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Title: Ungarn. 10. Mai 1849 (Außerordentliche Beilage) (1849)
Description: Die Rubrik Ungarn der außerordentlichen Beilage: neue Niederlagen der Oestreicher und der Vormarsch Perczels und Bems im Süden.
Author: Friedrich Engels
Date: 1849-05-10
URL: https://marxismo.school/archivo/marx-engels/originales/1849%20Ungarn.%2010.%20Mai%201849%20%28Au%C3%9Ferordentliche%20Beilage%29
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*Ohne Unterschrift erschienen in der* Neuen Rheinischen Zeitung*, Außerordentliche Beilage zu Nr. 294, 10. Mai 1849 (Köln), S. 2, Rubrik „Ungarn“; von der MEGA² (I/9) Friedrich Engels zugeschrieben. Text nach dem Originaldruck der Zeitung (Digitale Sammlungen der USB Köln). [Traducción al español](https://marxismo.school/archivo/marx-engels/1849%20Hungr%C3%ADa.%2010%20de%20mayo%20de%201849%20%28suplemento%20extraordinario%29)*

\* Neue Siegesnachrichten von der ungarischen Gränze! Die von uns schon vor einigen Tagen gemeldete *Niederlage der Oestreicher* bei *Hochstraß* bestätigt sich vollkommen. Die Insel Schütt ist fast vollständig in den Händen der Magaren.

Eine *zweite Niederlage* haben die Kaiserlichen bei *Szeres* an der Waag, etwa 5 Meilen von Preßburg, erlitten. Görgei hat hier den Uebergang über die Waag forcirt und die Kaiserlichen bis gegen Preßburg zurückgetrieben.

In beiden Gefechten hat namentlich die östreichische Kavallerie schwer gelitten. Galizische und deutsche Reiter kamen auf Wägen und zu Fuß, ohne Pferde und Säbel, oft den Sattel auf dem Rücken, in Wien an und verbreiteten Entsetzen unter den Schwarzgelben durch ihr elendes, kothiges und niedergeschlagenes Aussehen. Auch die zersprengten, elenden Reste des Hurban'schen Korps kamen durch Preßburg.

In dieser Stadt herrschte allgemeine Verwirrung unter den Kaiserlichen; man erwartete hier am 4. oder 5. Mai eine entscheidende Schlacht und verzweifelte an der Möglichkeit, die Stadt zu halten Viele Schwarzgelbe entflohen von dort. — Tyrnau, etwas nordwestlich von Szered, war ebenfalls von den Kaiserlichen geräumt und die von dort nach Preßburg führende Eisenbahn aufgerissen.

Die Magyaren — das steht fest — wollen *Mähren und Niederöstreich* zum Schauplatz des Kriegs machen, d. h. *Wien nehmen*. Daß ganz Niederöstreich ihrer mit Sehnsucht harrt, geben selbst die Wiener lith. Corresp. zu.

In der *Bukowina* erregt der Bauernagitator Kobylica immer mehr die Besorgniß der Regierung.

In der *Bacska* läßt Perczel die Serben tüchtig Kontributionen zahlen und Rekruten stellen. Zugleich aber garantirt er ihnen Sprache und Nationalität und hebt die Militärgränze auf.

Die östr. Berichte behaupten jetzt, die angebliche Absetzung der Dynastie Habsburg sei ein von der östreichischen Regierung ausgegangener Puff, um die übrigen Provinzen gegen die Magyaren aufzuhetzen. Nach Andern hätte der Reichstag seine Beschlüsse wegen der schlechten Wirkung, die sie aufs Volk gemacht, wieder zurückgenommen. Se non è vero è ben trovato.

Im Süden ist Perczel nach dem Vjestnik und den Serbske Novine über die Theiß gegangen, hat den Kikinder Distrikt erobert, die Serben überall zurückgedrängt, und bedroht Verschetz. Alles von hier flüchtete nach Panchevo. Ein Corps soll bis vor Temesvar vorgedrungen sein (dessen Einnahme durch Bem sich also nicht bestätigt). Bem soll bei Orsova stehen, bereit, die aus der Walachei anrückenden Oestreicher und Russen zu empfangen. Die Kriegführung des Generals Todorovich hat Alles Vertrauen bei den Serben verloren. Die südslavischen Blätter geben einstimmig zu, daß das Banat nicht zu halten sei und in wenig Wochen ganz von den Magyaren wieder erobert sein werde.
