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Title: Die Kroaten und Slowaken in Ungarn (1849)
Description: Artikel der Neuen Rheinischen Zeitung über den Bruch zwischen der östreichischen Regierung und den Südslaven: Serben und Kroaten, Verbündete der Contrerevolution gegen die Magyaren, erfahren, daß Windischgrätz Ungarn mit der magyarischen Aristokratie regiert.
Author: Friedrich Engels
Date: 1849-02-19
URL: https://marxismo.school/archivo/marx-engels/originales/1849%20Die%20Kroaten%20und%20Slowaken%20in%20Ungarn
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*Ohne Unterschrift erschienen in der* Neue Rheinische Zeitung *Nr. 226 vom 19. Februar 1849 (Köln), S. 1; nach der MEGA² (I/8) von Friedrich Engels. Text nach dem Original der Zeitung (Digitalisat der USB Köln). [Traducción al español](https://marxismo.school/archivo/marx-engels/1849%20Los%20croatas%20y%20los%20eslovacos%20en%20Hungr%C3%ADa)*

\* *Köln*, 18. Febr. Während die östreichischen Blätter seit einigen Tagen von einem Sieg Ottinger's über Dembinski — bei Debreczin!! — fabeln, ziehen sich in den slavischen Provinzen Ungarns immer dichtere Gewitterwolken für die k. k. Gesammtmonarchie zusammen. Wir haben schon seit geraumer Zeit — seit der Erstürmung Wiens sogar, auf die Unvermeidlichkeit eines Bruch's zwischen der östreichischen Regierung und den Slaven aufmerksam gemacht. Dieser Bruch ist jetzt offen.

Fangen wir an mit den *Serben*. Der Gratzer Ztg. wird aus Temeswar im östreichischen Interesse folgendes geschrieben: „Im Banate beginnen serbische Uebergriffe, welche, wenn nicht alle Anzeichen trügen, mit der Zeit auch eine *bewaffnete Intervention* erheischen werden, besonders da ein Theil der Serben noch anmaßender als selbst die Magyaromanen, die übrigen Nationalitäten in der Wojwodschaft völlig zu unterdrücken sucht, und sich daher die Romänen und Deutschen dort zum offenen Widerstande rüsten. Zwischen den höheren Militärbehörden und der Wojwodschaft ist die Spaltung *schon beinahe offen* und ich versichere Sie, daß wir uns auf einen *Kampf gegen die Serben* vorbereiten müssen. Jedenfalls ist es uns nun klar geworden, daß die angebliche Sympathie für die östreichische Sache nicht von jener Reinheit ist, wie die der Kroaten. In Kürze wird die Sache zur *offenen Entscheidung* kommen.“

Daß Karlovitz, der Sitz der Banater Regierung, d. h. des serbischen „Hauptcomite's,“ dessen Vicepräsident der „Rebell“ Stratimirovich, schon in Belagerungszustand erklärt, ist bekannt.

Aber wie steht es mit der „Reinheit“ der „Sympathie“ der Kroaten? Hören wir:

„Prag, 13. Febr. Die Vorgänge in Kroatien machen in czechischen Kreisen viel Aufsehen. Nun muß es sich entscheiden, sagen sie, ob Jellachich es mit seinem Land oder mit der Dynastie hält. Die Offiziere sprechen *es schon laut aus, daß man, wenn man mit Ungarn fertig sein wird, nach Kroatien ziehen werde*.“

So spricht die „D. A. Ztg.“ Und das slavische „Const. Bl. a. Böhmen“ spricht ebenso deutlich: Ihm wird aus Kremsier vom 11. Febr. geschrieben, die brieflichen Nachrichten über die unzufriedne Stimmung unter den Slovaken und Kroaten mehrten sich täglich. Die in den slovakischen Comitaten neuangestellten östreich. Regierungskommissäre seien lauter Magyaren, ihre Dekrete würden in magyarischer Sprache erlassen, und sie „drohten mit dem Tode“, wenn ihre Zuschriften nicht angenommen würden. Dann heißt es, Jellachich sei im höchsten Grade unzufrieden, daß man seine Truppen trennen und sie zum Theil zum Garnisondienst verwenden wolle, während man andre Truppen unter seine Befehle stellt. Der Kniff ist gut; Jellachich, seit 6—8 Wochen ohnehin verdächtig und von den Agenten Windischgrätz's überwacht, wird dadurch ungefährlich gemacht. Und hier fügt das C. Bl. a. B. hinzu: „Was Jellachich wohl zum Belagerungsstande in *Karlowic* sagen wird? Ob ihm dabei nicht das: heute mir, morgen dir, einfällt? Denn nun fehlt, um die Gleichberechtigung der Nationalitäten voll zu machen, nur noch Agram, die Kroaten, — denn die Deutschen, die Ungarn, die Polen, die Italiener, und vor allen die Czechen haben den gleichberechtigenden Belagerungszustand bereits kennen gelernt.“

Man weiß übrigens schon, daß Windischgrätz in Pesth eine neue ungarische Regierungskommission eingesetzt hat, die zum großen Schrecken der Kroaten sämmtliche Rechte der alten ungarischen Regierung beansprucht, und damit das beabsichtigte südslavische Reich zu Nichte macht. Die Kroaten hatten sich schon unabhängig von Ungarn geträumt, da kommt plötzlich ein Rescript von Pesth an das kroatische Landesgubernium an und verlangt Unterwerfung und dies Rescript ist noch obendrein — in *magyarischer Sprache*, ohne kroatische Uebersetzung!! Der Slavenski Jug druckt es sofort im Original ab und weiß sich vor Entrüstung nicht zu fassen. Die Kroaten schäumen; sie werden ja gerade behandelt wie unter Kossuth! Und das ist die Belohnung ihrer treuen Dienste zur Rettung der Gesammt-Monarchie!

Wenn man wissen will, wie dies zusammenhängt, so lese man die Wiener „Presse“. Hier findet sich ein Artikel, worin dem Fürsten Windischgrätz direkt zum Vorwurf gemacht wird, er habe sich von der ungarischen Aristokratie bereits umstricken lassen, er lasse eine Menge theils gefangener, theils übergegangener magyarischer Magnaten in Pesth frei umhergehen, ja er zeichne sie aus u. s. w.

Es ist klar, der Aristokrat Windischgrätz weiß sehr gut daß sein Zweck, die Erhaltung der Adelherrschaft in Ungarn, nur durch die Erhaltung der Herrschaft des *magyarischen* Adels erlangt werden kann. Daher der Schutz und die Vorliebe, die er den magyarischen Magnaten angedeihen läßt. Ob darunter die Kroaten und Slovaken leiden, ist ihm gleichgültig: hat er erst Ungarn gebändigt und aristokratisirt, so wird er mit den zersprengten und ohne östreichische Leitung machtlosen Slaven schon fertig werden — man denke an Prag!

Und der große Schwanbeck sucht die Aristokratie nicht im Lager *Windischgrätz's*, sondern im *Kossuth's*! Voilà ce que c'est que d'être un savant sérieux!
