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Title: Ungarn. 15. März 1849 (1849)
Description: Die Rubrik Ungarn der Neuen Rheinischen Zeitung: die Schlacht bei Szolnok, Befestigungen und Papiergeld in Pesth, Perczel im Tolnaer Komitat, Altarad und Esseg, Kroatien und die türkische Gränze.
Author: Friedrich Engels
Date: 1849-03-15
URL: https://marxismo.school/archivo/marx-engels/originales/1849%20Ungarn.%2015.%20M%C3%A4rz%201849
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*Ohne Unterschrift erschienen in der* Neuen Rheinischen Zeitung*, Nr. 246, 15. März 1849 (Köln), S. 3-4, Rubrik „Ungarn“; von der MEGA² (I/9) Friedrich Engels zugeschrieben. Text nach dem Originaldruck der Zeitung (Digitale Sammlungen der USB Köln). [Traducción al español](https://marxismo.school/archivo/marx-engels/1849%20Hungr%C3%ADa.%2015%20de%20marzo%20de%201849)*

\* Wir haben den heute Morgen veröffentlichten Berichten nur wenig hinzuzusetzen. Die Berichte über die Schlacht bei Szolnok sind höchst unklar; es scheint aber als sei die dort aufgestellte kaiserliche Brigade Karger von den Magyaren, die ihr über Abony in den Rücken fielen, auf das jenseitige (linke) Theißufer, das noch ganz in den Händen der Magyaren ist, herübergedrängt worden. Ist dies richtig, so ist sie verloren und kein Mann kann dem Tode oder der Gefangenschaft entrinnen. Von Pesth aus sind drei Bataillone nach Abony geschickt, die aber natürlich zu spät gekommen sind; als sie auf der Eisenbahn abfuhren, kam gerade der geschlagene General Zeisberg von Szolnok in Pesth an. Er hatte bis Abony, da die Eisenbahn bereits zerstört war, zu Wagen fahren müssen.

In Budapesth werden neue Befestigungen angelegt. „Die Blockhäuser an beiden Brückenköpfen der Kettenbrücke, schreibt das Const. Bl. a. B., dürften in Bälde vollendet sein, und gewähren ein festes, nicht leicht einnehmbares Bollwerk gegen Ueberfälle. — Trotz der Kundmachung, daß von einer außer Courssetzung oder Konfiskation der ungarischen Noten im Privatverkehre für Ungarn keine Rede sei, kostet der Ankauf von österreichischen Banknoten um ungarisches Papiergeld schwere Prozente, und dürfte der Cours des Letzteren von Tag zu Tag tiefer stehen, da die Kaufleute auf dem hiesigen Platz weit mehr Zahlungen in beträchtlichen Summen nach den übrigen Erbländern, namentlich nach Wien zu leisten, als von oben zu erhalten haben. Die Israeliten der Hauptstadt haben den erneuten Befehl erhalten, die bekannte rückständige Rate der Toleranzsteuer-Ablösung in Silberzwanzigern zu erlegen, doch wurde der Gemeinde eine Frist von vierzehn, nach einer andern Angabe von achtzehn Tagen verwilligt.“

Aus dem *Tolnaer* Comitat erfahren wir durch dasselbe Blatt: „Die Tolnaer Gespanschaft befindet sich trotz ihrer Huldigungserklärungen bereits wieder *im vollen Aufruhr*. Die Reden, welche Moriz Perczel daselbst kürzlich in Volksversammlungen hielt, haben den bösen Samen gesäet, und die Militärbehörde ward zu spät avisirt, als er vor einigen Tagen incognito auf dem Edelhof seines Vaters verweilte. Nur seine Equipage und sein unschuldiger Kammerdiener fielen in die Hände der Kaiserlichen.“

Auch im *Süden* sieht es so brillant nicht aus für die kaiserlichen Waffen. Hören wir wieder das Const. Bl. a. B.: „Mit der Einnahme von Altarad hat es einen starken Haken. General Todorovich wollte sein ganzes Korps als Besatzung zurücklassen, aber einige Offiziere fanden drei Bataillone für hinreichend. So kam es, daß die geschlagenen Magyaren, als die Haupttruppe der Serben ihr Lager bezog, über die Marosch zurückkehrten, wodurch zwei Bataillone herausgedrängt und eins theils gefangen, theils niedergehauen wurde.“

Als die Kaiserlichen Esseg genommen, glaubten sie, die dortige Garnison werde sich beeilen, kaiserliche Dienste zu nehmen. Von den vier Kompagnieen regulärer ex-kaiserlicher Truppen ließ sich *kein Einziger*, von sämmtlichen Honveds nur *sechszehn Mann* anwerben.

Folgendes Neue aus dem octroyirt-unabhängigen Kroatien. Die Agramer Zeitung schreibt: „Aus zuverlässiger Quelle haben wir vernommen, daß das Handelsministerium die ernstliche Absicht hat, die Regulirung der Save stromaufwärts bis Sissek, und sodann die Errichtung einer Eisenbahn von Sissek nach Agram, und von da nach Karlstadt und Steinbrück demnächst in Angriff zu nehmen.“

Ganz in der Ordnung. Die k. k. Regierung mache dort Flüsse schiffbar, lege Eisenbahnen an, bringe Handel und Industrie ins Land, und sie wird sehn, wie lange sie sich noch auf ihre Kroaten verlassen kann. Sowie der Kroat den rothen Mantel mit dem Frack vertauscht, hört die Begeisterung für den Standrechtskaiser von selbst auf.

Der Ban Jellachich hat dem Banalrath angezeigt, daß er den magyarischgesinnten Kroaten, die nach Ungarn entflohen und die, nachdem sie auf dreimalige Aufforderung nicht zurückgekehrt, verbannt wurden, bis auf sechs Parteichefs Amnestie bewilligt habe.

Von der türkischen Gränze wird endlich Folgendes geschrieben: In der Türkei herrscht eine große Bewegung. In Bosnien werden starke Truppenmassen ausgerüstet und bei Travnik konzentrirt. Die Kundschafter melden zwar, daß man zuweilen gegen die Gränzer Drohungen ausstoßen hört, aber wahrscheinlicher hängen diese Zurüstungen mit der politischen Intrigue zusammen, die Palmerston in Konstantinopel in Betreff der Donauprovinzen spinnt, und die keine geringere Tendenz hat, als die Russen aus der Moldau und Walachei zu verdrängen und Oesterreichs Flanke gegen den Orient zu entblößen. Oesterreich kann sich wegen der 10,000 russischen Schutztruppen in Siebenbürgen auf eine energische Note gefaßt machen.
