Karl Marx an Joseph Weydemeyer in der Schweiz, London, 2. August 1851. Bruchstück: Franz Mehring zitierte den Brief auszugsweise in „Neue Beiträge zur Biographie von Karl Marx und Friedrich Engels“, Die Neue Zeit, 25. Jg., 2. Bd. (Stuttgart 1907), S. 57; hier ohne Mehrings Zwischenbemerkungen. Mehring gibt den Brief von der Anrede bis zur Unterschrift wieder, mit einer durch Punkte bezeichneten Auslassung, hier […]. Der Brief ist aus der Deanstreet 28 datiert. Übersetzung ins Spanische

Lieber Weydemeyer!

Soeben erhalte ich Deinen Brief von Engels und beeile mich, Dir zu antworten. Ich hätte natürlich sehr gewünscht — wenn es unmöglich war, Dich hier zu halten —, Dich wenigstens noch vor Deiner Abreise zu sehen und zu sprechen.

Wenn Du aber einmal nach Amerika gehst, kannst Du es in keinem Moment tun, der gelegener wäre, sowohl dort Existenzquellen zu finden, als unserer Partei nützlich zu sein. Es ist nämlich fast so gut wie sicher, daß Du bei der New Yorker Staatszeitung eine Stelle als Redakteur finden wirst. Sie war früher Lupus angetragen. Er legt Dir hier einen Brief an Reichhelm bei, der Mitbesitzer des Blattes ist. So viel über das Industrielle. Du darfst aber keine Zeit verlieren.

Andererseits: Herr Heinzen, mit dem würdigen Ruge, stößt in der New Yorker „Schnellpost“ allwöchentlich in die Posaune gegen die Kommunisten, speziell mich, Engels usw. Heinzen haßt die Staatszeitung, und sie ist selbst diesem Gegner nicht gewachsen. Wie auch die amerikanische Politik der Staatszeitung sei, in der europäischen wirst Du la voix libre haben. Heinzen brüstet sich dort überall als großer Schriftsteller. Die amerikanische Presse wird sich freuen, wenn jemand hinüberkommt, der diesen großmäuligen Polterer auf die Finger klopft. Wir werden, wenn Du Redakteur wirst, Dir für Dein Departement jede Unterstützung gewähren.

Du kannst Dir denken, daß meine Lage sehr trüb ist. Meine Frau geht unter, wenn es lange so fortdauert. Die beständigen Sorgen, der allerkleinlichste bürgerliche Kampf reiben sie auf. Und dazu noch die Infamien meiner Gegner, die noch nie auch nur versucht haben, mich sachlich anzugreifen, und sich für ihre Ohnmacht dadurch zu rächen suchen, daß sie mich bürgerlich verdächtigen und die unsagbarsten Infamien über mich verbreiten. […] Natürlich, ich würde lachen über den ganzen Dreck; ich lasse mich dadurch auch keinen Augenblick in meiner Arbeit stören, aber Du begreifst, daß meine Frau, die leidend ist und in dem unerfreulichsten bürgerlichen Elend vom Morgen bis zum Abend sitzt und deren Nervensystem angegriffen ist, nicht dadurch erfrischt wird, daß jeden Tag dumme Zwischenträger ihr die Ausdünstungen der demokratischen Pestkloaken zuführen. Die Taktlosigkeit einzelner Leute ist darin oft kolossal.

Wenn Du in New York bist, so gehe zu A. Dana von der New York Tribune und grüße ihn von mir und Freiligrath. Vielleicht kann er Dir nützlich sein. Sobald Du ankommst, schreibe mir gleich, aber immer unter der Adresse von Engels, da dieser am besten von uns das Porto tragen kann. Kannst Du in New York bleiben, so bist Du nicht weit von Europa fort, und bei der gänzlichen Unterdrückung der Presse in Deutschland kann man nur dort einen Preßkampf führen.

Dein K. Marx.