Brief von Karl Marx an Friedrich Engels in London, [Monte Carlo,] 30. Mai 1882 (der Ort ist im Brief nicht angegeben). Text nach MEGA¹ III/4, Berlin 1931, Nr. 1528, S. 542–543, ohne den Apparat der Herausgeber. Traducción al español.
- Mai 1882.
Dear Fred,
Seit der am 23. Mai stattgehabten Applikation (der 3. in Monte Carlo) von vésicatoire hatte ich zwar vor heute spätere Rendezvous mit Dr. Kunemann, aber nur betreffs des „Bronchialitischen“. Quoad Pleurésie fand dagegen heute lange Schlußexamination; das épanchement ist „weg“; was bleibt, ist sogenannte trockne Pleuresie; es ist keine Feuchtigkeit mehr im Weg; aber es bleibt das Knistern von einem Fell über anderm, um die Sache falsch populär auszudrücken. Er glaubt es für nützlich, daß ich heute noch ein Vésicatoire zu guter Letzt appliziere, dann aber für ein paar wenige Tage nach Cannes emigriere und darauf nach Paris trollen könne.
Die Pleuresie, meint er, habe ich sie nur ganz zufällig mir zugezogen; ebensogut, bei meinem soliden, normalen Bau, hätte ich sie niemals, aber mit demselben Recht auch vor 40 Jahren erwischen lassen — zufällig! Los sie haben schwieriger wegen der Rezidivenchancen.
Da ich in nackter Schönheit von vorn und von hinten zu paradierte, machte er mich aufmerksam, daß die linke Seite früher aufgeschwollen gegen die rechte in Folge der Pleuresie gewesen; jetzt umgekehrt die linke Seite (es handelt sich um den schadhaften Platz) kontrahiert im Gegensatz zur rechten, und zwar das in Folge meines traitement. Um die letzten Reste, sozusagen die Gedächtnismarken der Pleuresie, ganz mir wegzuarbeiten, sei später durch einigen Aufenthalt auf Gebirgshöhe, wo die dünnere Luft herrscht, erreichbar. Die Lungen müßten durch solche Gymnastik, ihr durch Milieu aufgezwungne Gymnastik, wieder „berichtigt“. Ich konnte die Details um so minder folgen, als er das Französische häufig durch Elsasser Deutsches, wohl auch durch einiges Yankee-Englisch (die Details) mir näher zu bringen suchte. Doch war das klar, was Dr. Stephann mir den ersten Tag gesagt: Ihr Brustkasten bleibt, was er ist; nimmt also ein falsches Geweb den Platz der einen Lungenseite verengt, so muß die Lunge sich mit minder Raum genügen. Im Maß, wie dies Geweb entfernt, dehnt sich die Lunge wieder aus. Ich kam eben erst von Kunemann, also nahe 6 Uhr Abends, was (6 Uhr) letzte Poststunde for to-day. Morgen — von wegen der heute Nacht mir schließlich applizierbaren vésicatoire — ist out of question Schreiben; übermorgen muß ich mich erholen, und so werdet Ihr vor 2. oder 3. Juni (da ich außerdem packen werde müsse[n]) „schwörliche“ weitere Nachricht erhalten.
Mit besten Grüßen.
Old Mohr.