Ohne Unterschrift erschienen in der Neue Rheinische Zeitung Nr. 275 vom 18. April 1849 (Köln), S. 1-2; nach der MEGA² (I/9) von Friedrich Engels. Text nach dem Original der Zeitung (Digitalisat der USB Köln). Traducción al español
* Wien, 13. April. Seitdem die sichere Nachricht hier eingetroffen, daß die Magyaren die Stadt Waitzen eingenommen und den Jelachich auf's rechte Donau-Ufer gedrängt haben, ist die Aufregung unter den Wienern noch bedeutend gestiegen und um so mehr verlangt man nach einigen Details über die nun schon über 6 Tage andaurenden Kämpfe. Aber kein Bülletin erscheint. Die offiziellen Standrechtsbestien sind stumm gleich den Fischen. Von hier gehen täglich Verstärkungen nach Ungarn ab, während wir neue Truppen hereinbekommen. Die hiesige Besatzung ist jetzt im Verhältniß zu früher, sehr schwach. — Den hiesigen Buchhändlern war bekanntlich das Verbot zugegangen, die ihnen von Leipzig aus geschickten Bücherballen zu öffnen, ohne die Gegenwart eines Kommissärs. Das Buchhändlergremium wendete \ch an das Ministerium. Dieses gab den Bescheid, daß während des Ausnahmezustands die Anordnung des Stadthauptmanns in Kraft bleiben müsse. Heute ist nun die Eröffnung der Bücherballen erfolgt und nur die Zeitschrift „der Leuchtthurm“ wurde konfiszirt.
— Dem „Const. Bl. a. B.“ wird aus Wien geschrieben:
„Gestern sowohl als heute sind Truppen von hier nach Ungarn abgegangen, welche theils auf der Eisenbahn, theils auf Dampfbooten bis Preßburg befördert werden. Heute soll auch noch alles Militär aus der Alserkaserne abmarschieren. Ebenso kam gestern ein telegraphischer Befehl nach Neustadt, sogleich ein Bataillon nach Ungaren aufbrechen zu lassen. Bei dieser großen herrschenden Spannung fallen die eben anwesenden russischen Soldaten noch mehr auf. Es scheint in der That, als wenn diese vortrefflichen Leute als Quartiermacher hier wären, wenigstens sieht man sie in ihren rothen Hosen und grauen Röcken öfters durch die Straßen stolziren und mit vieler Befriedigung sich Wien betrachten.“