Brief von Karl Marx an Friedrich Engels in Manchester, London, 27. Juli 1854. Text nach MEGA¹ III/2, Berlin 1930, Nr. 323, S. 45–49, ohne den Apparat der Herausgeber. Traducción al español.

27 July 1854. 28, Deanstreet, Soho.

Lieber Engels,

Für Dienstag je vous attends. Die Renommagen of Mr. Herbert waren groß. Dieser Herbert ist der Schwager von Woronzoff und zugleich englischer secretary of war. Die Renommisterei der Engländer, als wenn Nasmyth und Butler Silistria „allein“ gehalten, ist grotesk. Hast Du die Sitzung von Montag abend gelesen, worin Disraeli den „Sebastopol“ bubble des little John und der „Times“ so schön aufgepickt mit einem Nadelstich?

Pieper, der während zwei Wochen mit einer Hure, die er für einen bijou erklärte, zusammengelebt, gleich einem durch Milch durchgezognen und half-starved Spanferkel aussieht, ist — hélas — wieder mir auf dem Hals, nachdem er etwa 20 £ St. in vierzehn Tagen durchgejubelt und nun in beiden Beuteln gleich leer ist. In dieser Hitze ist es lästig, einen Kerl bei sich zu haben du matin jusqu’au soir et du soir jusqu’au matin. Dabei stört es im Arbeiten.

Von Vater Tucker erhielt ich Sonnabend folgende Zeilen: „Dear Sir! — There is a pretty brisk demand for the Flysheets just now. Could you send me some articles from the Tribune that could suit the taste of the public? The third on Palmerston would move the other two. Faithfully Yours E. Tucker.“ Daneben habe ich auch von Freiligrath gehört, daß Schuft Trübner unter seinem Verlag diese Fly-sheets anzeigt. Du wirst bemerken, daß er „articles from the Tribune“ verlangt, um again den Geldpunkt zu umgehn. Nun ist 1. keine Kopie der Tribune für ihn in ganz London aufzutreiben, da nur die Abonnenten sie erhalten und man sogar in New York selbst kein Exemplar nachbestellen kann; 2. paßt keiner der Artikel — ohne bedeutende Zusätze — jetzt. Ich muß nun mit dem Kerl ins klare kommen, und das „gemütliche“ Verhältnis muß aufhören. Wenn er darauf eingeht und Du andrerseits damit zufrieden bist, so würde ich folgende Vorschläge machen:

  1. Aus der Tribune will ich ihm zum Abdruck geben die Kritik der Secret Correspondence. Dazu müßte Dronke mir den zweiten Artikel darüber, den die Post hier unterschlagen hat, mir zuschicken. Dies gratis. 2. und 3. gegen bare Zahlung, und zwar bei Ablieferung des Manuskriptes, nämlich

  2. ein general Pamphlet über Palmerston, worin ich mit meiner Einleitung in der Tribune anfange, aber dann Mitte und Schluß neu mache.

  3. Ein Pamphlet, was ich mit Dir zusammen machen müßte, nämlich über die diplomacy und military action der Engländer seit der Kriegserklärung. Wir haben für beides als Material die in der Tribune erschienenen Artikel. Wenn Du mit 3 einverstanden, so wäre die Frage:

Wieviel wird verlangt?

Es scheint doch, daß meine Sachen besser ziehn als die von Urquhart, der „froh“ ist, wenn Tucker seine Scheiße aus dem Advertiser in die Fly-sheets aufnimmt.

Stimmst Du mit der ganzen Geschichte überein — (Nr. 2 und 3 müßten natürlich so pikant geschrieben werden, to produce a real sensation in London; zudem steht man jetzt so mit Tucker, daß man schreiben kann, was man will, ohne ängstliche Rücksichtnahme auf english prejudices), so schreib mir einen Brief, worin ich Herrn Tucker diese Eröffnungen mache. Ich habe ihm, da ich zu unbeholfen in Geschäftlichem, absichtlich weder mündlich noch schriftlich bisher geantwortet. Aber Zeit ist nicht zu verlieren.

