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Title: Italien (5. August 1848)
Description: Nachrichten aus Italien in der Neuen Rheinischen Zeitung: der Rückzug der Piemontesen nach Goito, Mailand und die französische Intervention, das neue Turiner Ministerium, Mamianis Erklärung über die italienische Liga, Ferdinands Polizei in Neapel.
Author: Friedrich Engels
Date: 1848-08-05
URL: https://marxismo.school/archivo/marx-engels/originales/1848%20Italien%20%285.%20August%201848%29
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*Ohne Unterschrift erschienen in der* Neuen Rheinischen Zeitung*, Nr. 66, 5. August 1848 (Köln), S. 3-4, Rubrik „Italien“; von der MEGA² (I/7) Friedrich Engels zugeschrieben. Text nach dem Originaldruck der Zeitung (Digitale Sammlungen der USB Köln). [Traducción al español](https://marxismo.school/archivo/marx-engels/1848%20Italia%20%285%20de%20agosto%20de%201848%29)*

\* Ueber die Ereignisse in Norditalien enthält der pariser *National* einen Bericht, dem wir folgendes entnehmen: . . . . Während am Dinstage, den 25, die piemontesische Artillerie von den Höhen von Somma Campagna auf die bereits wankende östreichische Armee herabdonnerte, rückte zum Unglück ein neues feindliches Korps von Verona aus, wo Radetzky alle Streitkräfte von Legnago und Vicenza konzentrirt hatte, und fiel der piemontesischen Armee in den Rücken. Diese Bewegung war nur durch den Abfall, ja durch den Mangel an Muth Seitens der neuausgehobenen Lombarden und durch die Verrätherei der Modenesen möglich geworden, da die Letzteren beim Herannahen der Oestreicher gegen Salionze und Mozambano schon seit dem 24. alle ihnen anvertrauten Stellungen verlassen hatten. Die mehr an den Krieg gewöhnten Piemontesen mußten sich nun doch nach einem anerkennenswerthen Widerstande auf Villafranca zurückziehen. Nach Anbruch der Nacht mußten sie weiter bis Goito zurück. Dies geschah in guter Ordnung, indem sie 2500 Gefangene mit sich führten.

Die „*Democratie pacifique*“ theilt mit, daß am 1. August Herr Guerrieri, als außerordentlicher Abgesandter Mailands, in Paris eingetroffen ist, der Frankreichs Hülfe in Anspruch nimmt. Sofort ist ein Ministerrath abgehalten worden, der, wie man versichert, zu *interveniren* beschlossen hat. Es wurden außerdem an den Admiral Bruat in Toulon und andererseits an Karl Albert alsbald Kouriere abgesandt.

Die „*Patrie*“ bemerkt: Hr. Guerrieri, der außerordentliche Abgesandte Mailands, der heute Morgen (1. Aug.) in Paris angelangt ist, bringt die Nachricht mit, daß in Mailand ein Wohlfahrtsausschuß, und zwar aus drei der republikanischen Partei angehörenden Personen: Maestri, Restelli und General Fanti, niedergesetzt worden. Als Guerrieri am 28. Abends Mailand verließ, versicherte man, daß die Oestreicher in Volta, auf dem rechten Ufer des Mincio, stünden.

Im „*Journal de Bruxelles*“ findet sich ein Brief aus Turin vom 29. Juli, wo es in einem Postscript heißt: Eine wichtige Nachricht langt so eben hier an. In Mailand ist eine neue Revolution ausgebrochen und die alte Regierung gestürzt. Karl Cattaneo, der berühmte Publizist, ist Diktator. Diese Nachricht im „*Journal de Bruxelles*“ scheint blos eine Uebertreibung, und von der eben gemeldeten Niedersetzung eines Wohlfahrtsausschusses herzurühren.

In Turin ist in Folge der Nachrichten aus der Lombardei plötzlich die so viele Wochen andauernde Ministerkrisis beendigt, und Casati (Mailänder) zum Konseilpräsidenten, zu seinen Kollegen Paleocapo, Rossetti und Colegna (Deputirte) und Ricci und Pareto (bisherige Minister) ernannt worden. Dieses Ministerium hat indeß keine günstige Aufnahme gefunden. Bei Abgang der Nachrichten sammelte sich auf dem Platze Carignan eine bedeutende Volksmasse zu einer feindlichen Demonstration gegen dasselbe. Zugleich sind alle Mauern mit Plakaten überdeckt, welche die Kammer auffordern, alles andere bei Seite zu lassen und sich nur mit den Kriegsangelegenheiten zu beschäftigen.

