Karl Marx an Ferdinand Freiligrath in Köln, London, 5. September [1849]. Text nach: Franz Mehring, Freiligrath und Marx in ihrem Briefwechsel (Ergänzungshefte zur Neuen Zeit, Nr. 12, Stuttgart 1912, S. 10), der den Brief «wörtlich» wiedergibt. Übersetzung ins Spanische

London, 5. September.

Lieber Freiligrath!

(Adresse Karl Blind, 18 Robertsstreet, Petersons Coffeehouse, Grosvenorsquare; den Brief an mich kuvertiert dadrin.)

Ich kann Dir nur einige Zeilen schreiben, da ich seit vier bis fünf Tagen eine Art von Cholerine habe und unbeschreiblich matt bin.

Meine Frau hat mir geschrieben, ich solle Dir den Empfang Deines Briefes mit den einliegenden 100 Franken anzeigen. Denke Dir die Gemeinheit der Pariser Polizei: man hat meine Frau selbst belästigt, und mit Schwierigkeit ist es ihr gelungen, bis zum 15. September in Paris bleiben zu dürfen, bis zu welchem Termin wir daselbst unsere Wohnung gemietet hatten. Ich bin nun wirklich in einer schwierigen Lage. Meine Frau ist hochschwanger, den 15. muß sie von Paris fort, und ich weiß nicht, wie ich die zu ihrer Abreise und zur hiesigen Ansiedlung nötigen Gelder auftreiben soll. Andererseits hab' ich alle Aussicht, hier eine monatliche Revue zustande zu bringen, aber die Zeit preßt mich, und die ersten Wochen bilden die wahre Schwierigkeit.

Lassalle scheint durch meinen Brief an Dich und einen anderen an ihn beleidigt zu sein. Ich war sicher durchaus von dieser Absicht entfernt und würde ihm schon geschrieben haben, wenn mein jetziger Zustand mir das Briefschreiben nicht zu einer wahren Last machte.

Sobald ich wieder einigermaßen auf dem Strumpf bin, schreib' ich Dir ausführlicher über Politica. Ich hoffe bald auf einige Zeilen von Dir. Grüße Deine Frau, Daniels usw. bestens von mir.

Dein K. Marx.