Ein Buch, was mich sehr interessiert hat, ist Thierrys „Histoire de la formation et du progrès du tiers-état. 1853.“ Sonderbar, wie dieser Herr, le père des „Klassenkampfes“ in der französischen Geschichtschreibung, sich in der Vorrede über die „Neuen“ erzürnt, die nun auch einen antagonism zwischen bourgeoisie und Proletariat sehn und Spuren dieses Gegensatzes selbst schon in der Geschichte des tiers-état bis 1789 entdecken wollen. Er gibt sich viele Mühe zu beweisen, daß der tiers-état alle Stände, die nicht noblesse und clergé, umschließt, und die bourgeoisie ihre Rolle spielt als Repräsentant aller dieser andern Elemente. Zitiert z. B. aus den venezianischen Gesandtschaftsberichten: „Questi che si chiamano li stati del regno sono di tre ordini di persone, cioè del clero, della nobiltà, e del restante di quelle persone che, per voce comune, si può chiamare populo.“ Hätte Herr Thierry unsre Sachen gelesen, so wüßte er, daß der entschiedne Gegensatz der Bourgeoisie gegen den peuple natürlich erst anfängt, sobald sie aufhört als tiers-état dem clergé und der noblesse gegenüberzustehn. Was aber die „racines dans l’histoire“ angeht, „d’un antagonisme né d’hier“, so liefert sein Buch den besten Beweis, daß diese „racines“ entstanden sind, sobald der tiers-état entsteht. Aus dem „Senatus populusque Romanus“ müßte dieser sonst geistreiche Kritiker in seiner Art schließen, daß es in Rom nie einen andern Gegensatz gab als den zwischen senatus und populus. Was mich interessiert hat, aus den von ihm quotierten Dokumenten zu sehn, ist, daß das Wort „catalla, capitalia“, Kapital, aufkömmt mit dem Aufkommen der Kommunen. Übrigens hat er wider Willen bewiesen, daß die französische Bourgeoisie durch nichts mehr in ihrem Siege aufgehalten worden ist, als daß sie sich erst 1789 entschloß, common cause mit den Bauern zu machen. Hübsch dargestellt, wenn auch nicht zusammengefaßt: 1. wie von vornherein, wenigstens seit Heraufgekommensein der Städte, die französische Bourgeoisie zu sehr dadurch Einfluß gewinnt, daß sie sich als Parlament, Bureaukratie etc. konstituiert, und nicht wie in England durch bloßen commerce und industrie. Dies sicher selbst für das jetzige Frankreich noch charakteristisch. 2. Aus seiner Darstellung schön nachzuweisen, wie die Klasse aufkömmt, indem die verschiednen Formen, in denen sie zu verschiednen Zeiten ihren Schwerpunkt liegen hat, und die verschiednen Fraktionen, die durch diese Formen Einfluß gewinnen, kaputtgehn. Diese Folge von Metamorphosen, bis es zur Herrschaft der Klasse kömmt, nach meiner Ansicht nirgends — wenigstens dem Stoff nach — so dargestellt. Leider hat er sich in bezug auf die maîtrises, jurandes etc., kurz die Formen, in denen sich die industrielle Bourgeoisie entwickelt, fast nur auf allgemeine und allgemein bekannte Phrasen beschränkt, obgleich er allein das Material auch hier kennt. Was er gut entwickelt und betont, ist der konspiratorische und revolutionäre Charakter der Munizipalbewegung im zwölften Jahrhundert. Die deutschen Kaiser, z. B. Friedrich I. und II. erließen Edikte gegen diese „communiones“, „conspirationes“, „conjurationes“, ganz im Geist des deutschen Bundestags. Z.B. Friedrich II. nimmt sich heraus, 1226 alle „consulats“ und andre freie Munizipalverfassungen in den Städten der Provence für null und nichtig zu erklären: „Parvenit nuper ad notitiam nostram quod quarundam civitatum, villarum et aliorum locorum universitates ex proprio motu constituerunt juridictiones, potestates (Potestad), consulatus, regimina et alia quaedam statuta ... et cum jam apud quasdam . . . in abusum et pravam consuetudinem inoleverunt . . . nos ex imperiali auctoritate tam juridictiones etc. atque concessiones super his, per comites Provinciae et Forcalquerii ab eis obtentas, ex certa scientia revocamus et inania esse censemus.“

Ferner: „Conventiculas quoquo omnes et conjurationes in civitatibus et extra . . . inter civitatem et civitatem et inter personam et personam seu inter civitatem et personam, omnibus modis fieri prohibemus.“ (Constitutio pacis Frederici I.)

„Quod nulla civitas, nullum oppidum, communiones, constitutiones, colligationes, confederationes vel conjurationes aliquas, quocumque nomine censeantur, facere possent; et quod nos, sine domini sui assensu, civitatibus seu oppidis in regno nostro constitutis auctoritatem faciendi communiones, constitutiones . .. conjurationes aliquas, quaecumque nomina imponantur eisdem, non poteramus nec debebamus impertiri.“ (Henrici regis sententia contra communiones civitatum.)

Ist das nicht vollständig derselbe deutsche raide Professorenstil, der später von der „Bundeszentralkommission“ aus wütete? Die „commune jurée“ drang in Deutschland nicht weiter vor als bis Trier, und da machte ihr Kaiser Friedrich I., 1161, ein Ende: „Communio quaeque civium Trevirensium, quae et conjuratio dicitur, quam nos in civitate destruximus . . . quae et postea, sicut audivimus, reiterata est, cassetur et in irritum revocetur.“

Diese Politik der deutschen Kaiser von den französischen rois benutzt, um die „conjurationes“ und „communiones“ in Lothringen, Elsaß, Dauphiné, Franche-Comté, Lyonnais etc. zu unterstützen im geheimen und dem Deutschen Reich abwendig zu machen: „Sicut ad culminis nostri pervenit notitiam, rex Franciae .. . sinceritatem fidei vostrae molitur corrumpere.“ (Rodolphus I., epistula ad cives von Besançon.) Ganz wie die Kerls durch dieselbe Politik die italienischen Städte guelfisch machten.

Oft ist es komisch, wie das Wort „communio“ ganz in derselben Weise angeschimpft wird wie der Kommunismus heutzutag. So schreibt z. B. der Pfaffe Guilbert von Noyon: „Communio novum ac pessimum nomen.“

Die Spießbürger im zwölften Jahrhundert haben oft etwas Pathetisches in der Art, wie sie die Bauern einladen, in die Städte, die communio jurata, zu fliehn. So z. B. in der Charte von St. Quentin:

„Eux (die Bürger von St. Quentin) jurèrent ensement chescun quemune ayde à son juré et quemun conseil et quemune detenanche et quemune deffense. Ensements nous avons establi que quiconque en notre quemune entrera et ayde du sien nous donra, soit pour cause de fuite ou de paour des anemis ou de autre forfait .... en le quemune entrer porra, car la porte est ouverte à tous; et se son seigneur à tort ses choses aura détenu, et ne le voudra détenir à droit, nous en exécuterons justice.“

Dein K. Marx.