Brief von Friedrich Engels an Karl Marx in London, Manchester, 20. März 1857. Text nach MEGA¹ III/2, Berlin 1930, Nr. 415, S. 175–176, ohne den Apparat der Herausgeber. Traducción al español.
Manchester, 20. März 1857.
Lieber Marx,
Ich hatte mir schon gedacht, daß Du wieder ziemlich tief im Pech sitzen würdest. Was meinerseits geschehen kann, geschieht. Wenn es irgend möglich, schicke ich Dir nächste Woche noch einen Fünfpfünder, und wenn ich den nicht auftreiben kann, eine Post Office Ordre. Für letzteren Fall sage mir doch, bei welchem Post Office ich sie zahlbar machen soll. Ich habe diesen Monat sehr schwere Schulden zahlen müssen, die Leute kamen mir aufs Comptoir gerückt, da war kein Rat als blechen. Sonst erfolgte der Fünfpfünder sofort. Es ist übrigens ein Glück, daß diese Parlamentsgeschichte eingetreten ist und die chinesische dazu; in diesem Moment wird die Tribune wieder Hülfe bedürfen und zu terms kommen müssen.
Ich habe hier bei dem Guardiankerl herumgewittert, ob nicht hier mit reviews und Magazines anzubinden wäre. Aber der Kerl scheint auch auf der Jagd zu sein, um selbst anzukommen, und da ist nicht viel herauszukriegen. Indes ich werde sehn. Da er meine Ansicht von Palmerston kennt und sie für preposterous erklärt, so wird er uns in Politicis erst recht nicht empfehlen. Trotzdem hab’ ich einen gewissen hold on the fellow, bei dem ich aber noch nicht herauskriegen kann, wie er zu verwerten ist.
Die Ansicht von Palmerstons Absichten und Chancen mit dem neuen Parlament ist auch die meinige. Bonapartischer Despotismus Pams mit einem Corps législatif. Wir werden sehn, wohin das führt.
Bangya ist sogar nach der A[ugsburger] A[llgemeinen] Z[eitung] von den Tscherkessen (welchen? nicht gesagt) zum „Chef des Hauses“ ernannt worden und absichtlich als Ausländer zu diesem Pöstchen erkoren, damit keiner der inländischen Chefs sich über Zurücksetzung beklagen könne. Wohin Sefer Pascha (dieser ist ein andrer als Koscielski) geraten, ist nicht zu ergründen. Ich halte die ganze Sache für einen russischen Geniestreich, und wird man von den 300 polackischen Spartanern wohl bald nichts mehr hören.
Der Nord muß wieder umgekippt haben. Der Brüsseler Korrespondent des Guardian zitiert Stellen, die wütend gegen Palm[erston] sind. Kannst Du mir die prägnanteste Stelle angeben? Ich seh hier dergleichen Sachen gar nicht, und bei allen Debatten soll ich gleich chapter and verse bei der Hand haben.
Als ich neulich meine alten Zeitungen ordnete, fand sich, daß mir ein Hauptpaket englischer Blätter und Ausschnitte Guardians, Free Press usw. abhanden gekommen. Glücklicherweise keine Sachen, die unser Parteiarchiv angehn — die sind gut verwahrt. Aber mit wenig Ausnahmen alles, was auf Palmerston Bezug hat, die Tuckerschen Pamphlets, die Ausschnitte Deiner Artikel, die Du mir geschickt hattest (davon sind auch manche bei Lupus usw. hängen geblieben). Ich brauchte und suchte sie gerade, um wieder die Details aufzufrischen. Hast Du noch einige Duplikate, die Du mir schicken kannst, und auch ein komplettes Exemplar Deiner im Londoner Urquhart-Blatt abgedruckten Artikel? Letzteres wird dort wohl leicht aufzutreiben sein. Ich kann die Sachen sehr gut gerade jetzt gebrauchen.
Bob Lowe hat hier wenig Chance. Ein Teil der Spießbürger hat sich gegen Bright erklärt; ich glaube indes, er kommt diesmal noch durch. Lowe wird sich blamieren, sobald er herkommt. Es wär’ aber göttlich, wenn er hereinkäme.
Herzliche Grüße an Deine Frau und Kinder. Schreib bald wieder, wie’s Deiner Frau geht.
Dein F. E.