Text nach: Der Erste Kongreß der kommunistischen und revolutionären Organisationen des Fernen Ostens. Moskau, Januar 1922, Verlag der Kommunistischen Internationale, 1922, S. 115–140 (Resolutionen und Beschlüsse des Kongresses; Anhang), nach dem Exemplar des Feltrinelli-Nachdrucks im Internet Archive; neu erkannt und an den Seitenbildern berichtigt. Die Texte wurden russisch angenommen; die deutsche Ausgabe ist eine zeitgenössische Übersetzung. Traducción al español

Vorwort, Charakteristik der Organisationen, Berichte und Schlußsitzung: Berichte.

Die Ergebnisse der Washingtoner Konferenz und die Lage im Fernen Osten

(Resolution zum Bericht Sinowjews.)

I.

Die Washingtoner Konferenz, die zur Bildung des äußerst haltlosen Viererbundes im Fernen Osten (Amerikas, Japans, Frankreichs, Englands) führte, hat deutlich gezeigt, daß die Frage des Fernen Ostens gegenwärtig zum wichtigsten Knotenpunkt der imperialistischen Weltpolitik geworden ist. Die ungeheuren Rohstoffreichtümer und die Vorräte an billiger Arbeitskraft des dicht bevölkerten China, die Naturreichtümer Koreas, der Mongolei, der Republik des Fernen Ostens und Sowjetsibiriens — all dies ist ein leckerer Bissen für den Weltimperialismus, der das ehemalige Gleichgewicht des kapitalistischen Systems nicht wiederherstellen kann und darauf rechnet, hier Absatz für seine Waren und Anlage für sein Kapital zu finden.

Die Washingtoner Konferenz hat den Ausbruch eines neuen imperialistischen Krieges um die Herrschaft über den Stillen Ozean auf kurze Zeit hinausgeschoben. Dieser bedingte Aufschub ist aber auf Kosten der unterdrückten Völker des Fernen Ostens geschehen, unter der Voraussetzung ihrer ferneren Versklavung und Knechtung. Mit keinem Wort wurde in Washington das vielgeprüfte Korea erwähnt. Der britische Imperialismus, der Indien und Aegypten in Sklaverei hält, hat schon 1911 den Namen Koreas aus dem englisch-japanischen Vertrag gestrichen im Austausch für die Zusicherung der Japaner, die Kolonialherrschaft der Engländer zu unterstützen. Der amerikanische Imperialismus, der räuberisch von den Philippinen Besitz ergriffen hat und unmittelbar an der Plünderung Chinas teilnimmt, hat auch völlige Gleichgültigkeit gegen das Geschick des koreanischen Volkes an den Tag gelegt. Was die französischen Kapitalisten und Militaristen betrifft, so sind sie nach dem Sturz des Zarismus unveränderlich als Verbündete der japanischen Gewalthaber aufgetreten, sowohl im Kampf gegen Sowjetrußland als auch in der Sache betr. den Schutz ihrer Sonderinteressen im Bezirk der Ostchinesischen Eisenbahn, die der französischen „Russisch-Asiatischen Bank“ gehört. Gerade in Erfüllung der Beschlüsse der Washingtoner Konferenz eröffnet Japan den Vormarsch gegen die Republik des Fernen Ostens.

Das Uebereinkommen über die Verwirklichung des Prinzips der „offenen Tür“ in China, das in Washington getroffen wurde, ist die Anerkennung formeller Gleichberechtigung für alle imperialistischen Räuber, China auszuplündern, und ist gegen Japan als den stärksten Konkurrenten des amerikanischen Imperialismus gerichtet. Als Entschädigung ist Japan die Möglichkeit gewährt, die früheren Annexionen, d. h. Korea, Schantung und die Mandschurei, zu behalten und seine Besitzungen nach der autonomen Mongolei hin (mit Hilfe des japanischen Schützlings Tschang-Tso-Lin) und nach Sowjetrußland hin auszudehnen.

Die Washingtoner Konferenz muß in den Volksmassen Koreas, Chinas und der Mongolei die letzten Illusionen in bezug auf irgendeine Hilfe der imperialistischen Mächte töten. Sie muß diesen Volksmassen beweisen, daß sie Unabhängigkeit und Freiheit nur durch vereinten und organisierten Kampf gegen alle Plünderer im Bunde mit dem internationalen Proletariat und mit Sowjetrußland erreichen können.

II.

Durch die Niederlage des zaristischen Rußland von 1905 wurde dem imperialistischen Japan in Korea freie Hand gegeben. Die Besitzergreifung von Korea wurde mit Einverständnis der Großmächte vollzogen, darunter auch Amerikas, das seinerzeit — im Jahre 1883 — sich verpflichtet hatte, die Unabhängigkeit Koreas zu unterstützen. Zuerst wurden die besten Ländereien weggenommen, — angeblich für Landwege und Eisenbahnstrecken enteignet; dann fanden Massenkonfiskationen von Eigentum koreanischer Bürger statt und die Eigentümer wurden unter dem Vorwand politischer Unzuverlässigkeit hingerichtet; die gesamte Presse wurde erwürgt; im ganzen Lande wurde der Kriegszustand erklärt und ein Regime blutigen Terrors errichtet. 1910 wurde Korea formell annektiert. Von den japanischen Behörden ermuntert, begann eine ganze Meute japanischer Krämer die Massen durch Opium und Morphium zu betäuben, die Prostitution zu verbreiten. Die japanische Aktiengesellschaft „Tschen-Bi-Hoi-Sja“ befaßte sich mit systematischem Besitzergreifen von Bauernländereien und mit ihrer Uebergabe an japanische Gutsbesitzer und Kapitalisten. Die koreanischen Bauern wurden zu Knechten der japanischen Grundherren. Der gesamten koreanischen Bevölkerung wurden Steuern auferlegt, die alle Kräfte übersteigen. Die Landwirtschaft wurde auf räuberische Weise ausgepumpt, um die Produkte nach Japan zu bringen: 1916 wurden für 42 Millionen Yen landwirtschaftliche Produkte ausgeführt, 1919 für 137 Millionen Yen. Die Spekulation mit der Reisernte hat sich in Korea fest eingenistet: 1917 wurde aus Korea für 27 Millionen Yen Reis ausgeführt, 1919 für 113 Millionen.

