Friedrich Engels an seine Schwester Marie in Barmen, Bremen 1839 September 28. Nach: Marx/Engels, Gesamtausgabe (MEGA¹), Abt. I, Bd. 2, Berlin 1930, S. 588-589. Traducción al español
Br., 28. Sept. 1839.
Liebe Marie!
Es war hoch an der Zeit, daß Ew. Gnaden mir einmal schrieben, es hat lang genug gedauert, Mamsell! Doch ich will Dir Deine schweren Verbrechen vergeben und Dir was erzählen. Morgen werden es vierzehn Tage, da ritten wir nach Delmenhorst. Dieses ist ein oldenburgisches Landstädtchen mit einem Tiergarten, der so heißt, weil die Bremer und Oldenburger immer hineingehen, und als wir dagewesen waren, ritten wir wieder um — und kamen nach Hause, denkst Du? Jawohl, aber nach manchen Abenteuern. Erst saß ich den halben Weg im Kabriolett, und als wir an die Stelle kamen, wo ich mein Pferd wiederhaben sollte, waren die Ritter noch nicht da, und wir mußten einkehren, schlechtes Bier trinken und schlechte Zigarren rauchen. Endlich kamen die Ritter an, da war es acht Uhr und stockdunkel. Als ich mein Pferd gefunden hatte, ritten wir weiter, bezahlten Torsperre und ritten durch die Neustadt. Da kamen acht Trommelschläger, die den Zapfenstreich schlugen, um die Ecke in einer Reihe grade auf uns los geschwenkt, und die Pferde sprangen kreuz und quer durcheinander, die Tambours schlugen immer stärker, die edelmütige Bremer Straßenjugend schrie, so daß wir bald voneinander kamen. R. Roth und ich fanden uns am ersten wieder zusammen und ritten fort, zum andern Ende der Stadt heraus, wo wir wieder Sperre bezahlen mußten; denn der Pferdephilister wohnt vor dem Tor. Bei diesem trafen wir die Andern an, denen die Pferde durchgegangen waren; wir marschierten nun nach Hause und mußten zum drittenmal Torsperre bezahlen. Ist das nicht eine interessante Geschichte? Das wirst Du nicht leugnen können, am wenigsten, wenn Du erfährst, daß ich darauf, nachdem es zum Zuhauseessen zu spät war, in die Union ging, Beefsteak mit Eiern aß und ein sehr unterhaltendes Gespräch anhörte, welches in meiner Nähe geführt wurde und von jungen Hunden und toten Katzen handelte. Indeed, very interesting! very amusing! Ich bin jetzt nämlich in der Union, welche dasselbe ist, was in Barmen die Concordia oder Verbesserungsanstalt bedeutet. Das Beste, was da ist, sind die vielen Zeitungen, holländische, englische, amerikanische, französische, deutsche, türkische und japanische. Bei der Gelegenheit hab’ ich Türkisch und Japanisch gelernt und verstehe somit fünfundzwanzig Sprachen. Dies ist wieder höchst interessant zu wissen für eine junge Dame, welche nach Mannheim in Pension will. Auch war der Jacob Schmitt hier, er wird nächste Woche wiederkommen und mit mir in den Weinkeller gehen. Dieser ist unleugbar das beste Institut in Bremen. Auch haben wir wieder ein Theater, ich bin aber noch nicht dagewesen.
Farewell, my dear, yours for ever
Friedrich.