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Title: Die Schweizer Nationalratssitzung vom 22. November 1848 (1848)
Description: Engels aus Bern über die Tessiner Debatte im Nationalrath: die Ausweisung der italienischen Flüchtlinge aus dem Tessin wird beschlossen, die romanische Schweiz von den Deutschen erdrückt.
Author: Friedrich Engels
Date: 1848-11-26
URL: https://marxismo.school/archivo/marx-engels/originales/1848%20Die%20Schweizer%20Nationalratssitzung%20vom%2022.%20November%201848
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*Ohne Unterschrift erschienen in der* Neue Rheinische Zeitung *Nr. 153 vom 26. November 1848 (Köln), S. 3 der Zweiten Ausgabe; nach der MEGA² (I/8) von Friedrich Engels. Text nach dem Original der Zeitung (Digitalisat der USB Köln). [Traducción al español](https://marxismo.school/archivo/marx-engels/1848%20La%20sesi%C3%B3n%20del%20Consejo%20Nacional%20suizo%20del%2022%20de%20noviembre%20de%201848)*

\*\* *Bern*, 22. Nov. In der heutigen Sitzung des Nationalraths wurde nach langer Debatte, worin General Dufour eine ausgezeichnete Rede zu Gunsten Tessins hielt, während alle andern Militärs in der Versammlung (Ziegler, Michel, Benz etc.) mit großer Animosität gegen Tessin auftraten, und nach einer vortrefflichen Erwiederung Pioda's auf alle Angriffe, der Vorschlag der Minorität der Kommission,

„die italienischen Flüchtlinge, welche an der letzten Erhebung Theil genommen, zu interniren und der Tessiner Regierung die Ausführung dieses Beschlusses zu überlassen,

mit 62 gegen 31 Stimmen durch Namensaufruf verworfen, dagegen die Majoritätsanträge:

1) *alle* ital. Flüchtlinge, nur mit den durch die Humanität gebotenen Rücksichten, worüber die eidg. Repräsentanten entscheiden sollen, aus dem Kanton Tessin ins Innere der Schweiz zu verweisen,

mit 62 gegen 31 Stimmen, und

2) dem Kanton Tessin bis auf Weiteres zu verbieten ital. Flüchtlingen den Aufenthalt zu gestatten,

mit 50 gegen 46 Stimmen angenommen. Die beiden Züricher Escher und Furrer, der gegen Düfours noble Ritterlichkeit sein ganzes Gewicht als Bundesraths-Präsident in die Wagschale legte und fast eine Kabinetsfrage stellte, haben durch geschickte Einwirkung auf die deutschen Schweizer die Sache entschieden. Die 31 Stimmen für Tessin waren, mit 5—6 Ausnahmen, lauter franz. Schweizer. Man hörte nur „oui“ und „Nein“ beim Namensaufruf, kein einziges „non“, und nur fünf bis sechs „Ja“. Die romanische Schweiz ist von den Deutschen erdrückt worden.

Die übrigen Punkte des Majoritätsantrags, denen auch die Minorität (Hr. Pioda) sich angeschlossen, werden eben angenommen. Die Sitzung und die Post schließen gleichzeitig. Morgen Näheres über diese interessante Debatte.
