Brief von Friedrich Engels an Karl Marx in London, Manchester, [um den 21. April 1854]. Text nach MEGA¹ III/2, Berlin 1930, Nr. 303, S. 20–21, ohne den Apparat der Herausgeber. Traducción al español.
Lieber Marx,
Eben habe ich hier Monsieur Schimmelpfennigs Broschüre gekauft — willst Du eine Kritik darüber für die Tribune, so schreibe bald. Am Montag kommt der Donauübergang-Artikel, falls sonst nichts Wichtigeres vorfällt.
Hältst Du Blind für kapabel, mir bei der Daily News einen Streich zu spielen? Der Kerl ist, wenn ich nicht irre, mit dem Blatt in Verbindung. Monsieur Herzens Blödsinn heute in demselben Blatt beweist ebenfalls Konnexionen. Ist noch irgend ein deutscher Offizier in London, der mit dem Blatt mogeln könnte?
Ich werde, eh ich an ein andres Blatt gehe, mir doch einiges Material kommen lassen. Das verzögert die Sache um drei Wochen. N’importe, hab ich guten Stoff, so ist die Chance besser, und schließlich bleibt uns das Material doch für die Tribune.
Wenn ich nicht so verdammt in der Geldklemme stäk, würd’ ich Dich einladen, herüberzukommen. Aber vorderhand geht's nicht, auch muß ich erst wieder private lodgings nehmen. Ich hatte vor, wenn mit der D[aily] N[ews] anzubinden wär’, Pfingsten nach London zu kommen, aber jetzt würde die Reise wenig Zweck haben. N’importe, vielleicht komm ich doch.
Ich bin durch den Krieg, die vielen militärischen Bücher zum Durchochsen, die diversen Saufereien usw. in der letzten Zeit auf dem Comptoir sehr zurückgekommen und habe dabei, eben weil ich immer andre Geschichten im Kopf hatte, eine Masse Schnitzer gemacht, die alle in refüsierter Ware und andern Fatalitäten endigen. Aus guten Gründen muß ich also jetzt, wo in drei Monaten mein Alter kommt, dies nachholen; dabei ist die Korrespondenz mit ihm höchst liederlich geführt worden und er hat sogar Sachen noch nicht, die er schon vor sechs Monaten haben sollte. Das alles muß jetzt nachgeholt werden und macht mir viele Mühe. Indes wenn ich erst wieder vierzehn Tage im Comptoir geochst habe, denk ich damit auch durch zu sein.
Schick die Zeitungsausschnitte, Cluß’ Brief ist ohne sie nicht zu verstehn.
Bangya wird dort in Erserum den Russen schöne Rapporte schicken. Ich wollte, die Preußen machten jetzt endlich voran und erklärten England den Krieg. Da wär’ die Schmiere im Gang, und mein Alter käme nicht herüber. Ich hab ihn schauderhaft vernachlässigt, und der Geldpunkt gibt jedenfalls Anlaß zu Krakeel.
Inliegend der Abklatsch des D[aily]-N[ews]-Artikels, schick ihn mir bald zurück. Daß ich diesen Abklatsch habe, ist mir sehr lieb, die Kerle können jetzt nicht renommieren.
Apropos! Ist in London der „Bericht über die Kriegsoperationen der russischen Truppen gegen die ungarischen Rebellen 1849“ (1851 gedruckt) vorrätig bei irgendeinem Kerl? Das Buch hab ich bestellt, krieg’s aber nicht unter drei Wochen. Hab ich das, so kann ich gleich mit der Times anbinden. Es kostet 1½ Taler, also kein großer Verlust, es doppelt anzuschaffen.
Dein F. E.