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Title: Italien (2. August 1848)
Description: Nachrichten aus Italien in der Neuen Rheinischen Zeitung: Kommentar zu den widersprüchlichen Siegesmeldungen und zum Scheitern Karl Alberts nach Custoza, mit den Bülletins beider Seiten.
Author: Friedrich Engels
Date: 1848-08-02
URL: https://marxismo.school/archivo/marx-engels/originales/1848%20Italien%20%282.%20August%201848%29
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*Ohne Unterschrift erschienen in der* Neuen Rheinischen Zeitung*, Nr. 63, 2. August 1848 (Köln), S. 2-3, Rubrik „Italien“ (ohne die aus der Augsburger Allgemeinen Zeitung übernommene Meldung aus Verona); von der MEGA² (I/7) Friedrich Engels zugeschrieben. Text nach dem Originaldruck der Zeitung (Digitale Sammlungen der USB Köln). [Traducción al español](https://marxismo.school/archivo/marx-engels/1848%20Italia%20%282%20de%20agosto%20de%201848%29)*

\* In der gestrigen Nummer dieser Zeitung veröffentlichten wir das Siegesbülletin der provisorischen Regierung in Mailand und erwähnten sodann der entgegengesetzten Siegesbülletins aus Botzen in der „Augsburgerin“ und aus Triest.

Wir hielten das Erstere um deswillen für glaubwürdiger, weil die Nachricht in dem uns direkt von Mailand zugekommenen Bülletin zu gleicher Zeit durch Berichte aus zwei verschiedenen Städten der Schweiz, aus Zürich und Basel, die mit Mailand in vielfacher kommerzieller und in geographisch-schneller Verbindung stehen, bestätigtwurde. Ganz besonders aber mußte bei der Beurtheilung der Umstand entscheidend sein, daß die Oesterreichischen Siegesberichte früher datirt waren und vom Kampfe am 23. sprachen, während im Mailänder Bülletin es sich um den 24. und Anfang des 25. Juli handelte. Diese zusammentreffenden Umstände ließen uns an der Richtigkeit des Sieges der Italiener nicht zweifeln. Dazu kam, daß die Oesterreicher früher schon Siegesberichte erlassen haben, z. B. über einen Sieg bei Curtatone, der sich später gerade als eine Niederlage für die Oestreicher erwies, und daß es eben die „Augsb.“ war, die diesen angeblichen Sieg verherrlichte. Eine Vergleichung der Breichte beider Parteien zeigt, daß die Italiener in der That einen Sieg davon trugen, der ihnen aber durch die frisch anrückenden Truppen der Oestreicher entrissen wurde. Hätte uns irgend etwas irre machen können, so wäre es die ehrgeizige aber völlig unfähige Persönlichkeit *Karl Albert's* gewesen, über den wir früher schon wiederholt unsere Ansicht aussprachen. Trotz aller schlechten Qualitäten dieses „Schwertes Italiens“ blieb immerhin die Möglichkeit, daß wenigstens Einer unter seinen Generalen, durch so ungemein vortheilhafte Stellungen begünstigt, den Sieg an die italienische Sache zu fesseln das militärische Geschick besessen hätte. Die Wirklichkeit zeigt, daß dem nicht so ist. Karl Albert's Schicksal ist damit besiegelt. Selbst sein jetziger Thron, geschweige denn der visionäre von ganz Italien, muß binnen Kurzem zusammenbrechen. Als Sieger konnte er für einige Zeit auf Befriedigung seines Ehrgeizes hoffen; besiegt, wird er sehr bald als ein untaugliches Werkzeug von den Italienern selbst bei Seite geworfen werden. Italien wird nach vielen blutigen Opfern doch siegen und zeigen, daß es die elende Persönlichkeit des Sardinierkönigs zur Erlangung seiner Freiheit und nationalen Selbstständigkeit nicht bedarf.