Die werktätigen Massen Koreas führen ein elendes Hungerleben. Die japanischen Eroberer, die bewußt den Kurs auf die physische Vernichtung des koreanischen Volkes einhalten, haben gleichzeitig in Korea eine Reihe von Schulen organisiert, um unter der Firma des Panmongolismus die koreanische Jugend zu niederen Lakaien der Gewalthaber zu erziehen.

Im März 1919 hat sich das koreanische Volk, durch die ununterbrochenen Mißhandlungen, Gewalttätigkeiten und Verhöhnungen zur Verzweiflung getrieben, unbewaffnet wie ein Mann erhoben und die Proklamierung der Unabhängigkeit gefordert.

Diese Revolution passiven Protestes, der an die sogenannte „zivilisierte“ bürgerliche Gesellschaft gerichtet war, wurde in Strömen von Blut erstickt, unter schweigender Hilfe der damals tagenden Versailler Konferenz. Aber die werktätigen Massen Koreas wurden durch die grausame blutige Lehre von der völligen Aussichtslosigkeit auf die Hilfe irgend eines der internationalen Räuber überzeugt und haben offen die Bahn des revolutionären Kampfes betreten.

Die Washingtoner Konferenz hat sich im Namen des Bundes der vier Blutsauger mit der räuberischen Politik des japanischen Imperialismus solidarisch erklärt. Jetzt wissen die geknechteten Massen bestimmt, daß nur der Sieg des internationalen Proletariats im Bunde mit den unterdrückten Völkern der ganzen Welt ihnen Freiheit und Unabhängigkeit sichern kann.

III.

China mit seiner 400 Millionen zählenden Bevölkerung ist tatsächlich zur Kolonie der räuberischen Großmächte geworden. Die Washingtoner Konferenz hat dieser Situation die rechte Fassung gegeben.

Die Unterwerfung Chinas begann nach seiner Niederlage im Kriege von 1839—41 mit England, als das englische Kapital mit Waffengewalt dem chinesischen Volk die freie Einfuhr von Opium aufzwang. Im Jahre 1858 wurde China gewaltsam das Prinzip der Exterritorialität aufgedrungen, d. h. besondere Vorrechte für Ausländer auf dem Territorium Chinas. Jeden neuen Ueberfall auf China begleitete die Eintreibung verschiedenartiger Kontributionen, die Erpressung neuer Konzessionen und Privilegien. Seit der Ankunft ausländischer Kaufleute, bewaffneter Schiffe und Truppen wurde das chinesische Volk zum Sklaven in seinem eigenen Lande: europäische, amerikanische und japanische Eindringlinge ergriffen und verteilten untereinander alle Häfen, alle Knotenpunkte des Verkehrs und alle administrativ-politischen Zentren Chinas. Die Unterdrückung des Boxeraufstandes von 1901 wurde zum Signal für das offene Eindringen der Strafexpeditionen Englands, Rußlands, Japans, Deutschlands und Amerikas in das Innere des Landes und zum Anlaß der Teilung Chinas in Einflußsphären.

Wenn die imperialistischen Räuber bis zur Revolution von 1911 die anti-nationale mandschurische Dynastie für ihre Zwecke ausnützten, so setzten sie nach der Revolution ihre Karte auf die militaristische Clique Chinas, machten diese zu einem gehorsamen Werkzeug in ihren Händen und verwandelten China in einen Herd ständiger Bürgerkriege. Der japanische Imperialismus benutzte den imperialistischen Krieg von 1914, durch den die Aufmerksamkeit des europäischen und amerikanischen Kapitals zeitweilig von China abgelenkt war, um durch militärische und diplomatische Schwindeleien und durch Bestechung der chinesischen Militaristen China zu zwingen, alle Rechte auf die ehemaligen deutschen Konzessionen in China, die die fruchtbarste und an Bodenschätzen reichste Provinz Schantung und die ganze Halbinsel Kiau-Tschau betrafen, an Japan abzutreten. Japan stellte in ultimativer Form die bekannten 21 Forderungen, deren Verwirklichung zur völligen Unterordnung Chinas in politischer, finanzieller, militärischer und administrativer Beziehung führen sollte. Das südliche, sowie das nördliche China sollten zur Herrschaftssphäre der japanischen Besitzergreifer werden. Die imperialistische Diplomatie zwang China zu einer fiktiven Teilnahme am Weltkrieg, um es frei ausbeuten zu können.

Da es den amerikanischen Imperialisten nicht gelang, sich auf der Versailler Konferenz mit Japan zu verständigen, versuchten sie durch ein Konsortium in China ihre ökonomische Politik durchzuführen, d. h. das ganze Land der Herrschaft eines Banktrusts zu unterwerfen, in dem Amerika die führende Rolle gespielt hätte. Das Konsortium hatte vor, die chinesische Bauernschaft zu unterjochen, dadurch, daß es die Einziehung der Grundsteuer in seine Hände nahm, und die chinesische Industrie zu erwürgen durch Erlangung eines Staatsmonopols auf die Finanzierung aller Industrieunternehmungen in China.

Wenn es Japan nicht gelang, seine 21 Punkte vollständig zu verwirklichen, und wenn es Amerika nicht gelang, das Konsortium zu organisieren, so war der Grund hierfür einerseits der imperialistische Wettbewerb der Räuber untereinander, andererseits der einmütige Protest des chinesischen Volkes und der Kampf der Revolutionäre des Südens. In Washington hat Amerika jetzt einen neuen Versuch gemacht, ein solches Konsortium zu bilden, und zwar mit besseren Aussichten auf Erfolg als bisher, weil es ihm gelungen ist, Japan durch das „Uebereinkommen der Vier“ zu isolieren.

Gegenwärtig wird China, das die reichsten Entwicklungsmöglichkeiten vor sich hat, von den käuflichen Tutschunen in Stücke gerissen. So wirtschaftet in der Mandschurei und im nördlichen China der japanische Schützling Tschang-Tso-Lin. In Peking sind die ausländischen Missionen Herren der Situation. Der größte Teil der chinesischen Industrie, Forst- und andere Konzessionen sind in den Händen der Ausländer. Der revolutionäre Süden Chinas, der den Kampf um die nationale Existenz führt, befindet sich unter ständiger Bedrohung der nördlichen Militaristen und kann nicht auf bleibende Festigung seiner Lage rechnen, ohne den Sieg der national-demokratischen Revolution im ganzen Lande.

