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Title: Ungarn. 3. Mai 1849 (1849)
Description: Die Rubrik Ungarn der Neuen Rheinischen Zeitung: Schlicks Bericht über Acs, die Räumung Ofens, Kossuth und Robert Blum.
Author: Friedrich Engels
Date: 1849-05-03
URL: https://marxismo.school/archivo/marx-engels/originales/1849%20Ungarn.%203.%20Mai%201849
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*Ohne Unterschrift erschienen in der* Neuen Rheinischen Zeitung*, Nr. 288, 3. Mai 1849 (Köln), S. 4, Rubrik „Ungarn“; von der MEGA² (I/9) Friedrich Engels zugeschrieben. Text nach dem Originaldruck der Zeitung (Digitale Sammlungen der USB Köln). [Traducción al español](https://marxismo.school/archivo/marx-engels/1849%20Hungr%C3%ADa.%203%20de%20mayo%20de%201849)*

\* Ueber das Gefecht bei Acs hat Schlick einen Bericht veröffentlicht aus dem Folgendes hervorgeht: Die Ungarn, vom Komorner Brückenkopf des rechten Donau-Ufers und von Uj-Szöny aus vordringend, hatten den Sandberg bei Acs besetzt und dort Verschanzungen aufgeworfen. Schlick, um sie aus dieser, wie Komorn, die Straße nach Preßburg beherrschenden Stellung zu vertreiben, ließ den Sandberg in der Fronte durch die Division Simunich angreifen und erstürmen. Zugleich „zwang die Brigade Liebler den Feind, Stand zu halten“ (?!) und machte die Kavalleriebrigade Montenuovo (ital. Chevauxlegers, czechische Kürassiere und galizische Ulanen) einen Flankenangriff.

Die ungarischen Streitkräfte auf dem rechten Donau-Ufer scheinen noch nicht stark genug gewesen zu sein, um dem Angriff einer solchen Truppenmasse zu halten; sie zogen sich unter die Stand Kanonen des Brückenkopfs zurück, von wo aus sie jedoch noch immer die Straße nach Raab und Preßburg beherrschen.

Ofen soll jetzt auch gänzlich von den Kaiserlichen geräumt sein. Jelachich hatte die Absicht, die verfallene Citadelle zu halten; Welden wollte aber nicht. Am 24. sind die letzten 2000 Kroaten von Ofen abgezogen und die in Wien angekommenen Briefe tragen bereits den magyarischen Stempel: „Buda“.

Die Oestreicher haben furchtbar gelitten in den letzten Gefechten. Der Rückzug löst sich mehr und mehr in wilde regellose Flucht auf. Die Soldaten, seit 14 Tagen von den Magyaren Tag und Nacht gehetzt, sind ermattet und demoralisirt. Sie erklären ihren Offizieren ganz offen, nicht mehr gegen die Ungarn kämpfen zu wollen, die Ungarn hätten Recht &c.

Die Ungarn haben einen *Sohn des Fürsten Windischgrätz gefangen*. Auf eine Anfrage des Fürsten wegen eines etwaigen Austausches erwiderte ihm Kossuth, wie man erzählt: *„Gib mir Robert Blum dafür und er ist frei, eine andere Auswechselung kann ich nicht gestatten.“*

So handelt ein *Magyare*, — und wir Deutschen!

Dahin mußte es kommen, daß *russische Horden* als Kämpfer für die Hoheit *deutscher Regierungen* auftreten, und daß die *magyarische Revolutionsarmee* als Vertreterin der *deutschen Revolution*, als Rächerin Robert Blum's auftritt, während Deutschland passiv und theilnahmlos in dumpfer Trägheit Alles über sich ergehen läßt!

Aus Hermannstadt und Kronstadt sind jetzt Berichte von Augenzeugen da. Nur ein Bürger wurde auf der Flucht erschossen und der Verräther Benigni, der die Russen hauptsächlich herbefördert hatte, wurde in seinem Bette getödtet. Sonst wurden nur die Gebäude in der Verschanzung, und zwei Häuser aus denen auf Bems Armee geschossen worden, der Plünderung preisgegeben. 200,000 fl Kriegssteuer wurden aufgelegt und alle Pferde mit Beschlag belegt.

*Preßburg*, 25. April. Werthheimer aus Frankfurt a. M., 49. J. alt, ist wegen zweier an Kossuth Ende vorigen Jahres geschriebenen Briefe von der hiesigen Militär-Untersuchungs-Kommission zu 2jährigem Festungsarrest verurtheilt worden. (Läßt sich diese noble Militär-Untersuchungs-Kommission jetzt von den Magyaren erwischen, so wird sie für alle gefällten Urtel bald ein zusammenfassendes Haupturtel an sich selbst vollstreckt sehen.)
