahmen der Harmonie gefaßt. Und doch drängt sich jeder Baum, jede Quelle, jeder Berg zu sehr in den Vordergrund, und doch ist sein Himmel viel zu blau, seine Sonne viel zu strahlend, sein Meer viel zu großartig, als daß sie sich mit der lakonischen Vergeistigung eines Shelleyschen Spirit of nature, eines allumfassenden Pan begnügen sollten; jedes einzelne macht auch in seiner schönen Abrundung Ansprüche auf einen besondern Gott, jeder Fluß will seine Nymphen, jeder Hain seine Dryaden haben — und so ward die Religion der Hellenen. Andere Gegenden waren nicht so glücklich; sie dienten keinem Volke zur Grundlage seines Glaubens und müssen ein poetisches Gemüt abwarten, das den religiösen Genius, der in ihnen schlummert, heraufbeschwört. Steht ihr auf dem Drachenfels oder auf dem Rochusberg bei Bingen und schaut ihr hin über das rebenduftende Rheintal, die fernen blauen Berge mit dem Horizont verschmolzen, das Grün der Felder und Weinberge, vom Golde der Sonne übergossen, das Blau des Himmels widerstrahlend aus dem Strom — da senkt sich der Himmel mit seinem Licht auf die Erde und spiegelt sich in ihr, der Geist versenkt sich in die Materie, das Wort wird Fleisch und wohnt unter uns — das ist verkörpertes Christentum. Im graden Gegensatz dazu steht die norddeutsche Heide; da ist nichts als dürre Halme und demütiges Heidekraut, das im Bewußtsein seiner Schwäche nicht von der Erde aufzukriechen wagt; hier und da ein ehemals trotzender, jetzt vom Blitz zersplitterter Baum; und je heiterer der Himmel ist, desto schärfer scheidet er sich in seiner selbstgenügsamen Herrlichkeit von der armen verfluchten Erde, die im Sack und in der Asche vor ihm liegt, desto zornesheißer blickt sein Sonnenauge auf den kahlen, unfruchtbaren Sand — hier ist die jüdische Weltanschauung repräsentiert.

Die Heide ist genug gescholten worden, die ganze Literatur[^1] hat ihr einen Fluch zugewälzt und sie nur, wie in Platens Ödipus, zur Staffage der Satire angewandt, aber man hat es auch verschmäht, ihre seltenen Reize, ihre versteckten poetischen Beziehungen aufzusuchen. Man muß eigentlich in einer schönen Gegend, auf Bergeshöhen und waldigen Felsenkronen, aufgewachsen sein, um das Abschreckende, Trostlose der norddeutschen Sahara recht zu empfinden, aber auch um den verborgenen, wie die libysche Mirage nicht immer sichtbaren Schönheiten dieses Gebietes mit Lust nachzuspüren. Die eigentliche Prosa Deutschlands steckt nur in den Kartoffelsteppen der linken Elbseite. Aber die Heimat der Sachsen, des tatenreichsten deutschen Stammes, ist auch in ihrer Öde poetisch. In einer Sturmnacht, wenn die Wolken gespenstisch um den Mond flattern, wenn die Hunde sich von fern einander zubellen, dann jagt auf schnaubenden Rossen hinein in die endlose Heide, dann sprengt mit verhängten Zügeln über die verwitterten Granitblöcke und die Grabhügel der Hünen; in der Ferne blitzt das Wasser der Moore im Widerscheine des Mondes, Irrlichter gaukeln darüber hin, unheimlich tönt das Geheul des Sturmes über die weite Fläche; der Boden wird unsicher unter euch und ihr fühlt, daß ihr in den Bereich der deutschen Volkssage gekommen seid. Erst seit ich die norddeutsche Heide kenne, hab’ ich die Grimmschen „Kinder- und Hausmärchen“ recht verstanden. Fast allen diesen Märchen sieht man es an, daß sie hier entstanden sind, wo mit dem Anbruch der Nacht das Menschliche verschwindet und die grausigen, formlosen Geschöpfe der Volksphantasie über einen Boden hinhuschen, dessen Öde am hellen Mittag schon unheimlich ist. Sie sind die Versinnlichung der Gefühle, die den isolierten Bewohner der Heide erfassen, wenn er in einer solchen wilden Nacht durch sein Heimatland geht oder vom hohen Turme die öde Fläche schaut. Da treten die Eindrücke, die ihm von den Sturmnächten der Heide aus seiner Kindheit geblieben sind, wieder vor ihn und gestalten sich zu jenen Märchen. Das Geheimnis von der Entstehung des Volksmärchens belauscht ihr am Rhein und in Schwaben nicht, während hier jede Blitznacht — *helle Blitznacht*, sagt Laube — davon mit Donnerzungen redet.