Der chinesische Bauer, der chinesische Arbeiter und Kuli sind unfreie Sklaven des ausländischen Kapitals. Das chinesische Volk ist nicht Herr seines Schicksals; es wird befehligt von Tokio, Washington, London und Paris. Es kann sich nicht von den barbarischen Ueberbleibseln des Mittelalters freimachen, weil auf seiner Verschüchterung, Schwäche und Unorganisiertheit der imperialistische Raub beruht.

Die Washingtoner Konferenz hat vor der ganzen Welt das wahre Gesicht der Großmächte entlarvt und die werktätigen Massen Chinas rechnen in ihrem Kampf um die nationale und soziale Befreiung auf keine anderen Verbündeten als die werktätigen und ausgebeuteten Völkermassen der ganzen Welt, die sich schon zum entscheidenden Kampf gegen den Imperialismus erhoben haben, mit der Sozialistischen Föderativen Sowjetrepublik Rußland an der Spitze.

IV.

Der japanische Imperialismus, der sich die Mongolei als Beute ausersehen hat, aber auf der Versailler Konferenz mit Amerika nicht darüber einig geworden ist, ob er allein die Mongolei ausbeuten oder diese Mission mit Amerika teilen solle, versuchte sich das ausschließliche Recht der Ausbeutung und Ausplünderung der Mongolei und ihrer Bodenreichtümer dadurch vorzubehalten, daß er die Mongolei aus der Einflußsphäre des internationalen Banktrusts ausschloß.

Der japanische Imperialismus ist Anfang 1919 und Ende 1920 in der Mongolei aktiv aufgetreten in der Person seiner Agenten: eines Führers des Klubs „Ahfu“ und Statthalters in den Angelegenheiten der Mongolei, des „kleinen Sju“, und einer anderen seiner Kreaturen, Baron Ungern, die sich zum Ziel gesetzt hatten, das mongolische Volk im Interesse Japans zu unterjochen und die Mongolei zu einer Kampfbasis des japanischen Imperialismus gegen die erste Republik der Werktätigen in der Welt — gegen Sowjetrußland — zu machen. Das fernere Eindringen des japanischen Imperialismus in die Mongolei geschah durch seinen gehorsamen Agenten, den nordchinesischen Militaristen General Tschang-Tso-Lin. Seine mongolische Expedition, sein Plan der Gründung einer japanischen Tschang-Tso-Lin-Bank in der Mongolei mit Tschang-Tso-Lin und dem japanischen Millionär Okura als Hauptteilhabern, die Absetzung des Generals Tsau-Hun-Di, des Tutschunen der Provinz Shahe, wegen „Untätigkeit“ durch den Schützling Tschang-Tso-Lins, General Tsin-Tsjun, und die Provozierung Chinas zu neuen Abenteuern in der Mongolei — das sind die bezeichnendsten Symptome für die folgende Etappe der Offensive des japanischen Imperialismus in der Mongolei.

Durch bewaffneten Kampf im Zusammenwirken mit den roten Truppen des freundschaftlich gesinnten Sowjetrußland hat sich die revolutionäre Mongolei von dem Druck der ausländischen Unterjocher — der russischen Weißgardisten und der chinesischen Militaristen, dieser Durchführer des japanischen Imperialismus — befreit und endlich die Möglichkeit erlangt, selbständig ihr Schicksal zu entscheiden. Die freundschaftlichen Beziehungen zwischen dem chinesischen und dem mongolischen Volke werden von der Gemeinsamkeit ihrer Interessen diktiert, die von den internationalen Imperialisten und den nordchinesischen Militaristen mit Füßen getreten werden.

Die Volksmassen der Mongolei wissen, daß die imperialistische Verschwörung in Washington auch gegen ihre Lebensinteressen gerichtet ist.

V.

Die Räuberpolitik des japanischen Imperialismus im Fernen Osten steht in unversöhnlichem Widerspruch zu den Interessen der werktätigen Massen Japans. Die Regierungsclique der Militaristen, der Genro und der Plutokratie wendet diese Politik nicht nur zur Unterjochung Koreas, Chinas und der Mongolei an, sondern auch zur Knechtung der Arbeiter- und Bauernmassen des japanischen Volkes selbst. Das rasche Aufblühen des japanischen Kapitalismus während des Krieges hat nach dem Schwinden der günstigen „Kriegskonjunktur“ zu einer akuten Krise geführt. Aus dieser Krise kann der japanische Kapitalismus keinen anderen Ausweg finden, als daß er die Annexionspolitik fortsetzt. Die völlig rechtlose Arbeiterklasse und die noch rechtloseren Bauernmassen Japans beginnen immer mehr einzusehen, daß nur der Sturz der imperialistischen Herrschaft sie aus dem tiefsten Elend und der Lohnsklaverei herausführen kann. Das japanische Proletariat wird zur selbständigen revolutionären Kraft, die sich sehr wohl bewußt ist, daß der „Feind im eigenen Lande“ weilt. Die internationale proletarische Pflicht fordert von den japanischen Arbeitern, daß sie den Kampf um die Befreiung Chinas und Koreas als ihre eigene Aufgabe anerkennen.

Die Washingtoner Konferenz hat den neuen imperialistischen Krieg im Fernen Osten auf eine sehr kurze Zeit aufgeschoben. Wenn die werktätigen Massen Japans nicht zum Kanonenfutter für ihre herrschenden Klassen werden und an den Küsten des Stillen Ozeans nicht die grausam-blutigen Lehren des Krieges von 1914—18 am eigenen Leibe erfahren wollen, müssen sie in geschlossenen Reihen gegen ihre Klassenfeinde auftreten. 48,7% des japanischen Budgets werden zu Kriegsausgaben verwandt! In keinem einzigen kapitalistischen Lande lebt die Arbeiterklasse in so entsetzlichen Verhältnissen wie in Japan. Der Terror der herrschenden Klasse erstickt erbarmungslos jede Aeußerung ihrer Selbsttätigkeit. 70% der japanischen Bauern sind halbe Tagelöhner, die für den Grundherrn und Kapitalisten arbeiten. Die japanischen Imperialisten rechtfertigen heuchlerisch ihre Annexionspolitik durch die Uebervölkerung der Inseln. In Wirklichkeit wird durch die Plünderung fremder Länder die Lage der werktätigen Massen in Japan nur schlimmer. Ein Volk, das andere Völker unterdrückt, kann nicht frei sein. Das Schwert des japanischen Imperialismus muß durch die Hände des japanischen Proletariats zerbrochen werden.