— Dem *Journal des Débats* zufolgen war General d'Aspre, der zuvor Padua und Vicenza besetzt hielt, von Radetzky herbeigerufen worden. In Folge dessen soll die Bevölkerung von Padua sich erhoben und die schwache aus Kroaten bestehende Garnison verjagt haben. Die Erbitterung bei den Paduanern war um so größer, als der Gouverneur kurz vorher 3 junge Leute hatte erschießen lassen. Es wurde hinzugefügt, daß der General Pepe, mit seinen Truppen aus Venedig gerückt, Padua besetzt habe. In Bezug auf Treviso wird behauptet, daß dort die österreichische Garnison verjagt worden.

\* *Mailand*, 27. Juli. Nach dem hiesigen Journal „*Il Ventidue Marzo*“ steht die italienische Armee in voller Schlachtordnung in und um Goito. Dort ist auch die Division des General Sonnaz angekommen, nachdem sie Peschiera gehörig verproviantirt und in den besten Vertheidigungszustand gesetzt. Es ist ganz richtig, daß 2000 Oestreicher gefangen worden. Die provisorische Regierung hat dem General Zucchi den Oberbefehl über die in Brescia befindlichen Truppen übertragen. General Fanti ist ebenfalls an die Spitze von 5000 Mann gestellt, um nach dem Lager auszurücken. Oberst Griffini wird morgen mit den hier befindlichen Truppen und mobilisirten Bürgergarden ausrücken. Diese schnelle Hülfe wird den Muth der Bevölkerung in der Nähe des Kriegsschauplatzes bedeutend erhöhen. Die zuletzt angekommene Nachricht sagt, daß die Italiener den Feind bei Volta angegriffen, doch wußte man nichts über das Resultat.

\* *Rom*, 21. Juli. Gestern legte Mamiani nochmals Rechnung ab über die bisherige Wirksamkeit seines Ministeriums, indem er, allzuempfindlich geglaubt, daß die Kammer einigen bissigen Rednern des vorhergehenden Tages beigestimmt, was nicht der Fall war. Die Mehrheit der Kammer ist entschieden für Mamiani. Letzterer wies nochmals alle Schwierigkeiten nach, mit denen er bisher zu kämpfen gehabt. In Betreff des Kriegs sagte er unter Anderem: „Für mich ist das Vaterland ganz Italien. So lange nun die Armee Karl Alberts noch feststeht, ist Italien noch nicht in jener äußersten Gefahr. Beträfe aber Karl Albert eine Niederlage, so würde ich meine Collegen bitten, ihre alsdann unnützen Diskussionen zu unterbrechen, und würde sie ermuntern, ja ansporren, die Muskete zu ergreifen.“ (lauter Beifall.) Er bemerkt weiter: „Es giebt 2 Arten der Kriegführung: von Heer gegen Heer, oder von Völkern gegen Heere. Die erste Art ist für uns unmöglich, da wir dem wohlorganisirten Heere des Feindes kein ähnliches entgegenzustellen haben. Und ich kann Ihnen sagen, daß kein Ministerium in der Welt im Stande ist, binnen wenigen Tagen ein Heer zu improvisiren. Die zweite Art der Kriegführung bleibt demnach allein übrig. Dazu bedarf es aber der Tapferkeit, des Muthes, des Eifers der Bürger, einer Energie, wie sie das Volk von Saragoza zeigte.“ *Orioli* greift hierauf das Ministerium wüthend an; er findet nichts Gutes an ihm. Seine Rede bringt in der Kammer wie auf den Gallerien ungemeine Aufregung hervor. Sterbini bemerkt am Schluß dieser ziemlich stürmischen Diskussion mit Recht, daß so lange die Minister von einer andern Gewalt (vom Pabste) verhindert werden, wirklich konstitutionelle Minister zu sein, jede Anklage ihres Fundamentes entbehre. Er verlange lediglich zu wissen, wie es mit der Ministerkrisis stehe? Mamiani antwortet: sie ist noch nicht beendigt, wirds aber bald sein.

