Ohne Unterschrift erschienen in der Neue Rheinische Zeitung Nr. 255 vom 25. März 1849 (Köln), Beilage, S. 1-2; nach der MEGA² (I/9) von Friedrich Engels. Text nach dem Original der Zeitung (Digitalisat der USB Köln). Traducción al español

Ungarn.

* Das 29. Bülletin ist erschienen. Schweigen über die Hauptarmee, Schweigen über Götz und Jablonowski, Schweigen über die Serben bei Szegedin und Temeswar. Nur aus Siebenbürgen einige wenige Worte, und auch diese nur als Nachtrag zu dem früheren Bülletin. Der Rückzug Bem’s nach Madgyes und Schäßburg wird uns abermals erzählt, ohne daß wir von irgend welchen neuen Waffenthaten der Kaiserlichen erführen. Dann schließt das Bülletin:

„Aus der Bukowina wird gemeldet, daß Oberst Urban die Insurgenten durch wiederholte Streifzüge fortwährend beunruhigt, — so hat er neuerlich mit nur einigen hundert Mann ein feindliches Lager bei Tihuza überfallen, gegen 1000 Mann und mehrere Offiziere gefangen genommen und nach Czernowitz abführen lassen. Die Rebellen beabsichtigen bei Wisnitz und Putti einzudringen und sich nach Galizien durchzuschlagen, aber die Gegend ist mit Militär stark besetzt, der Landsturm gut organisirt und das Volk vom besten Geiste beseelt.“

Also statt vorzudringen, kann Oberst Urban höchstens noch die Magyaren „beunruhigen.“ Den Kommentar hierzu giebt eine Korr. der A. A. Z. aus Fokschani in der Moldau, worin es heißt, daß neue 8000 Russen nach Siebenbürgen gerückt sind, (daher die Vortheile Puchners gegen Bem!) Ferner heißt es dort:

Während hochgestellte russische Officiere die Räumung Siebenbürgens von den russischen Hülfstruppen in Aussicht stellen, erfahren wir aus sehr glaubwürdiger Quelle, daß die erwähnten Truppen jüngst eine Verstärkung von zwei Regimentern (= 8000 Mann) erhalten haben. Auch kann ich Sie mit Bestimmtheit versichern daß die in der Moldau, an der Grenze Siebenbürgens und der Bukowina aufgestellten russischen Truppen den Befehl erhalten auf den ersten Wink der k. k. Kriegsbehörden in die Bukowina einzurücken, um auf diesem Weg auch im Norden Siebenbürgens zu interveniren, — eine Hülfe die von den Bewohnern der Bukowina nicht nur nicht verlangt, sondern vielmehr aus tiefster Seele verabscheut wird. Auch das unter dem Befehl des F.-M.-L. Malkowsky stehende Armeecorps, welches unter Urbans Leitung mit so glänzendem Erfolg die Offensive ergriffen hatte, scheint so unübersteigliche Hindernisse gefunden zu haben, daß es sich genöthigt sah, eine rückgängige Bewegung zu machen und die Stadt Bistritz abermals den Ungarn preiszugeben. Urban hat sich nach Pojana-Stampi, an der Gränze der Bukowina, zurückgezogen, während F.-M.-L. Malkowsky sein Hauptquartier wieder in Kimpullung in der Bukowina aufgeschlagen hat. Es heißt, daß 30,000 Szekler, deren Treue bisher zweifelhaft gewesen, sich erhoben, um an diesem Vertilgungskrieg gegen die kaiserlichen Waffen Theil zu nehmen. Eine uns soeben zugekommene amtliche Kundmachung versichert, daß F.-M.-L. Malkowsky die k. k. Truppen bei Moroscheni, an der Gränze der Bukowina, zusammengezogen, „um dem etwaigen Eindringen der Insurgenten in die Bukowina kräftigst zu begegnen.“ Die Verbindung zwischen Galizien und Siebenbürgen ist leider noch immer unterbrochen, und nur auf dem weiten Umweg durch die Moldau und Walachei möglich.“

Die Wiener Ztg. meldet, daß G. M. Leiningen mit mehreren Bataillonen, zwei Schwadronen Ulanen und einiger Artillerie vom Banat aus nach Siebenbürgen eingedrungen sei und bereits Dobra und Deva besetzt habe.

Auch in Galizien sollen die Russen bereits eingerückt sein. Sonst wäre es dem General Hammerstein wohl nicht möglich gewesen, von dort aus mit 10 Bataillonen nach Ungarn hinüberzurücken.

