Ohne Unterschrift erschienen in der Neue Rheinische Zeitung Nr. 251 vom 21. März 1849 (Köln), S. 4; nach der MEGA² (I/9) von Friedrich Engels. Text nach dem Original der Zeitung (Digitalisat der USB Köln). Traducción al español
Ungarn.
* Wie es mit den Kaiserlichen steht, davon gibt folgender Bericht aus Wien schlagendes Zeugniß:
„Der Angabe mehrerer Blätter, daß die Angelegenheiten in Ungarn eine bedenkliche Wendung genommen haben, wird amtlich widersprochen. Dennoch stellt sich diese Ansicht im Publikum fest.“
Also den Tag nach Veröffentlichung eines amtlichen Bülletins muß Welden das Volk noch besonders versichern, daß die ungarischen Angelegenheiten keine „bedenkliche Wendung genommen“! Als ob eine solche Thatsache nicht vollkommen hinreiche!
In Wien wird ferner folgendes standrechtliche Gerücht verbreitet:
„Die operirende Armee in Ungarn hat folgende Stellungen inne: Tokay ist von der Brigade Götz, Miskolcz von der Brigade Jablonowsky besetzt; F.-M.-L. Schlick steht mit seinem Armeekorps um Erlau, und von da bis Szolnok hinab ist das Gros der Armee konzentrirt; der Banus mit seinem Hauptquartier in Czegled, der Fürstmarschall in Ofen.“
Daß Schlick um Erlau, und Jelachich bei Czegled steht, wird schwer zu bestreiten sein, da sie diese, ziemlich weit zurückliegenden Positionen bereits vor 8 Tagen hatten. Aber daß Jablowsky in Miskolcz, und vollends Götz in Tokay sei, ist offenbare Lüge. Das gestrige Bülletin hätte das schon wissen müssen.
Die Bresl. Ztg. enthält folgende magyarische Correspondenz, die wir diesmal ausnahmsweise für sehr unsicher, und wenigstens ihrer ersten Hälfte nach für reinen Pesther Stadtklatsch halten müssen:
„Die Raitzen sind abermals bei Theresiopel von den Ungarn auf’s Haupt geschlagen worden. In Folge dessen hat der kaiserliche Kommandant der Temesvarer Festung, General Rukavina, einen Kourier an Windischgrätz nach Pesth geschickt mit der Bitte um sofortige Hülfe, da er sich sonst ergeben müsse. Der ungar. General Görgey hat die Festung Komorn, welche von dem kaiserlichen F.-M.-L. Simunich bereits beschossen ward, entsetzt. Simunich zog sich mit Hinterlassung vieler Bagage gegen Leopoldstadt zurück. Der F.-M.-L. Graf Schlick, welchem Windischgrätz die Leitung des Rückzugs anvertraute, ist gestern in Pesth angekommen. Derselbe sprach sich in einem Privatzirkel mit höchster Bewunderung über Dembinski aus. — In Folge, der neuen überaus strengen Absperre sind wir ohne sichere Nachrichten über die gegenwärtige Stellung der ungarischen Armee, doch geben die fortwährenden Rückfuhren von Geschütz und Munition deutliche Fingerzeige von dem Vordringen der Ungarn. Gestern traf ein ungarisches Streifkorps in Promontor ein, 1 ½ Stunden von Ofen, was in der Ofener Festung den größten Allarm verursachte. Die meisten Wiener Großhändler aber, welche zum gegenwärtigen Josephimarkt in Pesth sind, ließen ihre Waaren einpacken und nach Wien zurückführen.“
Aus Siebenbürgen erhalten wir durch den östreich. Corresp. folgende Berichte, die wir ebenfalls nur unter allen Vorbehalten mittheilen, da sie gränzenlos parteiisch-östreichisch sind:
„Kronstadt, 22. Febr. Der hiesige sächsische Magistrat, der zuerst den General Lüders um eine russische Hülfe angegangen, scheint sich schon jetzt seines Schrittes nicht sehr zu freuen. Wirklich benahmen sich hier die Russen auf eine auffallende Weise. Man hört Einzelnheiten, die, wenn sie hinlänglich beglaubigt wären, allerdings die baldige Entfernung der russischen Hülfstruppen wünschenswerth machen müßten. Man hat hier eine Art Einkommensteuer auf die Einwohner, zum Unterhalte der russischen Truppen, geworfen; während wir früher der Meinung waren, daß uns diese Last keineswegs aufgebürdet werden wird. — Man spricht von starken türkischen Truppenmassen, die hier nach der Wallachei kommen sollen; man erwartet auch hier neue russische Truppen.“
„Hermannstadt, 26. Febr. Ueber Bem zirkuliren hier allerlei Gerüchte, ein Beweis, daß man über seine Bewegungen nicht genau unterrichtet ist. Heute sprach man hier, daß er an den Folgen seiner Amputation gestorben wäre (!), was ich noch nicht glaube. Wahr ist es indessen, daß er Mangel an Munition leidet. Indem (!) er Verstärkungen und Munition über Klausenburg aus Ungarn erwartet, richtet er seine Macht gegen Maros-Vasarhely; denn (!) obgleich Oberst Urban nur mit 4 Bataillons regulären Militärs operirt, so fürchtet Bem dennoch diesen Helden viel mehr, als alle Corpskommandanten sammt den russischen Kosaken. Nachdem man hier zwei Wochen in Unthätigkeit zugebracht, fängt man heute an, sich zu bewegen. Es sind in diesem Augenblicke 2 Brigaden in Bewegung gesetzt, die eine marschirt gegen Schäßburg, die andere über Mediasch gegen Blasendorf. Auch der romanische Präfekt A. Severn, der mit 400 Landstürmern in Resinari postirt war, hat Befehl erhalten, gegen Blasendorf zu marschiren. Die Hülfe aus dem Banat kommt noch immer nicht; dagegen spricht man von neuen russischen Truppen, die hierher kommen sollen. Dies kann ich um so weniger glauben, als die Nachrichten aus dem Nachbarlande alle darin übereinstimmen, daß große türkische Truppenmassen im Anzuge gegen die Wallachei seien.“