Brief von Friedrich Engels an Karl Marx in London, Manchester, 1. November 1869. Text nach MEGA¹ III/4, Berlin 1931, Nr. 1315, S. 233–234, ohne den Apparat der Herausgeber. Traducción al español.
Manchester, 1. November 1869.
Lieber Mohr,
Der Beschluß von wegen des Grundeigentums hat wahre Wunder gewirkt. Zum ersten Mal, seit Lassalle seine Agitation begann, zwingt er die Kerls in Deutschland zu denken, was bisher für ganz überflüssig galt. Das sieht man aus dem Brief von Bonhorst deutlich. Der Brief gefällt mir auch sonst nicht übel, trotz der Schöntuerei und Halbbildung ist ein gewisser gesunder Volkshumor drin, und mit der Hypothek hat er doch gleich den rechten Fleck getroffen. Die Leute vergessen übrigens, auch außer der Hauptsache mit dem großen Grundeigentum, daß es verschiedne Sorten Bauern gibt: 1. den Pachtbauer, dem es gleichgültig ist, ob der Boden dem Staat oder dem großen Besitzer gehört; 2. den Eigentümer, erstens den großen Bauer, gegen dessen reaktionäre Existenz der Taglöhner und Knecht aufzustacheln ist, zweitens den Mittelbauern, der auch reaktionär sein wird und der nicht sehr zahlreich ist, und drittens den verschuldeten Kleinbauer, der mit der Hypothek zu fassen ist. Zudem kann man ja sagen, daß das Proletariat vor der Hand kein Interesse daran habe, den kleinen Grundbesitz in Frage zu stellen.
Gottvoll, daß unser Biedermann Goegg jetzt von seinen eignen Leuten als zu kommunistisch an die Luft gesetzt wird! Dahinter steckt der brave Ladendorff. Der Beust ist zwar auf dem Papier Kommunist, aber leicht dabei zu fangen, daß man ihm sagt, zu solchen Zwecken sei das Geld nicht gegeben worden, sondern nur, um Deutschland im Allgemeinen zu revolutionieren. Nun sollen wir wohl noch gar das unglückliche Felleisen am Leben erhalten, von dem nur zu sagen ist, daß je eher es zum Teufel geht, desto besser.
Von den deutschen Sachen könntest Du mir einige Charakteristica zuschicken, damit man doch ein wenig au courant bleibt.
Die Preußen haben wieder einen wundervollen Preußenstreich gemacht mit Zerstörung des Langensalzadenkmals in Celle. Etwas Kriechenderes, als die Interpellation des Herrn Miquel hierüber, nie dagewesen. Roon benutzte die Gelegenheit zu konstatieren, daß in Preußen ein dienstlicher Befehl des Vorgesetzten genügt, damit ein Militär jedes gerichtliche Urteil mit Füßen treten kann.
Der Serno tut mir leid, scheint wirklich mal ein anständiger Russe gewesen zu sein. Noch leider aber tut mir der Goegg mit seiner Meinung von Sernos klassischem Französisch, wovon wir doch auch Proben gesehn.
Es ist ein wahres Glück, daß die Beehive jetzt so frech wie dumm die bürgerliche Couleur zur Schau trägt. So eine Saunummer, wie die gestrige, hab ich noch nie gesehn. Diese Kriecherei vor Gladstone und der ganze bürgerlich-protegierend-philanthropische Ton muß dem Blatt bald den Hals brechen und ein wirkliches Arbeiterblatt zum Bedürfnis machen. Es ist sehr gut, daß grade in dem Augenblick, wo die Arbeiter aus ihrem liberalen Rausch erwachen, ihr einziges Blatt mehr und mehr verbürgert. Aber so dumm sollte Sam Morley doch nicht sein, so dumme Kerls dorthin zu stellen und die bürgerliche Tünche so dick und augenfällig auflegen zu lassen.
Die fenische Demonstration in London beweist nur wieder, was die offizielle Öffentlichkeit der Presse wert ist. Hier kommen ein paar 100 000 Menschen zusammen und machen die imposanteste Demonstration, die London seit Jahren gesehen, und weil es so im Interesse der respectability ist, kann die ganze Londoner Presse ohne Ausnahme das Ding als eine lumpige failure darstellen.
Bei Gelegenheit des jetzigen strikes der Spinner in Bolton hat ein Master Sp[inner] dem Sam Moore gradezu gesagt: We don’t care at all about the 5% reduction of wages, what we want and intend to have is a reduced production (also den strike).
Der Wakefield hat sich hier noch immer nicht gefunden. Ehe ich ihn indessen brauche, habe ich vor Allem die Grundlage, nämlich die Geschichte von 1600—1700, einer genaueren Prüfung zu unterwerfen.
Damit zu meinen irischen Quellen auch die Komik nicht fehlt, finde ich hier in der Foreign library „Irland, von Jacobus Venedey“!
Beste Grüße. Ein Sauwetter hier.
Dein F. E.