VI.

Die imperialistische Verschwörung der vier Räuber in Washington knüpft die Geschicke aller Völker des Fernen Ostens endgültig in einen gemeinsamen Knoten. Der Kampf um die nationale Befreiung der Volksmassen Chinas, Koreas und der Mongolei ist zugleich auch der Kampf des japanischen Proletariats um seine eigene Befreiung; der Kampf des internationalen Proletariats, mit den Arbeitern und Bauern Sowjetrußlands an der Spitze, gegen den Weltimperialismus ist zugleich auch ein Kampf um die Freiheit und Unabhängigkeit aller unterdrückten Völker. Der Verschwörung der vier Blutsauger im Fernen Osten muß der revolutionäre Bund der Arbeiter und Bauern des ganzen Fernen Ostens gegenübergestellt werden, der Bund der Werktätigen des Fernen Ostens mit dem internationalen Proletariat unter dem Banner der Kommunistischen Internationale.

Die werktätigen Massen des Fernen Ostens können nur dann einen Ausweg aus ihrer Sklaverei finden und die unerschöpflichen Naturreichtümer ihrer Länder genießen, wenn es ihnen gelingt, das imperialistische Joch zu zerbrechen und eine freie Ordnung zu errichten, die auf einem brüderlichen Bund der Arbeiter und Bauern basiert. Die Erfahrung des revolutionären Aufbaus in der R. S. F. S. R. beweist, daß die Sowjetform nicht nur den Interessen der Arbeiterklasse, sondern auch denen der Bauernmassen entspricht und die wirkliche Demokratie für die Werktätigen in vollem Umfang verwirklicht. In Japan, China und Korea leiden die Bauernmassen, die ein ebenso elendes Leben als Halbtagelöhner und Halbpächter fristen, unter Landhunger, unter der Ausbeutung durch die Großgrundbesitzer (in Korea hauptsächlich durch die Japaner; in China durch ausländische Besitzer der großen Pflanzungen und Konzessionen) und durch das Handels- und Wucherkapital. Die Parole der Enteignung des Landbesitzes, der durch fremde Hände bearbeitet wird, muß in den Bauernmassen eine weite Verbreitung finden. Der chinesische Bauer, der am meisten unter den Unruhen im Lande und den unerträglichen Steuerlasten leidet, bedarf einer einheitlichen billigen demokratischen Regierung, die seine Interessen verteidigt, eines einheitlichen Steuersystems und einer richtig organisierten Lokalverwaltung. Der Hauptfeind der koreanischen Bauern ist der fremdländische Eindringling; dieser ist nicht nur sein nationaler Unterdrücker, sondern auch sein Klassenfeind.

In Japan muß und wird das Proletariat schon in der nächsten Zeit die politischen Geschicke entscheiden. In China und Korea ist die Arbeiterklasse als klassenbewußte und organisierte Kraft erst im Werden, aber auch dort ist ihre Klassenorganisation die wichtigste Vorbedingung zur politischen und ökonomischen Befreiung der werktätigen Massen.

Erst wenn sie den Imperialismus im Bunde mit dem Weltproletariat besiegt haben, können die werktätigen Volksmassen des Fernen Ostens das ökonomische Zusammenwirken untereinander, sowie mit den vorgeschrittenen proletarischen Republiken in ihrem Interesse ordnen. Nur auf diese Weise können sie sich eine freie Entwicklung sichern und alle Errungenschaften der modernen Wissenschaft und Technik ausnutzen.

Der richtige Weg zur Freiheit und Unabhängigkeit der unterdrückten Nationen des Fernen Ostens führt über den Bund der werktätigen Massen der Völker des Fernen Ostens mit dem Proletariat der vorgeschrittenen Länder — und nur mit ihm — zum Kampf gegen alle Imperialisten.

Die vielmillionenköpfigen Arbeiter- und Bauernmassen des Fernen Ostens bilden die „letzten Reserven der Menschheit“. Ihr revolutionäres Erwachen ist der Todesstoß für die gesamte Weltordnung der Unterdrückung und Ausbeutung.

Resolution zum Bericht Safarows über die Nationalitäten- und Kolonialfrage

Der Kongreß der Werktätigen des Fernen Ostens erklärt nach Kenntnisnahme der Beschlüsse der Kongresse der Kommunistischen Internationale in der Nationalitäten- und Kolonialfrage seine völlige Solidarität mit diesen Beschlüssen; weiter hebt er besonders hervor die Notwendigkeit eines richtigen Verständnisses für die Beziehungen zwischen den nationalen revolutionären Bewegungen einerseits und dem Kampf der Werktätigen um ihre soziale Befreiung andererseits und ist überzeugt, daß die vom Imperialismus geknechteten werktätigen Massen des Fernen Ostens nur im Bunde mit dem internationalen Proletariat ihre nationale und soziale Befreiung erreichen können.

Endlich begrüßt er das revolutionäre Erwachen der Proletarier Japans, Chinas und Koreas und erblickt darin ein Unterpfand des erfolgreichen Kampfs.

G. Safarow: Thesen über die Aufgaben der Kommunisten im Fernen Osten

I.

