Brief von Friedrich Engels an Karl Marx in London, [Manchester, um den 22. Januar 1857]; Ort und Datum stehen nicht im Brief, das Datum ist von den Herausgebern erschlossen. Text nach MEGA¹ III/2, Berlin 1930, Nr. 408, S. 165–166, ohne den Apparat der Herausgeber. Traducción al español.
Lieber Marx,
Dein Brief traf mich wie ein Donnerschlag aus heiterem Himmel. Ich dachte jetzt endlich alles im schönsten Zuge, Dich in einer ordentlichen Wohnung und das business geregelt; und jetzt stellt sich heraus, daß alles in Frage steht. Diese Yankees sind doch verdammt lausige Kerle, die Tribuneleute scheinen zu glauben, daß sie Dich wie eine Zitrone ausgepreßt hätten und nun eine andre zum Auspressen vornehmen müßten. Die Manier, wie sie zu brechen suchen, ist aber ganz speziell feig und gemein, sie wollen Dich zur Initiative forcieren. Dabei hat man, seitdem das sonderbare Schweigen von Cluß angefangen, auch keinen einzigen zuverlässigen Menschen in ganz Amerika.
Que faire cependant? Da die Tribune diesmal die bestimmte Absicht zum Brechen zeigt, wäre es am besten, glaube ich, mit einem andern New Yorker Blatt anzubinden. Sollte man mit dem Herald oder Times nicht fertig werden? Ich würde an Deiner Stelle sofort Schritte tun und die Kerls an der Tribune zappeln lassen, bis alles arrangiert ist. Gegenüber dieser lumpigen Manier der Kerle hast Du nur Dein eignes Interesse zu befragen, ohne Rücksichten auf sie. Wenn Du glaubst, indirekte Schritte wären besser, so laß mich’s wissen, ich will gern, in meinem Namen, die Unterhandlung führen, so daß Du nicht kompromittiert wirst; ich könnte schreiben, ich hätte Grund zu glauben, daß Du mit den Tribuneleuten nicht mehr so harmoniertest wie früher, und ein Arrangement vielleicht zu treffen wäre usw. Enfin, alles was Du willst, pourvu que quelque chose soit faite.
Ich traue den Kerls von der Tribune zu, daß sie auch bei Putnam gestänkert haben. An P[utnam] würde ich sofort wegen Aufklärung schreiben. Man weiß ja nicht einmal, ob man den Strandfestungsartikel schreiben soll oder nicht. Jedenfalls wäre dran gelegen, auch diese Quelle offen zu halten.
In den ersten Tagen des Februar werde ich Dir £5 schicken und bis auf weiteres kannst Du jeden Monat darauf rechnen. Wenn ich dafür auch mit einem Puckel voll Schulden ins neue Bilanzjahr eintrete, c’est égal. Ich wollte nur, Du hättest mir die Geschichte vierzehn Tage früher geschrieben. Mein Alter hatte mir das Geld für ein Pferd zum Weihnachtsgeschenk zur Verfügung gestellt, und da sich ein gutes fand, hab ich es vorige Woche gekauft. Hätte ich Deine Geschichte gewußt, so hätt’ ich noch ein paar Monate gewartet und die Unterhaltungskosten gespart; indes never mind, das braucht auch nicht gleich bezahlt zu werden. Aber es ist mir höchst ärgerlich, daß ich hier ein Pferd halten soll, während Du in London mit Deiner Familie im Pech sitzest. Übrigens versteht es sich von selbst, daß Du Dich durch die Zusage der £5 monatlich nicht abhalten läßt, auch außerdem in schweren Fällen an mich zu schreiben, denn was irgend möglich ist, das tu ich. Ich muß ohnehin ein andres Leben anfangen, ich hab in der letzten Zeit viel zu viel gebummelt.
Herzliche Grüße an Frau und Kinder und schreib mir bald, was Du zu tun gedenkst und wie’s steht.