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Title: Ungarn. 18. April 1849 (1849)
Description: Die Rubrik Ungarn der Neuen Rheinischen Zeitung: die Magyaren nehmen Waitzen, den Schlüssel der Straße nach Komorn; die Angstgerüchte der Oestreicher und die Erhebung der Huzulen in der Bukowina unter Kobylitza, der sich den Magyaren anschließt.
Author: Friedrich Engels
Date: 1849-04-18
URL: https://marxismo.school/archivo/marx-engels/originales/1849%20Ungarn.%2018.%20April%201849
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*Ohne Unterschrift erschienen in der* Neue Rheinische Zeitung *Nr. 275 vom 18. April 1849 (Köln), S. 3; nach der MEGA² (I/9) von Friedrich Engels. Text nach dem Original der Zeitung (Digitalisat der USB Köln). [Traducción al español](https://marxismo.school/archivo/marx-engels/1849%20Hungr%C3%ADa.%2018%20de%20abril%20de%201849)*

\* Die Magyaren haben den Kampf vor Pesth plötzlich abgebrochen und sind mit Zurücklassung ihrer Vorposten nach Waitzen marschirt. Waitzen liegt nördlich von Pesth an der Donau, gerade an der Ecke, wo sie die Richtung nach Westen verläßt und sich nach Süden wendet. *Waitzen, der Schlüssel der Straße nach Komorn, ist von den Ungarn genommen. Jelachich steht auf dem rechten Donauufer bei Szent Endre!* bei Szent Endre!

Diese Nachrichten waren in Wien am 13. seit Mittag bekannt, und machten „einen niederschlagenden Eindruck.“ Welden sollte den 14. schon zur ungarischen Armee abgehen.

Die nähern Details über diese neue Wendung des Kampfs und diesen strategisch höchst wichtigen Erfolg der Ungarn fehlen noch. Wir können also nicht wissen, ob die ungarische Armee wirklich auf Komorn marschirt, um dies zu entsetzen, oder ob sie bloß die Kaiserlichen aus ihrer befestigten Stellung vor Pesth weglocken und ihnen eine offene Feldschlacht liefern will, ohne Pesth selbst der Gefahr eines Bombardements auszusetzen.

Die übrigen Nachrichten sind im höchsten Grade widersprechend. Weder über die Stellung der magyrischen Armee bei den letzten Kämpfen vor Pesth, noch über die Einzelnheiten des Kampfes selbst ist das Geringste bekannt. Windischgrätz hat Niemanden aus den Pesther Linien herausgelassen. Nur so viel wissen wir, daß am 8. (Ostersonntag) außer einigen Vorpostengefechten nichts vorfiel. Auch am 9. fielen keine Kanonenschüsse. Es war dies der Tag, wo die Hauptmacht der Magyaren nach Waitzen aufgebrochen zu sein scheint. Zwei östreichische Brigaden zogen in derselben Richtung ab.

Südlich von Pesth, bei Raczkeni, sollen die Magyaren unter Vetter eine Brücke über die Donau zu schlagen versucht haben, aber daran verhindert worden sein.

Im Uebrigen cirkuliren die fabelhaftesten und widersprechendsten Gerüchte. Die Angst der Schwarzgelben läßt Bem mit 20,000 Mann aus Siebenbürgen angekommen sein und gegen Kalocsa an der Donau (an der Gränze der Bacska) operiren um von dort aus auf das rechte Ufer zu gehen und im Rücken der Oestreicher vorzudringen. In dieser Gegend entreißt Perczel übrigens den Serben eine wichtige Position nach der andern. Das ehedem belagerte Peterwardein bildet jetzt einen Hauptstützpunkt seiner Operationen.

Ein anderes Angstgerücht der Oestreicher läßt Görgei schon bei Bruck an der Seitha, wenige Stunden von Wien stehen!

Der serbischen Vojvodowina ist übrigens vom Ministerium endlich versprochen, daß sie in die Reihe der selbstständigen Kronländer treten soll. Ob dies die Stimmung der Serben, die täglich mehr zu einer Vereinigung mit den Magyaren hindrängt, günstiger für das Ministerium machen wird, läßt sich bezweifeln. Die Serben trauen der Regierung nicht mehr, die so oft versucht hat, sie zu verrathen. Der Correspondent des „C. Bl. a. B.“ von der Drave meldet: „Vielleicht schreibe ich Ihnen bald *auf der Flucht*!“

Aus Siebenbürgen kein Wort. Ebensowenig aus Galizien über den angeblichen Einmarsch der Russen. Dagegen taucht in der Bukowina die lange verschollene Nation der Huzuler wieder auf, mit ihrem Bauernkönig Kobylitza an der Spitze. Hier, in diesem entferntesten Winkel der Gesammtmonarchie entspinnt sich der Kampf zwischen Bauern und Adel, den die Durchführung der oktroyirten Ablösungsgesetze überall in Oestreich hervorrufen muß. Kobilytza *schließt sich direkt an die Magyaren an*. Man höre, was die in Czernowitz erscheinende Bukowina vom 4. April hierüber schreibt:

„Der berüchtigte Kobiza mit seinem gefährlichen Agenten Birla Mironiuk ist wieder im Gebirge unter den (ruthenischen) Huzulen erschienen und macht den Gemeinden gefährliche Vorspiegelungen; er eifert sie zu Eingriffen in die herrschaftlichen Wälder und Weiden an, so wie damit, bei ihrer renitenten Haltung zu verbleiben: er werde ihnen nächstens mit einer *ungarischen Armee* zu Hülfe kommen. Der hierdurch hervorgerufene Geist der Aufregung ist namentlich in der Umgebung von Berhometh bedenklich geworden, daher das Kreisamt zur Entsendung einer kompleten Kompagnie in diese Gegend und zu sonstigen energischen Maßregeln sich veranlaßt gesehen hat. Die Kompagnie wurde der diesfälligen kreisämtlichen Weisung zufolge in Berhometh und dessen Umgebung stationirt. Der Kreiskommissär Wex leitet die Amtshandlung, die sich zunächst in der dortigen Gegend auf die Hintanhaltung der sich erlaubten Eingriffe in die herrschaftlichen Wälder und Hutweiden, auf die Untersuchung und strenge Bestrafung der Thäter, auf die Belehrung und Beobachtung der Gemeinden, auf die schärfste und unnachsichtliche Behandlung aller Ruhestörer und Wühler, auf die Beobachtung und Inzaumhaltung des Landvolks, und auf die Aufbringung des Kobeliza und seines Agenten Birla Mironiuk erstrecken soll. — Diese kräftigen Maßnahmen dürften endlich eine definitive Beschwichtigung der ruthenischen Gebirgsgemeinden erzielen.“

Glück auf zum österreichischen Bauernkriege!