\* *Mailand*, 27. Juli. Nachmittags. Dem gestrigen Siegesbülletin ist heute ein anderes gefolgt, aus dem hervorgeht, daß der Kampf zwischen den beiden feindlichen Heeren sich erneuerte. Die Oestreicher wurden durch neue Truppenmassen verstärkt und nach einem für beide Theile wahrhaft mörderischen Gefecht mußten sich die Italiener auf Goito zurückziehen. Das eben von der provisorischen Regierung ausgegebene Bülletin lautet:

„Wir erhalten offizielle Berichte über die in den drei letzten Tagen gelieferte Schlacht. Der durch neue Truppen verstärkte Feind versuchte einen Angriff auf der ganzen Linie, wobei er sich auf die drei Festungen Mantua, Legnago und Verona stützte. Am Sonntag (23. Juli) mußten die vorgeschobenen Heeresabtheilungen bei Rivoli und Sommacampagna, durch die Zahl überwältigt, diese festen Stellungen nach ehrenvollem Widerstande räumen. Am Montag (24.) eilte König Karl Albert von Marmirolo nach Villlafranca herbei, und die Unsrigen eroberten aufs Neue die Stellungen von Sommacampagna. Der Kampf war langwierig und blutig, die Verluste des Feindes größer als die unsrigen, und der Tag endigte mit Aussichten auf einen vollständigen Sieg für den nächsten Tag. Aber am Dienstag, während unsere Artillerie von den Höhen von Sommacampagna herabdonnerte, kam ein neues feindliches Korps, das unter Radetzky's Anführung von Verona, wo es sich von Legnago und Vicenza aus gesammelt hatte, aufgebrochen war, hinzu und fiel den Unsrigen in den Rücken. Nach einem für den Feind mörderischen Widerstande erkannte man es als gefährlich, diese so bloßgestellten und ausgedehnten Stellungen zu behaupten, und das Heer zog sich nach Villafranca zurück, von wo es in der Nacht, 2500 Gefangene mit sich führend, ohne daß der Feind es zu verfolgen wagte, sich auf Goito zurückzog, um sich von den außerordentlichen Anstrengungen dieses dreitägigen Kampfes zu erholen und sich mit den Reservekorps auf der Linie des Mincio wieder zu vereinigen. Peschiera wird von dem linken Flügel des Heeres unter dem Befehl des General Sonnaz tapfer vertheidigt.“

— Radetzky hat aus seinem Hauptquartier Pallazzo Alzarea bei Castelnuovo ein vom 24. Juli, 2 Uhr Nachmittags, datirtes Bülletin erlassen, dessen Schluß also lautet:

„Ich beherrsche somit an dem heutigen Tage die feindlichen Uebergänge längs des Mincio von Peschiera Salionze und Monzambano, und bedrohe auch jenen von Valeggio, habe die südliche Lehne des Gebirges diesseits dieses Flusses vollständig besetzt, und stehe somit in einer sehr starken Flankenstellung gegen Villafranca und Roverbella, um den König, wenn er gegen Verona marschiren sollte, im Rücken angreifen zu können, während mir zugleich das ganze Hügelland über Castelnuovo und Pastrengo und Rivoli zu Gebote steht, und meine Kommunikation mit Tyrol gänzlich wieder eröffnet, und dieses brave Land, wo unser allergnädigster Kaiser sich befindet, von jeder ferneren Bedrohung befreit ist. Die ferneren Ereignisse werden bestimmen, was ich in den nächstfolgenden Tagen zu thun im Stande bin. Ich habe einstweilen die ausgedehnte Stellung des Königs von Rivoli bis an den Po durchbrochen, mich des Hügellandes bemächtigt und dadurch eine taktische Stellung bekommen, welche mich wenigstens um 10,000 Mann stärker macht, als ich wirklich bin, da mich der Feind von der Ebene aus gegen die Höhen angreifen muß. Unser Verlust ist Gottlob verhältnißmäßig nicht sehr bedeutend. Die Herren Korpskommandanten, Graf Wratislaw und Baron D'Aspre, der Generalmajor Fürst Friedrich Lichtenstein des 2. Korps, welcher vorzugsweise die Höhen von Sona, sowie die Brigaden Suplikatz und Wohlgemuth, der Division Rath des 1. Korps, welche die Höhen von Sommacampagna mit Sturm nahmen, haben sich hierbei vorzugsweise ausgezeichnet.“

† *Florenz*, 23. Juli. In Modena hat es zwei Abende hinter einander Unruhen gegeben. Die reaktionaire Partei versuchte eine Schilderhebung, indem sie auf den Zuzug der Oesterreicher rechnete, deren Einfall in Ferrara sie mit Hoffnungen erfüllt hatte. Die hiesige Regierung läßt eine Medaille prägen, auf deren einer Seite das Bildniß des Großherzogs, auf der andern die Worte „italienischer Unabhängigkeitskrieg 1848.“ Ein Dekret bestimmt, daß bei Beendigung des Krieges alle Toskaner, welche daran Theil genommen, mit einer solchen Medaille geschmückt werden sollen.