Der Sommerfaden meiner Apologie der Heide würde, vom Winde getragen, sich wohl noch länger fortspinnen, wenn er sich nicht eben um einen unglücklichen, mit hannoverschen Landesfarben angemalten Wegweiser verwickelt hätte. Ich habe lang’ über die Bedeutung dieser Farben nachgedacht. Die königlich preußischen zeigen zwar das nicht an, was Thiersch in seinem schlechten Preußenliede darin finden will; immerhin aber erinnern sie in ihrer Prosa an die kalte, herzlose Bureaukratie und alles das, was dem Rheinländer vom Preußentum noch nicht recht einleuchten will; der schroffe Abstand zwischen Schwarz und Weiß kann ein Analogon bieten für das Verhältnis zwischen König und Untertanen in der absoluten Monarchie; und da sie eigentlich nach Newton gar keine Farben sind, so können sie andeuten, daß die loyale Gesinnung in der absoluten Monarchie die ist, welche sich zu gar keiner Farbe hält. Die muntre rote und weiße Fahne der Hanseaten paßte doch wenigstens vor Zeiten; der französische Esprit schillert in der Trikolore, deren Farben sich auch das phlegmatische Holland aneignete, wahrscheinlich um sich selbst zu persiflieren; am schönsten und deutungsvollsten bleibt freilich immer die unglückliche deutsche Trikolore. Aber die hannoverschen Farben! Denkt euch einen Stutzer, der mit seinen weißen Inexpressibles eine Stunde lang über Stock und Stein, durch Chausseegräben und frischgepflügte Felder gejagt ist, denkt euch Lots Salzsäule — ein Exempel für das ehemals hannoversche Nunquam retrorsum, zur Warnung für viele — denkt euch dieses ehrwürdige Denkmal von der ungezogenen Beduinenjugend mit Lehm beworfen, und ihr habt einen hannoverschen Wappenpfahl. Oder bedeutet das Weiß vielleicht das unschuldige Staatsgrundgesetz und das Gelb den Kot, mit dem es von gewissen feilen Federn bespritzt wird? —

Wenn ich den religiösen Charakter der Gegenden festhalte, so sind die *holländischen Landschaften* wesentlich calvinistisch. Die totale Prosa, die Unmöglichkeit einer Vergeistigung, die auf einer holländischen Fernsicht lastet, der graue Himmel, der nun einmal einzig zu ihr paßt, alles das erweckt denselben Eindruck, den die unfehlbaren Beschlüsse der Dordrechter Synode in uns zurücklassen. Die Windmühlen, das einzig Bewegte in der Landschaft, erinnern an die Erwählten der Prädestination, die sich einzig und allein vom Hauche der göttlichen Fügung antreiben lassen; alles andere liegt im „Geistlichen Tod“. Und der Rhein wie der strömende, lebendige Geist des Christentums verliert in dieser dürren Orthodoxie seine befruchtende Kraft und muß ganz und gar versanden. So erscheinen, vom Rheine aus gesehen, seine holländischen Ufer; andre Teile des Landes sollen schöner sein, ich kenne sie nicht. — Rotterdam, mit seinen schattigen Kais, mit seinen Grachten und Schiffen, ist für Kleinstädter aus dem Innern Deutschlands eine Oase; hier begreift man, wie die Phantasie eines Freiligrath mit den scheidenden Fregatten zu fernen, üppigeren Gestaden ziehen konnte. Dann wieder die verdammten seeländischen Inseln, nichts als Schilf und Dämme, Windmühlen und glockenspielende Kirchturmspitzen, zwischen denen sich das Dampfboot stundenlang hindurchwindet!

Aber nun, welch seliges Gefühl, wenn wir hinausfliegen aus den philiströsen Dämmen, aus der enggeschnürten, calvinistischen Orthodoxie in das Gebiet des freiwogenden Geistes! Helvoetsluys verschwindet, die Waalufer versinken rechts und links in den höher aufjubelnden Wellen, das sandige Gelb des Wassers verwandelt sich in Grün, und nun vergessen, was dahinten ist und mit frohem Herzen hinaus in die dunkelgrüne, durchsichtige Flut!

> Und nun vergiß der Schmerzen,  
> Die man dir angetan,  
> Und geh’ mit ganzem Herzen  
> Die große freie Bahn.  
> Der Himmel beugt sich nieder  
> Wird Eines mit dem Meer —  
> Du willst zerrissen wieder  
> Fahren dazwischen her?  
>
> Der Himmel beugt sich nieder,  
> Umfängt die schöne Welt,  
> Selig der schönen Glieder,  
> Die er umschlungen hält,  
> Als wollte sie ihn küssen,  
> So hüpfte die Welle auf,  
> Und du, du willst zerrissen  
> Vollenden deinen Lauf?  
>
> Sieh’ wie der Gott der Liebe  
> Sich in die Welt versenkt,  
> Und daß er ihr verbliebe,  
> Sich ihr im Menschen schenkt!  
> Trägst du nicht allerwegen  
> Den Gott im Busen dein?  
> So lass’ ihn frei sich regen,  
> Und seiner würdig sein!