Die Washingtoner Konferenz, die zur Bildung des haltlosen Viererbundes im Fernen Osten führte, hat deutlich gezeigt, daß das Problem des Fernen Ostens gegenwärtig zu einem äußerst wichtigen Brennpunkt der imperialistischen Weltpolitik geworden ist. Die ungeheuren Rohstoffschätze und die Vorräte der Arbeitskraft im dichtbevölkerten China, die Naturreichtümer des russischen Fernen Ostens und Sibiriens, Koreas und der Mongolei — das alles sind leckere Bissen für den Weltimperialismus, der das ehemalige Gleichgewicht des kapitalistischen Systems nicht wiederherstellen kann und darauf rechnet, hier Märkte für seine Waren und Kapitalien zu finden. Die kapitalistischen Räuber hoffen, daß die von der Washingtoner Konferenz angenommene Einteilung Chinas in Einflußsphären die Krise der Ueberproduktion in Amerika und Japan, die durch die unproportional rasche Entwicklung des Kapitalismus in diesen Ländern während des Krieges hervorgerufen ist, abschwächen und den europäischen Imperialisten helfen wird, einen Ausweg aus der verwickelten Lage zu finden, in die sie durch ihre eigene Schuld geraten sind. In Erfüllung der Beschlüsse der Washingtoner Konferenz begann Japan den räuberischen Vormarsch gegen die Republik des Fernen Ostens und enthüllte dadurch aufs zynischste, daß der in Washington geplante Schlag gleichzeitig auch gegen die unterdrückten werktätigen Massen des Fernen Ostens und gegen die große Sowjetrepublik der Werktätigen gerichtet ist.

Welcher Art die Berechnungen der internationalen Räuber auch sein mögen, eines unterliegt keinem Zweifel, daß sie fehlschlagen werden, wenn sie auf den verzweifelten und hartnäckigen Widerstand der Arbeiter- und Bauernmassen aller Länder des Fernen Ostens stoßen. Und eben deshalb ist es jetzt notwendiger denn je, daß die Arbeiter und Bauern jedes Landes sich klar Rechenschaft geben über die wirkliche Lage der Dinge und die Aufgaben, die ihnen auf dem Wege der revolutionären Bewegung gestellt sind.

II.

Von allen Ländern des Fernen Ostens ist nur Japan ein Land des entwickelten Kapitalismus. China hat noch nicht seinen endgültigen Uebergang vollzogen vom militärisch-bureaukratischen Feudalismus, der sich auf die halbnaturale, patriarchalische Bauernwirtschaft stützt, zum Industriekapitalismus und wird trotz einer Reihe früherer revolutionärer Ausbrüche noch immer von den käuflichen Tutschunen in Stücke gerissen, die zu Gefallen und nach den Anweisungen der kapitalistischen Eroberer wirken. Der japanische Imperialismus hat das bäuerliche Agrarland Korea zu seiner Kolonie gemacht und führt seine Kolonialpolitik durch, gestützt auf einen Teil der koreanischen Aristokratie und die bureaukratischen Elemente. Der europäische, der amerikanische und der japanische Imperialismus benutzen die Schwäche und Rückständigkeit dieser Länder, um jedes Streben der Volksmassen nach nationaler Befreiung brutal zu unterdrücken. Unter diesen Verhältnissen ist es die allererste Aufgabe der Kommunistischen Parteien Japans, Chinas und Koreas, einen konsequenten und entschiedenen Kampf um die Befreiung Chinas und Koreas von der kolonialen Sklaverei zu führen. Vor allem ist es die Pflicht der japanischen Proletarier als des klassenbewußtesten und vorgeschrittensten Teils des Proletariats im Fernen Osten, die Räuberpolitik des japanischen Imperialismus zu entlarven und gegen ihn auf Leben und Tod zu kämpfen. „Der Feind ist im eigenen Lande“, der tödliche Schlag muß ihm vom japanischen Proletariat versetzt werden.

Die Kommunisten müssen den breiten Arbeiter- und Bauernmassen Japans erklären, daß die räuberische Politik des japanischen Imperialismus in China und Korea den gesamten Fernen Osten unter der ständigen Drohung eines Weltkrieges hält und das friedliche Zusammenleben und die normalen ökonomischen Beziehungen zwischen den Völkern des Fernen Ostens ganz unmöglich macht und nur einer unbedeutenden Clique von Militaristen und Schiebern aus der Bourgeoisie der Kriegszeit (Narekine) zum Vorteil ist.

Die revolutionäre Bewegung in China und in Korea muß in der ersten Zeit unvermeidlich den Charakter einer nationalrevolutionären Bewegung tragen. Hieraus folgt klar die unbedingte Notwendigkeit des Kampfs sowohl gegen die koloniale Sklaverei als auch gegen alle Ueberbleibsel der feudalen Unterdrückung, die dazu beiträgt. Jede nationale revolutionäre Bewegung in China und in Korea unterstützend, müssen die Kommunisten gleichzeitig aufs erbarmungsloseste die Schwankungen und die Halbheit der liberal-bürgerlichen Elemente kritisieren und entlarven, die mehr oder minder zu Geschäften mit den konkurrierenden imperialistischen Gruppen geneigt sind zum Schaden der werktätigen Massen. Durch ihren unversöhnlichen Kampf gegen den Imperialismus auf der Grundlage der Klassenorganisationen und der kommunistischen Aufklärung der Arbeiter und der halbproletarisch bäuerlichen Massen, durch ihren Kampf um die Vereinigung der national-revolutionären Bewegung im Fernen Osten mit dem internationalen Kampf des Proletariats, sollen die kommunistischen Parteien die breiten werktätigen Massen auf ihre Seite bringen und durch allmähliche und hartnäckige Arbeit die Stellung des führenden Vortrupps der nationalrevolutionären Bewegung einnehmen.

III.