\* *Rom*, 23. Juli. Das Bemerkenswertheste in der gestrigen Sitzung der Deputirtenkammer war die Erklärung Mamiani's über die bisherigen Bemühungen, zwischen den Staaten von Rom, Toskana und Sardinien nicht blos einen Zollverein, sondern auch ein politisches Bündniß zu Stande zu bringen. Nachdem er die vorangegangenen Verhandlungen berührt, verlas er die vier Artikel, welche den übrigen Regierungen von der römischen als definitiver Vertrag vorgelegt worden. Sie lauteten:

Art. I. Seitdem die drei Regierungen zu Rom, Turin und Florenz den Zollverein gebildet, beschäftigten sie sich mit dem Gedanken, zu einer politischen Ligue zu gelangen, die gleichsam der erste mitwirkende Kern der italienischen Nationalität werden würde, und Italien die zu einer innern und äußern Vertheidigung erforderliche Krafteinheit verleihen könnte. Art. II, Die inzwischen eingetretenen Umstände bewirkten implicite und der That nach die besagte Ligue, welche jetzt zwischen den drei Staaten förmlich abgeschlossen werden soll. Art. III. Indem also die drei Regierungen zu Rom, Turin und Florenz die Zeit gekommen glauben, diese ihre ausdrückliche Erklärung unter einander auszuwechseln, verkündigen sie nach gemeinsamer Uebereinkunft im Angesicht Italiens und Europa's, daß zwischen ihnen ein politisches Bündniß (Lega politica) besteht, deren Vermittler und Urheber der erhabene und unsterbliche Pius IX. ist. Art. IV. Rom ist zum Versammlungsort der Bevollmächtigten bestimmt, welche die drei Regierungen für jene aufeinanderfolgenden Kombinationen ernennen werden, die von der Natur und dem Zweck des Bundes erfordert werden können.

Mamiani fügt hinzu: Dieses Ultimatum ist auf keinen ernstlichen Einwand gestoßen. Auch über die Wahl des Ortes wurden nur flüchtige Bemerkungen gemacht. Alles war zur Unterzeichnung des Vertrages fertig, als das Ministerium in Piemont seine Entlassung gab. (Wir machen hier darauf aufmerksam, daß für Karl Albert und seine Kamarilla gerade die Nähe des Abschlusses dieser „Lega politica“ Veranlassung war, die Entlassung des piemontesischen Ministeriums herbeizuführen und die Bildung eines neuen so viele Wochen lang zu verhindern. Das „Schwert Italiens,“ der sich bereits als König des „italischen Reiches“ erblickte, war innerlich wüthend, daß er mit Rom und Toskana, die er doch ohnehin bald zu verschlucken hoffte, noch einen Vertrag schließen und Rom gleichsam als Bundesstaat anerkennen sollte). „Heute noch,“ schließt Mamiani, „ließ mich der piemontesische Minister des Auswärtigen wissen, daß, sobald das Ministerium rekonstituirt sei, man sich zu allererst mit dem definitiven Abschluß der „Lega“ beschäftigen werde.“

‖ *Neapel*, 19. Juli. Vor einigen Tagen arretirte die Polizei den Vater der beiden Brüder Sangiorgio, die beim Bau der der Maibarrikaden am Meisten thätig gewesen sein sollen. Er sollte den Aufenthaltsort seiner flüchtigen Söhne angeben. Trotz aller gegen ihn angewandten raffinirten Grausamkeit beging er nicht den Verrath. Schon früher weigerten sich Mehrere Pairs die Ernennung anzunehmen und jetzt haben wiederum sechs der angesehensten Pairs die ihnen angetragenen Sitze in der ersten Kammer ausgeschlagen. Gehts in dieser Weise fort, so muß Ferdinand die Lazzaronis in seine Pairskammer berufen. Die 3 Offiziere und der Unteroffizier die nebst noch 26 Andern als an der calabresischen Insurrektion betheiligt in den Gewässern von Corfu durch den Dämpfer Stromboli gefangen und hieher gebracht wurden, werden vor ein außerordentliches Kriegsgericht gestellt. — Im Cilento dauert die Insurrektion noch jenseits des Flusses Lento fort. In Tredenaro kam es zwischen Cilentanern und königlichen Garden zum Gefecht. Die ersteren wurden mit Verlust geschlagen. Ein zweites Treffen, dessen Ausgang man noch nicht weiß, folgte in Ogliastro. Nicht minder wurde noch im Distrikte von Sala gekämpft, namentlich waren es die Bürger von Sala, Polla und Atena, die sich in Waffen erhoben hatten. Es fehlen die Einzelheiten. Es sind Truppen nach Sapri eingeschifft worden, um diese Insurgenten zu bekämpfen.
