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Title: Die englisch-französische Vermittlung in Italien (1848)
Description: Das Ende der englisch-französischen Vermittlung in Italien entlarvt die Außenpolitik der »honetten« Bourgeoisrepublik Cavaignacs und Bastides.
Author: Karl Marx
Date: 1848-10-21
URL: https://marxismo.school/archivo/marx-engels/originales/1848%20Die%20englisch-franz%C3%B6sische%20Vermittlung%20in%20Italien
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*Erschienen in der* Neuen Rheinischen Zeitung *Nr. 123 vom 22. Oktober 1848. Text nach Karl Marx/Friedrich Engels, Werke, Bd. 5, Berlin 1959, S. 435-436, ohne den Apparat der Herausgeber. [Traducción al español](https://marxismo.school/archivo/marx-engels/1848%20La%20mediaci%C3%B3n%20anglo-francesa%20en%20Italia)*

*Köln*, 21. Oktober. Die *englisch-französische Vermittlung in Italien ist aufgegeben*. Der Totenkopf der Diplomatie grinst nach jeder Revolution und namentlich nach den Reaktionen, die jeder Revolution folgen. Die Diplomatie verkriecht sich in ihr parfümiertes Beinhaus, sooft der Donner einer neuen Revolution grollt. Die *Wiener Revolution* hat die französisch-englische Diplomatie weggeblasen.

*Palmerston* hat seine Ohnmacht eingestanden, *Bastide* hat sie eingestanden. Die Wiener Revolution hat den langweiligen Korrespondenzen dieser Herren, wie sie erklären, ein Ende gemacht. Bastide hat dies dem sardinischen Gesandten, dem Marquis *Ricci,* offiziell eröffnet.

Auf Befragen des letztern, »ob Frankreich unter gewissen Umständen die Waffen zugunsten Sardiniens ergreifen würde«, hat der farouche Republikaner Bastide (vom *»National«)* einen Knix gemacht, einmal, zweimal, dreimal und gesungen

> Vertraut auf mich und helft euch selbst,  
> So wird auch Gott euch helfen.

Frankreich halte am Prinzipe der *Nichtintervention* fest, an demselben Prinzipe, von dessen Bekämpfung *Bastide* und die übrigen Herren des *»National«* jahrelang zehrten zu Guizots Zeiten.

In dieser *italienischen* Frage hätte sich die französische »honette« Republik tödlich blamiert, wäre sie nicht erhaben über alle Schmach seit dem schicksalsschwangern Juni.

Rien pour la gloire! sagen die Freunde des Handels unter allen Umständen. Rien pour la gloire! ist das Motto der tugendhaften, der gemäßigten, der anständigen, der gesetzten, der honetten, mit einem Worte - der Bourgeoisrepublik. Rien pour la gloire!

*Lamartine* war die Einbildung der Bourgeoisrepublik von sich selbst, die überschwengliche, die phantastische, die schwärmerische Vorstellung, die sie sich von sich selbst machte, ihr Traum von ihrer eigenen Herrlichkeit. Was kann man sich nicht alles einbilden! Wie Äolus aus seinem Schlauche alle Winde, so entfesselte er alle Luftgeister, alle Phrasen der Bourgeoisrepublik und blies sie nach Ost und West, windige Worte von Fraternität aller Völker, von der Emanzipation, die allen Völkern durch Frankreich bevorstehe, von Aufopferung Frankreichs für alle Völker.

Er tat - *nichts*.

Die Tat zu seinen Phrasen übernahm *Cavaignac* und sein auswärts gekehrtes Organ, Bastide.

Die unerhörten Szenen in Neapel, die unerhörten Szenen in Messina, die unerhörten Szenen im Mailändischen ließen sie ruhig unter ihren Augen vorgehen.

Und damit nicht der geringste Zweifel übrigbliebe, daß in der »honetten« Republik dieselbe *Klasse* herrsche, also auch dieselbe auswärtige Politik wie unter der konstitutionellen Monarchie, unter Cavaignac dieselbe wie unter Louis-Philippe, nimmt man in den Völkerzwisten zu dem alten ewig neuen Mittel seine Zuflucht, zur entente cordiale mit England, mit dem England Palmerstons, mit dem England der kontrerevolutionären Bourgeoisie.

Die Geschichte durfte aber die *Spitze* nicht vergessen, die Pointe. Ein Redakteur des *»National«*, *Bastide*, mußte krampfhaft die Hand Englands ergreifen. Und die entente cordiale war der Haupttrumpf, den der arme Anglophage »National« sein Leben lang ausgespielt hatte gegen Guizot.

Auf dem Grabstein der »honetten« Republik wird zu lesen sein: *Bastide-Palmerston*.

Aber selbst die entente cordiale Guizots ist von den »honetten« Republikanern überboten worden. Die Offiziere der französischen Flotte ließen sich von den neapolitanischen Offizieren in einem Bankett traktieren - und jubelten Gesundheit zu dem *Könige von Neapel*, dem *blödsinnigen Tiger* Ferdinand, auf den noch rauchenden Trümmern von Messina. Über ihren Köpfen aber verdampften die Phrasen *Lamartines*.