Andererseits sollen die kommunistischen Parteien Japans, Chinas und Koreas keinen einzigen Augenblick lang die eigenen Klassenaufgaben, die dem Proletariat jedes dieser Länder gestellt sind, aus dem Auge lassen. Im Gegenteil, nur durch die Organisation der Massen unter ihrem eigenen Banner, auf dem Boden ihrer Lebensinteressen, werden sie fähig sein zur selbständigen revolutionären Kraft zu werden. Der revolutionäre Kampf um die ökonomische Verbesserung der Lage der Arbeiterklasse, um den Arbeiterschutz und die Arbeitergesetzgebung, um die Koalitionsfreiheit für die Arbeiterklasse, um die Betriebsräte und die Arbeiterkontrolle über die Produktion soll zur Klassenerziehung und Vereinigung der proletarischen Massen dienen. In dem kapitalistisch entwickelten Japan ist die Bildung einer festen, breiten und einheitlichen gewerkschaftlichen Vereinigung der Arbeiterklasse die Vorbedingung zur Hineinziehung der breiten proletarischen Massen in den revolutionären Kampf um ihre Interessen. Nur verbunden mit den Massen, auf dem Boden des Kampfs um alltägliche Nöte, kann es der kommunistischen Minderheit gelingen, alle Schichten der Arbeiterklasse um sich zusammenzuschließen. In China und in Korea, wo der Großkapitalismus noch nicht tiefer Wurzeln zu fassen vermochte, müssen die Kommunisten auf jede Weise bestrebt sein, sich der Arbeiterbewegung in den Industriezentren zu bemächtigen, müssen aber gleichzeitig die größte Aufmerksamkeit den dort bestehenden Verbänden der Halbproletarier der Kleinbetriebe, den Gilden, zuwenden und ihnen helfen im Kampf gegen die Formen der Ausbeutung, die der Epoche der ursprünglichen Akkumulation eigen sind, und ihre besten proletarischen Elemente in einen engen Kontakt mit den bereits gebildeten, rein proletarischen Organisationen zu bringen suchen. Ohne für die nächste Zukunft auf die Möglichkeit der unmittelbaren Machtergreifung durch das Proletariat und die halbproletarischen Bauernmassen in Japan, China und Korea zu rechnen, müssen die Kommunisten dennoch Vorbereitungsarbeit leisten und die Sowjets, die einzig und allein fähig sind, den bleibenden Sieg der Werktätigen über das Joch des Kapitals und den Imperialismus zu sichern, als die Organe des revolutionären Kampfes der Massen propagieren. Während in China und in Korea eine national-demokratische Revolution die nächste Etappe der revolutionären Bewegung ist, muß in Japan, wo die herrschende Clique der Militaristen, der Genro und des Finanzkapitals sich entschieden sogar der Einführung des allgemeinen Wahlrechts widersetzt und durch terroristische Maßnahmen die junge Arbeiterbewegung unterdrückt, der Kampf um eine völlige Demokratisierung der politischen Ordnung zum nächsten Ziel des Kampfs um die Eroberung der politischen Macht durch das Proletariat werden.

Die Hegemonie des Proletariats in der allgemein-revolutionären Bewegung, und noch mehr die Diktatur des Proletariats ist unmöglich, ohne daß das Proletariat die breiten Bauernmassen, die unter dem Joch der Grundherren, der Militaristen und der Bureaukraten stöhnen und durch den Kapitalismus barbarisch ausgebeutet werden, auf seine Seite bringt. In Ländern mit vorwiegend primitiver Bauernwirtschaft und schwach entwickelter Industrie, wie in dem größten Teil des Fernen Ostens, ist eine breite revolutionäre Bewegung nur unter der Vorbedingung eines engen Bundes der Arbeiter und Bauern denkbar, in dem die Arbeiterklasse berufen ist, die führende Rolle zu spielen. Sogar in Japan, im Lande des entwickelten Kapitalismus, ist das spezifische Gewicht der Bauernwirtschaft sehr bedeutend: in Japan streben die kleinen Pächter, die Halbtagelöhner, schon zur Einigung mit der Arbeiterklasse durch ihre Verbände, die sich den Kampf gegen die sklavenmäßigen Pachtbedingungen zur Aufgabe machen. In China muß der Kampf gegen die bestehende feudale Anarchie um die einheitliche „billige“ national-demokratische Regierung und die einheitliche progressive Einkommensteuer (unter der Bedingung der Befreiung der ärmsten Bauernschaft von der Steuerlast) die breiten Massen des Dorfes auf die Seite der Arbeiterklasse bringen. In Korea ist der Kampf um die Befreiung von der kolonialen Unterdrückung gleichzeitig auch der Kampf um die Befreiung der koreanischen Bauern. Enteignung der großen, in Privatbesitz befindlichen Güter und der Ländereien des japanischen Kolonisierungsvereins in Korea zum Besten der Bauern muß in Korea und in China, Nationalisierung von Grund und Boden unter der Bedingung, daß der Staat ihn den Bauern, die ihn im Schweiße ihres Angesichts bearbeiten, zur Nutznießung übergibt, muß in Japan zur Parole der kommunistischen Parteien werden. Die Bildung von halbproletarisch-bäuerlichen gewerkschaftlichen und genossenschaftlichen Vereinigungen mit dem Programm des Schutzes der kleinen Produzenten gegen die Ausbeutung des Handels- und Wucherkapitals und des Großgrundbesitzes ist unbedingt überall, wo sich die Möglichkeit bietet, durchzuführen. In China, wo die meisten Bauern noch von den Verhältnissen des patriarchalischen Stammes- und Gemeindewesens durchdrungen sind, müssen die Kommunisten, das Eindringen der neuesten Technik in die Landwirtschaft und die traditionellen kollektiven Gewohnheiten ausnutzend, besonders danach streben, die Bauernmassen auf den Weg des Genossenschaftsaufbaus zu bringen und so den Boden für den Bund der Arbeiter und Bauern auch auf diesem Gebiet ebnen.

Obgleich unter den gegenwärtigen internationalen Verhältnissen die Einteilung des Programms der kommunistischen Parteien in ein Maximal- und ein Minimalprogramm nur eine bedingte Bedeutung hat, muß man doch für die nächste Zeit gerade für die Länder des Fernen Ostens diese Einteilung gelten lassen, soweit die nächste Etappe der Entwicklung in diesen Ländern der demokratische Umsturz und die selbständige — politische und ökonomische — Klassenorganisation des Proletariats ist.

Gruß des Kongresses an den Vorsitzenden des Allrussischen Zentralexekutiv-Komitees der Sowjets, Gen. M. I. Kalinin

Das Präsidium des Kongresses der Werktätigen des Fernen Ostens sendet dem höchsten Organ der Gesetzgebung und Verwaltung der ersten Arbeiterrepublik der Welt, der Außerordentlichen Session des Allrussischen Zentralexekutivkomitees, einen brüderlichen Gruß.

Das Präsidium des Kongresses und die Werktätigen der Länder des Fernen Ostens wissen, welch dornigen Pfad die russischen Arbeiter und Bauern gegangen sind; sie haben sich dennoch das Recht erobert, ihre Geschicke selbst zu lenken und ihren eigenen Staat aufzubauen! Dies Bewußtsein erfüllt die Herzen aller Delegierten des Kongresses, sie werden es in ihre Länder bringen und es dort den Arbeitern und Bauern einimpfen.

