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Title: Ungarn. 14. März 1849 (2. Beilage) (1849)
Description: Die Rubrik Ungarn in der 2. Beilage der Neuen Rheinischen Zeitung: Gerüchte aus Wien, Bem und die Szekler in Siebenbürgen, Perczel im Tolnaer Komitat, das magyarisch-slovakische Corps im Nordwesten und die Siege des Siebenbürger Boten.
Author: Friedrich Engels
Date: 1849-03-14
URL: https://marxismo.school/archivo/marx-engels/originales/1849%20Ungarn.%2014.%20M%C3%A4rz%201849%20%282.%20Beilage%29
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*Ohne Unterschrift erschienen in der* Neuen Rheinischen Zeitung*, 2. Beilage zu Nr. 245, 14. März 1849 (Köln), S. 1, Rubrik „Ungarn“; von der MEGA² (I/9) Friedrich Engels zugeschrieben. Text nach dem Originaldruck der Zeitung (Digitale Sammlungen der USB Köln). [Traducción al español](https://marxismo.school/archivo/marx-engels/1849%20Hungr%C3%ADa.%2014%20de%20marzo%20de%201849%20%28segundo%20suplemento%29)*

Die so eben eingetroffene Berliner Post, die gestern Abend schon fällig war, bringt wieder keine Wiener Briefe und Blätter mit. Auch in Breslau waren sie ausgeblieben. Nur bis zum 8. sind direkte Nachrichten aus Wien da, und diese bringen *nur Gerüchte* vom ungarischen Kriegsschauplatz. Nach einer lith. Corresp. soll Windischgrätz bei Tisza-Füred mit seinem Corps über die Theiß gegangen sein. Nach der A. Ztg. soll er gleich darauf in einer großen Schlacht gänzlich geschlagen worden sein. — Aus Siebenbürgen treffen alle Nachrichten dahin überein, daß Bem und die Szekler Herren des ganzen Landes sind, mit Ausnahme von Kronstadt und Hermannstadt. Schäßburg ist noch von den Szeklern besetzt. Bem soll zur Hauptarmee nach Debreczin berufen sein und ein anderer verwegener Pole, Budinski, sein Kommando in Siebenbürgen übernommen haben. Was an allen diesen Gerüchten Wahres ist, darüber läßt sich Nichts sagen. Jedenfalls ist die gänzliche Stille aller offiziellen Blätter kein sehr günstiges Vorzeichen für das Glück der k. k. Waffen.

Daß Perczel weder gefangen, noch in der Schweiz ist, sondern *das Tolnaer Komitat im Rücken der Kaiserlichen* agitirt, bestätigt sich. Er hat in Pesth gerade noch die Zeit gehabt, einige galante Besuche zu machen und ist, als eben die Militärbehörde auf ihn zu fahnden anfing, nach Tolna entkommen.

Während so im *Südwesten* das Volk sich hinter dem Rücken der Oestreicher erhebt, geschieht dasselbe im *Nordwesten*. Hier, wo Görgei so lange drei ganze Armeekorps aufhielt, steht, wie von verschiedenen Seiten her berichtet wird, wieder ein Corps von 10 — 12,000 Mann, das gegen die slovakischen Bergstädte operirt und die czechisch-mährisch-slovakischen Freischaaren unter Stur und Hurban gänzlich aufgerieben hat. Der Führer des magyarisch-slovakischen Corps (denn die Slovaken sind größtentheils magyarisch gesinnt und ein Armeekorps ist in diesen fast nur von Slovaken und Deutschen bewohnten Gegenden ohne Slovaken gar nicht zusammenzubringen) soll ein gewisser *Clouth* sein. Einzelne Flüchtlinge, in Miava an der mährischen Gränze angekommen, haben dies der Slovanska-Lipa nach Prag gemeldet.

Erheiternd ist auch folgende, dem Siebenb. B. entnommene Nachricht, die eine Probe von den „lächerlichen Aufschneidereien“ der Kaiserlichen in Siebenbürgen gibt, und die jetzt die Runde durch alle deutschen Blätter macht. Während der Zeit, wo die Kaiserlichen sich eiligst auf Pesth und Losoncz zurückzogen, ließ der S. B., dessen Kriegsberichte bekanntlich „amtlichen Charakter haben“, sie folgende glorreiche Siege erfechten:

„*Hermannstadt*, 23. Februar. Vorgestern Abend lief die Nachricht ein, das vereinigte Truppenkorps des F.-M.-L. Schlick und Schulzig habe vom 10. bis 12. Febr. den ungarischen Rebellen eine mörderische Schlacht geliefert und *Großwardein genommen*. *Die ganze Schlachtlinie von Debreczin bis Großwardein sei dicht mit den zahllosen Leichen der Gefallenen, die haufenweise aufgeschichtet liegen, bedeckt*. Dieselbe Nachricht langte Tags darauf noch von drei andern Seiten hier an.“ (!!!)