Dann hänge dich in die Taue des Bugspriets und schau’ in die Wogen, wie sie vom Kiele zerteilt, den weißen Schaum weit hinaus spritzen über dein Haupt, dann sieh’ über die ferne, grüne Fläche, wo die schäumenden Wellenhäupter in ewiger Unruhe auftauchen, wo die Sonnenstrahlen aus tausend tanzenden Spiegeln in dein Auge zurückfallen, wo das Grün des Meeres mit dem spiegelnden Himmelblau und Sonnengold zu einer wunderbaren Farbe verschmilzt, da entschwinden dir alle die kleinlichen Sorgen, alle Erinnerungen an die Feinde des Lichts und ihre hinterlistigen Ausfälle, und du gehst auf im stolzen Bewußtsein des freien, unendlichen Geistes! Ich habe nur *einen* Eindruck, den ich diesem vergleichen konnte; als sich zum erstenmal die Gottesidee des letzten Philosophen vor mir auftat, dieser riesenhafteste Gedanke des neunzehnten Jahrhunderts, da erfaßten mich dieselben seligen Schauer, da wehte es mich an, wie frische Meerluft, die vom reinsten Himmel herniederhaucht; die Tiefen der Spekulation lagen vor mir wie die unergründliche Meerflut, von der das zum Boden strebende Auge sich nicht abwenden kann; in Gott leben, weben und sind wir! Das kommt uns auf dem Meere zum Bewußtsein; wir fühlen, daß alles um uns und wir selbst von Gott durchhaucht sind; die ganze Natur ist uns so verwandt, die Wellen winken uns so vertraut zu, der Himmel breitet sich so liebeselig um die Erde, und das Licht der Sonne hat einen so unbeschreiblichen Glanz, daß man meint, es mit Händen greifen zu können. —

Die Sonne sinkt im Nordwest; links von ihr erhebt sich ein leuchtender Streif aus dem Meere, die Küste von Kent, das südliche Ufer der Themse. Auf der See liegen schon die Nebel der Dämmerung, nur im Westen ist, wie über den Himmel, auch übers Wasser, der Purpur des Abends ausgegossen; der östliche Himmel prangt in tiefem Blau, aus dem die Venus schon hell heraustritt; im Südwesten zieht sich lang am Horizonte Margate hin, in dessen Fenstern das Abendrot sich spiegelt, ein langer goldener Streif in zauberischem Lichte; und nun schwingt die Mützen und begrüßt das freie England mit freudigem Rufe und vollem Glase. Gute Nacht, auf fröhliches Erwachen in London!

Ihr, die ihr über die Prosa der Eisenbahnen klagt, ohne je eine gesehen zu haben, laßt euch fahren auf der, die von London nach Liverpool geht. Wenn es irgend ein Land gibt, das gemacht ist, auf der Eisenbahn durchflogen zu werden, so ist es England. Keine blendenden Schönheiten, keine kolossalen Felsmassen, aber ein Land voll sanfter Hügelwellen, das bei der englischen, nie ganz klaren Sonnenbeleuchtung einen wunderbaren Reiz hat. Man staunt über die mannigfachen Gruppierungen der einfachen Staffage; aus ein paar Hügeln, Feld, Bäumen, weidendem Vieh macht die Natur tausend anmutige Landschaften. Eigentümlich schön erscheinen die Bäume, mit denen alle Felder, einzeln und in Gruppen, besetzt sind, so daß die ganze Gegend etwas Parkähnliches erhält. Dann wieder ein Tunnel, der den Wagenzug für einige Minuten im Dunkel hält, und der in einen Hohlweg ausläuft, aus dem man plötzlich wieder in die lachenden, sonnigen Felder versetzt wird. Auf einmal führt der Weg auf einem Viadukt quer durch ein langes Tal; tief unten liegen die Städte und Dörfer, die Wälder und Wiesen, zwischen denen der Fluß sich hindurchschlängelt; rechts und links Berge, die im Hintergrunde verschwimmen, und über dem reizenden Tale eine zauberhafte Beleuchtung, halb Nebel, halb Sonnenschein — doch kaum hat man das wunderbare Gebiet überschaut, so ist man ihm in einen kahlen Hohlweg entrückt und hat Zeit, das magische Bild in der Phantasie neuzuschaffen. Und so geht es fort, bis die Nacht hereinbricht und der Schlummer die schauensmatten Augen schließt. O, es liegt eine reiche Poesie in den Provinzen Britanniens! Oft meint man, noch in den golden days of merry England zu sein, und Shakespeare mit der Büchse hinterm Hag schleichen zu sehen, wie er noch nach fremdem Wilde jagte, oder man wundert sich, daß auf dieser grünen Au nicht eine seiner göttlichen Komödien wirklich sich abwickelt. Denn wo die Szene auch liegen mag, in Italien, in Frankreich oder Navarra, immer ist’s im Grunde doch merry England, wohin seine barocken Rüpel, seine superklugen Schulmeister, seine liebenswürdig-bizarren Frauen gehören, überall merkt man dem Ganzen an, daß nur der englische Himmel dazu paßt. Nur einige Komödien, wie der Sommernachtstraum, haben das Südlich-Klimatische so vollkommen wie Romeo und Julie, auch in den Charakteren.