Zugleich kann der Kongreß nicht umhin, seine Bewunderung auszudrücken der einzig richtigen, klar vorgezeichneten und durchgeführten Linie der Außenpolitik, die, die Souveränität des Arbeiter- und Bauernstaates wahrend, die Weltimperialisten gezwungen hat, auf Unterhandlungen mit Sowjetrußland einzugehen.

Katayama, Ehrenvorsitzender des Kongresses,

B. Schumjatzki, Sekretär.

Manifest des I. Kongresses der Kommunistischen und revolutionären Organisationen des Fernen Ostens an die Völker des Fernen Ostens

Werktätige des Fernen Ostens!

Arbeiter und Bauern Chinas, Koreas, Japans, der Mongolei, der Inseln des Stillen Ozeans, Indochinas!

Geknechtete Völker der Länder des Fernen Ostens!

Schon viele Jahrzehnte lang leidet Ihr unter der rohen Willkür und Plünderung der europäischen, amerikanischen und japanischen Räuber. Ganz Korea, von einem Ende zum anderen, ist von den japanischen Gewalthabern mit Blut überschwemmt worden. Die japanischen, amerikanischen, französischen und englischen Räuber plündern das vierhundertmillionenköpfige China und zerreißen es in Stücke, ihren Wohlstand auf dem Blute und den Tränen des chinesischen Volkes errichtend. Sie halten die Vertreter der unterdrückten Nationen nicht für Menschen. Sie brauchen glänzendes Gold, Profite und Reichtum, und um das zu erreichen, schonen sie nicht Hunderte Millionen von Menschenleben. In den ausländischen Vierteln von Peking, Schanghai, Tien-Tsin, Honkong, Seul, Tschemulpo ist den Chinesen und Koreanern gleich Hunden der Eintritt in Gärten und öffentliche Gebäude verboten. Die vom fremden Schweiß und Blut fett gewordenen ausländischen Bourgeois fahren hier in Wägelchen, denen Menschen — Rikschas — als Pferde vorgespannt sind, und spornen sie durch Tritte und Stockhiebe an. Für diese Parasiten arbeitet bis zur tödlichen Erschöpfung der eingeschüchterteste und unterdrückteste Sklave der Welt — der chinesische Kuli. Der chinesische Bauer krümmt seinen Rücken 16—18 Stunden täglich zu unerträglicher Arbeit, doch das Produkt seiner Arbeit kommt nur den ausländischen Wucherern und Blutsaugern zugute und ihren käuflichen Lakaien. Der arme Koreaner hat kein Land, um sein Brot zu erzeugen. Der Boden ist in den Händen der japanischen Pflanzer, der Grundherrn und Kapitalisten, die mit Bajonetten und durch Erschießen die Widerspenstigen zur Arbeit treiben. Jedes Wort des Protestes, jeder Seufzer der Verzweiflung wird erstickt durch das Geknatter der Massenerschießungen auf den Philippinen, in Formosa, in Indochina und auf den Inseln von Holländisch-Indien, ebenso wie im benachbarten Britisch-Indien, das schon lange zum furchtbaren Kerker für das dreihundertmillionenköpfige Volk geworden ist. Millionen von Arbeiterleben sind auf den Reis-, Kaffee-, Baumwollen- und anderen Pflanzungen durch die grausame Ausbeutung vernichtet worden.

Die Mongolei hat sich erst gestern aus dem japanisch-weißgardistischen Schraubstock befreit.

In Japan, wo die herrschenden Klassen den Ruf der Henker des Fernen Ostens erworben haben, fristen die Arbeiter in den Fabriken und die Bauern — die Halbtagelöhner — auf dem gepachteten Boden ein wahrhaft tierisches Leben. Ueberall und allenthalben hört man das dumpfe Stöhnen von Hunderten und Aberhunderten Millionen geknechteter Menschen. Die Gewalthaber wollen nichts hören von der Freiheit und Unabhängigkeit der unterdrückten Nationen, von ihren Menschenrechten.

Erst kürzlich haben sie sich unter dem Dache der amerikanischen Börse in Washington versammelt, um sich untereinander über die fernere Plünderung der Länder des Fernen Ostens zu einigen. Dort haben sie ihren Bund der vier Blutsauger geschlossen, dort haben sie Korea, den russischen Fernen Osten und die Mandschurei zur Ausplünderung an Japan übergeben. Sie haben das Prinzip der gleichberechtigten Plünderung Chinas angenommen und dem amerikanischen Kapital die führende Rolle in dieser schändlichen Sache überlassen. Das Konsortium, das von Amerika 1918 geplant war, sollte die gesamte chinesische Bauernschaft zu tributpflichtigen Leibeigenen des amerikanischen Kapitals machen. Die chinesischen Bauern sollten den amerikanischen Bankiers eine ungeheure Steuer zahlen. Die chinesische Industrie sollte zum Anhängsel der amerikanischen werden. 1918 mißlang dieser Versuch infolge der Meinungsverschiedenheiten unter den Eroberern und dank dem einmütigen Protest der Volksmassen Chinas. Jetzt wollen diese Räuber ein neues Konsortium bilden, d. h. eine internationale Firma zur militärischen, finanziellen und industriellen Plünderung Chinas. Japan, Amerika, England und Frankreich haben auf kurze Zeit den schon drohenden Krieg um die Herrschaft über den Stillen Ozean aufgeschoben. Sie haben ihn aufgeschoben, aber nicht aufgehoben. Sie haben ihn vertagt, um noch einige Zeit zusammen zu rauben.

Der Weltkrieg von 1914—18 hat die Kräfte der Welträuber untergraben. In Europa, dem Ort ihres blutigen Verbrechens, packt die Arbeiterrevolution sie an der Gurgel. Vier Jahre haben sie gegen Sowjetrußland, dieses gelobte Land aller Unterdrückten und Ausgebeuteten, gekämpft. Jetzt sind sie jedoch gezwungen, offen seine Kraft anzuerkennen, ihre Machtlosigkeit, die Sowjets zu besiegen, einzugestehen. Im Fernen Osten hoffen sie ihre ins Schwanken geratene Macht wiederherzustellen. Auf unsere Kosten, um den Preis unseres Lebens, unseres Blutes, unserer Mühe.

