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Title: Italien (23. September 1848)
Description: Nachrichten aus Italien in der Neuen Rheinischen Zeitung: das Kriegslager bei Pisa, der Protest der lombardischen Consulta, Garibaldi in Nizza, Graf Thurn in Piacenza und die Kämpfe zwischen Truppen und Lazzaroni in Neapel.
Author: Friedrich Engels
Date: 1848-09-23
URL: https://marxismo.school/archivo/marx-engels/originales/1848%20Italien%20%2823.%20September%201848%29
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*Ohne Unterschrift erschienen in der* Neuen Rheinischen Zeitung*, Nr. 110, 23. September 1848 (Köln), S. 3, Rubrik „Italien“ (ohne die als übernommen gekennzeichnete Meldung: Genua, 13. September [A. A. Z.]); von der MEGA² (I/7) Friedrich Engels zugeschrieben. Text nach dem Originaldruck der Zeitung (Digitale Sammlungen der USB Köln). [Traducción al español](https://marxismo.school/archivo/marx-engels/1848%20Italia%20%2823%20de%20septiembre%20de%201848%29)*

\* Obgleich die Ruhe in Livorno hergestellt und größer ist, als in der Zeit vor der letzten Revolution, obgleich die Munizipalbehörde von der Regierung anerkannt worden: so wird doch das Kriegslager bei Pisa nicht aufgelöst und die Kommunikation auf der Eisenbahn nicht wieder eröffnet. Aus Allem leuchtet hervor, daß die Regierung in ganz jesuitischer Weise die Livornesen abermals zu reizen sucht, um dann, wie sie hofft, einen Schlag zu führen, der ihrer Rachsucht Befriedigung verschaffen weroe.

— Die jetzt in Turin versammelte lombardische Consulta hat gegen den Waffenstillstand, als politisches Faktum betrachtet, offiziell protestirt und erklärt, daß das Loos der Lombardei und Venedigs unzertrennlich seien, daß die frei vom Volke gutgeheißene Union mit Piemont aufrecht erhalten werden und jede Vermittelung, falls sie nicht völkerrechtswidrig sein wolle, die absolute Unabhängigkeit von ganz Italien zur Grundlage haben müsse. — Als Garibaldi in Nizza anlangte, wurde er, obgleich mit einem regelmäßigen Paß versehen, doch von dem Brigadier der Polizei unter Hinweisung auf höhere Befehle zurückgewiesen. Es wäre ihm wahrscheinlich, wie dem Republikaner de Boni in Genua ergangen. Allein bald traf die Nachricht ein, in welcher energischen Weise die Genuesen dem Wiederbeginn der alten Polizeityrannei entgegengetreten, wie sie das Polizeigebäude gestürmt, die Rückkehr de Boni's erzwungen hatten u. s. w. Das wirkte vortrefflich. Die „höheren“ Befehle waren verschwunden und Garibaldi konnte unbelästigt in seine Geburtsstadt eintreten.

Die Vertreter der Bürgerschaft von Piacenza protestiren gegen die der Stadt auferlegten Kriegskontributionen; Graf Thurn antwortet, er vertraue ihrem „Patriotismus“ (!!), daß sie die Gelder &c. sofort zusammenbringen, er „ladet“ die „löbliche“ Behörde dazu ein und droht am Schlusse sehr unzweideutig, falls die Behörde auf ihrem Protest beharre, mit allgemeiner Plünderung der Stadt. Da man auf dem Protest beharrte, übertrug Thurn die ganze Stadtverwaltung der Podesterie und ernannte sie zur provisorischen Regierung. Die Bewohner Piacenza's haben sich wegen dieser Gewaltübung an das Turiner Ministerium um Hülfe gewandt, von dem sie höchstens Worte erhalten werden.

‖ *Neapel*, 7. Sept. Heute wurden 2 Regimenter gegen den so unerwartet zur liberalen Partei übergegangenen Theil der Lazzaroni's geführt, aber von letzteren zum Weichen gebracht. Es langten aber bald frische Truppen an und das Handgemenge begann auf' Neue.

*Neapel*, 7. Septbr. Die Aufregung und Erbitterung gegen die Militärherrschaft ist groß. Im Volke gährt es bedeutend. Die Lazzaroni fast aller Quartiere haben sich nun, so heißt es, auf einmal auf die Seite der Konstitutionellen gewendet. Zwischen ihnen und den Truppen hat es heute wieder mehr als einen Zusammenstoß gegeben. — Die Staatszeitung bringt die Entlassung der beiden Häupter der Polizei; ebenso tritt der einst angebetete, nun so verhaßte Bozzelli vom Ministerium des Innern zurück und übernimmt das des Unterrichts. Der Minister des Innern aus den absolutistischen Zeiten, Sant Angelo, ist aus Malta, wohin ec seiner Zeit sich geflüchtet, zurück. Es fehlt nur noch del Carrelto! Von dem auf morgen fallenden Fest der Madonna de Piedigrotta, dem Hauptfest der Neapolitaner, ist natürlich keine Rede. Der König wagt es nicht, sich in der Stadt zu zeigen.
