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Title: Die Zentralisationsfrage in bezug auf sich selbst und in bezug auf das Beiblatt der Rheinischen Zeitung zu Nr. 137, Dienstag, 17. Mai 1842 (1842)
Description: Unvollendete Polemik von Karl Marx gegen einen Artikel von Moses Heß: die wahre Kritik analysiert nicht die Antworten, sondern die Fragen; die Philosophie ist keine Imagination.
Author: Karl Marx
Date: 1842-05
URL: https://marxismo.school/archivo/marx-engels/originales/1842%20Die%20Zentralisationsfrage
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*Geschrieben von Karl Marx im Mai 1842; Fragment, nach der Handschrift (in einem Bonner Exzerptheft von 1842) zuerst veröffentlicht 1927. Die Handschrift bricht unvollendet ab. Text nach Karl Marx/Friedrich Engels, Historisch-kritische Gesamtausgabe, Erste Abteilung, Band 1, Erster Halbband, Frankfurt am Main 1927, S. 230–231, ohne den Apparat der Herausgeber. [Traducción al español](https://marxismo.school/archivo/marx-engels/1842%20La%20cuesti%C3%B3n%20de%20la%20centralizaci%C3%B3n).*

„Deutschland und Frankreich in bezug auf die Zentralisationsfrage“ mit dem Zeichen ÷ ÷. „Ob die *Staatsmacht* von einem Punkte *ausgehen* oder ob jede Provinz, jede Gemeinde sich selbst verwalten und die Zentralregierung erst da als die Macht des Ganzen auch die einzelnen Teile des Staates beherrschen soll, wo der Staat nach außen zu vertreten ist, über diese Frage sind die Ansichten noch sehr geteilt.“

Eine Zeitfrage teilt mit jeder durch ihren Inhalt berechtigten, also vernünftigen Frage das Schicksal, daß nicht die *Antwort,* sondern die *Frage* die Hauptschwierigkeit bildet. Die wahre Kritik analysiert daher nicht die Antworten, sondern die Fragen. Wie die Lösung einer algebraischen Gleichung gegeben ist, sobald die Aufgabe in ihren reinsten und schärfsten Verhältnissen gestellt ist, so ist jede Frage beantwortet, sobald sie zur *wirklichen* Frage geworden ist. Die Weltgeschichte selbst hat keine andere Methode, als alte Fragen durch neue Fragen zu beantworten und abzutun. Die Rätselworte einer jeden Zeit sind daher leicht zu finden. Es sind die Zeitfragen, und wenn in den Antworten die Absicht und die Einsicht des einzelnen Individuums eine große Rolle spielen und ein geübter Blick dazu gehört, zu trennen, was dem Individuum und was der Zeit gehört, so sind dagegen die *Fragen* die offenen, rücksichtslosen, über alle einzelne Individualitäten übergreifenden Stimmen einer Zeit, es sind ihre Mottos, es sind die *höchst praktischen* Ausrufe über ihren eigenen Seelenzustand. Die Reaktionäre jeder Zeit sind daher ebenso gute Barometer für ihren geistigen Zustand als die Hunde für die Witterung. Dem Publikum erscheint dies so, daß die Reaktionäre die Fragen *machen*. Es glaubt daher, wenn dieser oder jener Obskurant eine moderne Richtung nicht bekämpft, wenn er nicht eine Sache in Frage gestellt hätte, so *existierte* die Frage nicht. Das Publikum selbst hält daher die Reaktionären für die wahren Männer des Fortschritts.

„Ob die Staatsmacht von einem Punkte ausgehe“, d.h. ob *ein Punkt* regieren soll oder ob jede Provinz etc. sich selbst verwalten und die Zentralregierung erst nach Außen als die Macht des Ganzen „gegen Außen“ sich zeigen soll, so kann unmöglich die Zentralisationsfrage gefaßt werden. Der Verfasser versichert uns, daß „diese Frage, von einem höheren Gesichtspunkte betrachtet, in sich selbst zerfalle als eine nichtige“, denn „wenn der Mensch wirklich ist, was er seinem Wesen nach sein soll, dann ist die individuelle Freiheit von der allgemeinen gar nicht unterschieden“, „Setzt man also ein Volk von *Gerechten* voraus, so kann die in Rede stehende Frage gar nicht aufgeworfen werden“, „die Zentralmacht würde in allen Gliedern leben etc. etc.“ „Wie aber überhaupt jedes äußere Gesetz, jede positive Institution etc., so wäre auch jede zentrale Staatsmacht etc. überflüssig. Eine solche Gesellschaft wäre nicht *Staat,* sondern *Ideal* der Menschheit.“ „Man kann sich’s erstaunlich leicht machen, die schwierigsten Staatsprobleme zu lösen, wenn man von einem hohen philosophischen Standpunkte herab auf unser soziales Leben blickt. *Theoretisch* ist eine solche Lösung der Probleme auch ganz richtig, ja die einzig richtige. Aber es handelt sich hier nicht um eine theoretische etc., sondern um eine praktische, allerdings nur empirische und relative Beantwortung der Zentralisationsfrage etc.“.

Der Verfasser des Artikels beginnt mit einer *Selbstkritik* seiner Frage. Von einem höheren Gesichtspunkte her betrachtet, existiere sie nicht, aber zugleich erfahren wir, daß von diesem hohen Gesichtspunkte her alle Gesetze, positiven Institutionen, die zentrale Staatsmacht und schließlich der Staat selbst verschwindet. Mit Recht rühmt der Verfasser die „erstaunliche Leichtigkeit“, mit welcher dieser Gesichtspunkt sich zu orientieren weiß, aber mit Unrecht nennt man eine solche Lösung der Probleme „theoretisch ganz richtig, ja die einzig richtige“, mit Unrecht nennt er diesen Standpunkt „einen philosophischen“. Die Philosophie muß ernstlich dagegen protestieren, wenn man sie mit der Imagination verwechselt. Die Fiktion von einem Volke „der Gerechten“ ist der Philosophie so fremd als der Natur die Fiktion von „betenden Hyänen“. Der Verfasser substituiert „seine Abstraktionen“ der Philosophie.