Neue Ketten, neue Schrecken, neue, noch entsetzlichere Sklaverei bringen sie uns geknechteten und doch noch immer geduldig demütigen Völkern des Fernen Ostens.

Das darf nicht sein, und das wird nicht geschehen! Wir wollen selbst die Herren unseres Schicksals werden und aufhören, ein Spielzeug in den Händen der Imperialisten zu sein, die miteinander in Habgier konkurrieren.

Die Kommunistische Internationale hat die große Parole gegeben:

Proletarier aller Länder und unterdrückte Völker der ganzen Welt vereinigt Euch!

Wir wollen sie in unsere zerstörten Dörfer, in die Pflanzungen der Sklavenhalter, in die Fabriken, in die Schulen, in die Kasernen tragen.

Wir haben uns in Moskau versammelt und dann in Petrograd, den roten Hauptstädten der Sowjetrepublik, um von dieser Welttribüne aus unsere Stimme gegen die Welthenker, gegen den Washingtoner Bund der vier Blutsauger zu erheben.

Wir, die Vertreter der unterdrückten Massen des viermillionenköpfigen China, Vertreter der revolutionär-nationalen Organisationen der Arbeiter, Bauern und werktätigen Intellektuellen, der republikanischen Partei „Go-Min-Dan“, des südlichen China, der revolutionären Organisationen der Provinzen: Schantung, Hunan, Anwhei, Kanton, Tsche-kiang, der Städte Han-Kou, Schanghai, Ga-Yuan, Han-Dsak, Tien-Tsin, Tschang-Scha, des national-revolutionären Vereins „Jung-China“, der Gewerkschaftsorganisationen, des Verbandes der Eisenbahner, der Kommunistischen Partei Chinas, der patriotischen Frauenliga, der nationalen Presse in Gestalt der „Republikanischen Zeitung“ und der Zeitschrift „Der Bote des Stillen Ozeans und China“.

Wir, die Vertreter der unterdrückten werktätigen Massen des imperialistischen Japan, der Arbeiterorganisation „Radoschi“, des linken Flügels der Gewerkschaftsföderation Japans, des Verbandes der Druckereiarbeiter in Tokio, Osaka und Kiu-schiu, der Föderation der Grubenarbeiter Kei-Sju-Kai, der Arbeiterpartei Japans, der Kommunistischen Partei Japans;

Wir, die Vertreter des unterdrückten Korea, das unter dem Joch des japanischen Imperialismus stöhnt, des Großen Arbeiter-Verbandes Koreas „Keng-San-Do“, der gewerkschaftlichen Vereinigung der Arbeiter der Provinz Shi-Do, der Kommunistischen Partei Koreas, des kommunistischen Jugendverbandes Koreas, der revolutionär-patriotischen Liga koreanischer Christen „To-Kung-Go“, der koreanischen revolutionären Truppen, der Organisation der „Wiederherstellung Koreas“, des Vereinigten Verbandes der koreanischen Jugendorganisationen, des Jugendverbandes „Jung-Korea“, des Verbandes der koreanischen Studenten in China, des Klubs der koreanischen Studenten in Japan, des Zentralverbandes der koreanischen studierenden Jugend, der Redaktion der Zeitung „Selbständigkeit Koreas“;

Wir, die Vertreter der befreiten Mongolei der revolutionären Volkspartei der Mongolei und des revolutionären Jugendverbandes der Mongolei;

Wir endlich, die Vertreter der Werktätigen Holländisch-Indiens, die vom amerikanischen, englischen und holländischen Imperialismus unterdrückt werden, des linken Flügels der Organisation „Sarikat-Islam“, der roten Gewerkschaftsföderation Holländisch-Indiens, der Kommunistischen Partei Holländisch-Indiens:

Wir fordern Gleichheit, Freiheit und Unabhängigkeit!

Wir fordern auf zum heiligen Kampf, wir rufen auf den rechten Weg alle diejenigen, die nicht ihr Volk verraten haben, denen die Lebensinteressen der unterdrückten Menschen teuer sind, die selbst Sklaven sind, aber nicht mehr Sklaven bleiben wollen.

Wir wissen, daß wir die Freiheit nicht aus den Händen unserer Henker zu erwarten haben.

Wir wissen, daß der Kampf um die Befreiung schwer und mühevoll sein wird.

Aber wir wollen leben und das mit Gewalt nehmen, was uns von Rechts wegen gehört. Wir sind die Mehrheit, unser sind Hunderte von Millionen, unsere Kraft ist in der Einigkeit.

Wir erklären Krieg auf Leben und Tod den japanischen, amerikanischen, englischen, französischen und allen anderen Welträubern. Wir erklären Krieg auf Leben und Tod den käuflichen Nachbetern und Lakaien unserer Unterjocher in China. Wir erklären Krieg auf Leben und Tod dem heuchlerischen amerikanischen Imperialismus und den habgierigen britischen Räubern.

Hinaus aus China und Korea, aus Indochina und Holländisch-Indien! Weg von den Inseln des Stillen Ozeans! Nieder mit allen Eindringlingen im Fernen Osten!

Die Arbeiterklasse Japans reicht den Werktätigen Chinas und Koreas brüderlich die Hand. Das Schwert des japanischen Imperialismus wird von den Händen des japanischen Proletariats zerbrochen werden.

Von nun ab schließen wir einen unlösbaren Bund der Werktätigen des Fernen Ostens unter dem Banner der Kommunistischen Internationale.

Wir werden die Befreiung erzwingen. Wir werden die Gewalthaber stürzen und eine gerechte Ordnung der Werktätigen errichten; wir werden die Schmarotzer verjagen und unsere Leute aus den Reihen der Arbeiter und Bauern an die Macht stellen.

Organisiert Euch! Tretet in unsere Kampfesreihen! Gründet Arbeiter- und Bauernverbände zum Kampf gegen das Kapital und den Imperialismus! Bereitet Euch vor zum Kampf!

Nieder mit den Washingtoner Verschwörern! Nieder mit dem Bund der vier Blutsauger!

Es lebe der Bund der Werktätigen des Fernen Ostens! Es lebe die Kommunistische Internationale!