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Title: Italien (17. Juni 1848) (1848)
Description: Nachrichten aus Italien in der Neuen Rheinischen Zeitung: Antrag gegen die Jesuiten in Turin, Aufstand in Kalabrien, Radetzkys zurückgelassene Pläne.
Author: Friedrich Engels
Date: 1848-06-17
URL: https://marxismo.school/archivo/marx-engels/originales/1848%20Italien%20%2817.%20Juni%201848%29
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*Ohne Unterschrift erschienen in der* Neuen Rheinischen Zeitung*, Nr. 17, 17. Juni 1848 (Köln), S. 3, Rubrik „Italien“ (ohne die Meldung aus Rom vom 5. Juni, die das Blatt als aus einer anderen Zeitung übernommen kennzeichnet); von der MEGA² (I/7) Friedrich Engels zugeschrieben. Text nach dem Original der Zeitung (Digitale Sammlungen der USB Köln). [Traducción al español](https://marxismo.school/archivo/marx-engels/1848%20Italia%20%2817%20de%20junio%20de%201848%29).*

‡ *Turin*, 8. Juni. In der heutigen Sitzung der Deputirtenkammer begründete Advokat Bixio seinen Vorschlag, durch ein Gesetz die Gesellschaft Jesu für immer aus den Gränzen des Staates auszuschließen und ihre Güter zum öffentlichen Besten zu verkaufen oder zu verwenden. Seine Rede wurde wiederholt vom lebhaftesten Beifall unterbrochen. Die Kammer beschloß, den Antrag in Betracht zu ziehen.

— Die Schneidergesellen in Turin haben sämmtlich ihre Werkstätten verlassen und wollen nicht eher dahin zurückkehren, bis ihnen eine beträchtliche Erhöhung des Arbeitslohnes zugestanden worden.

— Einem Briefe, den „La Concordia“ aus Neapel vom 6. Juni mittheilt, entnehmen wir Folgendes:

„….. Die beiden Calabrien sind im Aufstande; sie denken nicht daran, hieher zu marschiren, sondern haben die Verwaltung in ihre eigene Hand genommen; sie ziehen die Steuern ein, bewaffnen sich, schaffen Kanonen an etc. Inzwischen sind die Truppen der Hauptstadt durch die während der Plünderung gemachte Beute auf den höchsten Gipfel des Uebermuths gelangt. In Karrossen fahren sie durch die Straßen, an ihrer Seite Maitressen, lauter Lazzaroni-Mädchen. Käme es zu einem abermaligen Zusammenstoß, er wäre noch fürchterlicher, als der vorige. Der König, der keine andere Stütze hat, als die der Truppen, sucht ihnen auf alle Art zu schmeicheln und sie an sich zu ketten. Er verlangte, daß Allen, die bei der Metzelei und der Plünderung am 15. Mai zugegen und thätig gewesen, ein doppelter Sold für jenen Tag ausgezahlt würde. Allein die Minister hatten doch vor der Volksmeinung zu große Furcht, weigerten sich deshalb, auf den königlichen Wunsch einzugehen und drohten andernfalls mit Einreichung ihres Entlassungsgesuchs. Inzwischen sind 2 Dampffregatten, die vor Venedig lagen, zurückgekehrt und wahrscheinlich wird dies die ganze Flotte thun, denn auf dem Meere gibt es keine Bologneser, welche die Anführer bedrohten und von der Rückkehr abhielten.“

Die Flucht Radetzky's aus seinem Hauptquartier Rivalta geschah in solcher Hast, daß er eine Menge Pläne, Karten und andere Dokumente zurückließ, die sich jetzt in den Händen des Generalstabs der italienischen Armee befinden. Unter diesen Papieren ist bemerkenswerth ein Plan zur Errichtung von Forts in Mailand, das er schon sicher in Händen zu haben geglaubt. Die neuen Befestigungswerke sollten ebensosehr gegen die Piemontesen, wie zur Vernichtung der Revolutionäre im Innern der Stadt dienen. Sodann ein Plan, wie künftig die österreichischen Truppen und in welcher Zahl in die einzelnen Städte und Dörfer des lombardisch-venetianischen Königreichs zu vertheilen wären. Radetzky hatte blos das Sprüchwort vergessen: „Man kann keinen hängen, man habe ihn denn.

— Wie es heißt, werden heute die Mitglieder der provisorischen Regierung hier eintreffen und das Dokument überreichen, durch welches die Vereinigung der Lombardei mit Sardinien ausgesprochen wird.

*Neapel*, 4. Juni. Bis heute ist noch Alles beim Alten. Nach den kalabresischen Küsten gehen heute mehre Dampfer mit 5 bis 6 Bataillonen ab, weniger um den bis jetzt passiven Widerstand zu bezwingen, als um dem von Sizilien aus vorbereiteten Einfall bewaffneter Haufen zuvorzukommen. Von hier aus sind an alle Hafen- und Küstenbehörden die erwarteten Anordnungen ergangen, um allen Schifffahrtsverkehr zwischen Festland und Insel zu hemmen; eine öffentliche Bekanntmachung ist nicht erschienen, ebenso wenig die von Tag zu Tag erwartete Reorganisation der Nationalgarde.
