Brief von Friedrich Engels an Karl Marx in London, Manchester, 7. Februar 1865. Text nach MEGA¹ III/3, Berlin 1930, Nr. 896, S. 228–230, ohne den Apparat der Herausgeber. Traducción al español.
Manchester, 7. Februar 1865.
Lieber Mohr,
Inliegend die Erklärung. Sie wird Anstoß finden daran, daß wir Moses nennen, was beim Abdruck als ein Bruch des Redaktionsgeheimnisses angesehn werden könnte. Vergiß nicht, Liebknecht hierüber Instruktionen zu geben, damit nicht wegen einer solchen mehr oder minder berechtigten Formfrage die Sache wieder verzögert wird.
Der Liebknecht wird immer dummer. Das nennt er einen Kompromiß, daß wir nicht nur stillschweigend alle die Dummheiten sanktionieren sollen, die in dem Blatt passieren, sondern auch uns noch gefallen lassen, daß das Blatt gegen allen Komment unsre eignen Sachen und Agitationen verdächtigt.
Aber wir haben immer ein schönes lot von Bevollmächtigten und werden sicher nicht solche Esel sein wie Lassalle und ihnen etwas „vermachen“, s’il y avait de quoi. Wenn die Geschichte in Berlin schief geht, so tut L[iebknecht] am besten, mit Hinterlassung seiner Familie herzukommen, wir wollen dann sehn, was zu machen ist, er kann sich hier auf der Schilleranstalt rasch Bekanntschaften machen, und was sonst geschehen kann, wird geschehn; ich glaube, es könnte ihm auf diese Weise wohl gelingen, sich hier festzusetzen, und wenn nicht, ist nichts verloren, und geht’s gut, so kann er seine Familie nachkommen lassen. Bringt er die Familie gleich mit, so geht er hier sicher zum Teufel, weil dann die Kosten so steigen, daß der Versuch nur von kurzer Dauer sein kann. Kinderunterricht, wie Lupus ihn gab, wird schwer zu erlangen sein; er kann indes ja versuchen, was zu machen ist.
Der Bender hat mir für mein Abonnement auf das Social-Demokrätchen 5 sh. pro Quartal berechnet, was mir enorm vorkommt.
Der Henker weiß, was man hier für allerlei Störungen hat beim Arbeiten. Gestern wieder Komiteesitzung der Schilleranstalt, so daß ich seit Freitag erst heute Abend wieder an die Militärfrage komme.
Der Versuch der Hatzfeldt und Klings, den Bernh. Becker herauszuschmeißen, ist also vollständig gescheitert und Klings herausgeschmissen. Laß uns um Alles in der Welt die Finger aus dem Dreck halten, es ist, wie 1848 der Arbeiter im Gürzenich sagte: sie mögen fallen, wie sie wollen, es liegt immer ein Schuft boven.
Was der Schweitzer „als welcher“ für ein verrücktes Deutsch schreibt! Dieser zweite leader über das Ministerium Bismarck ist wieder so hochtrabend verzwickt wie nur möglich, wenn auch die direkte Koketterie mit Bismarck wegfällt und es gut ist, daß er Preußens Politik als antideutsch geradezu bezeichnet. Aber wie naiv von Liebknecht, daß er verlangt, wir sollen ihnen klarmachen, wie sie sich zur Regierung zu stellen haben, während er sich doch vor allen Dingen von Herrn Schweitzer kategorische Erklärungen ausbitten sollte, wie dieser sich zur Regierung stellen will.
Mir sieht's in Preußen jetzt sehr nach Kompromiß aus, wobei die Kammer ihr Budgetrecht salvieren wird, aber in Allem Andern nachgibt. Das Budgetrecht ernstlich auf die Dauer zu bestreiten, wird Bismarck sicher nicht einfallen, da er damit doch weder Geld noch Kredit bekäme, und er hat beides sehr nötig. Indes kann die Geschichte immer noch an allerhand Kleinigkeiten scheitern.
In Amerika wird die Eröffnung der Kampagne vor Richmond im März—April über das ganze Jahr wahrscheinlich entscheiden. Gelingt es Grant, Lee von dort zu vertreiben, so ist die Confederacy played out, ihre Armeen lösen sich auf, und der Banditenkrieg, wie er jetzt in West-Tennessee und überhaupt fast überall schon spielt, ist noch der einzige Feind. Lees Armee ist in Wirklichkeit jetzt schon die einzige, die die Southerners haben; auf ihre Sprengung kommt Alles an. Wir können jetzt schon annehmen, daß das Gebiet, woraus Lee seine Hülfsmittel bezieht, auf Südvirginien, die Karolinas und höchstens noch einen Teil von Georgien beschränkt ist.
Salut.
Dein F. E.