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Title: Ungarn. 21. Februar 1849 (1849)
Description: Die Rubrik Ungarn der Neuen Rheinischen Zeitung: Bems Sieg bei Hermannstadt nach seinem eigenen Bericht, die von den Bülletins verschwiegene östreichische Niederlage an der Theiß und die Gräuel der kaiserlichen Soldateska bei Tokay.
Author: Friedrich Engels
Date: 1849-02-21
URL: https://marxismo.school/archivo/marx-engels/originales/1849%20Ungarn.%2021.%20Februar%201849
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*Ohne Unterschrift erschienen in der* Neue Rheinische Zeitung *Nr. 227 vom 21. Februar 1849 (Köln), S. 1; nach der MEGA² (I/8) von Friedrich Engels. Text nach dem Original der Zeitung (Digitalisat der USB Köln). [Traducción al español](https://marxismo.school/archivo/marx-engels/1849%20Hungr%C3%ADa.%2021%20de%20febrero%20de%201849)*

Olmützer Blätter bringen die Nachricht, daß Bem in *Hermannstadt eingerückt* ist und dort sein Hauptquartier aufgeschlagen hat. In der „Bresl. Zeit.“ lesen wir folgenden Bericht, überschrieben: „*Siege des Generals Bem*“ und datirt „aus Ungarn, 12. Februar“:

Es liegt mir eine Nummer des in *Debreczin* erscheinenden Moniteurs, Közlöny, vor, in welchem ein ausführlicher *Bericht des General Bem über seine Siege bei Hermannstadt* enthalten ist. Bem macht sich darin über die 100jährige hofkriegsräthliche Methode des kaiserl. F.-M.-L. *Puchner* lustig. Dieser hatte den Bem umzingeln wollen, welcher mit meisterhafter Benutzung des Terrains seine Truppen in Massen gruppirte. Schon glaubte Puchner die Rebellenschaar aufheben zu können, als Bem sich mit aller Kraft auf das feindliche Centrum warf, dasselbe sprengte und vom Terrain unterstützt, den rechten und linken Flügel in den Rücken nahm. *Ein sehr großer Theil der Kaiserlichen wurde gefangen genommen. Hermannstadt selbst, welches beim ersten Anrücken Bem's auf seine Truppen aus den Fenstern schießen ließ, wurde von den aufgebrachten Soldaten geplündert. Bem selbst zog am 26. Jan. in die Stadt ein.* Er verzögerte den Einzug, welcher schon am 23. geschehen sollte, absichtlich, um die Wuth des Militärs gegen die Hermannstädter etwas verrauchen zu lassen. Doch haben sich die Szekler manche Grausamkeit zu Schulden kommen lassen, was Bem in seinem Berichte beklagt. Wenn nun die Wiener Blätter von der Einnahme Hermannstadts schweigen, so können Sie doch dieselbe als unleugbare Thatsache betrachten. Sie wissen wohl, wie lange man in Wien die Einnahme *Klausenburgs* verschwiegen. — Aus zuverlässiger Quelle kann ich Ihnen mittheilen, daß die *Kaiserlichen neuerdings bei Zibackhaz an der Theiß geschlagen wurden.* Man hörte die Kanonade bis *Czegled*, und einzelne Dragoner flüchteten bis *Pesth*. Von Augenzeugen wird die Affaire in der Weise erzählt, daß die Kaiserlichen die feste Theißbrücke bei Zibackhaz abbrennen wollten, welches aber die Ungarn mit solcher Macht verhinderten, daß die Kaiserlichen zuletzt die Flucht ergreifen mußten. Bemerkenswerth ist, daß die Bülletins auch von diesem siebenstündigen Treffen schweigen. — Außer den bereits genannten polnischen Generalen *Dembinski* und *Bem* sind bei den Ungarn auch die polnischen Stabsoffiziere *Sierakowski*, *Kaminski* u. a. Ein französischer General führt in Debreczin das Präsidium im ungarischen Kriegsrathe. Aus *Pesth* erfahren wir, daß in Folge der Niederlage bei Zibackhaz der größte Theil der Besatzung abmarschirt ist. Aus *Gran* werden viele verwundete Soldaten nach Pesth gebracht. Die ungarische Besatzung der Festung Komorn beherrscht nämlich den größten Theil des Graner Komitats und führt fast täglich Scharmützel gegen die Kaiserlichen aus. Fürst Windischgrätz hat zu einer neuen Finanzquelle Zuflucht genommen. Er hat nämlich eine Proklamation erlassen, nach welcher jede Judengemeinde für jedes Individuum aus ihrer Mitte, welches des Einverständnisses mit den Rebellen überwiesen wird, 20,000 Fl. C.-M. zu zahlen hat. Ein Brief aus *Tokay* vom 9. Februar, welchen ein aus dortiger Gegend kommender Schlesier an die in der Grafschaft wohnenden Angehörigen des Verfassers mitgebracht hat, enthält folgende Schilderung von dort verübten Gräueln: „Mit welcher gräßlichen Wuth der Krieg der Oestreicher gegen die Ungarn geführt wird, davon hatten wir vorgestern (am 7. Februar) Gelegenheit, zur traurigen Ueberzeugung zu gelangen. Eine Schaar von 150 Oestreichern war in die großartigen Myskolzer Weinkeller gedrungen. Nach ihrer Manier hatten sie nicht nur unmenschlich gezecht, sondern auch die Fässer zerschlagen, damit der Wein auslaufen sollte, wobei Einige der Betrunkensten ihr Leben einbüßten. Damit nicht zufrieden, wurden die herbeigeschleppten Töchter und Mägde der benachbarten Höfe, nachdem man ihnen die Kleider vom Leibe gerissen, gezwungen, in diesem Zustande zu tanzen, der nachfolgenden Schändlichkeiten nicht zu gedenken. Ein bartloser östreichischer Lieutenant war so entmenscht, einem der unglücklichen Mädchen mit dem Säbel den Unterleib aufzuschlitzen. — Während diese Horde, ermattet von den begangenen Unthaten sich sorglos dem Schlummer überließ, rückte eine Abtheilung *ungarischer* Truppen heran, welche, empört über das Vorgefallene, die grausamste Rache nahmen. Sie banden die fest schlafenden Kaiserlichen und hackten sie im buchstäblichen Sinne des Wortes, bei lebendigem Leibe mit den Säbeln entzwei. Das Schmerzgeheul der Unglücklichen war grausenerregend. Wo Oestreicher hinkommen, ist es um das Eigenthum ihrer Wirthsleute geschehen, es wird *Alles* demolirt, die Betten werden aufgeschnitten und die Federn in die Düngergruben geschüttet; Weiber und Mädchen, selbst Kinder von 6 bis 8 Jahren müssen flüchten, wollen sie nicht auf die allerempörendste Weise entehrt werden.“ — Die Reise des Ueberbringers des erwähnten Briefes, soll übrigens, öftere Nachforschungen abgerechnet, ziemlich gefahrlos gewesen sein. Der preußische Paß wurde überall respectirt. (Als ob dies ein Wunder wäre!) Verläßlichen Privatnachrichten zufolge, die aus Wien mitgetheilt werden, haben die Szekler *Kronstadt* eingenommen. Nach der „Wiener Zeitung“ hat Oberst Urban bei Miroszny ein magyarisches Corps unvermuthet überfallen und geschlagen.