Und nun zurück zu unserem Vaterlande! Das malerische und romantische Westfalen ist ganz ärgerlich geworden über seinen Sohn Freiligrath, der es über den freilich weit malerischeren und romantischeren Rhein ganz und gar vergessen hat; trösten wir es mit einigen schmeichelnden Worten, damit seine Geduld nicht eher bricht, als das zweite Heft erscheint. Westfalen ist von Bergketten gegen Deutschland hin umgeben und nur gegen Holland offen, gleichsam als sei es von Deutschland ausgestoßen. Und doch sind seine Kinder echte Sachsen, treue, gute Deutsche. Nun, jene Berge bieten herrliche Punkte dar; im Süden die Ruhr- und Lennetäler, im Osten das Wesertal, im Norden eine Bergkette von Minden nach Osnabrück — überall die reichsten Aussichten, nur in der Mitte des Landes eine langweilige Sandfläche, die man durch Gras und Korn immer hindurchscheinen sieht. Und dann die alten schönen Städte, vor allen Münster mit seinen gotischen Kirchen, mit den Arkaden seines Marktes, mit Annette Elisabeth von Droste-Hülshoff und Levin Schücking. Der letztere, den ich das Vergnügen hatte, dort kennenzulernen, war so gütig, mich auf die Gedichte jener Dame aufmerksam zu machen, und ich kann diese Gelegenheit nicht vorübergehen lassen, ohne einen Teil der Schuld abzutragen, die das deutsche Publikum sich gegen diese Poesien aufgeladen hat. Es hat sich bei ihnen wiederum bewährt, daß die gepriesene deutsche Gründlichkeit es sich nur zu leicht mit der Würdigung von Gedichten macht; man blättert sie durch, untersucht, ob die Reime rein, die Verse fließend sind, ob der Inhalt leicht zu verstehen und an schlagenden, wenigstens blendenden Bildern reich ist, und das Urteil ist fertig. Aber Dichtungen wie diese, wo eine Innigkeit des Gefühls, eine Zartheit und Originalität der Naturbilder, wie sie nur Shelley haben mag, eine kühne, Byronsche Phantasie im Gewande einer freilich etwas steif drappierten Form, einer von Provinzialismen nicht freien Sprache auftreten, gehen spurlos vorüber; wer hätte aber auch Lust, sie etwas langsamer zu lesen als gewöhnlich — und da man doch nur Gedichte zur Hand nimmt, wenn die Stunde der Siesta kommt, so könnte die Schönheit derselben wohl gar dem Schlafe Abbruch tun! Dazu ist die Dichterin eine gläubige Katholikin, und wie kann sich ein Protestant dafür interessieren! Aber wenn der Pietismus den Mann, den Magister, den Oberhelfer Albert Knapp lächerlich macht, so steht der kindliche Glaube dem Fräulein von Droste gut. Es ist eine mißliche Sache um die religiöse Freisinnigkeit der Frauen. Die George Sands, die Mistreß Shelleys sind selten; nur zu leicht zernagt der Zweifel das weibliche Gemüt und erhebt den Verstand zu einer Macht, die er bei keinem Weibe haben darf. Wenn aber die Ideen, mit denen wir Kinder des Neuen stehen und fallen, Wahrheit sind, dann ist auch die Zeit nicht mehr fern, wo das weibliche Herz ebenso warm für die Gedankenblüten des modernen Geistes schlägt wie jetzt für den frommen Glauben der Väter — und erst dann wird der Sieg des Neuen vor der Tür sein, wenn die junge Generation es mit der Muttermilch in sich aufnimmt.

[^1]: Im dritten Bande des *Blasedow* nimmt sich der Alte der Heide an.