Im Banat wird die Sache immer verwickelter. „Es ist bereits zu offenen Feindseligkeiten gekommen,“ sagt das C. Bl. a. B. „Rukawina hat 13 deutschen Dörfern, die im Szent-Mikloser Bezirke liegen, den Befehl gegeben, sich nur an ihn zu wenden und sonst von Niemandem Aufträge anzunehmen; dies hat die Bewohner dieser Ortschaften in Verwirrung gebracht, aber sie werden es dennoch vorziehen, sich nach Temesvar, als an ihr Bezirkscomité zu wenden, — In dem (meist deutschen) Hatzfeld wurden bisher alle Anordnungen des Neu-Bechejer Nationalbezirkscomités mit der größten Pünktlichkeit ausgeführt; dieser Tage hat man aber dort die serbische Nationalfahne mit Wuth zerrissen, weil zwei Divisionen Schwarzenberg Ulanen und ein Bataillon von Sivkovich Infanterie daselbst eingerückt sind. Diese Vorgänge haben nun die Serben höchst erbittert. Der Patriarch soll bereits einen Courier nach Olmütz geschickt haben, um eine Beschränkung der Willkührherrschaft des Feldmarschall-Lieutenants Rukawina zu bewirken.“

Die Agramer Novine dalm.-horv.-slavenske sprechen sogar bereits von einem bei Hatzfeld zwischen Serben und Kaiserlichen vorgefallenen Schlacht, bei Gelegenheit der auf Rukawinas Befehl versuchten Auseinandersprengung des dortigen Nationalkomites. In einem Artikel des „Napredak“ aus der Fruschka Gora heißt es sogar aus Anlaß der Differenzen zwischen Windischgrätz und Rajachich: „Kaiser, wir dürfen, wir können nicht mehr für die Integrität Deines Reiches Dir bürgen!“

Ferner schreibt der Lloyd: „In Beckerek, Temesvar und im ganzen Banat sind alle Magazine mit Getreide überfüllt. Viele Kauflustige sind dieser Tage erschienen, aber die Eigenthümer dürfen, in Folge eines vom Patriarchen erlassenen Ausfuhr-Verbotes, nichts verkaufen. Der Feldmarschall-Lieutenant General Rukawina sah keinen Grund zu diesem Verbot, und forderte den Patriarchen auf, dasselbe zu annulliren. Es herrscht daher zwischen beiden eine Spannung. Zu derselben gesellt sich noch die Aufhebung des Nationalcomites im Banate durch den Feldmarschall-Lieutenant Rukawina, und die Nichtanerkennung der serbischen Curialsprache. Diese Dissonanzen zwischen beiden hochgestellten Männern könnten üble Folgen nach sich ziehen.

Peterwardein wird cernirt. Ein Theil der Besatzung soll den Verräther spielen wollen, der andere, das magyarische Regiment Don Miguel, dagegen zur Vertheidigung bis auf’s Aeußerste entschlossen sein.

Die Serbianer sind, bis auf 2000 Freiwillige, die gegen 20 Fl. Monatslöhnung bei der Armee geblieben und nach Verübung der gröbsten Excesse selbst noch in Karlowitz, endlich über Donau und Save nach ihrer Heimath zurückgekehrt. Der A. O. Ztg. schreibt man aus Süd-Ungarn:

„Im Banate, — sit venia verbo, — denn ich sollte sagen: in der „Woiwodschaft Serbien“ sieht’s gar traurig aus; denn dieser Garten Europa's ist zur halbverbrannten Einöde geworden, und man hat ein rohes, wildes, unkultivirtes Volk darin zum Wächter und Pfleger der Kultur ernannt; den civilisirten Theil vesselben dem bestialischen untergeordnet, und erloschene geschichtliche Reminiscenzen vergangener Jahrhunderte in demselben Augenblicke als gültige Rechtsmittel anerkannt; wo man die politisch vorhandene, anerkannte, und seit einem Jahrtausend bestandene und gebildete Existenz eines andern Volkes, kraft der Macht von „Gottes Gnaden“ ausstreicht.

Von Pesth und der Hauptarmee durchaus nichts Neues. Der bereits zweimal gegen die Theiß geführte und zweimal nach Pesth zurückgekehrte Brückentrain ist jetzt zum dritten Male ausmarschirt. Von Földvar erfährt man, daß dort die magyarischen Guerillas zersprengt, einige standrechtlich erschossen und Földvar von den Kaiserlichen niedergebrannt sein soll. Man sieht, die östreichische Kriegführung bleibt sich überall gleich, Das mangelnde Geschick wird durch größere Brutalität ersetzt.

Windischgrätz hat einen Befehl erlassen, daß vie Umwechselung der ungarischen Noten zu einem und zwei Gulden gegen östreichische gleicher Geltung nur bis zu dem Betrage von vier Millionen stattzufinden habe. Für Pest — Ofen währt der Umtausch vom 19.—24. l. M. Später werden diese Noten gänzlich außer Cours gesetzt, und dürfen nicht einmal im Privatverkehr als Zahlungsmittel angenommen werden.

Wie man aus Preßburg schreibt, haben die Kaiserlichen den Brückenkopf von Szöny bei Komorn genommen.