Friedrich Engels an seine Schwester Marie in Barmen, Bremen 1839, 12. Februar (Engels schreibt „12 Mz.“, nach der Ausgabe wohl irrtümlich für Februar; die englische Ausgabe der Werke datiert 12. März). Nach: Marx/Engels, Gesamtausgabe (MEGA¹), Abt. I, Bd. 2, Berlin 1930, S. 580. Traducción al español

B., 12 Mz. 1839.
Liebe Marie!

(Fortsetzung von H[ermanns] Brief). In diesem Stadtboten kommt lauter Unsinn, und nun mache ich auf dem Kontor Gedichte, die ihn zum Spott immer recht loben, lauter konfuses Zeug, und das schicke ich ihm hin unter dem Namen Th. Hildebrandt, und er druckt das dann ganz treuherzig ab. Jetzt hab ich eins im Pult liegen, das soll er hinhaben, das heißt:

Bücherweisheit.

Der ist nicht weise, der aus allen Schriften
Sich einen Schwall von Worten zugelegt,
Der wird auch nie des Daseins Schleier lüften,
Ob er auch schwer an Wissenschaften trägt.
Es wird das Gras der nimmer wachsen hören,
Der die Botanik aus dem Grunde kennt,
Und der wird keinem gut zu leben lehren,
Der alle Sätze der Moral Euch nennt.
Nein! in des Menschen Busen liegt verborgen
Der Keim, der ihm die Kunst zu leben zeigt,
Ob er studiert vom Abend bis zum Morgen,
Er lernt’s nicht, wie die Leidenschaft er beugt,
Des Herzens Stimme, diese muß er hören,
Und der geht unter, der sie hat verkannt,
Von ihren Worten all, den inhaltschweren,
Das inhaltschwerste heißt Menschenverstand.

So geht es immer in einem fort, alles Spott. Gewöhnlich, wenn ich nicht recht weiß, was ich ihm schicken soll, nehme ich den Boten in die Hand und stoppele da ein wenig draus zusammen. Neulich setzte ich Karl Leupold an meinen Pult und diktierte ihm einen groben Brief an den Boten, welchen er gekriegt und mit ungeheuer dummen Randglossen abgedruckt. Aber ich muß jetzt ausgehen, deshalb verharre ich

Dein Dich liebender Bruder
Friedrich.