Brief von Karl Marx an Friedrich Engels in Manchester, [London,] 15. August 1863. Text nach MEGA¹ III/3, Berlin 1930, Nr. 840, S. 152–154, ohne den Apparat der Herausgeber. Traducción al español.
- August 1863.
Dear Frederick,
Hol mich der Teufel, wie der Rote sagte, wenn ich seit 8 Tagen nicht jeden Morgen mit dem festen Entschluß aufstand, Dir zu schreiben. Aber sobald ich in mein Arbeitszimmer kam, beschwichtigte ich mein Gewissen mit dem Köder, daß ich nur noch 6 Zeilen dem gestern abgebrochnen Manuskript zusetzen wollte. Und einmal von dem Wege Rechtens abgegangen, zeigte sich der Fluch der bösen Tat, daß sie fortwährend Böses muß erzeugen.
Meine Familie ist letzten Freitag nach Hastings abgegangen. Die Abreise fand so spät statt, weil Lenchen wegen Familienangelegenheiten auf 14 Tage nach Deutschland mußte.
Den einliegenden Photographen (zu meinem zwangen mich die Kinder) werden bald Jennys und Lauras nachfolgen.
Mit meiner Arbeit (dem Manuskript für den Druck) geht es in einer Hinsicht gut voran. Die Sachen nehmen bei der letzten Ausarbeitung, wie es mir scheint, eine erträglich populäre Form an, einige unvermeidliche G—W und W—G abgerechnet. Andrerseits, obgleich ich den ganzen Tag schreibe, geht’s nicht so rasch vom Fleck, wie meine eigne längst auf die Geduldprobe gestellte Ungeduld wünscht. Jedenfalls wird es 100 p. c. leichter verständlich als No. 1. Übrigens, wenn ich jetzt das Machwerk ansehe und sehe, wie ich alles habe umschmeißen müssen und auch den historischen Teil erst aus zum Teil ganz unbekanntem Material machen mußte, so ist mir Itzig in der Tat komisch, der „seine“ Ökonomie bereits in der Mache hat, durch sämtliches Zeug aber, das er bisher losgehökert, sich als einen Sextaner erweist, der mit der widerlichsten, spreitspurigsten Waschweiberei Sätze in die Welt posaunt — als seine neuste Entdeckung —, die wir vor 20 Jahren zehnmal besser schon als Scheidemünze unter unsre partisans verteilten. Derselbe Itzig sammelt auch sonst unsre vor 20 Jahren abgesonderten Parteiexkremente in seine manurefabrik, mit der die Weltgeschichte gedungen werden soll. So z. B. hat er ein Adhäsionsschreiben von „Herwegh“ (der sicher seine platonische Liebe für das „Prinzip der Arbeit“ bewährt hat) im Nordstern drucken lassen. Dieser Nordstern nämlich redigiert von dem verbummelten Bruhn, den Lassalle dem Blind abgekauft hat. So hat Itzig den „Moses Heß“ zu seinem „Statthalter in der Rheinprovinz“ ernannt usw. Und immer noch scheint er die fixe Idee nicht loszuwerden, daß Freiligrath ihn besingen soll. Der pfeift ihm was. Er hat den F[reiligrath] nämlich wieder durch seinen Leipziger „Statthalter“ zur Tat, unter Vorhaltung des guten Beispiels des G. Herwegh, dringend summon lassen. Wenn er wüßte, wie F[reiligrath] mit mir über dies neue Attentat gelacht hat!
„O Itzig, o Itzig, was hast Du gedenkt,
Daß Du Dich an den Herwegh und den Moses H[eß] gehenkt!“
Die hiesigen Philister sind sehr toll gegen die Times, weil die Times sie so schön auf den Confederate Loan geschnitten. Diese Biedermänner konnten doch wissen, daß die Times, wie Cobbett ihnen schon verriet, nichts als ein „commercial concern“ ist, das den Teufel danach fragt, wie die balance fällt, wenn sich nur eine balance in its own favour herausstellt. Die Kerls von der Times, wie der J. Spence — „that man“, wie der Richmond Enquirer sagt, „whom we have paid in solid gold“ —, erhielten die loan scrips teils umsonst, teils für 50 p. c. Discount auf den nominellen Betrag. Es war also ein schönes Geschäft, sie auf 105 heraufzudeklamieren.
Es scheint mir sehr wichtig für die United States, daß sie vor allem der restierenden Ports, Charleston, Mobile etc. sich bemächtigen, wegen der Kollision, in die sie jeden Tag mit Boustrapa geraten können. Dieser kaiserliche Lazarillo de Tormes karikiert jetzt nicht allein seinen Onkel, sondern schon sich selbst. Denn das „suffrage“ in Mexiko ist doch eine schöne Karikatur nicht nur des suffrage, wodurch er sich selbst, sondern Nizza und Savoyen französisch machte. Für mich unterliegt es keinem Zweifel, daß er an Mexiko den Hals bricht, wenn er nicht schon vorher gehangen wird.
Die polnische Geschichte ist ganz verfahren durch denselben Boustrapa und durch den Einfluß, den seine Intrigen der Czartoryski-Partei verschafft haben. Oberst Lapinski, der von seiner mit Bakunin unternommenen und von Palmerston so schön auf der schwedischen Küste beendeten Irrfahrt seit ein paar Tagen zurückgekehrt ist, klagt sehr, daß die Committees in Warschau, London und Paris ganz unter dem bonapartistisch-czartoryskischen Einfluß stehn.
Unser Vaterland sieht gottesjämmerlich aus. Ohne Keile von außen ist mit diesen Hunden nichts anzufangen.
Apropos! Seit Deinem Buch über England ist jetzt endlich wieder ein zweiter Children’s Employment Commission Report erschienen. Er beweist, daß alle Scheußlichkeiten, die aus gewissen Industriesphären durch die Factory acts vertrieben, sich mit erneuter Wut auf das freie Terrain geworfen haben! Es würde einen famosen Nachtrag für Dein Buch geben, sobald die Reports vollständig erschienen sind.
Gratuliere dem Gumperto. Er hat jedenfalls dafür gesorgt, daß seine Ehe nicht kinderlos bleibt.
In Borchardt scheint das Fleisch stärker zu sein, als für sein priesterliches Amt paßt. Und er wird alle die andern Judenweiber eifersüchtig machen.
Ist lupus zurück? Grüß ihn in diesem Falle bestens von mir. Ich wünsche nichts mehr, als ich könnte Dich nun zwei Tage hier haben und mit Dir plaudern und kneipen. Es ist so lang, daß wir nicht mehr zusammen waren.
Salut.
Dein K. M.
Dem „Pi“ ist gedient.
Apropos! Unter den Curiosis, die ich bei meiner Nachlese auf dem Museum fand, folgendes:
„Verum inventum, hoc est, munera Germaniae, ab ipsa primitus reperta, non ex vino, ut calumniator (ein Engländer nämlich) quidam sceptice invehit, sed vi animi et corporis et reliquo orbi communicata etc., auctore Michaelo Maiero, Francofurti, 1619.“
Die munera und Erfindungen Germaniae sind: „Römische Kaiserwürde, Schießpulver, Buchdruckerei, Verbessrung der Religion, Arzneien des Theophrastus Paracelsus, Geheimnisse der Rosenkreuzer — Inventum politicum, bellicum, litteraricum, theologicum, medicum, chymicum.“